Es wird Zeit für Obama zu sagen: Ich bin ein Este!
Edward Lucas, britischer Journalist, schreibt hauptsächlich für The Economist, estophil, russophob. Der volle Artikel ist hier
Es wird Zeit für Obama zu sagen: Ich bin ein Este!
Edward Lucas, britischer Journalist, schreibt hauptsächlich für The Economist, estophil, russophob. Der volle Artikel ist hier
In seiner neuesten Kolumne in Spiegel Online beklagt Jan Fleischhauer, dass russische Gesellschaft unter kollektiven Psychose leidet und in einer alternativen Wirklichkeit lebt, die mit Argumenten nicht zu durchdringen ist. Es macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit, einzelnen Leuten verabreicht Psychopharmaka, aber wie heilt man eine ganze Gesellschaft?
Die Diagnose ist durchaus richtig, deutlich wurde es, wenn man die Reaktionen auf den Abschuss des zivilen Flugzeugs in der Ukraine im russischen Teil des Internets anschaut, auch seriöse Medien zitieren anonyme Tweets einen „spanischen“ Fluglotsen, der angeblich am Kiewer Flughafen arbeitet und die Provokation der ukrainischen Regierung aufgedeckt haben will. Der Account ist inzwischen gelöscht, es gibt also keine Möglichkeit den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu überprüfen, aber das scheint die russischen Journalisten nicht zu stören, denn was nicht sein kann, das kann nicht sein. Einer der Separatistenführer mit dem Künstlernamen Strelkov (also der Schütze) schreibt in seinen weitverbreiteten Kolumnen, dass mit dem Flugzeug etwas nicht gestimmt haben muss, es hatte eine Menge von Blutkonserven an Bord und die Leichen waren schon kalt, also müssen sie schon vor dem Absturz tot gewesen sein. Anstatt ihn für verrückt zu erklären, wird er eifrig zitiert, laut Der Spiegel sogar im Staatsfernsehen. Auch die Pressekonferenz des russischen Militärs sollte nahelegen, dass ein Flugzeug des ukrainischen Militärs in der Nähe gewesen war (was durchaus möglich wäre), aber dass es auch die tödliche Rakete abgefeuert hat. Also am helligsten Tag in einer durchaus bevölkerten Gegend schiesst ein Flugzeug ein anderes Flugzeug ab und man ist sich sicher, dass es niemand am Boden merkt? Wozu dann die Einleitung über die ukrainischen BUKs, die wohl eifrig hin- und herfahren? Wohl als Plan B, wenn festgestellt wird, dass keine Luft-Luft Rakete solche Zerstörungen anrichten kann. Die nächste Verschwörungstheorie wartet schon. Es fing übrigens nicht erst mit dem Ukraine-Konflikt an, ich habe heisse Diskussionen ausgefochten, als es um die Frage ging, ob Assad für den Giftgasangriff verantwortlich gemacht werden kann oder nicht. Nachdem eine Theorie aufgrund von Fakten unhaltbar geworden war, wurde sofort behauptet, dass man es eh längst wüsste und es wurde sofort die nächste Theorie präsentiert in die sich die Fakten gerademal so einfügen ließen. Mein Verdacht ist, dass es am Ende unmöglich sein wird einen endgültigen Beweis zu präsentieren, denn selbst wenn man die Überreste der BUK-Rakete findet, wird man nicht nachweisen können, aus wessen Beständen sie nun stammte und selbst wenn man die Abschussstelle zweifelsfrei feststellen kann, dann wird es unklar sein, wer am 17. Juli dieses Stückchen Land unter seiner Kontrolle hatte.
Aber zurück zu der Frage, was macht man mit einer Gesellschaft, die in einer alternativen Realität lebt? Hier tut Fleischhauer so, als ob es zum ersten Mal in der Geschichte vorkommt. Gerade die Deutschen müssten eigentlich wissen, wie es passieren kann, dass eine Gesellschaft den Sinn für die Realität verliert. Neuere Beispiele gibt es in Serbien, in Ruanda. Und ja, auch die Ukraine ist davor nicht gefeilt, die Erwartungen, die Maidan entfacht hat, die auch von den dort auftretenden ausländischen Politikern geschürrt wurden, werden noch an der harten Realität zerbrechen.
Wo Fleischhauer evtl. Recht hat, das ist dass man mit so einem grossen Land keine Erfahrung hat, wie man es in die Realität zurückholt. Die Allierten im befreiten Deutschland führten ein 3D-Programm durch: Demokratisierung, Demilitarisierung, Denazifizierung, da hatten die Deutschen gar keine Wahl. Russland ist nicht besetzt, d.h. die Einflußmöglichkeiten sind viel geringer. Serbien wurde mit dem Eintritt in die EU gelockt und überstellte die Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal in Den Haag, aber Russland will gar nicht in die EU. Was also tun? Helfen die Wirtschaftssanktionen? Ziemlich sicher nicht. Momentan wird jede Sanktion als Bestätigung des jetzigen Kurses gesehen und regelrecht gefeiert. Die Kreativität des russischen Volkes kennt keine Grenzen, also werden im Privaten Gegensanktionen proklamiert, wie „Obama darf diesen Hund nicht streicheln“. Es gibt zwei Gegenströmungen, einerseits werden die sanktionierten Einrichtungen, wie die Banken erst recht genutzt, um seinen Patriotismus auszudrücken, andererseits wird eine Schadensfreude empfunden, wenn einer der Oligarchen betroffen ist. Wenn die Sanktionen derart massiv werden, dass Russland zurück in die Wirtschaftsverhältnisse der 90er Jahre zurückschlittert, weiss ich nicht, ob es ein Ziel der europäischen Mächte sein kann, einen derart unberechenbaren Nachbarn zu haben (Stichwort Waffen- und Menschenschmuggel und andere Arten von Kriminalität, die nicht vor den russischen Grenzen halt machen wird, ausserdem Gefahr von Auseinanderfallen von Russischen Föderation in zahlreiche top-bewaffnete und sich hassende Staaten). Erst recht helfen die Sanktionen nicht die kurzfristigen Ziele, wie die Befriedung in der Ostukraine zu erreichen.
Was kann man denn kurzfristig tun? Die derzeitige ukrainische Führung will unter allen Umständen Kontrolle über die umkämpften Gebiete erreichen und scheut nicht vor dem Einsatz von Waffen, die großflächig alles Lebende dort vernichten. Wenn man Israel gerade noch glauben kann, dass sie hochpräzise Waffen benutzen, um nur bestimmte Ziele zu bekämpfen, ist es in der Ukraine keineswegs der Fall, woher sollen die sündteueren Präzisionswaffen auch herkommen? Der ukrainische Präsident Poroschenko hat schon um die Lieferung solcher Waffen gebeten, aber auf welchem Träger sollen die lasergeführten Bomben befestigt werden und wer soll sie abschiessen? Also bedeutet das die Lieferung ganzer Flugzeugverbände samt Personal (zu welchem Preis eigentlich?). Ausserdem kommt mir das alte Sprichwort in den Sinn: Bombing for peace is like fucking for virginity. Ausserdem ist es unklar, was Poroschenko eigentlich will, wenn er die Gebiete zurückerobert hat. Sein Plan mit der Föderalisierung und russischen Sprache mit Spezialstatus war ganz nett vor den Kampfhandlungen, ob nach hunderten von getöteten Brüdern, Schwestern, Töchtern, Söhnen, Eltern, Freunden, der Frieden in diese Region einkehrt, wage ich zu bezweifeln. Kann die Ukraine überhaupt die gesamte zerstörte Infrastruktur aufbauen und will sie es überhaupt, denn das würde das Wiedererstarken der Region bedeuten, was schon wieder gefährlich werden kann?
