Sonntag, September 30, 2012

Worte der Woche

Estland das sind nicht nur 45.000 km^2 an der Westküste der Ostsee, Estland ist überall auf der Welt

Estnischer Präsident Toomas Ilves auf der 60-Jahre Feier des Estnischen Nationalkomitees in USA

Dienstag, September 25, 2012

Estland wird zum Rentnerland

Übersetzung aus Postimees

Der Haushalt des kommenden Jahres zeigt keine Überraschungen. Trotz laufender Gespräche ist der Rahmen für den Haushalt schon vorgezeichnet. Und genauso wie in den Jahren zuvor bewegt sich Estland mit der alternden Bevölkerung Schritt für Schritt Richtung ein Land für Rentner. Der demographische Fallbeil ist schon aufgezogen.

Wenn man die einzelnen Veränderungen des Haushaltes anschaut, so passiert dort nichts ungewöhnliches. So für die Arbeitsmarktpolitik und soziale Sicherheit wird 0,03% mehr, für die Gesundheit der Bevölkerung 0,07% mehr eingeplant, als ein Jahr zuvor. Prozentuell ist es wenig, doch in absoluten Zahlen sind das 140 Mio. Euro und das ist der Löwenteil der Summe, um die sich der Haushalt vergrößert hat.

In der zweiten Hälfte der Tabelle tauchen diejenigen auf, deren Budget gekürzt wird: Kultur (-0,08%), innere Sicherheit (-0,06%), regionale Entwicklung und Landleben (-0.12%), Bildung (-0,01%), konkurrenzfähige wirtschaftliche Umgebung (-0,10%).

Auch hier ist nichts ungewöhnliches, doch wenn man die Summe des Wachstums und Summe der Kürzungen zusammennimmt, so sieht man, wie Gleichgewicht erreicht wird. Einerseits die stetig wachsende soziale Ausgaben des Landes mit der alternden Bevölkerung, andererseits fast alle anderen Bereiche, wo stetig die Ausgaben gekürzt werden.

Und wiederum wenn man nur ein Jahr vergleicht, so sind die Zahlen nicht gross, doch die Entwicklung ist nicht umkehrbar. Das steht in Gesetzen geschrieben und das verlangt auch die politische Entwicklung.

Man muss sich nicht wundern, dass obwohl für soziale Ausgaben jetzt schon am meisten Geld verteilt wird z.B. ist für die Renten im Haushalt 2013 fast 21,6% aller Staatsausgaben reserviert (2012 waren es 19,9%), trotzalldem ist es das Sozialministerium das während der jetzigen Haushaltsgespräche am meisten Zusatzmittel verlangt.

Und alle Forderungen sind klar: die Renten und andere Hilfen sollen steigen, man braucht Geld für die Notambulanz, für die medizinische Behandlung von nichtversicherten Personen, für die Entwicklung der Gesundheitsvorsorge, für die Behandlung von Unfruchtbarkeit, für die Ärzte und dutzende andere Posten. Das Finanzministerium schreibt überall "Abgelehnt" (kein Geld), doch das Sozialministerium lässt nicht nach und zeigt sich mit Jürgen Ligi (Finanzminister) nicht einverstanden. Alle diese Fragen muss die Regierung lösen.

Wahrscheinlich werden am Ende irgendwelche Forderungen erfüllt, der größte Teil wohl nicht. Es wird weiter Druck auf soziale Ausgaben steigen. Genau die gleiche Prognose kann man für die Jahre 2013, 2014, 2015, 2016 und wer weiß was für eine entfernte Zukunft stellen.

Freitag, September 21, 2012

Estnischer Humor

Eigentlich wollte ich über das Thema nicht schreiben, weil ich es einfach ekelhaft finde, aber kommt immer mehr und mehr Material hinzu, so dass man nach Ursachen suchen sollte.

Am 23. August, am Gedenktag an die Opfer des Nazismus und Kommunismus erschien auf der Webseite der Firma GasTerm Eesti OÜ ein Photo von dem berühmten Eingangsschild in Auschwitz mit der Überschrift "Arbeit macht frei". Unter dem Photo war folgende Unterschrift: "Gasheizung ist flexibel, bequem und effektiv". Nachdem Sturm der Entrüstung losgebrochen ist, wurde das Photo entfernt, der Generaldirektor Sven Linros entschuldigte sich.

Die Zeitung Eesti Express nahm diesen Vorfall zum Anlass nun richtig auf den Putz zu hauen und lustig zu sein und veröffentlichte eine Fake-Werbung für Tabletten zum Abnehmen, empfohlen vom KZ-Arzt Dr. Mengele. Denn in Buchenwald war niemand fett. Das wurde selbst im Ausland bekannt, so schreibt ein langjähriger Analytiker des Radiosenders Free Europe, der in New York lebende Mel Huang, dass er vor Schreck starr geworden ist, als er in der viertgrößten US-Zeitung Daily News ein Bericht darüber gesehen hat. Seine estnischen Freunde meinten, er solle das nicht so ernst nehmen, das alles wäre nur ein Witz.

Der estnische Parlamentarier Peeter Võsa sagte in einer Satiresendung im Fernsehen, dass Homosexuelle braune Kinder bekommen würden. Als die Reporterin der Baltischen Rundschau Aino Siebert ihn fragte, ob er denn nicht zurückzutreten gedenke, immerhin gehört er zur Rechtskommission des Parlaments, antwortet er ungerührt: "Die Sendung war eine Unterhaltungssendung und kein Journalismus. Ich verstehe, dass es Gesellschaften gibt, wo die Minderheiten der Mehrheit Verhaltensregeln diktieren und das hält man für normal. Wir in Estland sind noch nicht soweit gekommen. Natürlich für die deutsche Gesellschaft sind Witze zum Thema Homosexualität schmerzhaft und haben einen zweifelhaften Wert. Ich bin nicht deutscher Staatsbürger, ich lebe in einer kulturellen Umgebung, die sich von der deutschen etwas unterscheidet. Bei uns ist etwas mehr erlaubt, als Sie sich dort erlauben können. Doch wir sind erst seit ein paar Jahrzehnten frei und streben nach dem Lebensstandard bei dem wir solche sinnlose Diskussionen über solche Pseudoprobleme führen können".

Im Parlament bildet sich eine Unterstützungsgruppe für Demokratie in Weissrussland. Der Abgeordnete Juku-Kalle Raid von der IRL-Partei geht zu der Gruppe von Abgeordneten, wo auch Yana Toom steht und fragt sie, ob sie beitreten wollen. Yana Toom, die gerade die Schönheiten der estnischen Demokratie selbst erlebt, fragt, wann denn in Estland Demokratie geben wird. Die Antwort: Wenn Yana Toom eine Kugel in den Kopf bekommt, dann wird Estland demokratisch. Schockiert berichtet Yana darüber in ihrem Facebook, die Presse bekommt Wind davon und berichtet. Kommentar von Juku-Kalle: "Das ist normaler schwarzer Humor. Falls ein Mensch nicht genügend Humorgefühl hat, dann sind es seine eigene Probleme", fügte er lachend hinzu.

Was steckt hinter allen diesen Fällen? Eine Erklärung für die komplett fehlende Empathie gegenüber anderen, wäre vielleicht im estnischen Selbstverständnis zu finden. "Wir sind die Opfer, uns ging es in der Geschichte am schlechtesten, dauernd wurden wir okkupiert, deswegen haben wir kein Mitleid". Diese Haltung wird auf der obersten Ebene vertreten, schliesslich hat niemand anders als der estnische Präsident Ilves bei seinem Israel-Besuch behauptet The two nations, the Jews and the Estonians are partners to the same historical experience." Bei den Parlamentariern ist es auch ein Gefühl der kompletten Verantwortungslosigkeit für ihre Aussagen, denn Rücktritte aus solchen Gründen gab es in der jüngeren Geschichte kaum, da gab es ganz andere Kaliber von Skandalen, die estnische Politiker unbeschadet überstanden haben. Politische Kultur existiert nicht.

Interessanterweise gibt es in Estland durchaus Tabu-Themen. Mel Huang schreibt dazu: "Was würden denn die Esten denken, wenn irgendeine Firma oder Zeitung über die Deportationen während der Sowjetzeit Scherze machen würde, zum Beispiel im Kontext der Zugverspätungen? Oder die Katastrophe der Fähre "Estonia" zum Anlass nehmen würde, über die Notwendigkeit von Schwimmkursen zu überzeugen. Stellen wir uns vor, was geschehen würde. Die Reaktion Estlands wäre scharf und wütend, es würde eine Lawine Beschuldigungen lostreten, dass die Welt die schmerzhafte estnische Geschichte und Erfahrung "nicht begreifen" würde. Das wäre überhaupt nicht lustig. Die Esten müssen verstehen, dass man sich auf einer zweispurigen Strasse befindet: wenn ich möchte, dass meine Geschichte respektiert wird, muss ich die Geschichte des anderen respektieren"

Zum Schluss noch eine Prise estnischen Humors, den ich durchaus schätze.

Mittwoch, September 19, 2012

Bauska

Die NGO "Welt ohne Nazismus" hat angesichts der Errichtung eines Denkmals an die Polizeibataillone in Lettland folgendes Statement veröffentlicht:

Am 14. September wurde in der lettischen Stadt Bauska in einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit der Vertreter der Stadt und der in der Regierungskoalition vertretenen Partei "Alles für Lettland" (Visu Latvijai!) ein Denkmal eröffnet, der den Mitgliedern der drei Polizeibataillonen gewidmet ist, die die Stadt vor der "zweiten sowjetischen Okkupation" beschützt hätten.

