Donnerstag, Juni 15, 2006

Wieder über "Europas Niedergang" oder wird Sibirien an Deutschland anwachsen?

Den folgenden Text habe ich in http://www.rosbalt.ru/2006/05/21/253547.html gefunden. Ich finde es ist eine gute Analyse über Europas Krankheiten, auch wenn die Heilungsvorschläge nicht jedermanns Geschmack sein werden.

"Hier in Europa, wo die Staaten in Freiheit und Hoffnung leben, lösen sie die Gegensätze ohne Konflikte und arbeiten zusammen an dem Aufbau des wirtschaftlichen Prosperität und Sicherheit. Demokratische Gemeinschaft Europas garantiert Frieden in Europa"

Diese Worte gehören keinem der Architekten der Europäischen Union. Sie wurden vor kurzem auf der Konferenz der baltischen und Schwarzmeerländer in Vilnus von dem US-Vize-Präsidenten Dick Cheney ausgesprochen. Seine Rede hat in Russland wegen der scharfen Kritik an dem jetzigen politischen Kurs des Landes (Russlands Anm. d Übersetzers) mehrere Repliken hervorgerufen, doch uns, die Autoren dieses Artikels machte genau diese Phrase aufmerksam. Weil wir in keinster Weise den Optimismus von Dick Cheney hinsichtlich der weiteren Prosperität der Europäischen Union teilen.

Europa hat die Passion verloren, wenn man den Spruch von Lew Gumilev anwendet, der oft im politischen und gesellschaftlichen Gebrauch verwendet wird. In Europa ist das Leben viel zu gesättigt und gemächlich, viel zu gemütlich, es gibt viel zu wenig Risiken und Erschütterungen. Dies alles sind unbarmherzige Anzeichen des nahenden Niedergangs der Zivilisation. Das, wie auch die erschreckende demographische Situation, wie die Kultivierung der Minderheitenrechte zum Nachteil der Rechte der Mehrheit, wie die Bereitschaft sich von eigener europäischen Identität loszusagen. Das, wie auch vollkommener Verlust irgendeiner Ideologie in der westeuropäischen Gesellschaft. Überhaupt, das Wort Ideologie erschreckt die Europäer, sie ziehen es vor über die Lebensphilosophie zu reden. Aber den Verlust an sich verneinen sie nicht. Genauso, wie sie anerkennen, dass Europa dringend eine neue Lebensphilosophie braucht, die nicht nur den Wert der Konsumgesellschaft betont, sondern an höhere Ziele Ansprüche stellen würde.

Das obengeschriebene sind keine abstrakten Betrachtungen, sondern Gedanken, die als Ergebnis des Treffens zwischen den jungen russischen und deutschen Politexperten im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes "Wertstatt der Zukunft" von "Rosbalt" und der Körber-Stiftung, eines Teils des "Petersburger Dialoges" , entstanden sind.

Das siebte Treffen fand in der Hauptstadt des größten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfallen Düsseldorf statt. Das Treffen hatte eher ergebnisorientierten Charakter. Am Dialog nahmen Mitarbeiter des Landesministeriums für Generationenentwicklung, Familien, Frauen und Integration teil. Nordrhein-Westfallen ist das erste Bundesland, das solches Ministerium gegründet hat, mit dem Ziel die demographische Situation zu verbessern. Es gibt verschiedene Aufgaben, vor allem aktive Integration der Migranten in deutsche Gesellschaft. Den Vortrag über die "Neue Weichenstellungen in der Integrationspolitik Deutschlands" vor den Teilnehmern der "Werkstatt" hielt der Minister Herr Armin Laschet. An der Diskussion nahmen die Mitarbeiter des Ministeriums teil.

Natürlich ist es kein Geheimnis, dass die große Anzahl der beidseitigen Vorwürfe und Probleme, die in der Beziehung zwischen Russland und Europäischen Union bestehen, nicht zuletzt mit dem Unverständnis der Ansichten und Überzeugungen beider Seiten verbunden sind. Bei dem letzten Treffen der "Werkstatt" war das besonders deutlich zu sehen: so hat Frau Beate Zatori, wissenschaftliche Mitarbeiterin des deutschen Bundestages, nicht den Ökonomen Michail Deljagin verstehen können, der behauptete, dass die Position des Westens bezüglich der Wahlen in Weissrussland durch und durch zwiespältig und verlogen ist, wenn man berücksichtigt, wie der Westen die Wahlen in, sagen wir mal, Irak und Afghanistan positiv bewertet. Russische Teilnehmer konnten sich nicht mit der These einverstanden erklären, dass man die Rechte der Minderheit stärker verteidigen muss, als die Rechte der Mehrheit, sind doch die Rechte der Mehrheit in Russland lange und gründlich stabilisiert.

Aber das Hauptproblem Europas, wie wir meinen, ist nicht das. Unseren Betrachtungen zufolge hat die Europäische Union in Grossen und Ganzen das Ziel der weiteren Entwicklung verloren. Das letzte halbe Jahrhundert war das Hauptziel der Mitgliedsländer der Europäischen Union das Aufhalten des Kommunismus und eine fruchtbare Integration auf dem europäischen Gebiet. Zum Ende des XX Jahrhunderts wurden beide Über-Ziele erfolgreich erreicht. Die Aufnahme der neuen Mitglieder in die Europäische Union und die Verbreitung Richtung Osten hat grundsätzlich nichts ausser neuen Probleme gebracht. Die westeuropäische Gemeinschaft, die von jahrzehntelangem Blühen und hohen sozialen Sicherheiten verwöhnt ist, hat, wie es aussieht, die Fähigkeit zum Überleben eingebüßt. Absolut unklar ist es, wie die Europäer im Rahmen einer grossen sozialen Krise reagieren werden, die, einigen Anzeichen nach nicht weit weg ist, und das bei totalem Altern der Gesellschaft und einem kolossalem Migrantenansturm, viele davon bekommen soziale Unterstützung, das soziale Sicherungssystem Deutschlands bekommt jetzt schon Risse. Keine Angst dies anzuerkennen haben auch die Beamten der sozialen Sicherungssysteme, dabei war noch vor wenigen Jahren das kein Gesprächsthema.

Kamen hier an...

Bis in die letzte Zeit war die Aufgabe der Integration in der BRD nicht als einzeln und lebenswichtig angesehen. Die Deutschen haben lange Zeit sich zu den Migranten wie zu den Gastarbeitern verhalten, die arbeiten, Geld verdienen und wieder in die Heimat zurückkehren werden. Doch in der letzten Zeit konnte man die Augen vor dem Problem "Gastarbeiter" unmöglich verschliessen und die Deutschen wurden gezwungen über die Entwicklung der "Parallelgesellschaft" zu reden. Diese Gesellschaft ist die Gesellschaft der Migranten, die nach eigenen Gesetzen leben, und sich nicht in die deutsche Gesellschaft einleben wollen. Türkische Arbeiter lassen sich in Deutschland nieder, bestellen sich die Frauen aus türkischen Dörfern, die keine Bildung haben und ohne den Wunsch sie zu bekommen und selbstverständlich ohne die Kenntnis der deutschen Sprache. Diese Frauen bekommen Staatsbürgerschaft, obwohl sie keine Bürger der deutschen Gemeinschaft sind. Das ist "Parallelgesellschaft".

Erinnern wir uns, die ersten "Gastarbeiter" erschienen in der BRD im Jahr 1955, das waren italienische Arbeiter. Im Jahr 1961 hat man die ersten Gastarbeiter aus der Türkei eingeführt. "Im Jahre 1964 hat man den millionsten Gastarbeiter in Köln mit einem Orchester begrüßt" - unterstrich die Büroleiterin des Ministers für die Fragen der Generationen, Familien, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfallen Natalia Fedosseenko. Im Jahr 1973 wurde die Arbeitsimmigration wegen einer Krise beendet, zu diesem Zeitpunkt befanden sich 2.6 Mio. Gastarbeiter, die Mehrheit von ihnen ist nicht in die Heimat zurückgekehrt...

Die weiteren Prozesse sind nachvollziehbar. Programme zur Familienzusammenführung, der Umbau in der UdSSR, der die Grenzen für die Migranten aus dem Osten geöffnet hat, so dass in einigen Stadtvierteln der deutschen Städte nicht mehr deutsch gesprochen wird.

Nicht wenige Probleme gibt es auch mit den Spätaussiedlern aus Russland - eigentlich Deutsche. Es wuchs eine ganze Generation der russischen Deutschen heran, die sich an die Sozialhilfe gewöhnt hat und für sich keinen normalen Platz in der deutschen Gesellschaft findet. Diese Leute hat man bei ihrer Ankunft in ausreichend komfortable Umgebung platziert, und das verdirbt sie leider.

Wenn in Russland und in Kasachstan die ansässigen Deutschen als eine Gemeinde gilt, die mit hohem Fleiß und Verantwortungsgefühl ausgestattet ist, so ist in Deutschland die Beziehung zu ihnen etwas anders, ihr Ruf ist sehr geschädigt durch ihre Neigung zur Kriminalität und der Unfähigkeit sich in die "richtige" europäische Gemeinschaft zu integrieren.

Kompromiss ohne Grenzen

Doch ist das nur die Spitze des Eisberges. Der Eisberg selbst ist das Unwille des blühenden, gesättigten und ruhiggestellten deutschen Gesellschaft sich selbst zu reproduzieren. Kult um die individuelle Freiheit und persönliche Entwicklung kam in Einspruch mit der Idee der Familiengründung und Kinderzeugung. Dies wurde umso einfacher, da die westliche Staaten sich in Chimären verwandelt haben, die ihre lebenswichtige Funktionen wie Verteidigung ihrer Grenzen an die USA übergeben haben. Der Staat für für einen Deutschen viel weniger wichtig als die Freiheit, erklärten uns die deutschen Kollegen. Kein Wunder, wenn die wichtigsten Staatsfunktionen von einem anderen Land übernommen wurden...

Wie es aussieht, haben die Jahrzehnte des gesättigten Ruhestandes die Bewusstseinsregionen der örtlichen Bevölkerung verkümmern lassen, die für die Signale "Achtung, Gefahr!" zuständig sind. Es gibt nicht genügend Willen anzuerkennen, dass die Integrationsprogramme in ihrer Mehrheit unwirksam sind (besonders schwierig ist es die junge Generation zu integrieren, die in Europa aufgewachsen ist und auf die Sozialhilfe angewiesen ist), die Kriminalität schwappt aus den Migrantenghettos in gesättigte Bürgertumsviertel, alle erinnern sich an die jüngsten Ereignisse in Frankreich. Dabei führt der Staat eine Politik der immer größeren Kompromisse, unter anderem in geistigen und kulturellen Bereichen.

"In Deutschland gab es immer eine Bindung zwischen dem Staat und der Kirche, kirchliches Unterricht gibt es an den Schulen. Wir glauben, dass diese Bindung auch für Islam gelten soll, wir müssen alle Kulturen anerkennen, Hauptsache sie sind mit der Verfassung vereinbar. Wenn die moslemische Jugend einen Hang zur Gewalt hat, ist dies ein sozialgemeinschaftliches Ergebnis und nicht ein religiös-propagandistisches" - zeigt sich Armin Laschet überzeugt.

Nicht vor langer Zeit gab es in Deutschland ein lautes Skandal - in Potsdam wurde ein äthiopischer Bürger grausam zusammengeschlagen. Der Innenminister Wolfgang Schäuble hat unvorsichtigerweise verkündet, dass bevor man von einem Angriff mit rassistischem Hintergrund spricht, sollte man die Ergebnisse der Untersuchung abwarten, vielleicht war der Afrikaner betrunken, hat selbst jemanden angegriffen und so weiter. Am nächsten Tag erschienen dutzende grosser europäischen Zeitungen mit den Überschriften dass in Deutschland der Nationalismus sein Haupt wiedererheben würde. Die Massenmedien und die örtliche Opposition verlangten den Rücktritt des unvorsichtigen Ministers.

Sibirische Arznei?

Kann man denn Europa vor heranstehenden Krisen bewahren? Zumindest kann man es versuchen. Es ist möglich, dass eine enge Integration zwischen Westeuropa und Russland die Erschütterung sein könnte, die die Europäer zwingen würde aufzuwachen und sich zu mobilisieren. Natürlich ist Russland im Vergleich zu Deutschland ein wildes Land. Aber diese Wildheit beinhaltet das energiegeladene Potential das Europa fehlt.