Die einzige Lösung, die ich sehe, ist ein Blauhelmeinsatz der UNO (und nicht der NATO). Dieser Vorschlag wird schon in der deutschen Politik diskutiert, doch schreiben Massenmedien, dass höchstwahrscheinlich Russland diesen Vorschlag ablehnen wird. Ich sehe nicht den Grund, warum Russland das ablehnen sollte, ist es doch die einzige reele Möglichkeit einigermassen würdevoll aus dem Konflikt herauszukommen. Eher wird die Ukraine dagegen sein, denn damit wiederholt sich quasi das transnistrische Szenarium, ein Teil des Landes ist abgetrennt und steht unter fremden Verwaltung. Doch hier liegt es an Europäern und Amerikanern Poroschenko trotz den Drucks in seinem Land zu überzeugen, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Das weitere Schicksal der beiden Gebiete wird sich später entscheiden, wenn die Gemüter soweit abgekühlt wurden, dass man sich an einen Tisch setzen kann und es wird sich auch herausstellen, wie überlebensfähig diese beiden Gebiete überhaupt sind. Das wichtigste momentan ist das Stoppen von Blutvergiessen, alles andere ist nebensächlich.
Was ist aber mit mittel- und langfristigen Perspektiven mit Russland? Ich weiss, ich klinge langweilig, aber EU muss sich weiter gegenüber Russland öffnen. Ein sehr beliebtes Spiel der russischen Elite und der Massenmedien ist das „mitdemFingerzeigen“ auf die Europäer, wenn ihr das und das dürft, dann dürfen wir das auch. Die Beispiele werden komplett an den Haaren herbeigezogen, der deutsche Blasphemie-Artikel wird als Rechtfertigung gegenüber den Repressionen gegen Pussy Riot verwendet, Einsätze der Polizei an 1.Mai-Krawallen, als Rechtfertigung für das Zusammenprügeln der Opposition, die 100 Mann-NPD-Auftritte werden als Erstarken des Faschismus gewertet, die Gleichstellung der Homosexuellen, als Untergang des Abendlandes. Dagegen muss vorgegangen werden:
1. Erleichterung des Visums. Wenn jemand schon mal versucht hat, jemanden aus Russland einzuladen, weiss wovon ich rede. Selbst um ein 4-Tage Visum zu bekommen, muss die betreffende Person zu einer persönlichen Unterredung erscheinen, die Einladung wird von der deutschen Botschaft im Original erwartet, wobei die russische Post wohl das unzuverlässigste Transportmedium überhaupt ist. Alleine das lässt die Ressentiments gegenüber dem Westen wachsen und schreckt reisewillige Besucher ab. Es muss dringend was passieren, damit nicht nur die Oligarchen, die für sowas ihre Leute haben, sondern auch einfachere Russen in den Westen kommen und sich selbst ein Bild vom Leben hier machen können.
2. Natürlich gilt der Einwand, dass eine touristische Reise nicht unbedingt das politische Leben eines Landes einem zeigt. In Deutschland gibt es ja politische Bildungsreisen in verschiedene Länder, also sollten politische Bildungsreisen aus Russland nach Deutschland für russische Bürger ermöglicht werden, ich bin sicher, Interesse wäre da.
3. Studentenaustausch. Nach dem faktischen Untergang der russischen Hochschulbildung sind die deutschen Hochschulen in Russland heiss begehrt. Deutschland sollte so vielen jungen Russen wie möglich Ausbildung in Deutschland ermöglichen, so dass sie das Leben hier kennenlernen und mit frischen Ideen zurück nach Russland kehren. Aber auch an den russischen Hochschulen sind ausländische Gäste gerngesehen, die Vorträge sind gut besucht.
4. Zusammenarbeit mit den russischen Massenmedien. Es gab einen Projekt von der Deutschen Welle mit lenta.ru, einem der beliebtesten Nachrichtenportale in Russland. Es wurden nicht nur politische, sondern auch Artikel aus dem deutschen Alltagsleben online gestellt, um das Leben in Deutschland zu zeigen. Solche Kooperationen müssen ausgebaut werden. Der Süddeutschen Zeitung liegt/lag regelmässig Beilage von Russland Heute bei. Gibt es eine entsprechende deutsche Beilage in russischen Zeitungen?
5. Portal mit Übersetzungen der westlichen Massenmedien. Einer der beliebtesten Nachrichtenportale in Russland ist inosmi.ru. Dort werden Übersetzungen aus verschiedenen westlichen Massenmedien veröffentlicht, meistens das, was das *mitdemFingerzeigen* erleichtert. Es muss ein gleichwertiges Portal aufgebaut werden, in dem nicht nur ausgewählte Materialien, sondern generell eine Übersicht der führenden westlichen Massenmedien in russischen Übersetzung veröffentlicht wird. Es müssen nicht nur Zeitungen sein, sondern auch andere Medien, wie Fernsehprogramme (z.B. eine heisse Bundestagsdebatte, um zu zeigen, dass das Parlament durchaus ein Ort zum Debattieren ist). Die Artikel müssen nicht russland-spezifisch sein, es dürfen keinesfalls Artikel sein, die speziell für dieses Portal in propagandistischen Absicht geschrieben wurden, das Portal soll das europäische Leben reflektieren.
6. Russische politische Diskussionen, besonders im Fernsehen, sind immer scharf an der Grenze zu Hysterie und zwar an beiden Seiten, wer lauter ist, hat Recht. Es fehlt an Sachlichkeit, an Fakten. Deutsche Vertreter, die des Russischen mächtig sind, sollten versuchen an solchen politischen Talk-Shows teilzunehmen und ihre Sicht der Dinge klar, sachlich und präzise darstellen. Ihnen wird zugehört, es gilt auch hier Welpenschutz, so dass man einem ausländischen Gast gegenüber nicht so ausfällig wird, wie gegenüber einem Russen.
7. Die russische Regierung und andere Mächtige müssen kritisiert werden, doch auf keinen Fall darf man in plumpe Russophobie abgleiten, wie es insbesondere Politiker der baltischen Länder gerne tun. Das säht nichts als Hass und ist absolut kontraproduktiv. Die Russen dürfen nicht als demokratieunfähiges, paranoides Barbarenvolk dargestellt werden, es wird aufmerksam registriert, auf inosmi.ru übersetzt und entsprechend propagandistisch ausgeschlachtet. Jedes Volk ist demokratiefähig, dieser Satz von Fukuyama ist nach wie vor gültig.
8. Wie schon geschrieben, Propaganda als solche wird erkannt und ruft Gegenpropaganda hervor. Es ist nicht notwendig Extra-propaganda zu erzeugen, die demokratischen Standards in alten EU-Ländern und Russland unterscheiden sich derart massiv, dass es mit unbewaffneten Auge sichtbar ist. Vor kurzem habe ich zwei russische Schwule auf einer Demo gegen Abtreibungsgegnern kennengelernt, sie waren zum ersten Mal überhaupt demonstrieren und waren hellauf begeistert über die deutsche Demonstrationskultur, wo weder die Demonstranten gekauft sind, noch die Polizei hart durchgreift.
9. Was notwendig ist, ist eine klare Gegendarstellung gegenüber russischen Propaganda. Gerade was Blasphemie-Gesetz angeht, wurde im russischen Internet eine Gegendarstellung verbreitet, die gut fundiert erklärte, warum die Aktion von Pussy Riot nicht unter das deutsche Gesetz fallen würde. Etwas anders ist die Situation in den baltischen Ländern, wo recht viele russisch-sprachige Leute wohnen, die teilweise willkürlichen Einschränkungen unterliegen. Hier sollte die EU möglichst schnell für Abhilfe sorgen. Wobei meine Beobachtung der letzten Monate ist, dass aus Furcht vor illoyalen Kreml-Anhängern, die Regierungen der baltischen Staaten momentan zumindest verbale Anstrengungen unternehmen, um das gesamte Volk um sich zu scharren und nicht die dort lebenden Russen zu vergessen, wie es in der Vergangenheit regelmäßig der Fall war.
10. Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wie ich tagtäglich sehe, baut alleine schon gemeinsames Arbeiten mit russischen Kollegen an einem gemeinsamen Projekt beidseitige Vorurteile ab. Fachspezifische Konferenzen sind immer gut besucht, das Interesse und Wohlwollen sind immer da. Es wird durchaus anerkannt, dass in Russland Know-How fehlt und Deutschland ein Land ist, von dem man lernen kann.
