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Montag, Mai 26, 2008

Bericht zu Demonstration am 27.04 am Hafen

Ich habe ein Bericht von Herrn Dornemann bekommen, in dem er das Meeting am Jahrestag der Bronzenen Nächte am Terminal D beschreibt. Ich veröffentliche ihn in ungekürzter Form und habe auch Herr Dornemann gebeten selbst Stellung zu auftauchenden Fragen zu nehmen.

Sehr geehrte Damen und Herren und alle Freunde !

Ich will hier nun ihnen einen aktuellen Bericht über die allgemeine Lage in Estland abgeben, um endlich den blauäugigen Träumern im Westen zu zeigen, wie Estland sich in der EU verhält. Sind doch die Erfolge längst Vergangenheit, weil man sich mit Firlefanzereien abgibt, ohne dem wesentliche Problem zu begegnen. Kindergartenpolitik würde ich das nennen, wenn man mich dazu fragen würde.

Ganz gegen meine Art vermeide ich es aber, Namen zu nennen, um nicht in irgendeine Meinungsecke zu geraten, wie es dann getan wird, wenn Andersdenkenden die Argumente ausgehen, und das ist oft genug der Fall, wie ich durch entsprechende Zuschriften sehe.

Als ich am Sonntag, es war der 27. April, gerade von der Erinnerungsdemonstration zu den Geschehnissen um den „Bronzenen Soldaten“ am 27. April vergangenes Jahres kam, die ich persönlich angemeldet habe, setzte ich mich hin, um diesen Bericht zu verfassen..

Wiederum war die Geheimpolizei „Kapo“ mit dem riesigen, grauen Bus, bespickt mit den erwähnten modernsten Spionageelektroniken längst vor der Veranstaltung vor Ort, allerdings waren vielleicht nur hundert Demonstranten dort und ein großes Aufgebot an Journalisten, sicherlich auch nicht weniger als tagszuvor, also gegen 3o Journalisten, auch diesmal waren mehrere estnische Medien vertreten. Für estnische Verhältnisse war die Teilnehmerzahl ein durchschnittlicher Erfolg.

Ab und an lugte verdeckt einer der Kapo-Busbesatzung hinter dem Ungetüm hervor und machte Aufnahmen. Ich ging dann dorthin und meinte, sie könnten mich auch so photographieren und brauchten das nicht heimlich zu tun. Frech fragte einer derer mich, ob ich ein Problem hätte. Nee, meinte ich, wohl eher sie, denn ich verstecke mich ja nicht. Zu Hause stand dann die Polizei vor der Tür. Was immer die da denn wohl wollte. Einschüchterung ist angesagt, bei den Esten funktioniert das traditionell auch gut, bei mir weniger.

Ansprachen wurden keine gehalten, doch war eine von den Leuten gehaltene Plakatwand das Haupt der Information. Es war mehr eine „Abeitsveranstaltung“ und so gab es viele Diskussionen mit Passanten und neugierigen Besuchern, allerdings erschreckend viel Nationalismus. Viele Besucher scheuten sich demonstrativ auf Photos zu erscheinen oder ins Blickfeld zu geraten, weil sie ansonsten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Weiß man das im Westen??

Die schon gestern erwähnte einzige deutsche Journalistin, Frau van Detten, hatte sich auch heute nicht blicken lassen, was ich auch so erwartet hatte und ich vermute mal böse wie ich bin, daß sie die Reise ins Baltikum eigens für eine Berichterstattung auf Geschäftskosten gemacht hat und dann einen Bericht konstruiert, ohne dabeigewesen zu sein, weil sie Besseres zu tun gedachte. Halt typisch deutsches Informationsgehabe. Es läßt sich eben viel besser über die Farbe der Unterhosen von Paris Hilton berichten. Ich meine, es geht nicht ohne Bissigkeiten gegen die Massenberichterstattungen, was mir ja nicht schwer fällt, wie sie wissen und die Stadtpolizei heute aktuell durch mich erfahren konnte. Die Polizei war nur für unsere bescheidene, völlig ruhige Maßnahme mit mehr als vierzig Beamten ( ohne Kapo) in sicherem Abstand aufgezogen und als wir die Veranstaltung pünktlich beendeten und etwa 2o Leute zum Terminal D schlenderten, vielleicht achthundert Meter Wegs, wer war schon da, natürlich der graue Bus und ein Polizeiaufgebot. Nach einem Photo vor dem Bus fuhren wir zum Gericht und, wer war schon da, der graue Bus. Das nennt der Spiegel dann Demokratie und zeigt die garantierte, verfassungsverankerte Versammlungsfreiheit, waren unsere Treffen doch entsprechend genehmigt. Mir sagte mal ein Polizist hier, die Polizei darf alles. Ein Journalist des hiesigen „Postimees“ diskutierte mit mir über das neue Gesetz zur Einführung der Elektroschocker zum Gebrauch bei der estnischen Polizei als ein wahrlicher Fortschritt um Ordnung zu schaffen.