Die Organisatoren und die Erschaffer des Denkmals verschweigen zynischerweise, dass tatsächlich alle Militärformierungen, denen dieser Gedenkstein gewidmet ist, 1941-43 an Strafexpeditionen sowohl in Lettland als auch ausserhalb teilgenommen haben. Auf ihrem Gewissen lasten Leben von tausenden Menschen aus der Zivilbevölkerung in Dnipropetrovsk, Pskov, auf dem Gebiet Weissrusslands, als auch in der Umgebung der Stadt Bauska, in dem Wald von Likverteni wurden mehr als 2000 Juden, Einwohner von Bauska, erschossen. Auf dem Gewissen dieser Polizeibataillone ist die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung auch anderer lettischen Städte wie Riga und Ventspils. Später sind sie freiwillig in die lettische Division der Waffen SS eingetreten, wo sie unter den Fahnen der Hitlerarmee, unter dem Eid an Adolph Hitler, für das "Großdeutsche Reich" kämpften.

Das Gedenken an die Soldaten dieser Formierungen ist auf dem wieder eröffneten Monument verewigt. Auf ihm ist der Spruch des früheren lettischen Diktators K. Ulmanis eingraviert: "Lettland muss ein Staat für die Letten sein".

Zur Eröffnung des Gedenksteins wurden Schüler der Bauskischen Schulen eingeladen, die man am Beispiel der obengenannten nationalistischen Aussprüche erzieht, als auch am Beispiel der "Tapferkeit und Mutes" der Soldaten der Hitlerarmee.

Man kann noch hinzufügen, dass vor vier Jahren die Stadtmunizipalität beschlossen hat aus dem Stadtpark ein Gedenkstein an die sowjetischen Soldaten - den Befreiern von Bauska zu entfernen. Am Tag des Sieges am 9. Mai ist es allen Schülern Lettlands verboten während der Unterrichtszeit zu den Denkmälern der sowjetischen Soldaten-Befreiern zu kommen.

Die internationale Menschenrechtsbewegung "Welt ohne Nazismus", im Angesicht der Generalversammlung, die am 8-10. Oktober in Strassburg stattfinden wird, findet das, was in Bauska passiert, gefährlich, primitiv und absolut inakzeptabel für die heutige Gesellschaft.

Wir halten es für notwendig die Führung Lettlands und die Mitglieder des Munizipalitätes der Stadt Bauska an die UNO-Resolution Nr. 66/143 zu erinnern: "Beseitigung von Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängender Intoleranz", in der eine tiefe Besorgnis über die "Verherrlichung der nazistischen Bewegung und ehemaligen Mitglieder der Organisation "Waffen-SS", unter anderem mittels der Errichtung von Denkmälern und Memorials, Durchführung von öffentlichen Demonstrationen mit dem Ziel die nazistische Vergangenheit, nazistische Bewegung und Neonazismus zu verherrlichen, als auch durch die Erklärung der Mitglieder der Waffen-SS und derjenigen, die gegen die Antihitlerkoalition kämpften und mit der nazistischen Bewegung kollaborierten zu Teilnehmern an den nationalen Befreiungsbewegungen".

Jedes Land und jedes Volk kann seine Helden sich selbst auswählen. Doch die Errichtung von solchen Monumenten und die Verherrlichung von Soldaten, die an Seite Hitlers gekämpft haben, beleidigt die Erinnerung an die millionenfache Opfer des nazistischen Regimes und beleidigt auch jene Völker, die unter dem germanischen Nazismus in den Jahren des Krieges gelitten haben. Das Volk Lettlands ist eines dieser Völker. Die Heroisierung der Verbrecher erschafft eine absolut umgekehrte Vorstellung der Geschichte unter der Jugend Lettlands und verharmlost die Verbrechen des Nazismus. Wir fordern von der lettischen Führung sofort die Falsifizierung der historischen Ereignisse und die Errichtung von solchen Memorialen zu unterlassen.

Wir fordern von der Munizipalität der Stadt Bauska das Denkmal, das die absolute Mehrheit der Menschen in verschiedenen Ländern der Welt, als auch die Letten selbst, beleidigt, zu demontieren.

Wir wenden uns an den Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland mit dem Aufruf die Frage über die Verherrlichung der nazistischen Verbrecher in Lettland bei der nächsten Sitzung des Ministerkomitees und bei der nächsten Sitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zu besprechen.

Wir wenden uns an den Vorstand der OSZE, zu ihrem Generalsekretär Lamberto Zannier mit dem Aufruf allgemeingültige Richtlinien der OSZE über Fragen der Verherrlichung des Nazismus in Europa auszuarbeiten.

Wir wenden uns an den Generalsekretär der UNO Ban Ki-moon mit dem Aufruf, diese Frage auf der nächsten Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu besprechen. Wir rufen die Weltgemeinschaft auf, endlich die Aufmerksamkeit auf die Heroisierung der nazistischen Soldaten in Lettland zu wecken und einen Boykott der Regierung des Landes, zu erklären, mit deren Erlaubnis in Europa ein neuer Herd des Revanchismus und radikalen Nationalismus erglüht.

Unterschrieben von Boris Spiegel - Präsident des NGO "Welt ohne Nazismus".

Dienstag, September 18, 2012

KAPO und russische Gymnasien

Über die Umwandlung der russischen Gymnasien in estnisch-sprachige habe ich schon öfters geschrieben. Gestern wurde bei der Auseinandersetzung zwischen den russisch-sprachigen Aktivisten und dem estnischen Staat ein neuer Höhepunkt erreicht.

Die Politikerin Yana Toom, Mitglied des estnischen Parlaments für die Partei der Zentristen, fand sich im April 2012 in dem Jahrbuch des estnischen Verfassungsschutzes KAPO wieder, in dem ihr unterstellt wurde, dass sie gegen die Interessen des estnischen Staates arbeiten würde, also quasi eine Staatsfeindin sei. Das Vergehen von Yana Toom sei, dass sie eine der aktivsten Befürworter für den Erhalt der russisch-sprachigen Schulen ist und in ihrer früheren Funktion als Vizebürgermeisterin der Stadt Tallinn für Bildungsfragen, häufig an Schulversammlungen mit diesem Thema aufgetreten ist. Mit solcher Unterstellung wollte sich Frau Toom nicht abfinden, deswegen ging sie vors Gericht, mit der Forderung ihren Namen aus dem Jahrbuch zu streichen. Gestern kam es zum ersten Sitzungstag, dabei kamen recht interessante Fakten und Aussagen heraus.

So antwortete eine der von der KAPO vorgeladenen Zeuginnen, die Abteilungsleiterin für allgemeine Bildung im Bildungsministerium Irene Käosaar auf die Frage einer Reporterin: "Wenn ein Mensch sein Recht zum Erlernen des estnischen Sprache nicht ausüben möchte, dann kann er einen anderen Staat zum Leben und Ausbildung wählen". So was von einem Staatsbeamten öffentlich zu hören ist sogar in Estland ein Novum.

Weitere Zeugen beschuldigten Toom Druck auf die Elternbeiräte und auf die Rektoren auszuüben. Doch erst heute erschienen mehrere Artikel von wo der Druck denn wirklich kommt. So berichtet der Rektor des russischen Gymnasiums in Kesklinna Sergej Teplov, dass er eine Vorladung zum Verfassungsschutz bekommen hat, als die Schule zum zweiten Mal an Bildungsministerium schrieb, mit der Bitte die Ausbildungssprache selbst bestimmen zu dürfen, wie es in der estnischen Verfassung auch vorgesehen ist. Der Beschluss kam vom Elternbeirat, gegen den gerade eine Strafverfolgungsuntersuchung eingeleitet wurde, wegen angeblichen Dokumentenfälschung. Der Rektor musste unterschreiben, dass der Inhalt seiner Unterhaltung mit KAPO nicht an die Öffentlichkeit gelangen darf. Natalja Lapikova, die im Tallinner Rathaus die Abteilung für Bildung leitet, erklärte, dass sie ständig mit der KAPO über die Fragen der Bildung spricht.

Der Vorsitzende der NGO "Russische Schule in Estland" Andrej Lobov schrieb einen Brief an die OSZE mit der Bitte zu helfen die Grundrechte der russisch-sprachigen Minderheit in Estland zu wahren und die Einmischung der KAPO in Fragen der Bildung zu verurteilen. Die nächste Gerichtssitzung ist am 22. Oktober, dann werden Zeugen von Yana Toom aufgerufen.

Hier ist der volle Text des Briefes an OSZE

Dear Council of Europe Commissioner for Human Rights, Mr. Muižnieks, Dear OSCE High Commissioner on National Minorities, Mr. Vollebæk,

We would like to inform you about the continuing attempts from the Estonian Security Police (ESP) to intervene to the life of Russian community of Estonia. In the Summer last year, we were shortly writing to you on this matter taking place in the Town of Tartu, as Tartu Russian Lyceum (TRL) started to seek for the options to exercise their constitutional right to select Russian language of instructions. Article 37 of our Constitution clearly states that the language of instruction in the schools of national minorities selects school itself. Last year the Board of Trustees at TRL following the Law of Basic and Secondary School at the end was able to support the will of parents and selected Russian language of instructions, which was later declined by the City Council. Russian-speaking population in Tartu accounts for approximately 20% of the town population, so it is difficult to exercise our rights being repulsed by the majority with the help of such state instruments as Estonian Security Police.

The situation is repeated now in Tallinn, where Russian-speaking minority is more than 40% of the city population. Estonian Security Police visits the schools, which have selected Russian language of instructions. * http://rus.delfi.ee/daily/estonia/policiya-bezopasnosti-vzyalas-za-direktorov-russkih-shkol.d?id=64984112 * http://rus.postimees.ee/976588/policija-bezopasnosti-vzjalas-za-direktorov-russkih-shkol

This situation contributes to a pressure applied on school administration including school directors. We strongly believe that this is done in order to "change" the course of school administration actions to support the will of parents and Boards of Trustees. The application of pressure from EPS contradicts the Law of Basic and Secondary School followed by the schools selecting Russian language of instructions.