Vor einigen Monaten hat der Vertreter des Präsidenten im Fernöstlichen Regierungsbezirk Kamil Is'hakov über das Beginn der Ausarbeitung eines Übersiedelungsprogramms von 18 Mio. Leuten in den Fernen Osten verkündet, damit diese Gebiete nicht in den nächsten 10-15 Jahren verloren gehen. Dieses Projekt wurde in China, Korea und Japan interessiert aufgenommen. Es ist eine ausgezeichnete Chance für Europa, Chance nicht für die Investitionen, aber für die Teilnahme an diesem Projekt mit menschlichen Ressourcen. Die Teilnahme an diesem Projekt würde neue Möglichkeiten, neue Energie und neue Chancen der alten Europa bieten. Aber nur mit einer Voraussetzung, wenn Russland maximale günstige Möglichkeiten für die Teilnahme den Europäern anbietet. Welche, ohne Präzedenzfall. Solche, welche noch nie angeboten wurden.

Aber wir haben doch versucht mit Europa Anfang der neunziger Jahre zu sprechen, erinnern sich die Skeptiker. Nichts kam dabei raus, Europa wollte nicht. Da antworten wir:

Zum ersten, "jungen russischen Brüderchen", der auf die Europäer von unten nach oben heraufschaut und bittet ihn Demokratie zu lehren, braucht tatsächlich niemand. Niemand will mit den Leuten zu tun haben, die sich als unselbstständige Idioten proklamieren und den "guten Onkel" bitten, sie das richtige Leben zu lehren. Von solchen Bittstellern scheut man sich wie der Teufel vom Weihwasser und verstärkt die Grenzkontrolle. Russland soll von einer anderen Position heraus auftreten, als ein natürliches Teil europäischen Kultur, die Vereinigung mit welcher beide Seiten bereichern kann, materiell und spirituell. Und die Position des armen Verwandten, der um die humanitäre und rechtliche Hilfe bittet, sollte man vergessen.

Zum zweiten wurde in der letzten Zeit klar, dass Europa von Problemen niedergedrückt wird, für deren Lösung ersthafte, prinzipielle Positionsverschiebungen notwendig sind. Entweder Europa riskiert die Integration mit der unverständlichen, "wilden", doch in ihrem Geiste europäischen und christianisierten Russland und kommt auf diesem Wege zu neuen Kräften, oder sie verrottet unter dem Druck der moslemischen Integration und zum Ende dieses Jahrhunderts werden die Europäer in der Rolle der Eingeborenen auftreten, die ihre Städte-Museen pflegen und Walzen und Menuett für die Touristen aus dem islamischen Welt und Länder der Fernost-Asien aufführen.

Ja, Russland wie auch Europa leidet unter dem Fehlen der strategischen Idee der Weiterentwicklung und als Folge unter den demographischen Problemen. Wir kennen nicht wenige Beispiele, wenn die Vereinigung von problembeladenen Territorien einen synergetischen Effekt auslöste. In unserer Sicht könnte die Integration zwischen Russland und Europa einen verdienten Platz in diesen Reihe einnehmen.

"Und Sie können sich einen Europäer vorstellen, der aus dem gesättigtem Europa in das kalte, wilde Sibirien fährt", fragten uns die Kollegen. Durchaus. Weil es sich immer Leute finden, die ein risikoreiches, aber interessantes und an märchenhaften Chancen reiches Leben einem satten und stillen Ableben vorziehen. "In der einfachen Wahl zwischen sattem Ableben und schwierigem aber interessanten Leben hat die Greisin Europa wohl das erste gewählt", kommentierte einer der Sitzungsteilnehmer. Doch ist der deutsche Geist wirklich derart erloschen, dass die Idee der Ausnutzung der neuen Weiten, die reich an natürlichen Ressourcen sind, nicht auch nur einen Teil der europäischen Gesellschaft wieder anzünden kann?

Tatjana Tchesnokova, Pavel Shitnjuk, Informationsagentur "Rossbalt", Düsseldorf - Sankt-Petersburg

P.S. Die Autoren finden es wichtig festzustellen, dass sie keine Vorurteile gegen die islamische, chinesische, indische und afrikanische Kulturen und ihre Träger haben. Wir möchten nur das neben ihnen die europäische Kultur existieren würde mit ihren Trägern den Europäern.

Freitag, Mai 26, 2006

Ein paar Worte zu Eurovision Song Contest

Eins muss ich von vornherein klarstellen, für mich ist ESC die Sendung des Jahres, der einzige wichtige Grund den Fernseher überhaupt einzuschalten. Es gibt viele Gründe dafür, die ich beschreiben möchte.

Ich höre sehr viel Musik und sehr viel verschiedene Musik, hartes Metal alá Sepultura oder Slipknot, Dance alá Chemical Brothers oder Prodigy, Ska, Polka, Crossover, Nine Inch Nails, Korn, System of a Down, Arctic Monkeys, Green Day, nur um die bekanntesten zu nennen. Gute Musik muss für mich Gefühle transportieren können, sei es Wut, Trauer oder Lebensfreude, Energie, Gefühl der Liebe. Und ich lasse mich sehr gerne überraschen, neue Töne, neue Instrumente auch wenn sie schräg und ungewohnt klingen. Und genau da setzt ESC an. Wo trifft man schon an einem Abend auf 24 Interpreten aus 24 Ländern, die alle verschiedene Musik spielen und damit ihr Land präsentieren? Wo gibt es sonst eine Möglichkeit ersten Kontakt mit einem Land aufzubauen und eventuelle Vorurteile abzubauen, die man gegen dieses Land hat? Wann kann man türkisches Ska von Athena oder moldauschen Hardcore von Zdob Si Zdub hören? Ich muss gestehen, ich war sehr überrascht, als Anjeza Shahini aus Albanien 2004 in Istanbul absolut verdient auf vorderen Plätzen landete. So habe ich mir den Sound aus Albanien überhaupt nicht vorgestellt. Und gleich kam eine Neugierde auf, mehr über das Land zu erfahren.

Aber nicht nur ich lerne dazu. Durch die Teilnahme von exotischeren Nationen bekommt man erstmal das Bewusstsein dafür, dass auch diese Länder zu der europäischen Familie gehören. Selbst dieses Jahr hörte ich Bemerkungen, warum Armenien teilnimmt. Armenien gehört zu Europa dazu, genauso wie Georgien und auch wenn es für den gemeinen CDU-Wähler schwer zu akzeptieren ist, auch die Türkei. Und was für eine Präsentationsmöglichkeit ist es für die Länder, wenn sie erstmal gewonnen haben! Bei einem Fernsehpublikum von ca 100 Mio Zuschauern bekommen die Länder eine einmalige Möglichkeit sich ins Licht zu setzen. Eines der bewegendsten Momente in der Geschichte des ESC war letztes Jahr, als der neugewählte ukrainische Präsident Juschtschenko auf die Bühne kam, um der griechischen Gewinnerin Elena Paparizou zu gratulieren. Halbes Jahr zuvor nutzte Ruslana ihre Popularität im Ausland, um für die Sache der orangenen Revolution zu werben. Schweden und Irland sind als Musikernationen bekannt, weil sie mehrere Siege bei ESC hatten, allen voran natürlich der Sieg von ABBA, der ihre Karriere begründete.

In Deutschland, obwohl immer noch sehr populär, regt sich starke Kritik gegen ESC, einige Punkte sicher berechtigt, aber vieles ist pure Meinungsmache. Es wird über die halbnackte Osteuropäerinnen gelästert, deren Länder Punkte einander zuschachern. Wenn sich die Qualität durchsetzen würde, wäre Deutschland nicht immer an den hinteren Plätzen. DIe ganze Veranstaltung ist zu teuer und sollte nicht von Deutschland bezahlt werden. Obendrein sind alle ESC Zuschauer entweder schwul oder untere Bildungsschicht und am besten beides.

Ach, liebe Deutsche. Mit dieser Einstellung werden wir nie auch nur unter die ersten fünf kommen, von Gewinnen ganz zu schweigen.

Zu den halb-nackten Sängerinnen. Sicher es gibt auch viele komplett talentfreie Teilnehmer/-innen, die nur durch Show und Kleidung, bzw. Fehlen von dieser sich profilieren wollen. Aber die vorderen Plätze belegen immer noch Profis, die entsprechende Ausstrahlung haben und souverän auf der Bühne aggieren. Und diese Souverinität kann man nur durch Erfahrung gewinnen. Wer von den deutschen Beiträgen der letzten Jahre hatte Bühnenerfahrung und auch nur halb soviel Energie und Ausstrahlung wie Ruslana? Max, Garcia, die Sängerin von Texas Lightning? Gibt es vielleicht in Deutschland diese Kombination gar nicht? Doch die gibt es durchaus, ich sage nur Seed oder Beatsticks. Guildo Horn hatte diese Energie und kam auf einen viel besseren Platz als alle deutschen Teilnehmer nach ihm.

Was das Punktezuschachere angeht, kann ich inzwischen auch schon vorhersagen, an wenn die ukrainische oder serbische Punkte gehen werden. Aber trotzdem hat noch kein Titel gewonnen, der schlecht war und nur aufgrund der Nachbarhilfe gewonnen hat. Bosnien-Herzegowina landet regelmäßig bei den vorderen Platzierungen, aber die Lieder von Hari Mata Hari oder Zeljko Joksimovic haben eine sehr gute und komplexe Komposition, was auch von anderen Komponisten bescheinigt wird.

Was die Finanzierung angeht, die Deutschland eine sichere Teilnahme ermöglicht, bin ich durchaus dafür, den Anteil zu verringern (obwohl das Preisverhältnis ein Abend Eurovision zu einem Bundesliga-Spiel sicher interessant wäre). Dann müsste sich aber auch in Deutschland einiges ändern. Als erste Maßnahme muss die Kontrolle über die deutsche Teilnahme NDR entrissen werden. Ein schlimmeres Auswahlverfahren als dieses Jahr ist kaum vorstellbar. Es ist nicht Eurovision de la Chanson, es ist European Song Contest, aber den Unterschied scheinen die öffentlich-rechtlichen nicht begriffen zu haben. Dabei wurden schon die Regeln geändert, der Künstler muss bekannt sein, ein Video haben und in den Charts präsent sein. Was macht man in Deutschland? Man puscht eine bis dahin völlig unbekannte Band derart, dass die Platte in Charts landen muss, auch wenn etwas nachgeholfen werden muss. Wie oben beschrieben, schicken andere Länder Profis hin, die wirklich populär sind, am besten auch noch im Ausland. Wer schon mal in einer russischen Disco war, dem wird der Name Dima Bilan einiges sagen. Vanilla Ninja waren Top 1 in den europäischen Charts, als sie für Schweiz teilgenommen und sehr gut abgeschnitten haben. Dasselbe gilt für Tatu.

Der einzige Mensch, dem ich zutraue, dass er vordere Platzierungen für Deutschland organisieren kann, ist Stefan Raab. Sein Bundesvision Contest war ein riesiger Schritt in richtige Richtung, nur hat NDR das komplett ignoriert. Deswegen, solange NDR die Zügel in der Hand hält, wird nichts passieren, die deutschen Beiträge werden schlecht wie immer und bald wird es die deutsche Variante des ehemals finnischen Sprichwortes geben: Werde ich machen, sobald Deutschland das ESC gewinnt.

Noch einige Worte zu diesjährigen Gewinnern. Meiner Meinung nach haben Lordi absolut verdient gewonnen. Das Lied war sehr eingängig, bohrte sich in Gehörgänge und kam nicht wieder raus. Die Show war definitiv die Beste. Ich war schon absolut begeistert, als ich sie in Halbfinale gesehen habe, doch nur absolute Optimisten konnten von dem Sieg dieser Band träumen. Europa hat viel Humor bewiesen und ich kann mich nur anschliessen was der Lordi-Sänger auf der Pressekonferenz sagte: Europa scheint gar kein schlechtes Platz zum Leben zu sein, wenn Leute wie wir gewinnen können.

In diesem Sinne bin ich sehr gespannt, was uns nächstes Jahr in Helsinki erwartet.

Sonntag, Mai 14, 2006

Münchener Gastarbeiter

Gastarbeiter über die ich schreiben möchte, sind diesmal keine schnauzbärtigen, schlecht deutsch sprechenden und (um ja auch alle Klischees zu erfüllen) nach Knoblauch riechenden orientalischen Erdbewohner, nein Münchener Gastarbeiter kommen von nicht so weit her, aus Baden, aus Sachsen, aus Hessen. Und es gibt erstaunliche Parallelen zwischen den beiden Gruppen.