11. Sorgfältige Abwägung, welche oppositionelle Kräfte man unterstützt. Als Lakmustest sollte man die Kräfte unterstützen, die man auch im eigenen Land an die Schalter der Macht lassen würde. Die stärkste oppositionelle Bewegung in Russland sind ultraliberale und nationalistische Kräfte, also eine Mischung von FDP und NPD, die in Deutschland keine Chance hätten gewählt zu werden. Warum soll man Russland eine Arztnei verschreiben, die man selbst nicht einnehmen würde? Die Leute in Russland spüren doch auch, dass ultra-liberale Politik nur denjenigen was nützt, die genügend Geld haben, vom staatlichen Leistungen unabhängig zu sein und die nationalistische Politik zum Zerfall Russlands führen wird. Also sollten Kräfte unterstützt werden, die eher dem Ideal der sozialen Marktwirtschaft und Sozialdemokratie entsprechen, soweit es diese Kräfte in Russland überhaupt gibt.
Das ist alles Politik der kleinen Schritte, mit nicht messbaren Ergebnissen, aber auf lange Sicht viel erfolgversprechender als kurzfristige politischen Dividenden durch Russland-bashing.
Aus der Performance "Der Trojanische Elefant", die während des Festivals der alternativen Kunst "Kutuuritolm" in Tallinn aufgeführt wurde
Ihr bereitet Euch auf die Wahlen vor, ich bereite mich auf den Krieg vor.
Toomas Hendrik Ilves, Präsident Estlands im Interview mit der lettischen Zeitschrift ir
Heute vor 95 Jahren besiegte die Estnische Armee zusammen mit Verbündeten aus Lettland unseren gemeinsamen Feind, den wir unter dem Namen Landwehr kennen. Das war die Schlacht bei Võnnu, Cēsu kaujas. Doch geben wir die Landwehr und die Rote Armee, unseren zweiten Gegner in dem Befreiungskrieg die richtigen Namen. Unter ihnen waren die Wiederaufbauer des Imperiums, Zerstörer, Terroristen.
Wenn wir verstehen, dass der Sinn der Siegesfeier der Sieg über sie ist, wenn wir begreifen, gegen was die Esten und die Letten hier auf der Südfront kämpften, dann verstehen wir wie wenig sich die Welt in den letzten 95 Jahren geändert hat.
Es lohnt sich nicht, sich den Illusionen hinzugeben. Das Fundament der Sicherheit, auf das wir uns mit unseren Verbündeten 23 Jahre lang stützten, ist verschwunden. Uns hat man die ganze Zeit beruhigt, dass die Welt sich geändert hat, dass in Europa keine Territorien erobert werden, man nicht mit Waffen angreift. Doch es sieht so aus, dass man angreift, okkupiert und besetzt. Alle wichtigen europäische Verträge, die die Unabhängigkeit der Staaten garantieren, wurden im letzten halben Jahr verletzt. Die Kraft in reiner Form, harte Eigensucht, die durch die Lüge verdeckte Ungerechtigkeit in Form von lauter Propaganda und Verzerrung der Wirklichkeit - all das, gegen was vor einer Generation die junge Estnische Republik kämpfen musste, es ist nicht verschwunden. Erst im letzten Viertel Jahrhundert gewöhnten wir uns an Frieden und europäische Entwicklung, zum durch Verfassung garantierten Schutz, zu eingetretenen Erwartungen und materiellen Verbesserung.
Das was wir heute in der Ost-Ukraine sehen, sah das Volk Estlands in den Jahren 1940 und 1919. Wir können und oft wollen nicht vorstellen, wie zerbrechlich unser gewohntes Wohlstand ist. Wie zerbrechlich die uns umgebende Welt ist, unsere Unabhängigkeit, unsere Freiheit. So wie wir es im Jahr 1938 in den Tartuer Cafés oder Bauernhäusern in Valgamaa uns nicht vorstellen konnten.
Jetzt wissen wir, wie teuer uns dieses täuschendes Gefühl der Sicherheit kommen kann.
Genau deswegen hat die uns an die Tapferkeit unserer Vorfahren erinnernde Siegesfeier viel mehr Sinn, als einfach Vortag der Johannestages zu sein. Das ist vor allem ein Moment der Besinnung.
Estland hat immer sich zu dem Friedenszustand nach dem Ende des Kalten Krieges und zur Bewahrung des ewigen Friedens in Europa mit gesunder Portion Skepsis verhalten. Die Vergangenheit machte uns vorsichtig.
Deswegen haben wir auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten immer Geld für die Staatsverteidigung gefunden. Deswegen nahmen wir an den NATO-Missionen weit weg von zu Hause teil.
Jetzt sehen wir, wie diese Investitionen sich bezahlt machen. Jetzt sagt man auf den Treffen der NATO-Minister, dass andere sich so wie Estland verhalten sollen.
Es hat sich ergeben, dass wir einen revanchistischen, revisionistischen Nachbarn haben, der nicht denkt, dass die vor 25 Jahren eingetretene Ordnung der befreiten Völker in Europa, so bleiben soll. Und seine Vertreter behaupten, dass Toleranz Dekadenz ist, dass die liberale Demokratie, wie wir sie verstehen, nur eine Besonderheit der westlichen Zivilisation ist.
Wieder werden Gespräche über Imperium geführt. Die propagandistischen Mühlen arbeiten ohne Unterlass. Doch auch die NATO schläft nicht. Wenn vor 20 Jahren die Rolle der NATO in Europa in Zweifel gezogen wurde, dann erfüllt die Allianz wieder seine Hauptrolle, die darin besteht die Territorien und die Freiheit der Alliierten zu beschützen.
NATO ist auch in Estland vertreten. In unseren Gewässern, in unserem Luftraum, auf unserer Erde.
Gab es Zweifel, ob sie kommen wird, um Estland zu verteidigen, wenn es ernst wird?
Sie wird kommen, das verspreche ich. NATO verteidigt in Estland sich selbst. Sonst wären alle Mitglieder der NATO schutzlos. Das Prinzip „einer für alle, alle für einen“ schaffte einen Zustand, in dem noch kein Staat es riskierte einen Mitglied der NATO anzugreifen.
Deswegen kann Estland, wie auch jeder andere Mitglied der Allianz, sich sicher fühlen. Diesmal ist die tatsächliche Lage allen bekannt. Dieses Mal sind wir bereit Widerstand zu leisten, wenn es notwendig sein sollte. Zusammen mit Verbündeten.
Liebes Volk Estlands.
Estland verfügt über Kampfarmee, die im Falle der Notwendigkeit Tausende ausgebildete Männer und Frauen zur Verfügung stellen kann.
Wir haben eine verteidigungswillige und kampfbereite Volksarmee - Der Verteidigungsbund (estn. Kaitseliit). Das ist die Antwort denen, die am Sinn der Wehrpflicht gezweifelt haben. Das ist die Antwort denen, die die Mitglieder des Verteidigungsbundes für in Krieg spielende Jungs hält, die es mögen mit den Waffen rumzulaufen, anstatt etwas sinnvolles zu tun.
Und wie ich schon sagte, haben wir Verbündete. Flugzeuge der NATO-Verbündeten auf der modernsten und neusten Basis in Europa. Die Schiffe der Verbündeten in der Ostsee. Die Soldaten der Alliierten zusammen mit unseren Soldaten auf estnischen Basen, auf Basen der NATO in Estland.
Liebes Volk Estlands.
Am Tag der Sieges ist es Tradition die Mitglieder des Verteidigungsbundes und die Freiwillige Vereinigung der Frauen, die ihre Freizeit und Kraft der Verteidigung unserer gemeinsamen Freiheit widmen, zu feiern. Die Geschehnisse in der Ukraine unterstreichen die Notwendigkeit des Verteidigungsbundes. In der Ukraine fing man an Verteidigungseinheiten der Freiwilligen zu bilden, sie auszubilden und auszurüsten, erst als die Gewalt schon zum Faktum wurde.