We condemn any actions using force instruments of state apparatus such as ESP to forcibly dictate Russian community in our country to abandon our basic rights to organize and receive education in our mother tongue. We do not accept the dictate, as we would like to participate in decision-making process concerning future generation of Russian community of Estonia.

We request You to support our basic rights and to condemn involvement of ESP or any other insturments of that kind into the questions concerning educational needs of our community.

In conclusion, we would also like to recall You our last year appeal that highlights the situation unfolding in our country. * http://www.venekool.eu/docs/appeal_110325.pdf

Best Regards, Andrei Lobov Chairman of the Board NPO "Russian School of Estonia" web: http://www.venekool.eu tel. +372 58 286 631 tel. +372 602 79 55 (A. L.)

Mittwoch, September 05, 2012

Durchsuchung bei baltijalv.lv

Am 17. August zum 9 Uhr morgens klingelte es an der Tür bei Sergej Malachovskij in Riga. Malachovskij ist der Hauptredakteur des Nachrichtenportals baltijalv.lv, das ein Ableger des estnischen baltija.eu Portals ist. Ausserdem ist Malachovskij Vorsitzender des AntiFa-Fronts Lettlands, was für ihn zu einem Einreiseverbot nach Estland bis 2017 geführt hat. An der Tür stehen vier Männer, die sich als Mitglieder der lettischen Sicherheitspolizei ausgewiesen haben. Sie zeigten ein Durchsuchungsbefehl und nach einer Stunde Durchsuchung konfiszierten sämtliche IT-Geräte selbst Spielkonsolen der 9-jährigen Tochter. Die Flash-Speicher und CD-Datenträger interessierten sie weniger, der Hauptzweck ist wohl gewesen Malachovskij an seiner publizistischen Arbeit zu hindern, was für eine Woche auch gelungen ist.

Was war der offizielle Grund für die Durchsuchung und Konfiszierung? baltijalv.lv bietet registrierten Mitgliedern an, selbstgeschriebene Artikel hochzuladen. Vor einem halben Jahr lud der einschlägig bekannter Blogger jurialhazz aus Estland auf den Server sein Artikel hoch, in dem er die sowjetische Okkupation Baltikums mit der Okkupation Afghanistans durch die NATO verglichen hat. Dieser Artikel wurde von der Sicherheitspolizei Lettlands als Aufruf zu Rassenhass bewertet. Malachovskij wurde schriftlich aufgefordert die Identität des Verfassers, seine Adresse, sein Alter, sein Geschlecht, seine Glaubensrichtung und seine sexuelle Orientierung an die Sicherheitspolizei zu geben. Laut dem Gesetz über Datenschutz der Lettischen Republik ist nur die Staatsanwaltschaft berechtigt solche Informationen herauszufordern, den Brief hat kein Staatsanwalt unterschrieben, deswegen reagierte Malachovskij nicht. Als Reaktion erfolgte die Durchsuchung und die Konfiszierung der Familiencomputer.

Es folgte noch ein mehrstündiger Verhör von Malachovskij und seiner Frau, es ging gar nicht mal um den Artikel, sondern warum das Portal das Image Lettlands in den Schmutz zieht und wer dafür zahlt. Malachovskij antwortete, dass die bösesten Artikel von Letten eingereicht werden und er für seine Arbeit nichts bekommt.

In der Zwischenzeit ist Malachovskij wieder arbeitsfähig mit einem alten Computer, der von Bekannten geliehen wurde. Die Anschuldigung gegen ihn wurde nicht zurückgenommen, so dass weitere Schritte seitens der lettischen Sicherheitspolizei durchaus folgen können.

Samstag, September 01, 2012

Ist Estland klein oder leer?

So gut wie immer, wenn man sich mit Leuten aus Estland unterhält, hört man früher oder später umweigerlich den Satz: "Estland ist so ein kleines Land". Das ist Entschuldigung für alles, dafür, dass man keine Asylbewerber oder Gastarbeiter haben will, dass nur eine Sprache Staatssprache sein soll, dass soziale Standards so niedrig sind… "Wir sind so ein kleines Land, deswegen müssen wir das was wir haben bewahren, ein bisschen fremden Einfluss und es wird unweigerlich zerstört". Vor 30 Jahren, als Estland noch Estnische Sowjetische Sozialistische Republik hiess, war das auch zutreffend, die Sowjetrepublik Moldawien war zwar noch kleiner, aber neben riesigem Russland war Estland natürlich ein Zwerg.

Doch die Zeiten ändern sich. Estland ist ein Staat der EU und da sieht die Größenverteilung etwas anders aus. Estland mit seinen 45.228 km^2 befindet sich zwischen Slowakien und Dänemark. Die Niederlande, die Schweiz, Belgien, Slowenien und natürlich Zypern, Luxemburg und Malta sind kleiner. Was die Bevölkerung angeht, da ist Estland schon weiter hinten, nur Zypern, Luxemburg und Malta haben weniger Bevölkerung als Estland. Und was ganz schlecht aussieht, ist die Bevölkerungsdichte, mit 28 Einwohnern / km^2 wird Estland nur von Schweden, Finnland und Norwegen übertroffen. Allerdings spielen hier geografische Gründe eine Rolle, während Estland auf dem gesamten Territorium ganzjährig bewohnbar ist, liegen grosse Teile dieser Länder nördlich des Polarkreises, sind also kaum nutzbar und bewohnbar. Zum Vergleich, Bevölkerungsdichte in Deutschland ist 227 Einw. / km^2, in den Niederlanden 402 Einw. / km^2 und in Malta 1296 Einw. / km^2, also 36 Mal so viel! Estland ist deswegen nicht klein, sondern leer!

Warum wird dann bis heute das Wörtchen "klein" viel öfter benutzt als das Wort "leer"? Wenn ein Staat klein ist, kann man es nicht vergrößern, wenn es leer ist, dann kann man durchaus was tun, um es voller zu machen. Klein ist niedlich und putzig, hat ein positives Image, leer ist dagegen hoffnungslos, man erinnere sich an Trappatonis "Flasche leer", es ist nichts mehr da. Leer zu sein ist ein Eingeständnis, dass man es nicht besser weiss oder besser kann.

Leer zu sein hat auch ganz praktische Konsequenzen. Es ist erheblich schwieriger Sicherheit und Infrastruktur für die wenigen, die irgendwo in der Pampa leben, sicherzustellen, als in dicht bevölkerten Regionen. Falls man es nicht mal versucht, dann fällt die Lebensqualität der verstreuten Einwohner automatisch. Das kann man schon sehr gut beobachten, es gibt keine Dorfschulen, Bankniederlassungen schliessen, die Post zieht weg, auf dem Weg zum Arzt muss man lange Strecken zurücklegen und der Bus fährt auch immer seltener. Und die Situation wird sich nicht bessern, die einzigen Regionen aus denen bei der letzten Zählung Bevölkerungswachstum vermeldet wurde waren die "Großstädte", das Land wird noch leerer. Obendrein lässt sich die Stadt Tallinn alles mögliche einfallen, um die Bevölkerung der Stadt hochzutreiben, zum Beispiel ist es angedacht das kostenlose Stadtverkehr nur für die registrierte Einwohner der Stadt zu gewährleisten. Die weiterführende Schulen, die besten Krankenhäuser, die Dienstleistungsarbeitsplätze sind alle in der Hauptstadt konzentriert, die wie ein Magnet die Landbevölkerung anzieht . Das ist auch ein politischer Kampf, denn je mehr Bevölkerung die oppositionelle Stadtregierung gegenüber der Landesregierung repräsentieren kann, desto mächtiger ist sie.

Was kann man denn tun, soll man was tun? Mit dieser Frage beschäftigen sich ja auch andere europäische Regionen, wie Ostdeutschland, von wo dauernd alarmierende Reportagen über verfallene Städte und Dörfer kommen. Die Vorschlagspalette ist breit, von Sehnsuchts- und Willkommenspaketen, die an Auswärtsstudierende verschickt werden, bis zu Zwangsumsiedlungen und Infrastrukturstilllegungen. Der estnische Präsident rief auch ein Programm ins Leben, damit estnische Studenten im Ausland wieder nach Hause kommen und war tief enttäuscht, als das Ergebnis sehr mickrig war, knapp 50 Studierende haben Interesse angemeldet. Ansiedelung von Ausländern will man vermeiden "aus historischen Erfahrungen heraus". Wie es aussieht werden bald weite Teile Estlands eine Freude für Naturliebhaber, denn sie werden sich zu unberührter Natur zurückverwandeln.

Sonntag, August 12, 2012

Viel Aufregung um Ligi

Der estnische Finanzminister Jürgen Ligi hat sich in einem Interview der Wirtschaftswoche erdreist, Deutschland Leviten zu lesen. Das Bundesverfassungsgericht wäre zu langsam, die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des europäischen Schutzschirmes ESM muss schneller durchgesetzt werden. Der Sturm der Empörung liess nicht lange auf sich warten, ein Herr Rolf von Hohenau vom bayerischen Bund der Steuerzahler sagte wortwörtlich "Ligi soll sich um eigenen Dreck kümmern". Wie es aussieht hat Ligi eine wichtige Lektion vergessen:

Dienstag, Juli 24, 2012

Aus dem Leben einen russischen Menschenrechtsanwalts in Estland

Sergej Seredenko ist ein Anwalt, der sich russischer Ombudsmann nennt und sich auf die Verteidigung von Rechten der russischen Minderheit in Estland spezialisiert hat. Hier sind Auszüge seiner Rede beim "Runden Tisch: Die Verbesserung der Arbeit mit russländischen Kompatrioten im Ausland: Recht und Information"

Wenn man die formelle Seite der Fragestellung nimmt, so beschäftigen sich in Estland mit dem Thema Menschenrechte recht viele GONGOs (Governmental Organized Non-Governmental Organizations) - es gibt den Institut für Menschenrechte, einige Zentren für Menschenrechte usw. Der Hauptsinn ihrer Tätigkeit - die Verteidigung des Staates gegen die Bürger und Rechtfertigung der ultranationalistischen Politik des Staates. Diese GONGOs sind sehr aggressiv zu den nationalen Minderheiten. Als Beispiel kann man den Fakt ansehen, dass sie für das "Recht" der russischen Minderheit "kämpfen" auf Estnisch zu lernen - so nennt man in Neusprech die Vernichtung der russischen Schulen.