Beide Gruppen haben ihre Probleme mit der Integration. Ein aufrechter Bayer nennt München schon mal eine preußische Stadt, weil dort inzwischen in der Mehrheit Leute leben, die das Oktoberfest für den höchsten Ausdruck der bayerischen Kultur halten. Von der Sprachkenntnis ganz zu schweigen, es wäre schon viel erreicht, wenn sie allgemein verständliches Hochdeutsch reden würden und nicht wie die badische Gosch gewachsen ist. Was wissen die Zugereisten über die bayerische Geschichte, ausser dass es da mal einen verrückten König gab, der vielleicht was mit der Sissi hatte (die kennt man aus dem Film), der Neuschwanstein gebaut hat und im Starnberger See ersoffen ist? Waren sie schon mal auf einem Burschenvereinfest (selbst wenn ja, wie lange)? Sind sie in der Lage selbst eine bayerische Speise zu kochen? Kennen sie Lena Christs Geschichten? Oder die Geschichte vom Münchener im Himmel? Wenn sie München wegen der Nähe zu den Alpen loben, fragen sie sie doch mal, ob sie schon einmal in bayerischen Alpen Wandern oder Skifahren waren. Und falls sie schon mal in der Arena waren, dann nur um das Spiel ihres abstiegsbedrohten Vereins gegen Bayern München zu verfolgen und nicht wie echte Münchener, um um die Löwen zu zittern. Oder gibt es einen hinzugezogenen Unterhaching-Fan?

Kennt man überhaupt einen solchen Gastarbeiter persönlich? Also nicht als Arbeitskollegen, sondern dass man auch nach der Arbeit miteinander eins trinken geht? Gut, wenn sie mit einem deutschen Gastarbeiter in einem Betrieb arbeiten, dann kommen sie abends höchstens bis zu ihrem Bett und nicht bis zu ihrem Stammlokal. Aber am Wochenende? Eigentlich sollte man denken, die Leute sind neu in der Stadt haben nicht so viele Bekannte. Da gibt es leider ein Hindernis. Es ist ziemlich hoffnungslos einen Gastarbeiter am Wochenende in München anzutreffen, es zieht ihn ständig in die Heimat, sollte er/sie in München übers Wochenende geblieben sein, dann nur weil die Eltern gekommen sind und ein Wochenende bei ihrem Sprössling verbringen wollen, damit er/sie endlich den Grund hat, seine Wohnung aufzuräumen. Aber dann ist der Gastarbeiter unabkömmlich, weil zuerst Aufräumen, dann die Eltern. Übrigens, sollten sie sich in einen Gastarbeiter vergucken, mit einiger Sicherheit hat er/sie eine/n Freund/in, die an einer Kuscheluni ein Orchideenfach studiert und kein Geld hat, um ihn/sie in München zu besuchen, also erklärt sich ein Teil seiner Reisen nicht weil er Kumpels besuchen fährt, oder seine Mutter ihm noch die Wäsche waschen muss, sondern weil die Freundin auf ihn wartet. München ist Stadt der Singles? Nein, München ist die Stadt der Fernbeziehungen, München ist die Stadt der 23 Uhr Ferngespräche, die Stadt der Freitag-Abend-Pendler, die Singles wollen gar verkuppelt werden. Oder nur für eine Nacht, um dann in der Neon nachzulesen, dass einmaliger (unter gewissen Umständen auch mehrmaliger) Sex noch kein Fremdgehen bedeutet.

Also stellen wir fest, die Integration schlägt fehl, es sei denn der Lebenspartner entschliesst sich tatsächlich mitzukommen und die Eltern vererben kein Haus in der Pampa. Das sind dann die Leute, die aufs Land ziehen, die Grundstückpreise in die Höhe treiben und sich beschweren, dass es nach Mist stinkt, wenn die übergebliebenen Bauern, die noch nicht Immobilienzaren geworden sind, auf dem Feld Odel verstreuen. Und schimpfen noch, dass ihre BMWs schmutzig werden, weil auf der Strasse die Lehmspuren von dem Traktor nicht abgewischt worden sind. Sind sie aber erst in Rente, haben sie sich soweit neigschmeckt, dass manche aus den Trachten gar nicht mehr rauskommen.

Wenn man aber einem innerdeutschen Gastarbeiter zuhört, bekommt man zu hören, dass man in seiner Heimat gar nicht mehr akzeptiert wird. Alleine durch das Auswandern nach München werden sie als arrogante, geldgeile, arbeitswütige Schnösel abgestempelt und dies lässt sich nicht mehr einfach abwaschen, wie ein Discostempel. Es gab schon Fälle, als beim Bewerbungsgespräch in der Heimat dem reuigen Schäfchen abgesagt wurde mit der Begründung genau dieser Eigenschaften, die bei ihm angeblich vorzufinden waren. Dabei ist es gar nicht so, dass München das gelobte Land ist. Kaum jemand ist nach München wegen der CSU gezogen, schon eher wegen des Jobs. Und genau wie bei den ausländischen Gastarbeitern werden aus Monaten Jahre, aus Jahren Jahrzehnte. Die Jobs in der Heimat werden nicht mehr, die Bindungen werden immer schwächer und spätestens bei der Familiengründung muss die Entscheidung fallen, ob man zurück geht oder für immer der Saupreis bleibt.

Donnerstag, April 27, 2006

Offener Brief an Herrn Dr. Wuermeling

Diesen Brief schrieb ich als Reaktion auf die Rede des Staatssektetärs im Bundesministerium für Wirtschaft und Technik zum Tag des Geistigen Eigentums am 26.04.2005:

Sehr geehrter Herr Dr. Wuermeling,

mit grossem Interesse habe ich Teile Ihrer Rede zum heutigen WIPO-Tag gelesen. Sie sprachen von einer "geistigen Bewegung" der Software-Patent Gegner, die dem "Freak-Bereich" verbunden sei und sich mit dem "Antifaschismus im Internet" vereinigt habe.

Herr Wuermeling, ich als erklärter Gegner der Patentierbarkeit der Software fordere von Ihnen unverzüglich eine Entschuldigung für die obigen Aussagen! Als studierter technischer Informatiker, der im Software-Bereich arbeitet und mit nicht geringen Steuergeldern unter anderem auch Ihr Gehalt finanziert, lasse ich mich von Ihnen nicht verunglimpfen und beleidigen. Die Beleidigung bezieht sich ausschliesslich auf die Bezeichnung "Freak", denn ich bin stolz darauf einer geistigen Bewegung anzugehören (Sie scheinen eher von allen Geistern verlassen worden zu sein) und es ist für mich selbstverständlich mich als Antifaschist zu begreifen (für Sie ist es wohl ein Schimpfwort). Immerhin waren Sie klug genug nicht das Wort Anarchist in den Mund zu nehmen, denn dann hätten Sie den gesamten Bundestag des Anarchismus beschuldigt, denn am 17.02.2005 wurde vom Bundestag ein interfraktioneller Antrag (auch mit den CDU/CSU Stimmen) verabschiedet, die Trivialpatente im Computerbereich (die Mehrheit der Softwarepatenten sind Trivialpatente) zu verhindern.

Nur zu Ihrer Information Herr Wuermeling, Ihr Internetauftritt basiert auf quelloffener Software, gegen die sogenannte Patenttrolle (Firmen deren einziges Geschäftsmodel ist Patente aufzukaufen und andere Firmen auf Lizenszahlungen verklagen) gerade ihre Softwarepatente einzuklagen versuchen. Das Internet in der Form wie es heute besteht waere nicht moeglich gewesen, wenn alle beteiligten Institutionen ihre Entwicklungen patentiert haetten. Ohne die von Ihnen verunglimpften "Freaks" waere die heutige Debatte ueber den Schutz des "geistigen Eigentums" komplett absurd, weil es die technischen Mittel gar nicht gegeben haette, die Patentideen zu implementieren. Die deutsche mittelständische Unternehmen sind übrigens ebenfalls der Meinung, dass die Softwarepatente ihnen eher schaden als nutzen. Lesen Sie doch bitte die Umfrage "Wechselwirkung von Patentschutz, Wettbewerb und Interoperabilität" das von Ihrem Ministerium erstellt wurde. Darin artikulieren 61,2 Prozent der Einsender ausdrücklich Sorgen über Gefährdung ihrer Existenz durch Softwarepatente.

Herr Wuermeling, mit der heutigen Entgleisung haben Sie sich in den Augen der deutschen IT-Industrie, die eine Schlüssselbranche der deutschen Wirtschaft darstellt gründlichst diskreditiert. Es stellt sich die Frage, wie eine derart inkompetente und ignorante Persönlichkeit wie Sie einen Staatssekretärposten im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bekleiden kann. Deswegen fordere ich Sie hiermit auf von diesem Posten zurueckzutreten und es jemandem zu überlassen, der etwas mehr Rückgrad gegenüber der Lobby der Patentprofiteure besitzt.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Klotz

Montag, April 03, 2006

Does Russia still matter (Teil 1)

noch vor wenigen Jahren waren es zwei Länder, die als die zukünftige Wirtschaftssupermächte gehandelt wurden, vor denen die Ökonomie der alten Länder in die Knie gehen wird, China und Russland. Beiden Ländern wurde ein kometenhafter Aufstieg in die Liga der wirtschaftlich stärkesten Nationen prophezeit, es war absolut unverantwortlich für die Manager der "alten" Wirtschaftsmächte nicht auf den Märkten zu investieren und dabei zu sein. In der letzten Zeit hat zumindest was Russland angeht, sich der Wind ziemmlich verändert, die Rolle Russlands als politisches, ökonomisches und wirtschaftliches Schwergewicht auf den man jederzeit Rücksicht nehmen muss, hat rapide abgenommen. Der Vorrat an Sympathie, den man dem russischen Volk mit seiner Regierung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entgegengebracht hat, scheint langsam sich erschöpft zu haben. Schauen wir uns die Gründe dafür an.

1. Demografische Situation in Russland

Es gibt Zahlen, die absolut schockierend wirken, wenn sie ein westeuropäisches Land betreffen würden. Im Jahr 2005 gab es in Russland nach offiziellen Statistiken einen Bevölkerungsrückgang um rund eine Million Menschen, wenn man die Migration nicht berücksichtigt, aber auch mit Migration sind es immer noch ein Rückgang um 735 tausend Menschen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 142 Millionen ist das ein Rückgang um ein halbes Prozent pro Jahr. Die Schere zwischen den Geburten und den Sterbefällen hat sich noch weiter geöffnet. Gleichzeitig ist die Anzahl der Abtreibungen zwar gesunken, liegt aber bei 1,6 Mio pro Jahr. Eine weitere schockierende Zahl ist 100000 Drogentote pro Jahr (im Vergleich in Deutschland sind es ca 1500), die Zahl der Alkoholtoten noch gar nicht miteingerechnet. Die Lebenserwartung liegt bei den Männern bei 60.55 Jahren (in Deutschland bei 75.66 Jahren). Diese Zahlen verdeutlichen, dass Russland, das bereits jetzt schon Probleme hat das Land mit der Bevölkerung zu besetzen, in wenigen Jahren noch viel weniger Bevölkerung auf einem riesigen Gebiet haben wird, obendrein konzentriert sich die Bevölkerung auf den europäischen Teil und wohnt größtenteils in den Städten (allein in Moskau und St.Petersburg leben ca. 15 Mio Einwohner). Siedlungen in unwirtlichen Gebieten Russlands, die in den sowejtischen Zeiten allerhand Vergünstigungen für die Bewohner hatten, sterben langsam aus, weil die jungen Bewohner wegziehen, die Vergünstigungen weggefallen sind und niemand mehr nachkommt.

Es gibt zwar Regierungsprogramme, die zum Beispiel darauf abzielen die russisch-stämmige Bevölkerung aus den ehemaligen sowjetischen Republiken zurückzuholen, nur sind die Bedingungen so unvorteilhaft, dass wahrscheinlich nur wenige davon Gebrauch machen werden, insbesondere, wenn die betreffende Republik wirtschaftlich und politisch besser dasteht als Russland (bspw. baltischen Länder). Alle Bemühungen die Bevölkerung zu einer gesunderen Lebensweise zu erziehen, schlagen bisher fehl. Als man beispielsweise versucht hat, durch massenhafte Verbreitung von Bier das Volk auf weniger harte alkoholische Getränke umzustellen, wurde das Bier einfach zu dem bereits vorhandenem Konsum dazuaddiert, ohne dass sich der Wodka-Verbrauch bemerkenswert verringerte. Obwohl russischer Spitzensport immer noch bei der Olympiade die meisten anderen Nationen in den Schatten stellt, ist Breitensport in Russland sehr unterentwickelt.