In Estland wurde der Verteidigungsbund dann gegründet, als man die Eigensucht der nach dem ersten Weltkrieg entlassenen Soldaten des Zaren in Lettland gesehen hat. Damit dasselbe in Estland nicht geschehen konnte, wurde der Verteidigungsbund gegründet.
Der freie Wille der Verteidigungsbundes kann den Aggressor zurückhalten.
Der Mann oder die Frau, die ihr Haus verteidigen, handelt von ganz anderen Position aus, als irgendein Mensch in Uniform, ein Söldner oder ein Krimineller.
Jeder potentielle Feind weiss, dass die allergrößte Gefahr für ihn das Volk darstellt, das mit Überzeugung seine Lebensweise und Werte verteidigt. Beispiele kann man sowohl in ferner als auch in naher Vergangenheit finden.
Liebes Volk Estlands
Die Hauptlehre aus der Ukraine besteht in Estland in Frage, auf die jedes Volk und jede Gemeinschaft die Antwort tagtäglich suchen muss.
Die Frage ist folgende: Lohnt es sich unsere Lebensart, unsere Freiheit zu verteidigen und sich zu opfern? Diese Frage können nur wir selbst beantworten. Wir alle, unabhängig vom Alter, Geschlecht, Beruf, Wohnort, Nationalität oder Muttersprache.
Ich bin stolz auf das Volk Estlands, denn die Antwort war die gleiche in Supilinna, in Lasnamäe, in Narva und in Varga.
Ja, das ist unser Staat, wo wir Entscheidungen treffen und selbst unsere Wahl machen können. Estland muss sich merken, dass dieses Recht, Entscheidungen selbstständig treffen zu können, ständig hinterfragt wird.
Für manche sind wir zu erfolgreich, zu unabhängig, zu eigenwillig, zu europäisch, zu umsowjetisch.
Das Volk Estlands hat bewiesen, dass die Freiheit, die Redefreiheit, die Meinungsfreiheit, die Reisefreiheit, der Rechtsstaat, unabhängige Gerichte und demokratische Wahlen es erlauben, sich weiter zu entwickeln.
Genau in diesen Sachen verkörpern wir all das, was im Nachbarland als Gefahr für die eigene Existenz gesehen wird. Estland und Lettland sind Staaten, die für das Nachbarland die Verkörperlichung der größten Katastrophe des 20ten Jahrhunderts darstellen.
Liebes Volk Estlands
Jetzt frage ich: Sind wir bereit? Sind wir bereit mehr zu investieren, um unsere Freiheit zu verteidigen? Sind wir bereit im Namen der Freiheit auf einige Vorteilen oder gegebene Wahlversprechen zu verzichten? Sind wir bereit gegenseitig freundlicher und verständnisvoller zu sein?
Können wir zusammenhalten?
Estland ist unser Staat, unsere Freiheit, unsere Freiheit der Persönlichkeit, unser Haus und Familie. Die Verteidigung Estlands kann nicht die Sache einen anderen sein.
Estland ist unsere Sache, die Sache für jeden einzelnen.
Estland verdient es versorgt und verteidigt zu werden.
Es lebe Estland!
Thomas Ilves, Präsident Estlands zum Tag des Sieges über die Landwehr bei der sogenannten Schlacht von Wenden 1919
Written by Dovid Katz in http://blogs.timesofisrael.com/the-tarnished-hukraine/
Dovid Katz is the author of major works on Yiddish linguistics and Lithuanian Jewish (Litvak) culture, and in recent years, on Holocaust obfuscation in Eastern Europe. A native of New York City, he led Yiddish studies at Oxford for many years, and after a stint at Yale, settled in Vilnius, where he was professor of Judaic studies at Vilnius University from 1999 to 2010. He now edits the Web journal Defending History.com. His personal website is DovidKatz.net.
As we all know, Putin’s Russia has its state-manipulated media that habitually presents one side of the story — his government’s — as ultimate fact, in a disturbing trajectory toward authoritarianism and dictatorship. While we hope and wait for better, we don’t expect it in the short term, and are happy that citizens of Russia nevertheless enjoy much more freedom than in Soviet times.
But in the countries in NATO and the European Union, and others adhering to their values, we expect better: the rough and tumble of open debate where readers of major publications are treated to multiple sides of an issue with none stigmatized as inherently evil (or stupid).
But for the last half year that expectation has been disappointed when it comes to the irksome situation in Ukraine. Leading the way — actually misleading the way — has been the New York Times, with such op-eds and columns as “Putin’s phantom pogroms,” “Putin’s useful idiots” and “Ukraine fights for its truth”). Mainstream Western media paints Ukraine’s nationalists as pro-Western democrats and its eastern Russian speakers as everything from a Putinist fifth column to folks who prefer the way of life of Putin’s Russia over the European Union. Trust me, they don’t! The vast majority of people all over Ukraine (and for that matter Russia) would prefer life in the European Union.
The problem is that when CNN or the Times tell you about “pro-Europeans” in the west and “pro-Russians” in the east, they are leaving out the third group, which is arguably the majority: those who want the life of the West (both its freedoms and its opportunities for personal success), but who reject those Ukrainian (and for that matter Estonian, Hungarian, Latvian, Lithuanian, etc.) ultra-nationalists who believe in the superior blood of their “pure nations” and tend to look down on Russians, Jews, Poles and many others. But such observations by Western observers are treated as figments of warped imaginations that have been subjected to Russian propaganda. And it is generally overlooked that such ultranationalism can thrive in nominally “centrist” parties and movements that know how to sell themselves to naive Westerners as moderates (though American efforts to cover up the participation of “real neo-Nazis” in many recent events is not a high point in American diplomacy).
In Eastern Europe, the legacy of World War II is much more a live issue than in the West and defines much of today’s politics. The sometimes inconvenient truth is that Hitler was brought down only because of the alliance between Soviet Russia and the Western Allies. Had the Soviets not been fiercely resisting Hitler on the Eastern front, at huge sacrifice in the roughly three years from the German assault of June 1941 to D-Day, whose 70th anniversary we all commemorated last Friday, there would have been no D-Day. And by 1991, there would have been no Ukraine, Latvia, Lithuania etc. as these nations were all slated for national destruction and replacement by German Nazi settlement. For all its many evils, the Soviet Union did not obliterate these or any other nations.
The litmus test of being genuinely anti-Nazi in Eastern Europe is rather simple. Revulsion to Nazism and its genocide cannot be genuine when it is accompanied by state-sponsored adulation of local Nazi collaborators or Holocaust perpetrators, be it Hungary’s Miklós Horthy, Lithuania’s Juozas Ambrazevičius-Brazaitis, the Waffen SS feted in Estonia and Latvia, or Ukraine’s own dubious nationalist hero, Stepan Bandera, who sided with the Nazis in World War II.
Fast forward to the Jewish question. There is alas ample anti-Semitism in both the pro and anti Maidan sectors of Ukrainian society, and indeed in Russia, though in all these areas daily relations between Jews and their neighbors are fine. In recent months, the reporting of anti-Semitism in the region has sunk to the near moronic level of obsessing over which incident is really from the side it looks like it’s from (“Ukrainian” or “Russian”), or is a “provocation,” as East European call such things, from the opposite side. No end to Western media trumpeting this or that local Jewish leader about who was responsible for what (and no end to Western media finding Jews who are suitably “pro-Maidan” and “anti-Russia” to get their moment of fame).
The much larger and much more enduring question is about what counts as deep, pervasive, ongoing anti-Semitism to the Jews of Ukraine themselves. Anyone who has traveled the country (rather than forming their opinion from the “show Jews” featured in the media) knows that indescribably more painful than any one defacing of a synagogue or gravestone, horrible as that is, is the adulation by parts of the political, cultural, media and academic elite of Bandera and the fascist organizations that themselves butchered tens of thousands of Jews (and Poles) on the basis of ethnicity, in direct fulfillment of Nazi goals of racial annihilation and racial purity. Anyone who reveres public statues, tributes, banners and other honors for such figures and groups is really conveying the message that the people they murdered (making way, in fact, for relatively pure Ukrainian regions in the country’s west) could not have had a very high value. And that it can all be fixed by klezmer concerts or other investments in the dead-Jew business, as local Jews call it, that is often used to cover for the glorification of Holocaust collaborators on both sides of the new East-West border. Strange to tell, the most painful kinds of antisemitism are sometimes (to date) wholly nonviolent and require more time to grasp than the image-bite of a defacing of a holy site.