Den Aufwandt, den ein so bevölkerungskleines Land zur Überwachung und Einschüchterung seiner Bürger treibt, kommt dem der DDR oder der Sowjetunion gleich. Wer bezahlt das nur bei der momentanen, miesen Wirtschaftslage? Natürlich die EU und damit wesentlich der deutsche Steuerzahler, denn die ehemals großzügigen skandinavischen Staaten haben der estnischen Großkotzigkeit wegen ihre nicht unerheblichen Zahlungen längst eingestellt. Dem Beispiel sollte, nein muß die EU und auch alle anderen Geldgeber folgen. Solche Verschwendung fremder Steuergelder gab es vorher nur in sogenannten Entwicklungsländern, ich denke da besonders an die goldenen „Badewannen“ in Afrika in den 60-iger Jahren, oder ein bißchen an die Bokassa-Zeit.

Sie werden`s nicht glauben, berichtet doch unsere Botschaft und andere wichtige, hier vertretene Informationsträger ganz anderes. Nur habe ich keinen Vertreter derer irgendwann mal irgendwo gesehen, wenn es keinen Imbiß gab und bei uns gab es halt keinen. Auch Vertreter der hiesigen Menschenrechtsorganisation haben sich bis zum heutigen Tage nirgendwo sehen lassen, publizieren aber fleißig, sogar Bücher. Woher nehmen die ihre hellseherischen Kenntnisse?

Immerhin können einige Ausländer, Kenner der Lage, das alles bestätigen und den vielen selbsternannten Kennern im Westen Erfahrung entgegensetzt werden, darunter Südafrikaner, Australier, Briten, Dänen, Deutsche, die allesamt schon seit mehr als zehn Jahren hier leben. Eine Liste dazu werde ich erstellen und später auch veröffentlichen. Allerdings finden sie alle kein Gehör, paßt es doch nicht in aller Denkmodell, vor allem nicht der politischen Führung in Deutschland, merken sie denn überhaupt wie unwissend sie sind. Wer gesteht sich das schon ein?

Nun zum Abschluß die große Frage, wie kann das alles so sein, ohne daß irgendjemand aus der gesamten europäischen Politik jemals davon auch nur einen Hauch davon mitbekommt ? Ich will mein Urteil dazu nicht verraten, denn es fällt vernichtend aus. Aber es gibt ja ausreichend Klugsprecher, die wissen das besser als ich wie z. B. ein Gewisser C.-J. C., der mir kurios schreibt ………….. Nun habe ich allerdings Ihre Veröffentlichung bei kloty gelesen und bin doch entsetzt, wie unkritisch Sie offensichtlich das Ganze verarbeiten……………..wenn Sie denn tatsächlich völlig unbeteiligt in die polizeilichen Maßnahmen geraten sein sollten. Da habe ich jetzt allerdings so meine Zweifel, die nur Sie ausräume können. Aber auch viele andere, wie der Dr. A. R. Die mir allesamt auch noch emotionales Reagieren vorwerfen, ohne zu wissen, daß das was ich tue Leidenschaft ist, und das ist ein völlig anderer Schuh. Ist doch emotional kurzzeitig, spontan, unüberlegt, während leidenschaftlich genau das Gegenteil ist.

Die breite Berichterstattung selbst aus der estnischen Presse war nicht so schlecht wie „erhofft“. Das finde ich erstaunlich, nur deutsche waren nicht zu sehen (van Detten!).

Sie werden verstehen, daß ich keine Rechtfertigung nötig habe, denn meine Aussagen sind weitverbreitet anerkannt und auch autorisiert. Trotzdem wünschte ich denen mal dieses Schicksal. Das dann folgende Gejammer möchte ich nicht hören.
Aber wie es eben so ist im Leben, die Besserwisser stützen natürlich die Autoritäten, hier die Polizei, ohne geringste Kenntnisse zu haben.

Nun nochmal zurück zu den beiden Demonstrationen. Es waren ja nicht meine ersten Auftritte
und unter Einbeziehung der gesamten Lage waren es gelungene Veranstaltungen. Heute noch schüttelten mir mehrere Taxifahrer in der Stadt spontan die Hand und meinten, daß ich mich für deren Belange so einsetze, finden sie gut. Übrigens werde ich zu gegebenerer Zeit alle jene zu Wort kommen lassen, die das so sehen und auch so empfinden.