Verteidiger der Menschenrechte in Estland, die sich hauptsächlich auf der Verteidigung der russischen Leute spezialisiert haben, kann man auf den Fingern einer Hand zusammenzählen. Sie alle, ausser mir, haben ihre Ausbildung im Informationszentrum für Menschenrechte (LICHR) bekommen. Alle diese Leute haben eine Mission, sie haben ein verschärftes Gefühl für Gerechtigkeit, mit einem Gen für Menschenrechte, wenn man das so sagen kann. Sie alle, ausser dem Ehepaar Semjonovs (Leiter des LICHR), haben eine juristische Ausbildung und Erfahrung in Arbeit im Gerichtssaal. Das sind sehr arme Leute, denn der Zugang zur staatlichen oder europäischen Finanzierung ist für sie per Definition geschlossen und ihr Klientel sind in der Regel mittellos. Daher kommt eine sehr grosse Müdigkeit, denn manche arbeiten unter solchen Bedingungen seit mehr als 10 Jahren (LICHR wurde vor 18 Jahren gegründet, Projekt "Russischer Ombudsmann startete im Frühling 2004).

Für diese Kategorie der Rechtsverteidiger in Estland ist solche Eigenschaft wie "Überqualifikation" typisch. Wie die berühmte Eiskunstläuferin Irina Rodina sagte, wenn man bei der Olympiade in Lake Placid gewinnen wollte, musste man nicht besser als andere sein, sondern dreimal so gut. Dasselbe kann man über die Erfolge vor den estnischen Gerichten sagen.

Eine besonderes Thema ist die Sicherheit der Menschenrechtverteidiger. Wie alle russischen Vertreter der Zivilgesellschaft sind sie recht bekannt und das bedeutet, dass sie ständig indirekt behindert werden. Zum Beispiel wurde die estnische Gesetzgebung derart "aufgebaut", dass faktisch alle unsere Jura-Diplome "annulliert" wurden. In meinem konkreten Fall endete mein Versuch in die Estnische Rechtsanwaltschaft einzutreten damit, dass die estnische Gerichte sinngemäß mein russländisches Hochschul-Staatsdiplom annuliert haben. Und mein Versuch meine juristische Ausbildung bis zum Magisterlevel zu vervollständigen, indem ich mich für das Programm der Kompatrioten im Ausland beworben habe, endete mit dem russländischen Verbot einen zweiten kostenlosen Hochschulabschluss zu bekommen. Ich sage das deshalb, weil um das Recht vor den estnischen Gerichten zu vertreten, zu bekommen, muss man jetzt Magisterabschluss haben.

Wir brauchen neue Leute, Schüler, doch kann man sie nirgends hernehmen, denn unser "Beruf" kann der Jugend nichts anbieten - kein Geld und keine Perspektiven.

Samstag, Juli 21, 2012

Bericht vom rechten Rand

Am 14. Juli fand in der Stadt Kuressaare auf der Insel Saaremaa das XX. Treffen der Union der Kämpfer für die Freiheit Estlands (est. Eesti Vabadusvоitlejate Liidu) statt. Es kamen ca. 400 Teilnehmer, sowohl aus Estland, als auch aus dem Ausland. Es wurde ein Gedenkstein an die Schlacht in Techumardi während des Zweiten Weltkriegs und eine Gedenktafel aufgestellt. Diese Veranstaltung ist normalerweise nicht so bekannt, wie das Treffen der Veteranen der Estnischen Legion der Waffen-SS in Sinimäe, das übrigens am 28. Juli stattfinden wird, doch diesmal ließ es sich der neue Verteidigungsminister Urmas Reinsalu nicht nehmen, daran teilzunehmen und eine Rede zu halten.

In der Rede betonte er, dass die Kämpfer für die Freiheit Estlands die Ehre des estnischen Volkes gerettet hätten. Es wäre auch klar, dass der unabhängige estnische Staat der Hauptgarant für den Erhalt des estnischen Volkes wäre. Das wäre die zentrale Frage der nationalen Sicherheit.

Nachdem in Februar das estnische Parlament eine Resolution verabschiedete, die Dank und Anerkennung all denjenigen aussprach, die für die Freiheit Estlands gekämpft haben, waren es äußerst neblige Formulierungen, so dass in Prinzip jeder sich angesprochen fühlen konnte. Doch nun, durch die Rede vor vielen ehmaligen Mitgliedern der Estnischen Legion und anderen Truppen, die einen Eid auf Hitler geschworen haben, wird es klar, wer in der Resolution gemeint war. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der Verteidigungsminister eine ähnliche Rede am 9.Mai vor der Veteranen der Roten Armee halten wird.

Eine interessante Veranstaltung für die jüngeren Verehrer von der Estnischen Legion ist sicherlich der Auftritt der rechten Band Death in June in der Von Krahl Bar in Tallinn. Das pikante dabei ist, genau in dieser Bar wurde das Free Pussy Riot Konzert veranstaltet, bei dem der estnische Präsident Ilves anwesend war. Ob ein medienwirksamer Besuch einer Kneipe, die rechte Konzerte veranstaltet, für Herr Gauck so politisch gesund wäre? In Estland hat es nicht mal jemand gemerkt.

Von braunzonebw wurde mir folgender Link zugeschickt. Es wird über den Rücktritt des lettischen Justizministers berichtet, der sich geweigert hat jüdische Organisationen zu entschädigen, deren Besitz von der Nazibesatzung konfisziert wurde.

Wenigstens gibt es eine Stellungnahme von Welt ohne Nazismus. Der Vorsitzende Boris Spiegel schreibt zu der Veranstaltung in Kuressaare:

STATEMENT


On the glorification of Nazism in Estonia

On July 14, 2012 Estonia’s Defense Minister, Urmas Reinsalu, took part in the 20th rally of the so-called "Union of Freedom Fighters", which unites the former Waffen SS soldiers with other military units that fought on the side of Nazi Germany. Characteristically, the majority of the so- called “freedom fighters” present at the rally had a sign of the 20th SS division on their clothes, which allows us to assert that they were veterans of this particular division. According to state television and radio company, ERR, Estonia's Defense Minister expressed gratitude to the veterans of the Wehrmacht for their bravery in his speech at the rally. According to him, Hitler's henchmen’ contribution to the Republic of Estonia is crucial, "because they saved the honor of the Estonian people." According to the same TV source, the Minister also assured the audience that today's generation of Estonians is guided by the "freedom fighters”’s self-sacrifice.

So on behalf of the Estonian state, Urmas Reinsalu showed the world that the Nazi ideology could have an excuse, and that the executioners of Hitler’s orders in Estonia could become national heroes. The reason for such a complete disregard for the rule of law and human morality lies in the connivance of neo- Nazi sentiment in the upper echelons of the government of Estonia and the reluctance of the EU leadership to pay attention to attempts to falsify history and to glorify Nazi criminals in Europe.

International Human Rights Movement "World Without Nazism" repeatedly warned that the movement to defend Nazi ideas in Estonia is becoming increasingly progressive in its course: the war with the monuments, the awarding of state awards to nationalist activists, the Ministry of Defense’s funding of the SS veterans organizations, war games "Erna", which are based on real combat route of Nazi Germany’s diversionists in the Soviet Union, and gatherings of friends of the 20th SS division.

The people of Europe suffered huge casualties in the struggle against fascism, and we must never forget that. Attempts by the Estonian authorities to review the history and to present Wehrmacht soldiers as heroes and anti-fascists as extremists are not only insulting to the people of Europe that survived a difficult war and occupation, but they are a powerful destabilizing factor in modern politics, aiming to justify Nazism and to revise the postwar world.

Another demonstrative act of worship of the SS veterans’ "feats" is expected on July 28th in the Estonian town of Sinimyae, where the Estonian SS division was defeated in a heavy battle in 1944. On this day we expect another batch of praise to the Nazi warriors. In this regard, "World Without Nazism" expresses its strong protest against the unprecedented actions of the Estonian authorities and calls on the Council of Europe, UN and other international organizations to take immediate and decisive action in the case of Estonia, whose policy is fundamentally at odds with the principles of the postwar world order, with the principles on which modern Europe was built.

Chairman of the Board B. Shpiegel.

Sonntag, Juli 08, 2012

Wie estnisch ist Estland?

Am 06. Juli hat das Verwaltungsgericht Tallinns beschlossen den Klagen der 14 russischen Gymnasien in Tallinn und Narva nicht stattzugeben. Die Gymnasien haben gegen die 60% Regelung geklagt, nach der mind. 60% des Unterrichts auf Estnisch durchgeführt werden muss. Die Begründung dafür ist, dass die Benutzung der Sprache auf dem Territorium des estnischen Staates unter anderem in Bildungseinrichtungen, eine Frage ist, die der Staat bestimmen muss und nicht die örtlichen Kommunen. Die Sprache muss bewahrt werden und bestimmt die nationale Identität der Esten.

Soweit entspricht das Urteil der Präambel der estnischen Verfassung, denn dort heisst es: In unerschütterlichem Glauben und standhaften Willen, den Staat zu sichern und zu entwickeln; der aufgrund des unauslöschlichen Selbstbestimmungsrechts des estnischen Volkes geschaffen und am 24. Februar 1918 verkündet wurde; der auf Freiheit, Gerechtigkeit und Recht beruht; der den inneren und äußeren Frieden schützt und dem gesellschaftlichen Erfolg und dem gemeinsamen Nutzen der heutigen und kommenden Generationen dient; welcher die Erhaltung des estnischen Volkes und der estnischen Kultur durch alle Zeiten garantieren muss.