Fazit: In wenigen Jahren droht Russland die Kontrolle über grosse Teile des Landes zu verlieren, besonders kritisch ist die Grenze zu China, da Chinesen mit hoher Wahrscheinlichkeit versuchen werden, die Kontrolle über die sibirischen Bodenschätze und Naturressourcen zu erlangen.

2. Militärische und aussenpolitische Situation

Das russische Militär ist im beklagenswertem Zustand. Durch das Phänomen der Dedowschina (Quälen der jungen Rekruten durch die älteren Soldaten), nicht endendem Tschetschenien-Krieg, der ständig auf benachbarte Gebiete überzugreifen droht und geringes Verdienst der Soldaten und der Unteroffiziere ist die Bereitschaft in die Armee einzutreten bei den jungen Russen sehr gering. Bisher ist es recht einfach dem Armeedienst zu entgehen, indem man ein Studium angefangen hat. Wegen den schwachen Jahrgängen (siehe demografische Situation) überlegt sich das Verteidigungsministerium diese Regel zu ändern. Es gibt viele Berichte, daß die Offiziere ihre Untergebene an private Unternehmen vermieten (z.B. Baufirmen). Viele Waffen, die in Tschetschenien sichergestellt wurden, stammen aus den Armeebeständen, wurden also von den Soldaten verkauft. Durch die fehlenden Investitionen ist die technische Basis der Armee im Prozess der Auflösung. Russland besitzt nur noch ein Flugzeugträger, der demnächst ausrangiert wird. Nach den letzten Berechnungen werden die letzten Kriegsschiffe 2015 ihre zulässige Betriebsdauer überschritten haben. Da zur Zeit keine neue Kriegsschiffe gebaut werden, wird zu diesem Zeitpunkt Russland keine Seemacht mehr sein. Im ähnlichen Zustand befindet sich die Luftflotte. Nur wenige Flugzeuge sind einsatzfähig, mehrere Flugzeuge werden jeweils als Ersatzteillager gebraucht, damit wenigstens die Piloten die erforderliche Anzahl an Flugstunden erwerben können. Obendrein sind die Abstürze ein häufiges Ereignis. Es werden zwar neue Flugzeuge entwickelt (z.B. Su35), aber nur wenige werden von der russischen Armee gekauft, viele werden exportiert.

In der Aussenpolitik hat Russland auch Mißerfolge zu vermelden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verlor Russland die Kontrolle über die osteuropäischen Länder, nach der Auflösung der Sowjetunion flüchteten die baltischen Republiken unter die Fittiche der EU. Nach den farbigen Revolutionen, verliert Russland die Kontrolle über Ukraine, Moldavien, Georgien und Kirgisien. Übriggeblieben sind Länder wie Weissrussland mit dem letzten offiziellem Diktator in Europa 'Batka' Lukaschenko, Uzbekistan und Turkmenistan mit Diktatoren an der Macht, Armenien und Azerbadzhan, die ständig am Rand des Bürgerkriegs stehen. Kazachstan und Tadzhikistan sind dank ihrer wirtschaftlichen Politik auch unabhändig von Russland und betreiben eigene Politik. Als Imperium, als ein Land das andere Länder anzieht, als kulturelles Vorbild dient, sich als sicheres Investitionsraum anbietet und selbst investiert und Schutz gegen andere Mächte bietet, ist Russland im jetzigen Zustand denkbar ungeeignet. Die EU, die USA und islamische Länder nutzen dieses Vakuum, um ihre Interessen auf das ehemaliges sowjetischen Anspruchsgebiet auszudehnen. Jeglicher aussenpolitischer Versuch Russlands sich in die Politik der jetzt unabhändigen Länder einzumischen, wird von ihnen als Verletzung ihrer Souverenität angesehen und entsprechend schroff zurückgewiesen. Jüngste Beispiele sind der Gazkrieg gegen die Ukraine, wobei die Eskalation bei der Wahl des ukrainischen Präsidenten erst durch die russischen Wahlunterschtützer Janukowitchs provoziert wurde, so daß sie indirekt zu der orangenen Revolution geführt haben und die Präsenz der russischen Armee in Abchasien welche die Region destabiliesiert. Andere außenpolitische Initiativen wie die versprochene Lieferung von Boden-Luft Raketen an Iran, Empfang der HAMAS-Vertreter in Moskau, Unterstützung von Prednestrovje als von Moldawien unabhändige Region rufen Verwunderung und Mißverständinisse in demokratischen Ländern hervor.

Fazit: Aussenpolitisch hat Russland die Stellung verloren, die Sowjetunion ehemals hatte. Durch die Unterstützung von menschen-unterwerfenden Regimen und leicht durchschauende, primitive Einflussnahme auf ehmalige Sowjetrepubliken, die sich größtenteils dagegen wehren, manövriert sich Russland außenpolitisch in Abseits.

3. Wirtschaftliche Situation

Dank der großen Vorkommen der Bodenschätze hat Russland einen wirtschaftlichen Aufschwung in der letzten Zeit zu verzeichnen. Doch stellt sich die Frage, wieviele Leute davon profitieren, dass die einmalig vorhandene Bodenschätze im Ausland gegen harte Währung verkauft werden. Die Oligarchie, die unter Jelzin aufgeblüht ist, gedeiht unter Putin fort. In Russland leben die nach USA meisten Mitglieder der Top 1000 der reichsten Leute der Welt Liste (nur zur Anmerkung, die arabischen Schaichs sind in dieser Liste oft nicht vertreten, weil es sich bei ihnen zwischen dem Privat- und dem Staatseigentum nicht trennen läßt). Der ehmalige neoliberale Wirtschaftsminister Illarionow prägte den Begriff von Corporate State Russland. Dies bedeutet, dass solange die Bürger sich loyal zur Führung verhalten, die Führung sie gewähren läßt und sogar unterstützt. Erst wenn der Bürger zur Bedrohung des Machtzentrums wird, wird er verfolgt. Das erklärt, warum Oligarchen wie Gussinskij, Berezowskij und letzendlich auch Chodorowskij in Exil getrieben oder eingesperrt wurden. Sie haben Ambitionen erkennen lassen, politische Opposition zu unterstützen, die mit ihren finanziellen Mitteln zu einer Bedrohung werden könnte. Eine andere Todsünde, die von Chodorowskij begangen wurde, war die geäußerte Absicht seine Anteile an amerikanische und europäische Ölfirmen verkaufen zu wollen. Einstieg eines unkontrollierbaren Unternehmens bei Ausverkauf russischer Bodenschätze konnte nicht geduldet werden. Übrigens muss man kein Russe sein, um zu der Firma zu gehören. Der ehmalige Bundeskanzler Schröder demonstriert gerade recht anschaulich, wie die Corporation ihre Mitglieder fördert.

Unternehmer, die nach den Regeln spielen, die ihnen Kreml auferlegt hat, prosperieren glänzend. Das bekannteste Beispiel ist Roman Abramowitch, der ein Firmenkonglomerat aufgebaut hat, mit dem er in wenigen Jahren (nicht Jahrzehnten) ein Vermögen von schätzungsweise 30 Milliarden US-Dollar angehäuft hat. Im Westen wird oft gefragt, ob der Kauf von Chelsea eigentlich nur eine Manie des Größenwahns ist, oder mehr dahinter steckt. Die Antwort ist recht einfach, sollte Abramovitch aus irgendeinem Grund in Ungunst fallen, würde kein englischer Premierminister es wagen, ihn aus England auszuweisen. So gesehen ist der Chelsea-Kauf eine recht gute Lebensversicherung. Ähnliche Versicherungen haben auch andere Mitglieder des Oligarchenkreises abgeschlossen, indem sie viel von ihrem Vermögen ins Ausland geschafft haben. Paradoxerweise kann man viele Parallelen zwischen dem heutigen Russland und dem Russland, wie es Dostojewski kannte, ziehen. Die (neu)reichen Russen geben das Geld im Ausland aus, das Geld das früher aus ihren Dörfern mit hunderten von Seelen erwirtschaftet wurde, wird jetzt aus dem Boden gewonnen. Der Krieg in Tschetschenien erfuhr lediglich eine Unterbrechung zwischen ca. 1955-1990. Schon Lermontow und Tolstoj beschrieben ihre Erfahrungen als Offiziere in Tschetschenien.

Sonntag, März 19, 2006

Der europäische Integrationstest

In Europa scheint es Mode zu werden Integrationstests durchzuführen, um die Integrationswilligkeit des Einbürgerungswilligen zu prüfen. Die baltischen Länder haben ähnliche Tests schon seit der Auflösung der Sowjetunion und wollen nicht verstehen, warum sie immer noch mehrere hunderttausende Bewohner haben, die staatenlos sind. In Deutschland ist der Begriff staatenlos komplett unbekannt, vor allem wird nicht erwartet, dass es in der Europäischen Union staatenlose Bürger geben kann. Staatenlos zu sein ist exotisch genug, um dar über Filme zu drehen (Terminal mit Tom Hanks). Die Staatenlosen haben kein Wahlrecht, für jede Auslandsreise müssen sie ein Visum beantragen (es sei denn es gibt spezielle Visa-Abkommen zwischen zwei Staaten speziell für staatenlose Reisewillige). Diese Leute spielen im öffentlichen Leben keine Rolle. Warum sind sie staatenlos? Natürlich spielen einerseits solche Überlegungen eine Rolle, dass falls sie z.B. die russische Staatsbürgerschaft annehmen, sie eines Tages leicht ausgewiesen werden können. Andererseits sind die Hürden für das Erlangen einer estnischen Staatsbürgerschaft unverhältnismäßig hoch und teuer. Neben dem Sprachtest (die estnische Sprache hat 14 Fälle, nur um die Komplexität zu verdeutlichen) wird auch ein Test über Estland gestellt. Die estnische Regierung wurde mehrmals von verschiedenen europäischen Menschenrechtsinstitutionen für diese Praxis gerügt, ohne, dass es zu einer nennenswerten Verbesserung gekommen ist. Die Standardausrede ist, dass es eine Möglichkeit zur Einbürgerung gibt und die Staatenlosen zu bequem sind, diese anzunehmen. Schauen wir doch mal am Beispiel von dem hessischen Integrationstest was Deutschland demnächst an Hürden einführt, um die unliebsamen Einwanderer loszuwerden. Bei der kurzen Umfrage unter meinen deutschen Freunden (alles studierte Akademiker) kam heraus, dass keiner den Test fehlerfrei bestanden hätte, obwohl das meiste Schulstoff ist, der zumindest im Gemeinschaftskunde-Unterricht an baden-württembergischen Realschulen unterrichtet wird. Ich veröffentliche auch eine Musterlösung, die keinen Anspruch auf Fehlerfreiheit hat, deswegen, falls ein Fehler gefunden wird, bitte ein Kommentar mit der richtigen Antwort schreiben, die dann übernommen wird.

1. Wie viele Einwohner hat Deutschland?

Nach dem CIA Worldfact Book 82,431,390 (July 2005 est.)

2. Nennen Sie drei Flüsse, die durch Deutschland fließen!

Rhein, Donau, Mosel, Würm, Enz, Nagold, Elbe, Oder

3. Nennen Sie drei deutsche Mittelgebirge!

Schwarzwald, Odenwald, Wiehengebirge, Langenberge, Kaiserstuhl, Spessart, Bayerischer Wald

4. Wie heißt die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland?

Berlin

5. Wie viele Bundesländer hat die Bundesrepublik Deutschland? Nennen Sie sieben Bundesländer und ihre Hauptstädte!

Es sind 16 Bundesländer (in Klammern die Hauptstädte):
Bayern (München)
Baden-Württemberg (Stuttgart)
Berlin (Berlin)
Freie Hansestadt Bremen (Bremen)
Freie Hansestadt Hamburg (Hamburg)
Rheinland-Pfalz (Mainz)
Hessen (Wiesbaden)
Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf)
Niedersachsen (Hannover)
Saarland (Saarbrücken)
Schleswig-Holstein (Kiel)
Sachsen (Dresden)
Thüringen (Erfurt)
Sachsen-Anhalt (Magdeburg)
Mecklenburg-Vorpommern (Schwerin)
Brandenburg (Potsdam)

6. Nennen Sie drei Staaten, die an die Bundesrepublik Deutschland grenzen!

Polen, Tschechische Republik, Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande, Dänemark

7. Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um deutscher Staatsbürger zu werden?