Übrigens ist der Gerichtsprozess gegen die sogenannten Drahtzieher oder Aufrührer zum zweiten Mal vertagt, nun bis zum November. Ist schon seltsam. Vermutlich braucht man diese lange Zeit, um wie schon mehrfach geschehen, ein Gesetz zu erstellen, um die vier verurteilen zu können.

Für heute lassen wir`s mal damit gut sein. Ich muß vorsichtig sein, werde ich doch überwacht, was mir ein einfältiger Este meinte sagen zu müssen, das gehört zu einem demokratischen Staat wie Estland dazu. Ich habe gelacht darüber, vielleicht können sie das emotional auch.

Immerhin habe ich emotional für diesen Bericht vier Wochen gebraucht.!!
Ihr emotionaler Berichterstatter aus Estland, Klaus Dornemann




Sonntag, April 27, 2008

Bericht von Herr Dornemann über 26. April 2008

Sehr geehrte Damen und Herren und alle Freunde !

Nun komme ich gerade von der ersten Demonstration zur Erinnerung an die Geschehnisse um den „Bronzenen Soldaten“ im April vergangenes Jahres zurück. Ganz abgesehen davon, daß die Geheimpolizei „Kapo“ mit einem riesigen, grauen Bus, bespickt mit allen modernen Spionageelektroniken dort schon Stunden vor der Veranstaltung wartete, fanden sich doch etwa 3oo Leute und vielleicht 3o Journalisten, diesmal sogar mehrerer estnischer Medien, zusammen, obwohl am Vormittag von den Radiosendern in den Nachrichten mehrfach wie bösartig verbreitet wurde, daß alle Veranstaltungen zu dem Thema abgesagt seien. Für estnische Verhältnisse war die Teilnehmerzahl immerhin ein guter Erfolg. Nach einigen Ansprachen zogen leidenschaftslos einige Nationalisten auf, also nicht Patrioten, die sich allerdings nicht behaupten konnten. Ich selbst wurde zweimal von solchen Leuten mit einer Eisenstange bedroht, daß, wenn ich eine Rede halten sollte, sähe ich danach aus wie im vergangenen Jahr. Meine Rede wurde dann mit großem Beifall aufgenommen und viele schüttelten mir die Hände, bedankten sich mit allen guten Wünschen und schenkten mir Blumen. Vielleicht haben sie auch nur lange nicht besseres gehört.
Eine einzige deutsche Journalistin, Frau van Detten, hatte zwar zugesagt, hier zu erscheinen, hatte wohl aber letztlich wichtigeres zu tun; wie eben deutsche Journalisten so sind.
Sie finden die recht knappe Ansprache im Anschluß an diese Nachricht hier. Sicherlich war es nicht leicht, die Umstände deutlich genug anzuprangern ohne besondere Beleidigungen auszustoßen, was mir ansonsten ja nicht schwer fällt. Der Übersetzer hatte die Rede auch bereits vorher zur Hand, sodaß an allen Feinheiten gefeilt werden konnte, was sich letztlich auszahlte, gegenüber Simultanübersetzungen.
Morgen übrigens findet eine gleichartigen Veranstaltung im Hafen vor den Treppen der Stadthalle statt.
Hier nun die kurze Ansprache:

Sehr geehrte, friedliche Zuhörer!
Bei diesem herrlichen Wetter, das uns der Himmel zu dieser Veranstaltung geschickt hat, begrüße ich sie recht herzlich und hören Sie, was ich zu sagen habe.