Also interpretieren wir mal freizügig, dass durch die Einführung der 60% Regelung die estnische Kultur durch die estnische Sprache auch unter den russischen Mitbürgern verbreitet werden soll (ob sie zum estnischen Volk gehören oder nicht ist nicht ganz klar). Doch stellen wir die Frage andersrum: In den mehr als 20 Jahren Unabhängigkeit, ist Estland estnischer geworden, wurde also alles getan, um das estnische Volk und und die estnische Kultur zu erhalten?

Estnisch ist die einzige Staatssprache in Estland, also doch hat die Anzahl der estnisch sprechenden Menschen eher ab, als zugenommen. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung leben in Estland rund 890.000 Esten, also weniger als 1959. 1989 gaben 963.000 Menschen in der damaligen Estnischen Sowjetrepublik an, Esten zu sein. Viele sind gestorben, viele sind ausgewandert, die Frage ist, ob sie im fremdsprachigen die estnische Sprache pflegen, ob sie zurückkehren und ob sie die estnische Sprache und die Kultur ihren Kindern weitergeben. Was die Vertreter der nationalen Minderheiten in Estland angeht, der Anteil der estnisch-sprechenden hat sich zweifellos erhöht, welchen Stellenwert die estnische Sprache in ihrem täglichen Leben einnimmt ist nicht ganz klar. Oftmals wird Estnisch zur offiziellen Kommunikation verwendet, die Kultur und Medienumgebung sind nach wie vor Russisch.

Lennart Meri behauptete in seinem Werk Tulemägede Maale dass "die Wissenschaft uns aus den Ketten der Großstädte lösen und zurück zur Natur führen wird". Das war eine recht estnische Sicht, denn eine sehr estnische Eigenschaft ist das Leben auf dem Land, besonders auf den estnischen Inseln, wo sich viele Eigentümlichkeiten der estnischen Kultur entwickelt haben, seien es die Nationalkleider, oder die Strickmuster. Nun in den letzten 10 Jahren hat sich alleine die Bevölkerung auf der zweitgrößten estnischen Insel Hijumaa um 19% verringert. Die einzigen Landkreise, die Bevölkerung gewonnen haben, waren Tallinn und Tartu, das bedeutet, dass die Landbevölkerung zur Stadtbevölkerung wird und viel von der estnischen Kultur verliert.

Vor dem zweiten Weltkrieg gab es in Estland 140000 Höfe, die Landwirtschaft betrieben haben. Das Leben auf einem Bauernhof ist eine estnische Selbstverständlichkeit, selbst der estnische Staatspräsident ist sehr stolz auf seinen Hof, der seinen Ahnen gehörte und nach seiner Rückkehr ihm übergeben wurde (dass der Staat für die Pflege des Hofes aufkommen muss, ist eine andere Geschichte). Nach der Erlangung der Unabhängigkeit und der Zerschlagung der Kolchose, haben viele Esten wieder Landwirtschaft in ihren kleinen Höfen betrieben und ihre Erzeugnisse an die Produzenten von Lebensmitteln verkauft.

Die Statistik zeigt ein recht eindeutiges Bild, Estland ist führend bei der Vernichtung von Bauernhöfen. Damit geht auch ein Teil der estnischen Kultur verloren.

Diese Prozesse der Bevölkerungsabnahme und der Landflucht sind zum Teil natürlich und dem technischen Fortschritt geschuldet, denn heutzutage können nur grossangelegten Landwirtschaftsbetriebe mit entsprechender Technik und Skalierungseffekten konkurrenzfähig produzieren, der kleine Bauer kann sich nicht die Technik leisten. Doch die Politik ist auch nicht unschuldig am Landsterben. Es wird wenig in die Infrastruktur investiert, das Netz der Schulen, der Bankautomaten, der Krankenhäuser wird ausgedünnt, so dass weder die Jungen, noch die Alten eine adäquate Ausbildung oder medizinische Versorgung auf dem Land bekommen können. Dass damit ein Teil der estnischen Kultur vernichtet wird, scheint bei den politischen Überlegungen nur einen geringen Anteil zu spielen. Der Plan des Bildungsministeriums sieht vor, dass bis zu 2/3 aller Gymnasien geschlossen und zusammengelegt werden sollen, das bedeutet, dass die Kinder auf dem Land von der höheren Bildung abgeschnitten werden, sie sollen bei den Verwandten in der Stadt unterkommen, denn Bau von angeschlossenen Internaten ist nicht in Planung.

Abschliessend kann man nur sagen, dass bevor die russisch-sprachigen Mitbürger zu richtigen Esten umerzogen werden sollen (und trotzdem wegen ihren russischen Namens bei der Arbeitssuche benachteiligt werden), man vielleicht auch schauen sollte, dass die Grundlagen der estnischen Sprache und Kultur nicht verlorengehen.

Freitag, Juli 06, 2012

Von Nahrungsmittelhilfen und Dienstwägen

Eigentlich wollte nichts mehr über Ilves vs. Krugman schreiben, doch dann hat mich eine meiner treusten Leserinnen auf folgenden Artikel aufmerksam gemacht: Õhtuleht schreibt:

Der Umfang der Nahrungsmittelhilfe das dieses Jahr nach Estland aus der EU ankommen wird, wird eine neue Rekordmarke erreichen. Es werden kostenlos 2571 Tonnen Trockenprodukten wie Nudeln, Mehl, Zucker usw. und 590,8 tausend Liter Rapsöl mit dem Wert von insgesamt 2,2 Mio. Euro geliefert.

Den größten Hilfsbedarf haben der estnische Rote Kreuz, der Verein der kinderreichen Familien und ein holländisch-estnisches Wohlfahrtsfond angemeldet. Insgesamt werden die Nahrungsmittel unter 129 500 Menschen verteilt.

Das bedeutet, dass jeder 10. Einwohner Estlands sich nicht im ausreichenden Umfang ernähren kann und auf kostenlose Lebensmittel der EU angewiesen ist.

And now something completely different:

Auf dem Bild ist der neue Dienstwagen der First Lady Estlands abgebildet. Die monatliche Leasingrate ist um 1/4 höher, als der estnische Durchschnittsgehalt.

Sonntag, Juli 01, 2012

Mythen des 14. Juni

Die Sicherheitspolizei Lettlands startete eine Untersuchung bezüglich des russischen Politikers, der als Kind die Deportation am 14. Juni erlebt hat, Alexander Gilman. Er hatte die Frechheit den Mut die gängigen Mythen über die Repressionen der 40-er Jahre in Frage zu stellen.

Laut dem Stellvertreter des Direktors der Sicherheitspolizei Christina Apse-Krumini, läuft die Untersuchung hinsichtlich Erfüllung des Strafbestands des Artikels 74.1 des Gesetzes "Über die öffentliche Verherrlichung oder Verneinung des Genozids und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Das Gesetz sieht Strafen wie Freiheitsentzug bis zu fünf Jahren oder gemeinnützliche Arbeiten vor.

Die Untersuchung wurde nach der Erklärung des Parlamentskommission zur Erziehung der Staatskunde angefangen. Die Abgeordnete haben die Sicherheitspolizei gebeten aufzuklären, ob der Artikel von Gilman nicht die Merkmale zur Aufwiegelung von Rassenhass enthält.

Früher hat der Vorsitzende der nationalen Vereinigung Visu Latvijai Raivis Dzintars die Aussagen von Gilman als "Spuck ins Gesicht" von allen Repressierten bezeichnet. In dem Artikel "Mythen des 14. Juni" schreibt Alexander Gilman:

Jedes Mal wenn ich dem Zugbegleiter in der S-Bahn den Ausweis einen Politrepressierten zeige, denn wir haben das Recht zum kostenlosen Fahren, treffe ich auf erstaunte Blicke.

Laut den in der Gesellschaft gängigen Mythen, ist ein Repressierter ein alter Mensch, in seinen Augen ist das gesamte Leid des lettischen Volkes. Doch ich bin weder alt, noch Lette, noch beleidigt…

Die Vergünstigung ist natürlich unpassend, ich habe keine Erinnerung an die Repressionen, die schweren Ketten fielen, als ich drei Jahre alt war, doch wie man sagt: Wenn man gibt, dann nimm an. Doch bin ich, auch wenn es seltsam ist, auch ein Zeuge. Meine Kindheit und meine Jugend verbrauchte ich unter Leuten, die auf ihrer Haut die stalinistischen Repressionen erlebt haben, und wer wenn nicht ich kann am besten verstehen, wieviele Lügen um sie aufgebaut wurde.

Mythos Nr. 1: Die Blüte des lettischen Volkes

Wenn jemand meine Großmutter ärgern wollte, dann erinnert man sie an die idiotische Aussage, die erste, die sie im Güterwaggon auf der Station Tornjakalns sagte: "Wo sind wir hingeraten? Das sind doch alles конфекционеры (Modehändler) aus der Marienskaja!" Als Конфекционеры wurden Kleidungsläden genannt, auf der Strasse Marijas gab es besonders viele und ihre Besitzer hatten einen anhaltenden Ruf von Unternehmern, die heilig dem Prinzip "Betrügst Du nicht - verkaufst Du nichts" folgten. Die Großmutter arbeitete als Anwältin, verteidigte solche Unternehmer vor dem Gericht, wenn man sie wegen Steuerhinterziehung oder Betrug verklagte, sonst hatte sie nichts mit ihnen gemeinsam.

Wie jeder intelligente Mensch der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war sie innerlich zur Verhaftung ihr ganzes Leben lang vorbereitet. Und während der Zarenzeit (der Großvater sass sogar zweimal ein) und unter den Bolschewiken (1920 ist man knapp aus Moskau geflüchtet) und unter Karl Ulmanis. Doch nach den Begriffen damaligen Zeit gerät der Gefangene in die Gesellschaft der Gleichstatuierten, so war das beim Nikolai II und unter Ulmanis I. Unter Stalin gab es überhaupt kein System.