It is quite pathetic to see Western media making excuses for Banderism, i.e. Ukrainian Nazism, with such words as “complicated” and “controversial” or reference to the periods when the Germans briefly incarcerated Bandera, as some kind of excuse for the genocide of Ukrainian Jewry. Indeed the Facebook age’s “It’s complicated” is becoming a modern-day cop-out enabling the worst kind of mush to replace clear thinking.
And it is pathetic to see how many Western officials and academics have been bought to haplessly agree with the far-right’s revisionist theory that the Holocaust (while conceding it actually happened in its full scale) was one of two “equal Holocausts” because Nazi and Soviet crimes have to be declared “equal.” What utter nonsense, proclaiming those who liberated Auschwitz (or for that matter Lviv) as equal to the place’s mass murderers.
In the run-up to D-Day, a number of far-right organizations enabled the slipping in several weeks ago “under the radar” of a shameful text in a resolution by the US Congress that actually supports a single day of commemoration of Nazi and Soviet victims, as demanded by the East European far right’s Double Genocide revisionism of World War II history and the Holocaust.
Oh, yes, about the term “far right.” Far right includes not only swastika wielding skinheads and public incitement against minorities. It can include the most urbane, silver-tongued, pleasant-to-all educated elites who “just” adore Hitler’s local collaborators and perpetrators. If you want to build a national history based on your country’s Jew-killers and their cheerleaders and supporters during the Holocaust, you are far right. Period.
Support for the new Ukraine needs to be linked to repudiation of all the region’s Nazi perpetrators and collaborators and the removal of state-sponsored shrines to any of them. And by the way, tolerance toward that nation’s Jews includes tolerance to their historical narrative, which encompasses the (objectively correct) memory that the Soviet Union, for all its many evils and crimes, was the only power seriously fighting Hitler in that part of the world, from the local start of the Holocaust (largely at the hands of regional “nationalist heroes”) in late June 1941 and right through to the defeat of Hitler. That defeat, by the Anglo-American-Soviet alliance, after so much of Europe crumbled under Nazi rule, is one of the major accomplishments of Western civilization. Citizens of Ukraine must also have every right to think so.
Die internationale Organisation European Network On Statelessness (ENS) führt eine Kampagne zur Unterschriftensammlung unter einer Petition durch, die die europäischen Länder aufruft, sich zu der UNO-Konvention von 1954 über den Status der Apatriden (Staatenlosen) anzuschliessen. Estland hat sich zu dieser Konvention nicht angeschlossen und hat es auch nicht vor. Die Konvention kann das Leben der estnischen "Graupassinhaber" bei der Lösung seiner Probleme, besonders ausserhalb von Estland helfen.
Wir rufen Euch auf die Kollegen von ENS zu unterstützen und die Petition zu unterschreiben!
Petition auf Englisch: http://www.statelessness.eu/act-now-on-statelessness
Petition auf Russisch: http://www.statelessness.eu/skazhi-bezgrazhdanstvu-net
Vielen Dank im Voraus.
Das Informationszentrum für Menschenrechte Assoziierter Mitglied von ENS
Wie auch in den anderen 28 EU-Ländern fanden auch in Estland diese Woche die Wahlen in das Europäische Parlament statt. Endlich, wird mancher estnischer Politiker gedacht haben, denn von den letzten sechs Abgesandten nach Brüssel, haben drei ihre Partei gewechselt, so dass die Zeit für neue Gesichter reif war. Die ganze Woche konnte man per E-Wahlen abstimmen (als im einzigen EU-Land. 10 Jahre nachdem die E-Wahlen in Estland zum ersten Mal abgehalten wurden, hat sich immer noch kein anderes Land getraut bei sich die E-Wahlen durchzuführen, weil die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, aber die Esten scheinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, doch dazu etwas später). Am Sonntag war die E-Wahl nicht möglich, man konnte nur mit Wahlscheinen aus Papier abstimmen. Insgesamt wählten 36,4% der wahlberechtigten Esten, die Wahlbeteiligung in der EU insgesamt war 43,11%.
Die Wahlergebnisse wurden auf der offiziellen Wahlseite ep2014.vvk.ee ca. um Mitternacht CET veröffentlicht. Ich besuchte die Seite und fand folgende Ergebnisse:
Wenn man die Prozentzahlen zusammenzählt, stellt sich heraus, dass alle Kandidaten auf 145,6% der Stimmen kommen.
Wenn man dieselbe Seite ein Tag später aufruft, sieht man folgendes Bild:
Da stimmen die Prozentzahlen halbwegs (99.7%). Interessanterweise haben die meisten Parteien weniger Stimmen als in der 0:28 Auszählung (z.B. Eesti Reformierakond 79850 zu 79865), lediglich Sotsiaaldemokraatik Erakond (44622 zu 44573) hat mehr. Das man zu einer späteren Stunde mehr Stimmen bekommen kann ist noch verständlich, aber wie kann man weniger Stimmen bekommen? Zur Erinnerung, diese Leute betreuen auch die E-Wahlen in Estland.
Auf den Fehler angesprochen, bedauerte der Vorsitzende der Wahlkommission Alo Heinsalu den Fehler, es sei menschliches Versagen.
Aber jetzt zu den Wahlergebnissen. Estland schickt sechs Vertreter zum Europaparlament, zwei von Partei der Reform (der Ex-Ministerpräsident Andrus Ansip und die Tochter des estnischen Mitglieds der Europäischen Kommission Siim Kallas, Kaja Kallas), einen von Sozialdemokraten (die Mutter der estnischen Unabhängigkeitsbewegung Marju Lauristin), einen von IRL (der 78-jährige Tunne Kellam), der unabhängige Kandidat, der schon letztes Mal ein Viertel der Stimmen gewinnen konnte, Indrek Tarand und die Vertreterin der Zentrumspartei Yana Toom. Den regelmäßigen Lesern diesen Blogs ist der Name Yana Toom ein Begriff, als Parlamentsabgeordnete setzt sie sich z.B. für den Erhalt der russisch-sprachigen Schulen ein. Das hat ihr schon den Eintrag in den Jahresbericht des estnischen Geheimdienstes KAPO gebracht, gegen den sie vors Gericht ging.
Yana Toom ist die erste russisch-stämmige Politikerin, die Estland zum Europaparlament schickt. Sie bekam sogar mehr Stimmen als der ewige Parteivorsitzender Edgar Savisaar, was bis dahin als unmöglich galt. Nicht alle sind davon begeistert:
Tunne Kelam von IRL: Jetzt müssen wir in Europaparlament für Sachen kämpfen, für die man anderenfalls nicht nicht kämpfen müssen. Es ist sehr notwendig, dass die sechs Abgeordnete im Marschschritt sich bewegen und die Interessen Estlands verteidigen würden. So war das während der letzten zwei Perioden, aber jetzt wird es mit ihr (Yana Toom) Probleme geben.
Andrus Ansip von der Reform Partei: Das Hauptthema der Wahlen war die Sicherheit. Die Esten sind um die Sicherheit Estlands besorgt. Es ist äußerst wichtig, dass alle sechs Vertreter Estlands in Europaparlament die Wichtigkeit der Sicherheit Estlands begreifen würden… Deswegen bin ich nicht sehr froh über die Ergebnisse dieser Wahlen. Doch ich freue mich, dass die Partei der Reform die Wahlen gewonnen hat.
Der estnische Premierminister Taavi Rõivas von der Reform Partei: Ich bin etwas besorgt was sie über Estland in Europa sagen wird.
Bleibt zu hoffen, dass Yana Toom ihren Prinzipien treu bleibt und sowohl die Interessen des gesamten Estlands, als auch ihrer russisch-sprachigen Minderheit auf dem europäischen Level verteidigt.