Was ist das für eine windige Demokratie, in der die Regierung eine friedliche Bürgerinitiative mit Bösartigkeiten aller Art provoziert, um diese dann gegen alle Regeln der Menschenrechte durch Staatsorgane drangsaliert und mit Unrecht überzieht, wo dann die Gerichte beeinflußt werden und wenn das keinen Erfolg hat, Gesetze schnell dem Regierungswillen angepaßt werden um Pseudoaufrührer verurteilen zu können. Später dann werden die nachweislich unfähigen Handlanger der Politik, wie Polizei und Sicherheitskräfte für ihre groben Menschenrechtsverletzugen auch noch großzügig prämiert und ausgezeichnet. Solche Dreistigkeit gibt es nur in Estland und in China.
Что это за непоследовательная демократия в которой правительство сначала всячески злонамеренно провоцирует мирное выступление граждан, чтобы затем эту инициативу с нарушенеием всех прав человека подавить при помощи государственных институтов, и, потом прикрывает это ложью, где суды поддаютя внешнему влиянию и ,если это не удается, законы быстро подгоняются под желание правительства, чтобы можно было осудить псевдозачинщиков. Потом, как всем известно, недееспособные проводники политических решений, такие как Полиция и Служба безопасности, за свои грубые нарушения прав человека будут еще и премированы, и награждены. Такая наглость возможна только в Эстонии и Китае.
Wir sind hier zusammengekommen, um das demokratische Grundrecht der international garantierten, friedlichen Versammlungsfreiheit zu nutzen und damit an diese schwarzen Tage in der estnischen Geschichte zu erinnern und fragen dabei, was ist denn aus der estnischen Zusicherung an die EU geworden, die Integration des willigen, russischen Anteils der Bevölkerung zu garantieren?
Мы собрались здесь, чтобы гарантировать основные демократические права ,использовать свободу мирного собрания, и, таким образом, напомнить о черном дне Эстонской истории и спросить при этом: что стало с заверением Эстонии Европейскому Союзу гарантировать добровольную интеграцию русской части населения страны.
Garnichts!, immerhin mit dem lächerlichen Hinweis, das sei eine innere Angelegenheit. Ja sind denn Menschenrechte innere Angelegenheiten, etwa wie in China oder in Tschetschenien?
Ничего! И все с той же смешной отговоркой, что это внутреннее дело страны. Являются ли права человека внутренним делом страны как ,скажем, в Китае или Чечне?
Mit allen Mitteln wird in dieser seltsamen Demokratie Estland alles Unternommen und alle politische Kraft daraufhin verschwendet, ein friedliches Zusammenleben zu verhindern, anstatt sich für die gerade dramatisch abstürzende Wirtschaft zu bemühen. Sie wissen, wen ich meine.
Всеми средствами в этой странной демократии Эстонии предпринимается все и вся и применяется вся сила политичекой власти для того, чтобы препятствовать совместному мирному проживанию, вместо того, чтобы заниматься спадом в экономике. Вы знаете что я имею в виду.
Vor wenigen Wochen, während eines hochrangig besetzen Seminars hier in Tallinn, rief der vortragende, gekaufte Professor Dr. Raivo Vettig, Professor ich weiß nicht wofür, den Zuhörern fast beschuldigend zu, sie müßten für Ihre Belange kämpfen. Ich konnte auf dieses Bild verweisen (meine und meines Sohnes zerschundenen Körperteile) und sagen, daß ich so zugerichtet wurde ohne zu kämpfen. Wie sieht dann jemand aus, wenn er denn kämpft? Fehlt dem dann ein Bein, ein Arm oder gar der Kopf. Ganz zu schweigen von den Ausführungen von Eva Maria Asari aus dem Ministerium für nationale Beziehungen, was immer das bedeutet, die völlig ahnungslos war.
Всего несколько недель назад во время одного представительного семинара здесь в Таллине один из докладчиков, продажный профессор доктор Райво Веттиг, профессор незнаю чего, призвал слушателей, чуть ли не обвиняя, что они должны бороться за свои права. Я мог бы по этому поводу сказать, что права я должен иметь и без борьбы. Как выглядит тот, кто борется? Отсутствует у него нога, рука или ,может, голова? Не говоря уже о выступлении Евы Марии Асари, мнистра по межнациональным отношениям ,которая вообще не знала, что это все означает.
Dabei ist es schon erschreckend, wenn ein Präsident mir dazu schreibt, daß er für Menschenrechtsverletzungen nicht zuständig sei. Wer aber sonst, frage ich, wenn nicht der Präsident als höchster Repräsentant eines Staates ist dafür zuständig und wofür überhaupt sonst? Ist es nicht das höchste Gut eine Gemeinschaft, die Menschenrechte?
При этом совсем ужасающе выглядит, когда Президент мне пишет, что он не отвечает за нарушения прав человека. Кто же другой тода, спрашиваю я, если не Президент как самый высокий представитель государства отвечает за это, и за что вообще он отвечает? Разве права человека не являются самой высокой ценностью общества?
Nun wird in Estland viel geredet, zuviel und zuviel dummes Zeug. Und wo sind all die jungen Esten heute wenn es um die essentiellen Dinge ihres Staates geht? Jedenfalls schert es sie genauso wenig wie die Führung des Staates und sie sind wer weiß wo, nur nicht hier.
Теперь в Эстонии много всяких рассуждений, слишком много сказано всякой ерунды. И где все эти молодые этонцы сегодня, когда речь идет о самых важных вещах вашего государства? Во всяком случае ценят они эти ценности так же мало как и руководство страны, и находятся они где угодно, только не здесь
Mit Großkotzigkeit, Ignoranz und Arroganz gibt es keinen Frieden, auch nicht in Estland, daß kann ich als Deutscher besonders gut beurteilen.
С большим наплевательством, безразличием и надменностью не построить никакого мира, в том числе и в Эстонии. Как немец, я могу судить об этом очень хорошо.
Ich danke ihnen dafür, daß sie mir so geduldig zugehört haben und wünsche allen eine weiterhin sonnigen Tag.