8 Jahre gewöhnliches rechtmäßiges Aufenthalt in Deutschland ohne wesentliche Straftaten und ohne Inanspruchnahme von Sozialleistungen. Bereitschaft die bisherige Staatsbürgerschaft abzugeben. Teilnahme an einem Sprach- und Integrationskurs

8. Nennen Sie drei Gründe, warum Sie deutscher Staatsbürger werden wollen!

Die Möglichkeit durch die Wahlen meine demokratische Rechte ausüben
Ergreifung eines Berufes, der nur mit der deutschen Staatsangehörigkeit ausgeübt werden kann
Identifikation mit dem deutschen Kulturgut und die Anerkennung deutscher Leistungen seit dem 2. Weltkrieg

9. Was verstehen Sie unter dem Begriff "Reformation" und wer hat sie eingeleitet?

Unter Reformation versteht man die Abspaltung der protestantischen (evangelischen) Glaubensgemeinschaften von der katholischen Kirche Anfang des 16. Jahrhunderts. Der wichtigste deutsche Reformator war der Augustinermönch Martin Luther (1486-1546), der unter anderem die Bibel ins Deutsche übersetzt hat

10. Welche Versammlung tagte im Jahr 1848 in der Frankfurter Paulskirche?

Die Nationalversammlung deren Ziel es war der Zusammenschluss aller deutschen Staaten zunächst unter der Führung Österreichs, danach Preußens. Es wurde eine Reichsverfassung beschlossen.

11. Die erste Republik mit demokratischer Verfassung in Deutschland wurde 1918 ausgerufen. Wie wird diese erste deutsche Republik genannt?

Weimarer Republik, weil die Gründung in Weimar erfolgte

12. Wann ging diese erste deutsche Republik zu Ende?

1933 mit der Machtergreifung Adolf Hitlers

13. In welchen Jahren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Deutschland eine Diktatur?

1933-1945 unter der Herrschaft der NSDAP

14. Wie hieß die damals herrschende Partei?

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei(NSDAP)

15. Erläutern Sie den Begriff "Holocaust"!

Holocaust ist ein Begriff für den Völkermord an Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen, Kommunisten, Behinderten und anderen Gruppen während des 3. Reiches

16. Wenn jemand den Holocaust als Mythos oder Märchen bezeichnet: Was sagen Sie dazu?

Es ist historisch erwiesen, dass Holocaust stattgefunden hat. Die Leugnung oder die Verherrlichung des Holocaust ist in Deutschland eine Straftat

17. Erläutern Sie den Begriff "Existenzrecht" Israels!

Israel wurde mit dem Ziel gegründet einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und den Überlebenden der Schoa eine Heimat zu schaffen. Das Nationalitätenrecht basieren auf der Auffassung, dass jede Nation bzw. Nationalität oder auch jede ethnische Minderheit das prinzipielle Recht zur Errichtung eines selbständigen Staatswesens habe.

18. Welches Ereignis fand am 20. Juli 1944 statt?

Das misslungene Attentat auf Adolf Hitler ausgeführt von Graf von Stauffenberg

19. Was geschah am 8. Mai 1945?

Die vollständige Kapitulation der Wehrmacht gegenüber den alliierten Streitkräften (in Russland gilt der 9.Mai als das Datum der Kapitulation). Ende des 2. Weltkrieges für Deutschland

20. Nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" war Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Wer waren die vier Besatzungsmächte?

Die Besatzungsmächte waren Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion und USA

21. In welchem Jahr wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet?

Die Bundesrepublik Deutschland wurde 1949 gegründet

22. Wie hieß der erste Bundeskanzler?

Der erste Bundeskanzler hieß Konrad Adenauer (1876-1967) (1949-1963 im Amt)

23. Was bedeutet "DDR"?

Deutsche Demokratische Republik

24. Welches Ereignis fand am 17. Juni 1953 in der DDR statt?

An diesem Tag fanden Massenproteste unter den Arbeitern in der DDR statt, die teilweise gewaltsam von der Regierung und der Armee unterdrückt wurden

25. Was verstehen Sie unter dem deutschen "Wirtschaftswunder"?

Die wirtschaftliche Entwicklung in der BRD nach dem 2.Weltkrieg, unter Ludwig Erhard als Wirtschaftsminister, bei dem die BRD einen Wirtschaftsaufschwung erlebte, so dass sie 1959 zweitstärkste Wirtschaftsmacht nach USA wurde.

26. Erläutern Sie den Begriff "Mauerbau" (1961 in Berlin)!

Auf Befehl der DDR-Regierung wurde am 13. August 1961 begonnen ein "antifaschistischer Schutzwall" aufzubauen. Die Mauer verlief entlang der Grenze des sowjetischen Besatzungszone und war ein Teil der Grenze zwischen DDR und BRD

27. Welcher deutsche Bundeskanzler bekam den Friedensnobelpreis?

Willy Brandt bekam für seine Ostverträge mit DDR, Polen und Sowjetunion, die zur Entspannung im Kalten Krieg führten am 10.Dezember 1971 den Friedensnobelpreis

28. In welchem Jahr kam es zur deutschen Wiedervereinigung?

Die Wiedervereinigung zwischen BRD und DDR fand statt am 03.Oktober 1990

29. Nennen Sie die Bundesländer, die heute auf dem Gebiet der ehemaligen DDR existieren!

Mecklenburg-Vorpommern (Schwerin)
Thüringen (Erfurt)
Sachsen (Dresden)
Sachsen-Anhalt (Magdeburg)
Brandenburg (Potsdam)
Berlin (Berlin)

30. Der 9. November hat in der deutschen Geschichte eine besondere Bedeutung. Welche Ereignisse fanden statt a.) am 9.11.1938 und b.) am 9.11.1989?

a.) Die Reichspogromnacht auch unter dem Namen Reichskristallnacht bekannt. Nach dem erfolgreichem Attentat auf den Diplomaten Ernst Eduard vom Rath am 07.11.1938 haben die Anhänger der NSDAP Pogrome veranstaltet, Synagogen angezündet und Bücher verbrannt.

b.) Fall der Mauer. An diesem Tag wurde die DDR Grenze für alle ausreisewillige Bürger geöffnet

31. Wo sind die Grundrechte der deutschen Staatsbürger festgelegt?

Im Grundgesetz Art.1-20

32. Wie heißt die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland?

Das Grundgesetz

33. In welchem Jahr ist sie in Kraft getreten?

1949 mit der Gründung der Bundesrepublik

34. Von wem geht in der Bundesrepublik Deutschland alle Staatsgewalt aus? Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Bürgerinnen und Bürger?

Das Staatsgewalt geht vom Volke aus. Das Volk kann das Vertrauen in seine Vertreter aussprechen, sie kontrollieren und das Vertrauen gegebenenfalls wieder entziehen

35. Welches Recht schützt Artikel 1 der bundesdeutschen Verfassung?

Die Würde des Menschen. Die Würde des Menschen ist unantastbar

36. Wie heißt das höchste gesetzgebende Organ der Bundesrepublik Deutschland und wer bestimmt seine Mitglieder?

Das höchste gesetzgebende Organ ist der Bundestag. Es wird vom Volk gewählt, die Hälfte der Mitglieder über Direktwahl, die andere über die Wahllisten, die von Parteien aufgestellt werden

37. Unsere Verfassung garantiert Grundrechte. Nennen Sie vier!

Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit

38. In der Verfassung ist verankert, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Erläutern Sie diesen Grundsatz!

Kein Mensch darf aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung, seiner Rasse, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung und seinem Geschlecht vor dem Gesetz anders behandelt werden

39. Einer Frau soll es nicht erlaubt sein, sich ohne Begleitung eines nahen männlichen Verwandten allein in der Öffentlichkeit aufzuhalten oder auf Reisen gehen zu dürfen: Wie ist Ihre Meinung dazu?

Dies ist sowohl mit dem Grundgesetz unvereinbar, als auch mit der Stellung der Frau in der deutschen Gesellschaft

40. Wer kann in der Bundesrepublik Deutschland einen Antrag auf Ehescheidung stellen?

Beide Ehepartner können unabhängig voneinander einen Antrag auf die Ehescheidung stellen

41. Beschreiben Sie den Grundgedanken der Gewaltenteilung!

Die Legislative beschliesst die Gesetze, die Exekutive führt sie aus, die Judikative kontrolliert die Ausführung und Vereinbarkeit der neuen Gesetze mit der Verfassung. Durch eine Unabhängigkeit voneinander wird verhindert, dass es eine Machtkonzentration und Missbrauch durch eine Institution gibt.

42. Erläutern Sie den Begriff "Religionsfreiheit"!

Sobald eine Religionsgemeinschaft als solche anerkannt ist, steht es jedem Menschen in der Bundesrepublik frei, Mitglied dieser Religionsgemeinschaft zu werden. Es gibt keine Benachteiligung wegen der Religionszugehörigkeit

43. In Filmen, Theaterstücken und Büchern werden manchmal die religiösen Gefühle von Menschen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen verletzt. Welche Mittel darf der Einzelne Ihrer Meinung nach anwenden, um sich gegen so etwas zu wehren, und welche nicht?

Es ist möglich, sich an Gerichte zu wenden, um einen Verbot der Aufführung zu beantragen, was vom Gericht geprüft und gegebenenfalls stattgegeben wird. Ebenso ist es erlaubt eine angemeldete Demonstration gegen die religiöse Gefühle verletzende Stücke durchzuführen. Es ist erlaubt Kritik in der Presse und auf Versammlungen zu üben.

Nicht erlaubt ist eine tätliche oder psychische Bedrohung des Autors und seiner Angehörigen, Störung der Aufführung oder Zerstörung des Kunstwerks, gewalttätige Ausschreitungen

44. In Deutschland gibt es eine gesetzliche Schulpflicht für alle Kinder und Jugendlichen. In welchem Alter beginnt die Schulpflicht, wann endet sie?

Die allgemeine Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren, sie endet mit dem Abschluss 9 Klassen

45. Was ist der Grund für die gesetzliche Schulpflicht?

Jeder Bürger muss zur Mündigkeit erzogen werden. Die vom Grundgesetz garantierten Freiheiten können nur von einem mündigen Bürger ausgeübt werden, der entsprechende Bildung braucht, um in der Gesellschaft mitwirken zu können

46. Nicht immer sind Eltern mit dem Verhalten ihrer Kinder einverstanden. Welche Erziehungsmaßnahmen sind erlaubt, welche verboten?

Erlaubt ist Fernsehverbot, Begrenzung der Ausgangsmöglichkeiten auf eine kurze Zeit und bis zu einer bestimmten Uhrzeit, Taschengeldkürzung, Verbot sich mit bestimmten Freunden zu treffen. Es ist immer notwendig eine Aussprache mit dem Kind zu haben, um ihm den Sinn der Maßnahme zu erklären und seine Erklärungen nachzuvollziehen

Verboten ist psychische und physische Gewalt, Einsperren, Züchtigung durch körperliche Anstrengungen

47. Welche Möglichkeiten haben Eltern, die Partnerwahl ihres Sohnes oder ihrer Tochter zu beeinflussen? Welche Handlungen sind verboten?

Spätestens ab 18 sind die Söhne und Töchter mündige Bürger, die in der Lage sind ihren Partner ohne die Beeinflussung der Eltern auszuwählen. Bis zum Erreichen diesen Alters ist es zulässig den Umgang mit dem Partner zu verbieten

Verboten sind körperliche und psychische Gewalt gegenüber dem eigenen Kind als auch seinem Partner gegenüber.

48. Die Wahlen zu den deutschen Parlamenten müssen nach Artikel 38 der Verfassung
- allgemein
- unmittelbar
- frei
- gleich und
- geheim
sein. Erklären Sie diese Wahlgrundsätze!

- Allgemein bedeutet, dass alle wahlberechtigten Bürger wählen können
- Unmittelbar bedeutet, dass die Wahlen baldmöglichst ausgewertet werden müssen und man nach dem Verlassen der Wahlkabine sich nicht umentscheiden kann
- Frei bedeutet, dass es jedem Wahlberechtigten freisteht jede anzutretende Gruppierung zu wählen
- Gleich bedeutet, dass alle Stimmen gleiche Gewichtung haben
- Geheim bedeutet, dass die Wahlberechtigten keine Auskunftspflicht gegenüber niemandem haben, wen sie gewählt haben und es auch nicht auf andere Weise festgestellt werden kann

49. Erläutern Sie den Begriff "Mehrparteienprinzip"!

Die Interessen der Bürger werden durch verschiedene Parteien repräsentiert. Alle Parteien, soweit sie nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen, und sich zur Wahl aufstellen, können gewählt werden.