Der Hauptprinzip der Verhaftungen war klar, es wurden die hochgestellten Beamten, Personen der öffentlichen Meinung und grosse Unternehmer mit Familien verhaftet. Doch die Ausführung war genauso stümperhaft wie der Großteil der Sowjetproduktion: es war absolut unmöglich vorherzusagen, warum ein Mensch verhaftet wurde und sein Gesellschafter nicht angerührt wurde.

Die meisten Verhafteten stellten keine Gefahr für die Sowjetmacht dar. Doch die zahlreiche nazistische Untergrund wurde nicht angefasst, in den ersten Tagen des Krieges wurden die Rotarmisten und alle, die flüchten wollen, von allen Hochdächern beschossen.

Der Krieg fing am achten Tag an, es war schon gut, wenn die Züge mit den Repressierten bis nach Yaroslavl gekommen sind. Man musste die Soldaten an die Front schicken, die Fabriken in Hinterland, doch alle Gleise sind mit den Zügen mit "Volksfeinden" zugestellt.

Die Repression am 14. Juni ist ein Akt von sinnloser Grausamkeit. Als ihr Opfer wurden die Leute größtenteils zufälligerweise.

Und wenn ich höre, dass an diesem Tag die Blüte der lettischen Nation vernichtet wurde, dann erinnere ich mich immer an die gaunerhaften Verkäufer von der Marienskaja - wird dieser Terminus auch für sie verwendet?

Mythos Nr. 2: Die Juden repressierten die Letten

Alle meine Nächsten wurden von Letten repressiert - die Jungs aus "Рабочая Гвардия" (Die Arbeitsarmee). Für Zusammensammeln wurden mehrere Stunden gegeben, keiner hat besonders geschimpft - es wurden sogar nützliche Ratschläge gegeben. Sie, der Leser, können Sie sich vorstellen, dass in Sibirien die Bettwäsche äußerst nützlich ist? Es stellte sich heraus, dass die Sibierer keine Kleidung und kein Stoff hatten, deswegen haben sie gerne Waren gegen Bettwäsche getauscht und nähten sich Hemde daraus. Wer konnte daran in prosperierenden Riga denken!

Da das Zusammensammeln ohne besondere Eile vor sich gingen, konnte eine Strafbrigade in einer kurzen Sommernacht nur 1-2 Familien verhaften. So war die Zahl der Verhaftenden ungefähr gleich der Zahl der Verhafteten, nicht weniger als 10 Tausend Personen. Die Komsomolzen wurden in Gebietskomitee gerufen, es wurde gesagt, dass eine verantwortungsvolle Aufgabe auf sie wartet. Sie haben erst in der letzten Minute verstanden, was vor sich geht. Die nationale Zusammensetzung sowohl der "Henker" als auch der "Opfer" entsprach der nationalen Zusammensetzung der Letten. Im Endeffekt waren beide Gruppen Opfer.

Nach ihrer Rückkehr aus Sibirien traf meine Tante einen Klassenkameraden und freute sich sehr, denn aus ihrer Schule blieben nur wenige am Leben. Sie konnte nicht verstehen, warum er sie mied, dachte er hätte eine eifersüchtige Frau. Doch vor seinem Tod gestand er, dass er am 14. Juni verhaftete und hatte das ganze Leben deswegen Gewissensbisse, konnte sich nicht verzeihen. Die Tante konnte ihn nicht beruhigen, obwohl sie sich viel Mühe gab.

Mythos Nr. 3 Das Schrecken der Strafarbeiten

Wenn Leute ihre Jugend bis zu fünfzehn Jahre fernab ihrer Heimat verbracht haben, dann können sie keine besseren Freunde haben. Fast alle Freunde meiner verstorbenen Eltern waren mit uns in Sibirien. Die kamen zu uns als Gäste und erinnerten sich an die Jahre, wie wir uns an стройотряды (studentische Abordnungen für Bauarbeiten), Wanderungen und Kolchosen erinnern: viele junge Leuten leben in einer Baracke, Liebesbeziehungen, gemeinsame Abende, lustige Geschehnisse - keine Repression, doch ein lustiger Spaziergang in der Natur.

Der Mensch hat die Eigenschaft das Schlechte zu vergessen und sich an das Gute zu erinnern - doch auch objektiv gesehen war das Leben in Sibirien nicht so tragisch, wie man gewohnt darüber spricht.

Sehr schwer war der erste Winter, wegen der Kälte, Fehlen von Notwendigem und Arbeitslosigkeit: Es gab kein Essen und kein Gehalt. Dann war schwere Arbeit, Bäumefällen, Eisangeln, doch nach ein-zwei Jahren haben fast alle Arbeit im Büro gefunden. Nicht, weil die Repressierten irgendwelche Privilegien hatten, doch alle hatten wenigstens mittlere Bildung, unter unter den dortigen Bewohnern konnte man niemanden für die Stelle als Buchhaltung oder sogar Lagerhalter finden.

Sibirien war schon seit langem ein Ort, wohin man Leute aussiedelte, die Sibirier hatten keine Angst vor den "Feinden des Volkes" und diese lebten ungefähr so wie die örtliche Bevölkerung - nur einmal in der Woche musste man hingehen und sich registrieren und man durfte nicht wegfahren. Langsam wurde das Regime erleichtert, zum Schluss durfte man sogar Urlaub in Riga verbringen. Die Kinder beendeten die Schulen und gingen in die Hochschulen, einer unserer Bekannten ist bis jetzt ein Professor an irgendeinem Institut in Krasnoyarsk.

Natürlich ist jede Gefangenschaft schrecklich, doch objektiv gesehen, hatten die Ausgesiedelten die größte Chance aufs Überleben, so pervers es auch klingt. Die ältere Schwester meiner Mutter war verheiratet, sie wurde nicht ausgesiedelt und starb in Ghetto mit Mann und Kind. Die Cousins wurden evakuiert, gingen an die Front, einer wurde getötet, der andere bekam eine Kriegsverletzung, der dritte bekam eine Herzkrankheit und starb recht jung.

Die vernünftigen Letten aus den Ausgesiedelten denken genauso. "Wenn man mich nicht ausgesiedelt hätte, dann wäre ich in der Legion. Und dort hätte man mich getötet und in Gefangenschaft genommen, also wiederum nach Sibirien.." Vom Regen in die Traufe. Die Generation, die im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts geboren wurde, hatte ein sehr tragisches Schicksal. Das Leben gab ihnen keine erfolgreiche Pfade, auf jedem konnte man das Leben verlieren.

Ein Gruppe aus der Masse an Opfern des grausamen Jahrhunderts auszuzeichnen ist zynisch und gemein.

Mythos Nr. 4: Die Repressierten sind sehr verbittert

Das ist schon unser Mythos und nicht der offiziellen Ideologen und es hat ein gewisses Recht auf Existenz. In dem gemeinsamen Chor der national Besorgten, die verlangen, die Okkupanten rauszuwerfen und eine Entschädigung von Russland zu verlangen, hört man immer die schimpfende Stimme von verschiedenen Gemeinschaften der Repressierten. Doch hat niemand von den noch lebenden Mitbegleiter meiner Eltern zu diesen Gemeinschaften irgendwelche Beziehung. Meine verstorbene Tante ging einmal zu so einer Versammlung und fluchte dann lange, so hat auf sie die herrschende Stimmung des sinnlosen Hasses gewirkt.

Es scheint, dass die Redeführer in solchen Organisationen recht junge Leute sind, solche die in Sibirien geboren wurde oder als Säugling dorthin kamen. Kulturschock bekamen sie, im Gegensatz zu ihren Eltern, nicht bei der Wegfahrt aus Lettland, sondern bei der Rückkehr, und kommen bis jetzt nicht davon weg.

Ein typischen Beispiel ist Dzintra Hirša. Sie kehrte nach Lettland zurück, als sie zehn war, ging in die Schule und wurde gleich ein Opfer von Anzüglichkeiten, weil sie falsch lettisch gesprochen hat und nicht schreiben konnte. Deswegen hat sie sich zum Lebensziel gesetzt zu zeigen, dass die nicht schlechter als die anderen Letten ist, deswegen kann sie talentierter als andere das Leben der Andersgeborenen zu zerstören.

Die Leute, die den ganzen Weg gegangen sind, haben keinen Zorn in sich. Sie sprechen übrigens sehr gut und gerne Russisch. Einer von Mutters Weggefährten aus dem hohen Norden erklärte warum es ihm so schwer fällt, sich mit den Schulkameraden zu unterhalten, die nach dem Krieg in den Westen gegangen sind, so: "In irgendeinem Augenblick waren wir und sie in einem fremden Land, ohne einen Groschen. Doch wir waren von armen Sibierern umgeben, und sie von reichen Amerikanern. Deswegen haben sie ihr ganzes Leben in Neid gelebt, wir hatten niemanden auf den neidisch und zornig sein konnten."

… Ich war am 14. Juni 1987 bei meiner Tante, als ihr dieser Mann anrief und die Neuigkeit berichtete: "Du sitzt zu Hause, weisst von nichts, um man legt Dir vor dem Freiheitsdenkmal die Blumen nieder - sollen wir hingehen und uns das anschauen?" Irgendjemand hat schon verstanden, dass man mit den Repressierten politisches Kapital verdienen konnte. "Was für Blumen - wir leben noch", antwortete die Tante, "Wir gehen nicht. Sollen sie sich zum Teufel scheren!"

Goldene Worte...

Samstag, Juni 30, 2012

Ein paar Gedanken zum Krugman vs. Ilves

Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt haben, kann man eine ernsthafte Diskussion anfangen, welcher Weg denn der richtige ist, die Einsparungen, oder Investitionen auf Pump. Die Frage ist natürlich nicht nur auf Estland beschränkt, Griechenland, USA sind genauso von der Frage betroffen, selbst Aktienkurse von Firmen beschreiben genau die gleiche Kurve, wie das BIP in Estland.