Für mich gibt es einen Riesenunterschied zwischen den Russen, die in Estland seit Jahrhunderten leben und die an alltäglichem Leben des Staates teilnehmen und "sovki" ("sovok" wörtlich Müllschaufel, umgangssprachliche Bezeichnung für Leute, denen sowjetische Mentalität unterstellt wird), die man während der Zeit der "Sowjetischen Okkupation" herbrachte, oder die selbst hergekommen sind.
Marina Kaljurand, geb. Rajevskaja, lettischer Vater, russische Mutter, war Estlands Botschafterin in Moskau, zur Zeit Botschafterin in USA, in einem Interview der Radiostation "Voice of America"
The same politicians who at that time lied to the public and to the prosecutor’s office have got more power, not less. Parties have not become more transparent nor open and the Estonian politics has not changed much... Instead of progress, I am seeing regress. There are only isolated members in the Reform Party and IRL who have tried to break the power of parties’ backrooms... We have allowed the state of citizens to become the state of political parties. Four parliamentary parties are very similar to each other. They don’t care whether the decisions that they make are morally right and good for the society or no as long as they allow them to remain in power. I am not against political parties, but in Estonia there are no parties that carry really liberal values and European political culture, parties with horizontal management structure and decision-making based on consensus where all members can have a say and which have no taboo topics.
Silver Meikar, whistleblower from Reform Party, who two years ago has admitted to donate 115.000 kroon to Reform Party. The origin of money was unclear, Meikar claimed, the money was given him by general secretary of the Reform Party Kristen Michal, who then became Minister of Justice. After Meikars confession, Michal had to resign, Meikar was thrown out of the Reform Party. He is now taking part in European Parlament Elections as independent candidate.
25 years ago we were dreaming about liberal economy without restrictions. Today, we have war hysteria and fear. Russia is being used a a culprit, Russian leaders and railway executives are being accused. Local Russians are again seen as invaders and people are being prepared for war.
Tiit Vähi, former Estonian premier-minister (1995-1997), now businessman doing in logistics and rare earth metals at Transestonia annual conference on transit sector
In Estland hat ungefähr 25% der Bevölkerung nicht-estnische Wurzeln, die meisten davon sind Russen. Sie unterscheiden sich nicht besonders von der estnischen Bevölkerung, arbeiten hart, bekommen Kinder, manche auch mehrere, treiben Sport, auch professionell, treten für Estland bei internationalen Wettbewerben auf. Dann gibt es in Estland verschiedene staatliche und nicht-staatliche Einrichtungen, die verschiedene Preise an die Einwohner des Landes verleihen, die sich besonders in verschiedenen Bereichen verdient gemacht haben. Eigentlich müßten ca. 25% der Namen auf diesen Listen nicht-estnischen Ursprungs sein, aber sieht selbst:
„Mutter des Jahres“ 1998 - Sirje Kivimäe 1999 - Tiina Talvik 2000 - Krista Tomberg 2001 - Katrin Reimus 2002 - Inara Luigas 2003 - Merike Kull 2004 - Maarja Moppel 2005 - Aili Laande 2006 - Eevi Ross 2007 - Margit Lail 2008 - Külli Kangur 2009 - Maie Niit 2010 - Rutt Šmigun 2011 - Sirje Saar 2012 - Margit Amer 2013 - Malle Kobin 2014 - Helve Särgava
„Vater des Jahres“ 1998 – Eduard Jaansen 1999 – Enno Lend 2000 – Ants Taul 2001 – Aare Kabel 2002 – Arne Mikk 2003 – Jaan Kallas 2004 – Märt Riisenberg 2005 – Jaan Sild 2006 – Mehis Viru 2007 – Lembit Peterson 2008 – Hans Sissas 2009 – Heinz Valk 2010 – Urmas Kruuse 2011 – Aavo Ots 2012 – Ralf Allikvee 2013 – Aldo Kals
Ein Wettbewerb der kinderreichen Familien „Die Familie des Jahres“ (Aasta Suurpere, veranstaltet vomm Estnischen Bund der Vielkinder-Familie und der Bank BIGBAND 2010 – Familie Pall 2011 – Familie Mäe 2012 – Familie Kivimäe-Laidro 2013 – Familie Karu-Rõõm 2014 – Familie Muru
Der Aktivist des Jahres, ausgezeichnet von der Union der nichtkommerziellen Organisationen und Stiftungen (EMSL) 2000 - Nelli Kalikova 2001 - Kaupo Ilmet 2002 - Anne Erm und Rein Raud 2003 - Jaan Manitski 2004 - Elmar Tampõld 2005 - Ene Hion 2006 - Juhan Kivirähk 2007 - Rein Einasto 2008 - Tuulike Mänd 2009 - Oudekki Loone 2010 - Liia Hänni 2011 - Jaan Tootsen 2012 - Johanna Maria Juhandi 2013 - Jaan Aps, Vahur Tõnissoo
Die Auszeichnung „Mission“ von Aadu Luukas 2007 - gemeinnützige Stiftung 2008 - David Vseviov 2009 - Kersti Nigesen 2010 - gemeinnützige Stiftung 2011 - Marju Lauristin, Toomas Paul 2012 - Katri Raik 2013 - НКО Eesti Meestelaulu Selts
Bürger des Jahres 2003 – Lennart Meri 2004 – Jüri Jaanson 2005 – Familie Adamson 2006 – Andrus Veerpalu 2007 – Lagle Parek 2008 – Rainer Nõlvak 2009 – Erkki-Sven Tüür 2010 – Pieter Boerefijn 2011 – Konstantin Vassiljev 2012 – Krista Aru 2013 – Marju Kõivupuu
Die Auszeichnung der Klinik der Tartuer Uni 1998 - Arvo Tikk 1999 - Endel Tünder 2000 - Vello Salupere 2001 - Ain-Elmar Kaasik 2002 - Vello Ilmoja 2003 - Toomas-Andres Sulling 2004 - Lembit Allikmets 2005 - Karl Kull 2006 - Rein Teesalu 2007 - Jüri Samarütel 2008 - Kaljo Mitt 2009 - wurde nicht vergeben 2010 - Urmo Kööbi 2011 - Tiit Haviko 2012 - Andres Ellamaa 2013 - Ants Peetsalu
„Aktivist des Jahres“ von der Estnischen Gemeinschaft der Antialkoholiker 2007 - Merike Martinson und Merili Piipuu 2008 - die Zeitschrift "Eesti Naine" 2009 - Festival Hiiu Folk 2010 - Marje Josing 2011 - Indrek Saar 2012 - Mare Liiger 2013 - Ülle Rüüson
„Der Bauarbeiter des Jahres“ von der Estnischen Union der Bauunternehmer 2009 - Tarmo Pohlak 2010 - Tiit Joost 2011 - Arvo Kirotus 2012 - Keit Paal 2013 - Aivo Pedak
Die Liste wurde von Dmitrij Platonov erstellt.
Am Montag erklärten die Donezkaja und Luganskaja Oblast aufgrund der Ergebnisse des am Sonntag durchgeführten Referendums ihre Unabhängigkeit. Die Proteste im Osten des Landes fingen nach dem Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch an. Nach dem Sieg „Euromaidans“ hat die Rada (das ukrainische Parlament) als eines der ersten ein Gesetz verabschiedet, der die regionale Sprachen abschafft.
Die Trennungslinie
Die Besonderheit der Sprachsituation in der Ukraine besteht darin, dass ein bedeutender Teil ihrer Bürger, darunter auch der „titelgebenen“ ukrainischen Nationalität, aus einer Reihe von Gründen Schwierigkeiten damit hat, die russische Sprache als eine fremde, ausländische und nicht-staatliche Sprache aufzufassen. Für ein bedeutendes Teil der Bevölkerung ist die russische Sprache ihre Muttersprache, 30% der Bürger antworteten so während der Volkszählung im Jahr 2001.