50. Begründen Sie, warum die Wahlen in der ehemaligen DDR nicht unseren demokratischen Wahlgrundsätzen entsprachen!

Die Wahlen waren nicht frei, da nur bestimmte Parteien, SED und die so-genannten Blockparteien zur Wahl zugelassen wurden. Die Sitzverteilung war weitgehend festgelegt, die Führungsposition der SED in der Verfassung verankert

51. Welche Parteien sind derzeit im Deutschen Bundestag vertreten? Nennen Sie mindestens drei!

Zur Zeit sind im Bundestag folgende Parteien Vertreten:
FDP, CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS90/DIE GRÜNE, Die Linke/PDS

52. Unter welchen Umständen können in der Bundesrepublik Deutschland politische Parteien und Vereine verboten werden? Würden Sie trotz eines solchen Verbots die Partei oder den Verein doch unterstützen? Unter welchen Umständen?

Politische Vereine und Parteien können verboten werden, wenn ihre Ziele gegen die freiheitlich-demokratische Ordnung verstossen, insbesondere wenn sie zur Abschaffung der Bundesrepublik aufrufen, oder ihre Ziele unvereinbar mit dem Grundgesetz sind. Diese Parteien oder Verbände dürfen nicht unterstützt werden.

53. Was sind Bürgerinitiativen?

Bürgerinitiative ist eine Interessengemeinschaft der Bürger für ein bestimmtes Thema. Das Ziel der Bürgerinitiative ist die Aufklärung der Bürger, Formulierung der Forderungen an die Gewalten (z.B. vor Gericht), in den Bundesländern in denen das möglich ist, kann eine Bürgerinitiative mit hinreichender Anzahl von Unterstützern ein Bürgerentscheid beantragen

54. Nennen Sie zwei Interessenverbände aus dem Wirtschafts- und Arbeitsleben!

Gesamtmetall ist die Vertretung der Arbeitgeber der metalverarbeitenden Industrie
Industrie und Handelskammer ist die Vertretung der organisierten Unternehmen gegenüber den Landesregierungen
Verdi ist die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes

55. Wo finden die Parlamentssitzungen des Deutschen Bundestages statt?

Die Parlamentssitzungen finden im Reichstag in Berlin statt

56. Wie oft findet die Wahl zum Deutschen Bundestag in der Regel statt?

Die Wahl zum Deutschen Bundestags findet in der Regel alle 4 Jahre statt

57. Wie heißt die Vereinigung von Abgeordneten einer Partei im Parlament?

Die Vereinigung von Abgeordneten einer Partei nennt sich "Fraktion". Eine Fraktion muss aus mindestens 35 Abgeordneten bestehen

58. Für die Abgeordneten in den Parlamenten gilt der "Grundsatz des freien Mandats". Was heißt das?

Die Abgeordnete sind ihrem Gewissen verantwortlich. Sie sind nicht an die Wünsche der Wähler gebunden und auch nicht an die Wünsche der Parteien, deren Mitglieder sie sind

59. Was bedeutet die "Fünf-Prozent-Klausel" bei der Wahl zum Deutschen Bundestag?

Nur die Parteien, die mehr als 5% aller Stimmen auf sich vereinigen können, dürfen ihre Mitglieder als Bundestagsparlamentarier in den Bundestag schicken

60. Alle Bürgerinnen und Bürger können sich mit Beschwerden und Vorschlägen auch an besondere Ausschüsse der Parlamente wenden. Wie heißen diese Ausschüsse der Volksvertretungen in Bund und Ländern?

Die Ausschüsse in den Landtagen und im Bundestag, die sich mit den Eingaben der Bürger beschäftigen, nennt man Petitionausschüsse

61. Wie ist die Amtsbezeichnung des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland?

Der Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland ist der Bundespräsident

62. Was ist das Bundeskabinett?

Das Bundeskabinett ist die Versammlung der Bundesminister unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers

63. Welche Amtsbezeichnung hat der deutsche Regierungschef?

Der deutsche Regierungschef ist der Bundeskanzler

64. Wie heißen die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland?

Die Streitkräfte Deutschlands nennt man die "Bundeswehr"

65. Wann und zu welchem Zweck wurden sie gegründet?

Die Bundeswehr wurde 1955 gegründet und diente ursprünglich zur Verteidigung des Territoriums der Bundesrepublik Deutschlands

66. Deutschland ist ein Bundesstaat. Was bedeutet das?

Deutschland besteht aus 16 Bundesländern mit eigenen Landesparlamenten und Landesministerien

67. Wie heißt die Vertretung der deutschen Länder auf Bundesebene?

Die Vertretung der deutschen Länder heisst der Bundesrat

68. Die Bundesrepublik Deutschland hat einen dreistufigen Verwaltungsaufbau. Wie heißt das unterste politische Gemeinwesen?

Das unterste politische Gemeinwesen ist die Gemeinde

69. Wie lautet die Amtsbezeichnung der Regierungschefs der meisten Bundesländer?

Die Amtsbezeichnung lautet der "Ministerpaesident"

70. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Rechtsstaat. Was bedeutet Rechtsstaat?

Das Grundgesetz und das Bürgerliche Gesetzbuch bilden die Rechtsgrundlage nach dem in Deutschland alle Bürger und Institutionen handeln. Nichtbeachtung oder Überschreitung dieser Gesetze wird strafrechtlich geahndet unabhängig von der Position des Straftäters

71. Die Rechtsordnung verbietet, privat Vergeltung zu üben oder das Recht auf eigene Faust durchzusetzen. Das Opfer einer Straftat darf an dem Täter keine Rache nehmen. Wem steht alleine die Strafgewalt zu?

Die alleinige Strafgewalt geht in Deutschland vom Staat aus. Ausschliesslich der Staat darf verurteilte Straftäter bestrafen. Selbstjustiz ist nicht erlaubt und steht unter Strafe

72. Wie heißt das höchste deutsche Gericht?

Das höchste deutsche Gericht ist das Bundesverfassungsgericht

73. Was ist unter der Unabhängigkeit der Gerichte zu verstehen?

Die Gerichte unterliegen keiner Kontrolle durch die exekutiv oder legislativ Organe, so dass sie sich auch gegen diese Institutionen entscheiden können, um den Bürger zu seinem Recht zu verhelfen

74. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Sozialstaat. Nennen Sie drei Elemente der sozialen Sicherung in der Bundesrepublik Deutschland!

Gesetzliche Krankenversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld II, Kindergeld

75. Wie heißt die politische Vereinigung der europäischen Staaten? Nennen Sie mindestens fünf Mitgliedsstaaten!

Es gibt mehrere politische Vereinigungen in Europa wie KSZE und der Europarat. Die Frage bezieht sich wohl auf die Europäische Union. Zur Zeit besteht die Europäische Union aus 25 Staaten: Großbritannien, Deutschland, Polen, Niederlande, Irland, Schweden, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, Slowenien, Slowakien, Ungarn, Malta, Zypern, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Dänemark, Österreich

76. In welcher Stadt hat das Europäische Parlament seinen Sitz?

Das europäische Parlament hat seinen Sitz in Strassburg

77. Bei welchen Wahlen können in der Bundesrepublik Deutschland EU-Bürger / -Bürgerinnen mitwählen?

EU-Bürger können bei den Kommunalwahlen wählen

78. Wie heißt das Organ der EU, das die Gemeinschaftspolitik plant und die Entscheidungen ausführt?

Der ausführende Organ der EU heißt die Europäische Kommission, welche aus jeweils einem Vertreter der Mitgliedsstaaten besteht, jeder Kommissar ist für ein anderes Gebiet verantwortlich. Der Vorsitz führt der Präsident der Europäischen Kommission

79. Welchem internationalen Verteidigungsbündnis gehört die Bundesrepublik Deutschland an?

Deutschland gehört NATO an

80. Nennen Sie drei deutsche Philosophen!

Friedrich Nietsche, Karl Marx, Friedrich Hegel, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer

81. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller gelten als Deutschlands berühmteste Dichter. Nennen Sie jeweils ein Werk der beiden Dichter!

Goethe: Die Leiden des jungen Werters, Faust I, Faust II, Götz von Berlichingen, Egmont

Schiller: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Wallenstein

82. Nennen Sie einen deutschen Literatur-Nobelpreisträger!

Heinrich Böll, Theodor Mommsen, Rudolf Eucken, Gerhard Hauptmann, Thomas Mann, Hermann Hesse, Günter Grass

83. Welcher Deutsche komponierte in seiner 9. Sinfonie am Schluss die berühmte "Ode an die Freude"? Nennen Sie zwei weitere deutsche Musiker bzw. Komponisten!

Die "Ode an die Freude" welche als inoffizielle Europahymne gilt, komponierte Ludwig van Beethoven (1770-1827). Weitere deutsche Komponisten wären Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Carl Orff

84. Der deutsche Maler Caspar David Friedrich malte auf einem seiner bekanntesten Bilder eine Landschaft auf der Ostseeinsel Rügen. Welches Motiv zeigt dieses Bild?

Den Kreidefelsen auf der Insel Rügen

85. In Kassel findet alle fünf Jahre eine der bedeutendsten Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst statt. Welchen Namen trägt diese Ausstellung?

documenta. Die letzte documenta 11 fand 2002 statt

86. Die Bundesrepublik Deutschland hat bedeutende Universitäten. Nennen Sie drei Universitätsorte!

Heidelberg, Tübingen, Münster, Freiburg, München, Karlsruhe, Aachen

87. Nennen Sie drei überregionale deutsche Tageszeitungen und zwei öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten!

BILD, taz, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Hamburger Morgenpost, Berliner Zeitung

Öffentlich-rechtliche Funkanstalten: Bayern Rundfunk(BR), Westdeutscher Rundfunk(WDR), Norddeutscher Rundfunk(NDR), Südwestfunk (SWF), Mitteldeutscher Rundfunk(MDR)

88. Erläutern Sie den Begriff "Meinungs- und Pressefreiheit"!

89. Wenn jemand sagt: "Freie Medien sind ein unverzichtbarer Teil einer demokratischen Gesellschaft". Stimmen Sie dem zu oder nicht?

Freie Medien üben eine Kontrollfunktion über die drei Gewalten. Sie sind das Bindeglied zwischen der Bevölkerung und den Regierenden. Durch ihre Unabhängigkeit sind sie in der Lage Missstände aufzudecken, die sonst vertuscht worden wären.

90. In den deutschen Kinos startete 2004 der Film "Das Wunder von Bern". Auf welches sportliche Ereignis nimmt der Film Bezug?

Dieser Film nimmt Bezug auf das Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die deutsche Nationalmannschaft 1954 in Bern im Endspiel gegen Ungarn

91. In welcher deutschen Stadt fanden letztmals die "Olympischen Sommerspiele" statt und von welchem Ereignis wurden sie überschattet?

1972 fanden in München die Olympischen Sommerspiele statt. Überschattet wurde das Ereignis von der Entführung und Ermordung von israelischem Sportteam durch die palästinensischen Terroristen

92. Zum gesellschaftlich-kulturellen Bild der Bundesrepublik Deutschland gehören Sportarten und Sportler. Nennen Sie drei bekannte deutsche Sportler!

Michael Schuhmacher ist einer der erfolgreichsten Piloten bei der Formel 1
Boris Becker und Steffi Graf sind waren mehrere Monate jeweils die Nummer 1 der Tennisweltrangliste und haben mehrere Worldcup-Wettbewerbe gewonnen

93. Was hat Johannes Gutenberg erfunden?

Johannes Gutenberg (1400-1468) erfand den Buchdruck mit den beweglichen Lettern aus Metall

94. Welche Personen gelten in Deutschland als Pioniere des Automobilbaus? Nennen Sie zwei Namen!

Karl Benz (1844-1929) erfand unter anderem Viertakt-Verbrennungsmotor
Rudolf Diesel (1858-1913) erfand den Dieselmotor

95. Welcher deutsche Physiker hat mit seiner Entdeckung im Jahre 1895 die medizinische Diagnose bis zum heutigen Tag revolutioniert?

Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) erfand das Röntgengerät, erstmals war es möglich den Patienten zu durchleuchten und kontaktlos eine Diagnose zu machen

96. Was gelang dem deutschen Wissenschaftler Otto Hahn erstmals 1938?

Der deutsche Chemiker Otto Hahn (1879-1968) war der Pionier der Kernspaltung

97. Welcher deutsche Arzt entdeckte die Erreger von Cholera und Tuberkulose?

Der deutsche Mediziner Robert Koch (1843-1910) entdeckte 1882 den Erreger der Lungentuberkulöse und 1884 den Erreger der Cholera

98. Welche Farben hat die deutsche Bundesflagge und wie sind sie angeordnet?

Die deutsche Bundesflagge hat 3 gleichgrosse horizontale schwarz-rot-goldene Streifen.

99. Wie heißt der Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland und wann wird er begangen?

Der Nationalfeiertag heißt Tag der Einheit und wird am 03.Oktober jeden Jahres begangen

100. Wie heißt die deutsche Nationalhymne und mit welchen Worten beginnt sie?

Die deutsche Nationalhymne heisst "Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland", besteht aus der dritten Strofe "Das Lied der Deutschen" und fängt mit folgenden Worten an:

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

Sonntag, Februar 19, 2006

Polemik über die Kultursteuer

Eine Frage zum Einstieg: Was haben die Flucht aus den Kirchen, die sinkenden CD-Verkäufe, die Ausweitung der GEZ-Gebühren auf Multimediageräte und das langsame Sterben der öffentlichen Bibliotheken, Museen und Theatern gemeinsam? Auf den ersten Blick sind es grundverschiedene Themen, jede davon wird heiss diskutiert, es gibt jede Menge Forschungen über die Ursachen und Patentrezepte zur Behebung der Missstände:

Wäre die Mitgliedschaft in der Kirche kostenlos, gäbe es keine Kirchensteuer, wäre der Prozentsatz der aus der Kirche ausgetretenen sicherlich viel geringer. Der Protest gegen die Kirchenpolitik wird ungleich potenziert, wenn auf dem Lohnzettel schwarz und weiß die Kirchensteuer ausgewiesen wird und es ist mit die einfachste Möglichkeit seine Steuerlast zu senken. Wie es scheint haben die Kirchen kein Rezept gefunden, mit dem die Ausgetretenen aus der Kirche wieder zurückgeholt werden können.

Mit dem Aufkommen der illegalen P2P Netzwerke wie Kazaa oder Napster wurde es unnötig für die Musik, Filme und Bücher zu bezahlen, der Konsument konnte alles quasi kostenlos auf sein Computer laden. Die Musik- und die Filmindustrien reagieren mit Klagen gegen die Nutzer der P2P-Netzwerke, mit Lobbyismus so dass die bestehende Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums verschärft wurden, es wurden Kopiersperren eingeführt und Aufklärungskompanien gestartet. Gleichzeitig wird versucht die Download-Szene zu legalisieren, indem offizielle Download-Möglichkeiten von kopiergeschützten Werken geschaffen werden. Die Kopierschutzmassnahmen sind sehr aufwendig implementiert und können unter Umständen den Computer des Konsumenten beschädigen, siehe die Diskussionen um Kopierschutz von Sony, der Virenautoren ermöglicht hat, ihre Viren vor dem Betriebssystem zu verstecken. Ausserdem ist es doch eine recht paradoxe Situation, dass mit der Digitalisierung zuerst die Möglichkeit geschaffen wurde, geistige Inhalte kostengünstig zu verbreiten, etwas wovon die Menschheit seit der Erfindung der Schrift geträumt hat, und jetzt versucht man diese Möglichkeiten möglichst wieder zu beschneiden.

Durch die Digitalisierung wurde eine Vielzahl an Geräten möglich mit denen man Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks empfangen kann. Gleichzeitig verabschieden sich die Nutzer der "alten" Medien für die die Rundfunkgebühren bezahlt werden mussten, wie Fernsehen und Radio, immer häufiger in Richtung Internet und melden ihren Fernseher ab. In der Angst, dass die Zahl solcher Nutzer in Zukunft exponentiell ansteigt und die öffentlich-rechtlichen Anstalten keine Gebühren mehr bekommen werden, wurden erfolgreich die Gebühren für internetfähige PCs durchgedrückt, mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Programme auch im Internet zu empfangen wären, bzw. der Surfer auch das öffentlich-rechtliche Programmangebot im Internet nutzen könnte. Dieselbe Argumente werden auch bei Handy-TV erwähnt, so dass quasi jeder Mediennutzer, solange sie nicht konserviert sind, GEZ-Gebühren bezahlen soll.

Der beklagenswerte Zustand der öffentlichen Kultureinrichtungen und schmerzhafte Einsparungen in diesen Sparten ist das Ergebnis der leeren Kassen der Kommunen und das Unwillen der Bevölkerung höhere Preise zu bezahlen, falls durch die Subventionen die Kosten nicht gedeckt werden können. Teilweise wird versucht auf Mäzenen zurückzugreifen, um größere Projekte zu finanzieren, teils werden die Einrichtungen geschlossen, oder die Preise drastisch erhöht. Es werden nur populäre, flache Kunst gezeigt, bei der das Publikumserfolg garantiert ist, vor schwierigen, unpopulären Themen schreckt man zurück, um keine finanziellen Einbussen zu erleiden.

Jedes der beschriebenen Themen hat was mit der Kunst und Kultur zu tun, unserer Einstellung dazu und unserer Bereitschaft für den Kulturkonsum angemessen zu bezahlen. Mein Vorschlag ist es eine Kultursteuer zu schaffen, die von allen Beschäftigten evtl. ein ermäßigter Satz von Studenten, Rentnern und Arbeitslosen erhebt werden soll, denn auf irgendeine Weise konsumieren wir immer Kultur, sei es indem wir in die Bibliothek, ins Theater, oder in die Kirche gehen, ein Buch lesen, Fernsehen schauen, Musik hören usw. Diese Kultursteuer sollte für folgende Zwecke ausgegeben werden:

- Kirchen
- Unterstützung der öffentlichen kulturellen Einrichtungen
- Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Programmangebots
- Kulturflatrate für Musik-, Filme und Literatur

Die Vorteile dieser Steuer ist, dass sie recht transparent ist, im Gegensatz etwa zu der Mehrwert- oder der Lohnsteuer, die Empfänger sind klar benannt. Es wäre natürlich auch möglich, dass die Zahler, die partout nicht kirchliche Einrichtungen unterstützen wollen, eine Wahlmöglichkeit haben den Teil, der für die Kirchen bestimmt ist, ganz der Unterstützung von Museen zugute kommen soll, oder auch umgekehrt. Die umstrittenen Einrichtungen wie die GEZ, mit der Armee von Eintreibern wird überflüssig, die Steuer wird genauso wie die jetzige Kirchensteuer eingenommen. Die Kopierschutzmassnahmen der Contentindustrie werden unnötig, ein Computer kann ohne Sperren dazu benutzt werden, wofür es erschaffen wurde, nämlich die ungehinderte Verarbeitung und Vervielfältigung der Informationen. Der Sinn der konsumentenfeindlichen Urheberpauschale stellt sich in Frage. Die Nachfrage nach digitalen Endgeräten und Breitbandzugängen schellt in die Höhe, es müssen keine Befürchtungen aufkommen, dass aufgrund der ausgeklügelten Kopiersperren die unterschiedliche Endgeräte zueinander nicht kompatibel sind. Offene Formate können auch nicht veralten, momentan ist es so, dass falls der Anbieter vom Markt verschwindet, die ganzen gekauften Musikstücke sich womöglich nicht mehr abspielen lassen. Neue Kulturformen werden möglich (wie Internet-Radio oder Fernsehen, zitieren oder remixen von urheberrechtlich geschützten Materialien) oder können größere Verbreitung finden. Die vielzitierte Kriminalisierung der Schulhöfe findet nicht statt, da der Tausch der Inhalte legal ist. Die öffentliche kulturelle Einrichtungen bekommen eine solide Finanzierungsgrundlage.

Eigentlich ist es unverständlich warum die Contentindustrie sich gegen eine Kulturflatrate heftig wehrt, wie man am Beispiel Frankreich gesehen hat, wo ein aktuelles Gesetzentwurf seitens des Parlaments, der praktisch P2P-Netzwerke legalisiert, von der Industrie heftig kritisiert wird. Vielleicht ist die Talsohle noch nicht erreicht, die Hoffnung auf höhere Umsätze, anstatt stabilen Einkommensgrundlage noch nicht erloschen. Ich bin sicher, dass die anderen 3 Institutionen, die ich genannt habe, um eine solche Regelung froh sind, da sie steigende Einnahmen verspricht. Eine grosse Frage ist natürlich, wie der Verteilungsschlüssel zwischen den Empfänger dieser Steuer aussehen wird, wie die Künstler und Autoren angemessen entlohnt werden und wie die Nutzung der Medien festgestellt werden kann. Möglich wären offizielle Tauschbörsen, wo jede getauschte Medieneinheit registriert wird und die Entlohnung nach der Popularität der Medieneinheit sich richtet. Natürlich wird es auch Tausch ausserhalb solcher Börsen geben, aber dies kann man dann hochrechnen. Die entscheidende Frage ist auch, wie hoch nun diese Steuer sein wird. Ich finde das ist eine Frage, die nur im gesellschaftliches Konsens gelöst werden kann. Wieviel ist denn uns unsere Kultur wert und wieviel sind wir bereit dafür zu bezahlen?

Sonntag, Februar 12, 2006

Polemik zur Auflösung der Bundesrepublik Deutschland

Warum die Bundesrepublik Deutschland aufgelöst werden muss

wenn wir uns an die letzten Bundestagswahlen errinnern, da gab es ein Wahlspruch, der wahrscheinlich recht viel Kopfschütteln ausgelöst hat, der von der Bayernpartei. Der Spruch war: "Wenn wir schon sparen, dann sparen wir uns doch Berlin". Jeder jenseits des Weißwurstäquators denkt sofort, die spinnen die Bayern, am liebsten hätten sie ihren König wieder. Aber ist die Forderung nach der Auflösung der Bundesrepublik so unberechtigt?

Spätestens nach den Napoleonischen Kriegen wurde klar, dass die Zeit der starken Nationalstaaten gekommen ist, die kleinen Staaten konnten sich nicht gegen die grossen aggressiven Nachbarn durchsetzen, so dass nur in der Vereinigung der kleinen Ländern eine Chance zur Bildung eines Gegengewichts bestand. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Welt in drei grosse Blöcke geteilt, allerdings hatten die grossen Staaten wie Deutschland oder Frankreich immer noch ein grosses Gewicht und waren unersetzbar. Die Wiedervereinigung stärkte noch Deutschlands Rolle in der Welt und unterstrich seine Führungsposition in Europa. Allerdings haben sich in den letzten 15 Jahren die Bedingungen entscheidend verändert. Die Institution der Europäischen Union hat eine rapide größere Rolle übernommen, immer mehr Aufgaben, die früher klar in die Verantwortung der Länderregierungen lagen, wurden für den Zweck der Harmonisierung an die europäischen Institution abgegeben. Immer öfters profilieren sich insbesondere die deutschen Politiker damit, dass es nicht in ihrer Macht ist, die Gesetze zu ändern, da Brüssel es so vorgeschrieben hat. Die Frage, die sich nun stellt, warum braucht man denn überhaupt Politiker, wenn sie keine Macht haben und nur Ausführungsgehilfen sind, die auch noch gegen die Vorgaben, die sie ausführen müssen, protestieren?

Die Europäische Union ist ein politisch-ökonomisch-militärischer Block, der notwendig ist, um den einzelnen Ländern mehr Mitspracherecht im Weltgeschehen einräumen soll. Im Prozess der Globalisierung ist selbst ein Land wie Deutschland nicht fähig eigene Position zu verteidigen oder zu seinen Gunsten zu intervenieren. Nur ein politisches Schwergewicht, wie ein vereintes Europa ist noch in der Lage auf der Weltbühne mit einer starken Stimme zu sprechen, die auch gehört wird. Deswegen die Frage, braucht man denn die Bundesrepublik überhaupt noch, oder soll die der deutschen Regierung verbliebene Macht nicht gleich zwischen den europäischen Institutionen und den einzelnen Ländern aufgeteilt werden?