Vielleicht sind die Aktienkurse sogar ein besserer Indikator, denn in die Aktienkurse sind die Erwartungen über die zukünftige Entwicklung der Firma eingespeist im Gegensatz zum BIP. Nehmen wir doch drei Firmen aus dem Bereich EDA (Electronic Design Automation) als Beispiel (ich arbeite in diesem Bereich, so dass ich am besten über diese Firmen Aussagen treffen kann). Alle drei Firmen sind in USA beheimatet, alle drei haben dieselben Kunden, alle drei stellen dieselben Produkte her.

Schauen wir den Graphen an, der die Aktienkurse dieser drei Firmen in den letzten fünf Jahren gegenüber stellt. Ende 2008 fielen die Aktienkurse aller drei Firmen um bis zu 80%. Interessant was dann passiert ist, Mentor (rot) und Synopsys (gelb) haben den Vorkrisenstand erreicht und teilweise übertroffen, während Cadence (blau) sich vom Tiefstand zwar erholt hat, aber von dem Vorkrisenstand noch weit entfernt ist. Was ist der Unterschied zwischen den drei Firmen?

- Synopsys übernahm 2011 die viertgrößte Firma und sicherte sich Marktanteile - Mentor unternahm mehrere Zukäufe in adjacenten Marktbereichen und diversifizierte seine Produktpalette - Cadence wurde strikter Sparkurs verordnet, um die Profitabilität zu steigern. Keine bedeutende Übernahmen, Konzentration auf Kerngeschäft, kaum Investitionen

Das Ergebnis spricht für sich, während bei Mentor und Synopsys der Raum für Kurse durchaus nach oben vorhanden ist, weil Phantasien über Monopolstellung (Synopsys) oder gute Geschäfte in anderen Bereichen (Mentor) die Preise anheizen, plätschert der Kurs von Cadence vor sich hin.

Doch zurück zu Estland. Hier eine weitere Grafik, die Paul Krugman gepostet hat.

Hier werden die Staatsinvestitionen und die BIP-Veränderungen zueinander in Beziehung gebracht. Auf einmal ist Estland ganz in die Nähe von Griechenland gerückt, die Staatsinvestitionen sind um ähnliche Größenordnung beschnitten worden, und BIP ist ungefähr auf demselben Stand geblieben. Slovenien hat die Staatsausgaben zwar gekürzt, zwischen 2008-2011 ist der BIP sehr ordentlich gewachsen. Slowakien hat die Staatsausgaben erheblich ausgeweitet und ist mit noch höherem BIP-Wachstum belohnt worden. Wieso Estland als Vorbild für west- und osteuropäischen Ländern gelten soll und nicht Slovenien oder Slowakien, erschliesst sich aus vorliegender Graphik zumindest nicht.

Moral der Geschichte, Sparkurs oder Austenität helfen zwar aus dem tiefen Loch der Rezession rauszukommen, doch ohne Investitionen bleiben die Kurse ob Aktien oder BIP flach, weil die es schlicht keinen Grund gibt, warum sie steigen sollen. Mit prognostiziertem Wachstum von 1-2% dieses Jahr wird es eine Weile dauern, bis Andrus Ansip sein Versprechen einlöst und Estland eins der fünf reichsten Ländern Europas wird.

Mittwoch, Juni 27, 2012

Worte der Woche

Carita Pettersson kommt aus Finnland und war 2006-2011 die Leiterin der estnischen Vertretung des Ministerrates der nordischen Länder

Dienstag, Juni 26, 2012

Die Anwendung des neoliberalen Kriegsbeils und die Zerstörung der estnischen Wirtschaft

Vielen Dank an Karl Krugmann für die Übersetzung diesen langen Artikels

Von Prof. Jeffrey Sommers und Dr. Markku Sippola

Global Research, 24. Oktober 2011

Die Elite der Finanzpresse hält an, weiterhin ihr baltisches Sparmodell auf den Markt zu bringen. Im vergangenen Monat zeigten Michael Hudson und Jeff Sommers wie Anders Aslund, von dem bankfinanzierten Petersen-Institute, gegen den Schneeball trat, der den Berg hinunter zu rollen und anzuwachsen begann in Bezug auf die neueste Ausgabe des „baltischen Tiger Märchens“. Schon seit langem gingen Robert Samuelson und die Washington Post unter der Leitung von Andersens mit dem armen Lettland als ihr Aushängeschild für das Modell einer „erfolgreichen“ Sparpolitik hausieren. Jetzt, da die lettischen "Errungenschaften" entlarvt worden sind, haben sie sich auf den Weg gemacht, um für Estland zu werben. Dies geschah zuletzt durch das Wall Street Journal, wo sie für die tapfere estnische Wirtschaft schwärmten, während die Kommentare zu ihren Blog-Seiten mit Seitenhieben auf die Keynesianer vermerkten: "Übernehme, Paul Krugman!"

Viele Ökonomen und Leute der Finanzpresse ahmen Kindern auf Fahrgeschäften in Vergnügungsparks nach. Sie glauben, ihre Sparpolitik "lenke" ihr Fahrzeug und nicht die zugrunde liegenden strukturellen Kräfte. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit im Fall von Estland. Ich war ein gefragter Redner für eine Debatte mit einer estnischen Bank, und zwar der Estnische Zentralbank, und Teilnehmer an der Debatte im vergangenen Juni im Rahmen einer aufgezeichneten Veranstaltung in der Tallinner Technischen Universität. Neoliberale Teilnehmer schwärmten wie Jugendliche auf einem Justin Bieber Konzert und riefen: "Wie hast du das getan?" Die Verantwortlichen der Bank reagierten mit erfrischender baltischer Bescheidenheit: "Wir wurden glücklich geboren". Was meinte er damit? Das war sicherlich nicht die Antwort, die die Ökonomen hören wollten! Die Bank nannte nämlich Estlands geographische Lage als seinen zufälligen Wirtschaftsstandortvorteil.

Kurz gesagt, das „estnische Modell" besteht im Wesentlichen aus seiner Hauptstadt Tallinn, verbunden mit Helsinki durch fast 40 Fährverbindungen am Tag und durch nur 18-minütige Flüge mit dem Hubschrauber für die gegenseitigen Dienstreisen ihrer Führungskräfte. In der Tat haben die Einheimischen einen leichten Zugang zu "Talsinki" (Anmerkung: Wortspiel „Tallinn und Helsinki“). So hat dieses kleine Land von 1,6 Millionen Menschen, deren Bevölkerung in den USA nur als mittelgroße Stadtlandschaft rangieren würde, den wesentlichsten Vorteil aufzuweisen, dass es an in der Welt sehr erfolgreich agierende soziale Demokratien angeschlossen ist. Finnische und schwedische Unternehmen brauchen auf ihrer Suche nach billigen Arbeitskräften nur einfach nach Tallinn zu hüpfen und zu schippern. Geschieht dies, weil die Esten produktiver sind? Nein. Warum denn? Wegen der niedrigeren Arbeitskosten natürlich. In der Tat locken die Esten geschickt skandinavische Geschäftsleute an, damit diese dem „Sozialismus" in ihren Ländern entkommen können. Es ist eine Art von speziellem Vergnügen, die zuverlässige Ehefrau für ein neues Techtelmechtel zu verlassen. Dies hat natürlich manchmal auch seine Schattenseiten. Esten sind nämlich nicht unbedingt für ihre Schnelligkeit bekannt. Versuchen Sie mal den Kundendienst von SAS (Scandinavian Airlines) anzurufen. Dann können Sie auf dem Display verfolgen, wie das estnische Call-Center Sie mit der Schnelligkeit einer Schildkröte bürokratisch durch ihr System rumreicht, aber natürlich mit größtmöglicher Professionalität. Sie finden also in Estland je nach Ihrem Wunsch sowohl Professionalität als auch höchste Produktqualität, aber erwarten Sie bitte nicht Geschwindigkeit.

Was ist nun die Wirklichkeit des estnischen Wirtschaftsmodells? Erstens, es verfügt statistisch gesehen über die US-GINI-Maße (Anmerkung: Index zur Berechnung der Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen in der Wohlfahrtsökonomie). Wenn Sie massive Ungleichheit mögen, dann sind Sie im Allgemeinen in Estland und in den baltischen Staaten gut aufgehoben. Zweitens hat es eine verstärkt anwachsende Arbeitslosigkeit und soziale Verwerfungen, abgemildert nur dadurch, dass der estnische Arbeits- und Wirtschaftsmarkt durchlässig zu den benachbarten Arbeits- und Wirtschaftsmärkten Finnlands ist.

In der Tat hat der sogenannte estnische "Erfolg" zu einem Kaufkraftvorteil von nur einem Drittel unterhalb dem Griechenlands geführt, obwohl Estland neben den Ländern mit der weltweit höchsten Kaufkraft liegt und wirklich in diese integriert ist. Sprachlich verstehen sich Esten und Finnen untereinander. Dies ermöglicht ein leichtes Pendeln zu dem jeweiligen anderen Geschäfts- und Arbeitsmarkt. Die veröffentlichen statistischen Daten Estlands aus 2009 enthüllen eine riesige Armut für ein Land der Europäischen Union. Ungefähr 16 Prozent der estnischen Bevölkerung oder etwa 211.000 Menschen lebten in 2009 in relativer Armut. Die Situation hat sich auch in den beiden nachfolgenden Jahren nicht gebessert - und die Sparmaßnahmen sind wirklich nicht geeignet, die Dinge besser zu machen. Das einzig gute, was man zum estnischen Modell sagen kann, ist, dass es besser als das lettische ist, wo die Sparmaßnahmen und die Steuersätze (flat taxes) zu einem Desaster biblischen Ausmaßes geführt haben, die dieses Land zu zerstören drohen.