Die Proteste des „Euromaidans“ waren unter den Losungen in der ukrainischen Sprache, „Antimaidan“ nur auf Russisch. Wenn man über die Aufspaltung der Ukraine sprechen soll, dann wohl entlang der Sprachgrenze, doch auch hier ist alles kompliziert. Am ehesten ist die Spaltung entlang der Linie verlaufen, auf der einen Seite diejenigen, die die russische Sprache als fremdländische Sprache einzustufen bereit sind und auf der anderen Seite diejenigen, die das nicht wollen. Die Beziehung zu der Sprache wurde zu einer Art Markierung, die das Land in den „Westen“ und „Osten“ teilt. In der Geschichte der Ukraine gab es schon mal etwas ähnliches, als die Religionszugehörigkeit die Orientierung auf Moskau oder Polen bestimmte.
Für den „Westen“ mit der vorherrschenden These „Ukraine ist nicht Russland“ ist die Beziehung zu der russischen Sprache wie zu einer fremden zu einem der Hauptinstrumente zum Aufbau und Festigung des unabhängigen Staates geworden. Es ist nur natürlich, dass solcher Umgang mit der Sprache im Endeffekt Protest und Widerstand des „Ostens“ hervorrief, der genau das nicht möchte, die russische Sprache als fremdländische anzuerkennen.
Am häufigsten wird man im Bildungssystem mit der Sprachproblematik konfrontiert. Im geschäftlichen, kulturellem, Massenmedien Bereichen ist die Situation nicht so klar ausgeprägt, hier, in der Ukraine herrscht realer Pluralismus. Kommunikation mit staatlichen Organen, wo man die ukrainische Sprache unbedingt braucht, wird im Leben der Mehrheit der Leute relativ selten gebraucht. Deswegen wird der häufigste und unvermeidliche Platz für Konflikte der Bildungsbereich sein. Es ist kein Zufall, dass die Hauptproteste des „russischen Frühlings“ sich auf diejenigen Regionen der Ukraine konzentrieren, wo nicht nur der prozentuale Anteil der Bevölkerung lebt, der die russische Sprache als die Muttersprache hat, sondern auch wo in den letzten 10 Jahren die schärfte „Ukrainisierung“ der Bevölkerung stattgefunden hat.
Donbass und Vakartschuk-Senior
Im Jahr 1987 gab es in der Ukrainischen SSR ausserhalb der Krim nur eine Hauptstadt einer Oblast, in der es überhaupt keine Schulen mit der ukrainischen Sprache als Unterrichtssprache gab, es war Donezk. In dörflichen Gebieten der Oblast war die Anzahl der Schulen mit der Unterrichtssprache ukrainisch und russisch ungefähr gleich viel.
In den ersten 10 Jahren der Unabhängigkeit änderte sich die Situation mit den Unterrichtssprachen sehr langsam. Im Jahr 2001 war die Anzahl der russischen Schulen in Donezkaja Oblast 41,6% von der Gesamtanzahl der Schulen. Laut der Volkszählung waren in dieser Oblast 57% der Leute Ukrainer, 38% waren Russen. Doch haben dabei mehr als 40% der Ukrainer ihre Muttersprache als Russisch angegeben. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung der Oblast war russisch-sprachig und die Situation mit der Unterrichtssprache entsprach diesem Muster.
Eine scharfe Änderung der sprachlichen Situation in den Schulen der Oblast fing nach 2004 an. Nach dem ersten „Maidan“ kam anstatt Janukowitsch, Viktor Yuschenko an die Macht. Dann ging die Ukrainisierung der Schulen in Donbass los.
Formell blieb die ukrainische Gesetzgebung unverändert, die Eltern haben das Recht selbstständig für ihre Kinder die Schule mit der ukrainischen oder russischen Unterrichtssprache auszuwählen. Doch die Umstellung der Unterrichtssprache einer Schule von einer auf die andere, die Vorbereitung der Lehrkräfte in der entsprechenden Sprache und andere Feinheiten, das liegt im Machtbereich der entsprechenden staatlichen Behörden für Bildungsfragen, die im Endergebnisse alle im Einflussbereich des Bildungsministeriums in Kiev liegen.
Die meiste Zeit während der Präsidentschaft Yuschenkos war Ivan Vakartschuk der Bildungsminister. Er ist der Vater des Sängers der populären Rock-Gruppe „Okean Elzy“ Svjatoslav Vakartschuk, eines Aktivisten der beiden „Maidans“. Ivan Vakartschuk ist der einzige der Bildungsminister, der seine Ausbildung und den Anfang der Karriere in Lviv hatten, er ist ein aktiver Teilnehmer der Regionalpolitik der West-Ukraine.
Gerade in den Jahren der Präsidentschaft Yuschenkos, startete Minister Vakartschuk den Prozess der beschleunigten Ukrainisierung der Schulen in den russisch-sprachigen Regionen der Ukraine. Wenn in 2004 in Donezkaja Oblast nur 26,6% der Schüler in den Schulen mit der ukrainischen Unterrichtssprache lernten, im Jahr 2012 waren es schon 48,4%, also fast 2x mehr. In 10 Jahren, von 2001 bis 2011 verringerte sich die Anzahl der russischen Schulen in Donezkaja Oblast von 518 auf 176, der Prozess der Verringerung beschleunigte sich genau nach dem Jahr 2004.
Im Donezk, wo Anfang der 90-er Jahre alle Schüler der Mittelschulen nur auf Russisch lernten, gab es im Jahr 2012 18 ukrainische Schulen, noch 63 Schulen wurden 2-sprachig, 70 Schulen blieben russisch. Jetzt lernt ein Drittel der Schüler der ausschliesslich russisch-sprachigen Stadt auf Ukrainisch.
In der Bergarbeiterstadt Makeevka, die an Donezk anschliesst, gab es nach dem Zerfall der Sowjetunion keine einzige ukrainische Schule. Jetzt sind es 68 von den insgesamt 72 Schulen.
Ähnliche Prozesse gab es auch in der Hochschulbildung. Noch im Jahr 2000 haben 75,5% der Studenten in russischen Sprache gelernt. Laut der Statistik in 2013 blieben es nur 37%.
Ukrainisierung von Kharkiv und Luhansk
Ähnliche Prozesse auf dem Gebiet der Bildung gab es in anderen Oblast der Ukraine, die an Donezk angrenzen. Im Jahr 1987 gab es in Kharkiv 156 russische Schulen, 2 ukrainische und 3 gemischte. Im Jahr 2006 sind in der Stadt nur 47 russisch-sprachige Schulen geblieben. In der Zeit von 1996 bis 2006 verringerte sich die Anzahl der russischen Schulen in Kharkiv-Oblast von 204 auf 137 und die Anzahl der Schüler, die in russischen Sprache unterrichtet werden, verringerte sich von 218 tausend auf 80 tausend, also dreimal weniger.
In Luhanskaja Oblast haben bei der Volkszählung 2001, 68,8% die russische Sprache, als die Muttersprache angegeben. Doch genau in diesem Jahr wurde auf ein Beschluss aus Kiev hin, in der Pädagogischen Hochschule von Luhansk die Ausbildung auf die ukrainische Sprache umgestellt, die russische Sprache wurde als Fremdsprache unterrichtet.
Wenn im Jahr 2005 29,5% der Schüler in Luhanskaja Oblast ihre Ausbildung auf Ukrainisch hatten, so waren im Jahr 2009 es schon 48,5%. Das bedeutet die Hälfte der Schüler der Luhanskaja Oblast lernen auf Ukrainisch, obwohl für zwei Drittel der Einwohner der Oblast russische Sprache ihre Muttersprache ist. Ein rapider Wachstum der ukrainischen Bildung und Schulen in der Oblast geschieht in nur wenigen Jahren.