Was für Vorteile hätten denn die kleineren Länder gegenüber dem größten Staat in Europa? Es zeigt sich, dass die Größe nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Wenn wir uns die kleineren europäischen Länder wie die Benelux-Länder, Estland, Irland, Österreich ansehen, zeigt sich, dass diese Länder momentan wirtschaftlich besser dastehen, als die großen Flächenstaaten. Sie können viel flexibler auf die schnell ändernden Herausforderungen reagieren, die Fehler schneller korrigieren und sind experementierfreudiger. Die Bevölkerung ist homogener, es müssen nicht so viele Einzelinteressen befriedigt werden. Die Unterschiede zwischen zwei österreichischen Bundesländern sind sicherlich geringer, als zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Deutschland muss aber eine einheitliche Wirtschaftspolitik für beide Bundesländer durchführen, one size fits all muss gelten, was nicht klappen kann, da die Probleme der beiden Länder viel zu verschieden sind, man vergleiche nur die Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenstatistiken. Wären die beiden Länder unabhängig voneinander, aber unter europäischen Dach vereint, könnte jedes Land viel spezifischer auf seine Probleme eingehen und sie lösen.

Wenn wir sparen müssen, dann sparen wir uns Berlin. Wieviel Overhead leisten wir uns eigentlich, was die anderen Länder nicht nötig haben? 17 Legislativen und Bundesrat dazu, die sich auch noch gegenseitig blockieren, 17 Exekutiven mit jeweils ca. 12 Ministern und Ministerien, 17 Judikativen, 17 Hauptstädte. Unter diesem Standpunkt ist es natürlich verlockend gleich 16 Länder einzusparen, aber aus den obergenannten Gründen, wäre es wünschenswert nicht ein einziges grosses Land zu haben, sondern 10-12 Länder (Stadtstaaten müssten in diesem Szenario mit größeren Ländern fusionieren). Länderfinanzausgleich und Solidaritätszuschlag würden wegfallen, bzw. durch europäische Beihilfen ersetzt. Kompetenzgerangel in Finanz-, Bildungs-, Ökologie- und anderen Fragen würden sich auf einen Schlag lösen.

Es gibt auch andere Faktoren, die für eine Auflösung Deutschlands sprechen. Das Identitätsgefühl der Bürger mit dem eigenen Land wird gestärkt, die Politik wird wieder näher an die Bürger gebracht, viele Entscheidungen nicht im fernen Berlin, sondern im nahen Wiesbaden, Kiel, oder Magdeburg gefällt. Es gibt immer noch genug Vorurteile gegenüber "dem Deutschen" im Ausland, die deutsche Geschichte ist nicht die ruhmreichste, viel weniger negative Assoziationen wecken die Begriffe "der Sachse", oder "der Bayer" und niemand nimmt sich ein Anstoss an der schwarz-gelben badischen Fahne. Es gibt jetzt schon genügend Bürger, die nach ihrer Hauptstadt gefragt eher "München" oder "Stuttgart" als "Berlin" sagen.

Die jüngsten Wahlen haben keine stabile Mehrheit gebracht und es gibt keine Anzeichen, dass sich das ändern wird. Parteien, die austauschbare Politik machen, können immer Bevölkerungsgruppen an sich ziehen, die es früher für nicht möglich hielten diese Partei zu wählen, genauso schnell kann diese Bevölkerungsgruppe wieder verlorengehen. Dies bedeutet, dass zwei ausreichend starke Parteien mit leicht unterschiedlichen Konzepten um unterschiedliche Bevölkerungsgruppen kämpfen. Da die Parteien etwa gleiche Konzepte haben haben sie gleich starke Anziehungskraft, also entsteht regelmäßig eine Pattsituation. Diejenige Bevölkerungsgruppen, die nicht von den „Volksparteien“ angezogen wurden, werden von den kleinen Parteien bedient, was die Unübersichtlichkeit noch steigert. Die Zeit der stabilen Mehrheiten ist vorbei. Für ein grosses Land wie Deutschland ist unstabile Regierung eine Katastrophe, nicht nur für die innere Politik, sondern auch als Signal nach aussen. Wer interessiert dagegen, welche Koalition gerade in Litauen vorherrscht. Die Abschaffung der Bundesregierung hätte einen erheblichen Stabilitätsfaktor in die europäische Politik zurückgebracht, so dass die europäischen Institutionen weniger Rücksicht auf die starken Nationalstaaten und ihre innere Probleme nehmen müssten.

Das Ziel vom vereinten Europa ist ein Europa der Regionen. Es ist eine klare Kompetenzverteilung zwischen den Regionen und den europäischen Institutionen. Nicht nur Deutschland hat Probleme mit Regionen, Spaniens Katalanien und Baskenland, Korsika in Frankreich, Wales, Schottland und Nordirland in Großbritannien. Die Begriffe wie Deutschland, Großbritannien, Spanien sind als kulturelle, historische und geografische Begriffe vorstellbar, aber nicht als politische oder wirtschaftspolitische.

Es bestehen Befürchtungen, dass die einzelnen Länder an politischem Gewicht verlieren, aber selbst nach der Auflösung würde Bayern sechsgrößtes Land in der EU bleiben. Es wären lose Bündnisse in den europäischen Institutionen vorstellbar, um gegenüber anderen Ländern seine Interessen durchsetzen zu können, allerdings könnten diese Bündnisse aus den Nordländern und Dänemark bestehen, oder Baden-Württemberg, Bayern und Österreich, also geografisch verteilt. Die Befürchtung, dass ein EU-Gebilde aus so vielen Staaten, also Einzelinteressen irgendwann unregierbar wird, wird von 53-Staaten Gebilde wie die USA widerlegt und die Idee von den Vereinten Staaten von Europa ist nicht so weit entfernt, wie mancher es sich wünschen würde. Die Fragen nach dem gemeinsamen Militär, Geheimdienst, Kriminalamt, Gerichtshof, Finanz- und und Aussenpolitik werden von den entsprechenden europäischen Initiativen demnächst beantwortet.

Wie man sieht, ist die Idee von der Auflösung der Bundesrepublik Deutschland viel nahliegender als zuvor vermutet. Die Bayern-Partei geht leider nicht weit genug mit ihren Forderungen. Es wäre wünschenswert wenn in jedem Bundesland eine ähnliche Partei sich gründen würde, deren gemeinsames Ziel die Unabhängigkeit unter einem gemeinsamen europäischem Dach wäre.

Mittwoch, Februar 08, 2006

Polemik über die Mohammed Karrikaturen

Die Vorgeschichte der Karikaturen, die zur Zeit so viel Aufsehen in der moslemischen und der europäischen Zivilisationen erregen, dürfte inzwischen bekannt sein, es wird viel über das mangelnde Demokratieverständnis gesprochen, über die Presse- und die Meinungsfreiheit, über kulturellen Graben, Clash of Civilisations, usw. Meiner Meinung nach gibt es zwei Angriffspunkte an der Argumentation der Europäer, die ich im nachfolgendem näher erläutern möchte:

1. Die Presse und die Meinungsfreiheit ist definitiv nicht so universell, wie es dargestellt wird, es gibt einige Tabus, die kein europäischer Journalist übertreten wird, ohne dafür Ärger mit der Justiz zu bekommen. Ironischerweise verdeutlicht eine Karikatur, die in einer jordanischen Zeitung veröffentlicht wurde am besten die Doppelzüngigkeit der europäischen Journalisten. Darauf ist zu sehen, wie ein Karikaturist dem Chefredakteur verschiedene Zeichnungen vorlegt. Auf der ersten Zeichnung wird das Davidstern mit dem Hakenkreuz gleichgesetzt. Diese Zeichnung wird als antisemitisch abgelehnt. Auf der zweiten Zeichnung sieht man einen schwarzen Bimbo. Diese Zeichnung wird als rassistisch abgelehnt. Die dritte Zeichnung ist eine der zwölf Mohammed Karikaturen. Diese Zeichnung wird unter der Begründung der Pressefreiheit angenommen. Was folgen wir daraus? Jede Gesellschaft hat Tabus, jedoch sind die Tabus in verschiedenen Gesellschaften anders. Ein etwas abgegriffenes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Einstellung zur Kinderpornografie in Japan und in Europa (Stichwort Sex-Mangas).

2. Eine Karikatur erlaubt keine tiefere Beschäftigung mit dem dargestelltem Thema, wie ein längerer Artikel. Eine Karikatur muss griffig sein, leicht verständlich, wie eine BILD-Schlagzeile. Es gibt Themen, die eine Vereinfachung nicht erlauben, Kritik an Weltreligionen ist sicherlich ein solches Thema. Ich trete dafür ein, dass man sich mit aus der heutigen Sicht unmenschlichen Gesetzen der Scharia auseinandersetzt, dass man die Stellung der Frau kritisiert, es gibt viele Punkte, die eine moderne Gesellschaft der westlichen Zivilisationsprägung islamischen Ländern vorwerfen kann, die Verletzung der Menschenrechte, Nichtbeachtung der Minderheitenrechte und gerade die Presse- und die Meinungsfreiheit, aber Karrikaturisierung, die Lustigmachung und die Simplifizierung dessen ist der falsche Weg. Der Zeitgeist des neuen Jahrtausends in Europa ist der Zeitgeist der Satire, der Ironie, der Relativierung und schliesslich des puren Zynismus. Die Massenmedien, die moderne Literatur sind voll von Leuten, die es als ihre vordergründigste Aufgabe sehen, sich über ihre Mitmenschen auf ihre Kosten köstlich zu amüsieren. Der neueste Trend vor allem der deutschen privaten Fernsehkanäle ist es in billigen Shows über jeden und allen kübelweise Dreck auszuschütten. Mal ist die musikalische Geschichte das Thema ("Die 100 nervigsten Hits der Popgeschichte"), mal die Künstler selbst, mal sind es Lästereien über die Männer, mal über die Frauen. Stefan Raab und Harald Schmidt sind jahrelang auf Sendung und gehören zu den beliebtesten Moderatoren, ihr Erfolgsrezept besteht darin möglichst über jeden und allen lustig zu zu machen, nichts ernst zu nehmen und möglichst viele Tabus zu brechen, damit die Quote stimmt und am nächsten Tag sie in aller Munde sind. Über was haben wir uns noch nicht lustig gemacht, über was noch nicht gelästert, was noch nicht in den Schmutz gezogen?

Die Front verläuft diesmal interessanterweise nicht zwischen Islam und Christentum, es verläuft zwischen Islam und den Zynikern dieser Welt. Vatikan hat sich bezeichnenderweise missbilligend über die Karikaturen geäussert, auch die USA beteiligen sich nicht an der Auseinandersetzung. Ist denn Zynismus ein Fundament auf dem sich eine funktionierende Gesellschaft bauen läßt? Wenn jeder über jeden ohne Rücksicht auf dessen Stellung und Verdienste unfundiert (also keine berechtigte Kritik) negativ äußern kann, und sich dann hinter die Begriffe Ironie, Satire, Meinungsfreiheit versteckt, ist jeder Anreiz Anerkennung der Gesellschaft zu bekommen, dahin. Wozu sich bemühen, wenn man sich hervortut und sich damit für Angriffe jeglicher Art verwundbar macht? Aus dem Zeitalter des Zynismus resultiert auch der Nihilismus, die Verneinung jeder Werte, Misstrauen gegenüber jedem. Man ist jederzeit bereit aufzuspringen und "Bullshit-Bingo" zu schreien, denn es ist unglaublich, dass es auch positive Nachrichten gibt und Menschen, die ohne Hintergedanken Gutes tun. Zuerst wird auf die negativen Seiten einer Sache geschaut, es wird versucht zuerst Kritik zu üben, alles wird nach Schwachstellen abgeklopft und wenn eine gefunden wurde, wird die gesamte Sache für nichtig erklärt. Man übt sich in Relativismus, jede Freude und jedes Leid wird im Verhältnis zu noch größeren Freude oder Leiden gesetzt. An jedem Tabu wird solange gerüttelt, bis es fällt, jedes moralische Bedenken wird beiseite geräumt, indem man eine Gruppe von Personen präsentiert, deren Glück genau von der Abschaffung dieses Tabus abhängt. Ist diese Art von Gesellschaft nicht schon degeneriert? Eine nihilistische Gesellschaft ohne Ideale, ohne Ziele? Vielleicht hängt auch der Bevölkerungsrückgang in Europa direkt damit zusammen?

Ich bin weit davon entfernt, Verständnis für die Zerstörung der Botschaften und Entführung von Europäern gutzuheissen. Aber vielleicht kann Europa angesichts solcher Ereignisse in sich gehen, begreifen, was der Zynismus und blankes Unverständnis und Nichtbeachtung der Gefühle anderer Gesellschaften anrichten kann.