Paradoxerweise - aber vielleicht nicht überraschend – ist Estland schließlich das Land unter den baltischen Staaten, das intern auf eine Abwertungspolitik setzt (im Nachhinein beurteilt). Dennoch übertrifft es die anderen baltischen Länder bei der Erholung von der Krise. Nach dieser Logik, wenn überhaupt, sollte darüber gestritten werden, ob ein Wirtschaftswachstum nicht besser durch eine weichere Sparpolitik und interne Abwertung erreicht werden kann! Zwar ist der Ausgangspunkt in Estland anders gewesen als in Lettland und Litauen: Estland war nämlich vor der Krise das wirtschaftlich bestaufgestellteste Land unter den baltischen Staaten. Es musste keine bankrotten Banken retten, weil Estlands Finanzinstitute alle in ausländischem Besitz sind, und brauchte damit auch keine Rettungspakete für inländische Banken zu schnüren.

Die Kehrseite von fast ausschließlich sich in ausländischen Händen befindlichem Eigentum ist jedoch, dass es alle seine Schuldendienstzahlungen an ausländische Staatsangehörige in einer Art neuen Leibeigenschaft zu leisten hat, so wie in den Tagen als in Estland noch der schwedische, deutsche oder russischen Feudalismus herrschte, wie Michael Hudson vermerkte.

In welchem Umfang hat das angrenzende sozialdemokratisch regierte Finnland den Esten bei der Bewältigung ihrer Probleme geholfen? Die Finnen bieten viele Kurzzeit-Jobs in Bau-, im Dienstleistungssektor und in andere Industrien an. Des Weiteren wird geschätzt, dass seit der Jahrtausendwende zwischen 92.000 bis 133.000 Esten im Ausland gearbeitet haben. Dies entspricht 14-19 Prozent aller Arbeitnehmer. In der Tat gingen allein im Jahr 2009 fast drei Prozent der estnischen Arbeitskräfte im Ausland arbeiten. Dies bedeutet, dass sich ein beträchtlicher Anteil der Arbeitnehmer für eine zeitweilige Arbeit im Ausland entschieden hat - meistens in Finnland. Es gibt einen klaren Aufwärtstrend hinsichtlich der Absicht, auszuwandern.

Im Jahr 2006 hatten 26 Prozent der Esten im erwerbsfähigen Alter in Erwägung gezogen auszuwandern, im Jahr 2010 hingegen nicht weniger als 38 Prozent. Aber hat sich dabei die Absicht auszuwandern von kurzfristiger zu langfristiger verändert? Nicht weniger als 13 Prozent der potenziellen Auswanderer hat ihren Wunsch geaüßert, für immer Estland den Rücken zu kehren. Dabei zeigt eine Studie von Brit Veidemann, dass die größte Bereitschaft auszuwandern bei den Jüngeren (15-24 Jahre alt) liegt. Man muss nicht weiter ausführen, was dies für eine Nation bedeutet, es ist der demographische Kollaps. Dabei muss aber erwähnt werden, dass diese Gruppe im Jahr 2006 an eine Emigration dachte, zu einem Zeitpunkt also bevor die Sparmaßnahmen als Haushaltsziel eingeführt wurden. Dennoch belegt eine Umfrage im Jahr 2009 unter den estnischen Auswanderern, dass ein Viertel der Befragten nach Estland zurückkehren möchte, 45 Prozent aber weiterhin die Absicht hatten, in den Ländern zu verbleiben, in die sie immigriert waren.

In den Internet-Chat-Foren grassiert großes Gemurre über die miserablen Arbeitsbedingungen und Gehälter in Estland. Diese Auffassung wird durch eine Umfrage unter den Esten aus dem Jahre 2010 bestätigt, nach welcher 40 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter Angst vor Entlassungen hatten, und 49 Prozent unzufrieden waren mit ihrer Perspektive auf Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten an ihrem Arbeitsplatz.

Nach dem Gesagten empfehlen wir der Washington Post, dem Wall Street Journal und anderen Postillen dringend damit aufzuhören, Estlands und Lettlands Sparpolitik als Beispiele für die Lösung der wirtschaftlichen Krisen in den USA oder anderen europäischen Nationen anzubieten. Dies zeigt nur, warum Protestaktionen über das anwachsende Nichtfunktionieren der neoliberalen Wirtschaftspolitik in über 80 Ländern und in fast 2.000 Städten entstanden sind. Um mit Tacitus frei zu sprechen: "Sie halten an, Krisen zu produzieren und nennen es Wohlstand". Wall Street und ihre Ideologen sind meilenweit entfernt mit ihrem Kontakt zur Realität. Ihre tragische Komödie sollte nicht länger erduldet werden.

Es ist unaufrichtig und im schlimmsten Fall verwerflich, den Vereinigten Staaten zu empfehlen, dem Modell dieser kleinen baltischen Staaten mit jeweils weniger als zwei Millionen Menschen zu folgen. Wollen wir wirklich noch mehr Armut und Arbeitslosigkeit schaffen? Wohin sollten die 50 Millionen Amerikaner unter dem Diktat einer baltischen Sparpolitik entkommen? Kanada? Mexiko? Die Virgin Islands? Die baltischen Arbeitnehmer wurden gezwungen, in Massen auszuwandern. Wir müssen doch wirklich erkennen, dass beides, nämlich die ausgemachten Fehler der baltischen Sparpolitik und die komplexen Besonderheiten zu den beschriebenen „Erfolgen“ geführt haben. Vorzuspielen, dass sie in den USA oder in den größeren europäischen Nationen reproduzierbar wären, ist der Gipfel an Verantwortungslosigkeit.

Jeffrey Sommers ist Associate Professor of Political Economy in Africology an der Universität von Wisconsin-Milwaukee und Visiting Faculty an der Stockholm School of Economics in Riga. Er ist zu erreichen unter: Jeffrey.sommers @ fulbrightmail.org

Markku Sippola ist Postdoktorand an dem karelischen Institut der Universität von Ost-Finnland. Er hat Arbeitsmarktregeln, Industriebeziehungen und Investitionsmöglichkeiten nordische Unternehmen in Russland und den EU-Ländern untersucht. Er ist zu erreichen unter: markku.sippola @ uef.fi

Aus dem Englischen ins Deutsche übertragen von Karl Krugmann, Menschenrechtsaktivist, Erfurt. Lebte für kurze Zeit in Estland und ist Augenzeuge der April-Ereignisse („Bronzene Nächte“) des Jahres 2007 in Tallinn.

Donnerstag, Juni 21, 2012

BBN zeigt Zähne

Baltic Business News (BBN) ist eins der wenigen englisch-sprachigen News-Portale über Estland. Deswegen haben sich da immer in der Vergangenheit sowohl die in Estland lebenden Expats aus verschiedenen Ländern, als auch englisch-sprechende Esten versammelt, um über die estnische (Wirtschafts-) Probleme zu diskutieren. Es ging öfters nur halbernst zu, besonders die Kommentare von Count of Mount Kopli waren legendär. Auf den BBN Seiten haben auch Dag Kirsebom, der Autor von Hard Landing und die Macher von der (leider nicht mehr aktualisierten) The Livonian Chronicle ihre Kommentare zum besten gegeben.

Doch mit der Zeit wurde in BBN seitens des Äripäev-Verlags immer weniger investiert, das Portal wird von einem Journalisten betreut und wenn er abwesend ist, dann werden auch mal tagelang keine neuen Nachrichten präsentiert. Die Kommentare werden öfters von Spam durchflutet, das Captcha-Verteidigungssystem ist viel zu primitiv für moderne Spam-Bots. Nichtsdestotrotz hat BBN Artikel präsentiert, die meines Wissens in der Form bisher nicht geschrieben wurden. Viel Spass beim Lesen.

http://www.bbn.ee/article/2012/6/20/igor-rotov-estonia-dieting-at-the-european-meat-fest
http://www.bbn.ee/article/2012/6/4/sociologist-on-census-the-time-for-slogans-is-over
http://www.bbn.ee/article/2012/6/20/annus-kapo-prosecutors-office-putting-undue-pressure-on-judges
http://www.bbn.ee/article/2012/6/20/oecd-questions-estonia-s-handling-of-boom-and-bust-economy
http://www.bbn.ee/article/2012/5/22/reform-party-member-admits-illegal-funding

Dienstag, Juni 19, 2012

Singapore über Estland

"We don’t put getting high economic numbers above preserving our heritage and the happiness of our people."

“The Estonian government does not aim only at economic growth and efficiency but considers the preservation of the Estonian language and culture also very important. The key is to find a right balance between these two aims,”

“We have had some progress, but still not enough good results with that. And inviting new citizens is a historically delicate topic. During the Soviet period, many were invited. Some hundreds of people came in from the other parts of Soviet Union. This part of the population, mostly Russian-speaking, has now, more social problems than Estonian-speaking inhabitants,”

“We Estonians like our space and need room,”

Dies und anderes in einem lesenswerten Artikel aus Singapore.

Donnerstag, Juni 14, 2012

Umarme einen Esten

Bei der Demonstration für den Erhalt der russischen Schulen sprach die Parlamentsabgeordnete Yana Toom, dass man auf die Esten zugehen soll und sie umarmen. Das hatte Folgen.

Es gründete sich eine Facebook-Gruppe, die genau das tun wollte. Heute fand der erste Flashmob "Umarme einen Esten" in Tallinn statt:

Zahlenmäßig ist das Ganze steigerungsfähig, ich hoffe die Organisatoren lassen sich nicht entmutigen und führen solche Aktionen öfters durch.

Yana Toom (zweite von rechts) war recht überrascht, als sie von der Aktion hörte, kam aber selbstverständlich auch...

Und umarmte auch Passanten

Die Teilnehmer erzählten von einer Masse von positiven Emotionen.