Während des Zerfalls der UdSSR, im Herbst 1991, ist es genau die Unbestimmtheit der Zukunft der russischen Sprache, die die politische Aktivisten aus Donbass und aus dem gesamten Süd-Osten Ukraine dazu bewegte sich mehrere Male über die mögliche Trennung und Verlassen der „selbstständigen“ Ukraine zu äußern. Damals wurde die Situation mit der vom Verhovnij Sowjet schnell verabschiedeten „Deklaration der Rechte der Nationalitäten in der Ukraine“ vom 1. November 1991 entschärft. Im Artikel 3 dieser Deklaration wurde verkündet, dass „Der ukrainische Staat garantiert allen Völkern und nationalen Gruppen das Recht der freien Nutzung der Muttersprachen auf allen Gebieten des öffentlichen Zusammenlebens, inklusive der Bildung.“
Formell hat der offizielle Kiev diese Garantien niemals verletzt. Doch die reale Politik der ukrainischen Regierung in dem Bildungsbereich (besonders die Prozesse, die nach dem ersten „Maidan“ gestartet wurden, in den Jahren der Präsidentschaft Yuschenkos), führten zur rapiden Verringerung der Nutzung der russischen Sprache.
Im Endeffekt wurde diese Politik zu einem der Gründe der Proteste im Süd-Osten des Landes, der Sieg des zweiten „Maidans“ beunruhigte Donbass nicht nur wegen der Kämpfer mit Gesichtsmasken und Maschinengewehren, sondern auch wegen der Perspektiven der neuen Spirale der aufgezwungenen Ukrainisierung.
Übersetzung von rusplit.ru
Einer der Leader der Organization „Notchnoj Dozor“ Maksim Reva wurde am 14. Mai von litauischen Grenzbeamten trotz des gültigen Schengen-Visums an der Einreise gehindert und nach Lettland ausgewiesen. Die Einreise nach Litauen ist Maksim für fünf volle Jahre verboten worden. Iosif Koren vom Lettischen Antifaschistischen Komitee (LAK) holte Maksim ab und fuhr mit ihm nach Riga. Als sie am Office von LAK ankamen, wurden sie schon von lettischen Grenzschützern erwartet, die Maksim erklärten, dass er zu einer unerwünschten Person in Lettland erklärte wurde. Er wurde festgenommen und nach Estland ausgewiesen.
Wahrscheinlich würden auch die estnischen Grenzbeamten nur zu gerne Maksim verbieten den Grund seines Heimatlandes zu betreten, doch zum Glück besitzt Maksim in Estland eine Immobilie (seine alte Wohnung), deswegen kann er Estland (noch) ungehindert besuchen. Wobei ganz ungehindert auch nicht, seine häufigsten Facebook-Einträge handeln davon, wie der Reisebus mit dem er von seinem jetzigen Wohnort St. Petersburg nach Estland fährt, stundenlang wegen ihm aufgehalten wird, weil die estnischen Grenzbeamten seiner Person eine ganz besondere Aufmerksamkeit schenken.
Warum mag man Maksim nicht im Baltikum? Vielleicht wegen dem Film „The Hidden Story of Baltic States“, der in Kurzfassung während der Verbotenen Ausstellung in Brüssel gezeigt wurde und der ganz explizit im diesjährigen KAPO-Bericht erwähnt wird?
Die estnische Kultusministerin Urve Tiidus rief ein Beratungskomitee zusammen, das die Regierung der Estnischen Republik in Fragen des russisch-sprachigen Informationsraums beraten soll. Das Komitee setzt sich folgendermassen zusammen:
1. Katri Raik 2. David Vseviov 3. Marju Lauristin 4. Triin Vihalemm 5. Raul Rebane 6. Hanno Tomberg 7. Raivo Suviste 8. Viktoria Ladõnskaja 9. Jelena Poverina 10. Anne-Ly Reimaa 11. Indrek Ibrus 12. Liina Kersna 13. Mary Velmet 14. Urmet Kook 15. Paavo Nõgene 16. Martin Arpo
Während die ersten 15 Mitglieder zumindest entfernt sich mit Medien beschäftigen, ist Martin Arpo der Stellvertreter des Generaldirektors des estnischen Geheimdienstes KAPO.
Eine Übung für den geneigten Leser: Wieviele Russen beraten die estnische Regierung über den russisch-sprachigen Informationsraum?
Knapp zwei Wochen vor den Europawahlen trat am heutigen Montag ein internationales Team unabhängiger IT-Sicherheitsexperten an die Öffentlichkeit und wies auf fundamentale Risiken in Estlands Internet-Voting-System hin. Die Experten halten die Sicherheitsmängel für so gravierend, dass sie empfehlen, das System unverzüglich außer Dienst zu stellen und zu Wahlen mit Papierstimmzetteln zurückzukehren.
Estland ist das erste und bislang einzige Land, das die Stimmabgabe über das Internet bei politischen Wahlen und Abstimmungen zulässt. Ungefähr 20 bis 25 Prozent der Wähler machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Das von einheimischen Firmen entwickelte System wird bei Parlaments- und Kommunalwahlen eingesetzt und soll auch bei den Europawahlen am 25. Mai zum Einsatz kommen.
Laxe Funktionssicherheit, keine ausreichende Transparenz
Die Vorkehrungen zur Funktionssicherheit seien lax, widersprüchlich, für eine glaubwürdige Zählung nicht hinreichend transparent und auch weise die Software gravierende Lücken gegenüber Angriffen von außen auf, lautet das Verdikt des Teams um Alex Halderman an der University of Michigan sowie des Sicherheitsforschers Harri Hursti, Jason Kitcat von der Open Rights Group und der Wahlbeobachterin Maggie MacAlpine. Alle vier hatten im vergangenen Jahr als Wahlbeobachter an den estländischen Kommunalwahlen teilgenommen.
"Wir haben kein abgeschlossenes, voll dokumentiertes Verfahren zur Pflege der Hintergrundsysteme für diese Online-Wahlen gesehen", moniert Hursti. "Diese Computer können leicht von Kriminellen oder ausländischen Hackern infiltriert werden und die Sicherheit des gesamten Systems untergraben". Kritische Software würde über ungesicherte Internetverbindungen heruntergeladen, geheime Passworte und PINs unter der Aufischt von Videokameras eingegeben und die Verteilung der Wahlsoftware an die Bürger auf ungesicherten Computern vorgenommen.
Blindes Vertrauen
"Den Wahlservern und den Computern der Wähler vertraut Estlands Internetwahlsystem blind", fasst Alex Halderman seine Kritik zusammen; "beide könnten für staatliche Angreifer ein attraktives Ziel darstellen". Zusammen mit zwei Doktoranden hat der E-Voting-Experte von der University of Michigan nach eigenen Angaben das estländische Wahlsystem mit der bei den Wahlen 2013 verwendeten Software im Labor nachgebildet und verschiedene Angriffsszenarien untersucht. In einem Szenario sei es gelungen, mit Malware auf dem Computer des Wählers trotz der Absicherung durch elektronischen Personalausweis und Smartphone-Verifizierung unbemerkt Stimmen zu stehlen. Mit einem weiteren Szenario lasse sich zeigen, berichtet Halderman, dass auch Malware-Angriffe auf den Auszählserver möglich seien, die das offizielle Endergebnis in gewünschter Weise beeinflussen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind auf der Seite Estoniaevoting zu finden.
Absolut beunruhigend liest sich die Zusammenfassung an. Die estnischen Admins des Wahlsystems haben sich filmen lassen, als sie das E-Wahlen System für die Kommunalwahl 2013 aufgesetzt haben. Dabei wurde gefilmt, wie die Wahlsystem-software auf einem Computer zusammengebaut wurde, auf dem auch Online-Poker gespielt wird. Zum Programmieren des Systems wurde ein Editor über eine ungesicherte Leitung geladen, so dass ein Angreifer eine infizierte Version unterschieben könnte. Das fertiggebaute System wurde über ein USB-Stick auf den Server transferiert, auf dem USB-Stick befanden sich viele andere, potentiell infizierte Dateien. Es wurde vor der Kamera mehrmals das root-Passwort eingetippt. Das Passwort für W-Lan hing auf der Wand. Alle Photos können hier eingesehen werden.
Hier ein Video über die Untersuchung:
Foto eines Kindergartens in Riga, dessen Mitbesitzer Imans Parādnieks ein Mitglied des lettischen Parlaments für die Partei Visu Latvijai ist