Übersetzung der Artikel 1 und 2
Im November fanden in Norwegen Kommunalwahlen statt, bei denen zum ersten Mal Stimmen über Internet abgegeben werden konnten. Die Experten haben die estnischen Erfahrungen studiert, doch wollten sie das estnische System nicht übernehmen. Professor der Technischen Universität Norwegens Kristian Gjøsteen, der als unabhängiger Experte an der Erschaffung des norwegischen Systems beteiligt war, berichtete darüber auf der Konferenz über die Internet-Wahlen VoteID: "Bei dem estnischen System sind die Sicherheit und Transparenz nicht durchdacht. Dort gibt es keinen Schutz vor Viren, die die Abstimmungsergebnisse ändern könnten. Es gibt kein System, das beobachten würde, das in dem virtuellen Stimmzettelkasten keine Manipulationen bei Dechiffrierung und Stimmenzählung stattfinden können. Das bedeutet, dass die Esten blind den Leuten vertrauen müssen, die die Funktionalität des Wahlsystems aufrecht halten. Bei der Erschaffung unseres Systems haben wir darauf geachtet, dass sie vor möglichen Manipulationen durch Beamte geschützt ist. Selbst wenn der Verantwortliche für die Erschaffung des norwegischen Systems Henrik Nore die Ergebnisse ändern wollen würde, könnte er das nicht tun."
David Bismark, der Wahlbeobachter von Europarat, unterstrich, dass die E-Wahlen transparent sein müssen, doch erlaubt das estnische System das nicht. "Und was für Diskussionen können entstehen, wenn das Wahlsystem nicht transparent ist? Ich sehe keine Bemühungen, um die Prozedur der Stimmabgabe zu ändern, ihr wollt einfach wieder dasselbe tun" - sagte er. Schon im Jahr 2007 empfahl Europarat einen unabhängigen Audit der Software für Stimmabgabe, doch auch vier Jahre danach ist Estland dieser Empfehlung nicht gefolgt.
Überprüfungscode
Laut Gjøsteen, bekommt jeder Kandidat ein zufällig generiertes Code zugeordnet. Wenn der Wähler abgestimmt hat, bekommt er einen Bestätigungscode, der mit dem Code des Kandidaten übereinstimmen soll. "Mit dem Code kann der Wähler überprüfen, dass seine Stimme für den Kandidaten abgegeben wurde, oder ob irgendwas schiefgegangen ist. Code wird per SMS geschickt, denn E-Mail und Messenger hängen vom Internet ab, SMS aber nicht." Im estnischen System fehlt der Rückkanal, der bestätigt, dass der Wähler seine Stimme einem bestimmten Kandidaten gegeben hat.
"Bei der Stimmabgabe sind die Wahlbeobachter die Kontrolleure, im Fall der elektronischen Wahlen gibt es anstatt der Wahlbeobachter die Verifizierung" - erzählt der Leiter des norwegischen E-Wahlen Projektes Henrik Nore. Der IT-Experte Paavo Pihelgas, der dem Bericht der Norweger zugehört hat, ergänzte, dass die Verifizierung auch notwendig ist, um zu überprüfen, ob das Programm ohne Probleme funktioniert.
Die norwegischen Wahlen benutzen drei unabhängigen Kanäle: per Post kommen die Codes für die Abstimmung, per Internet wird abgestimmt und an das Mobiltelefon wird der Code geschickt, der bestätigt, dass das Wahlzettel berücksichtigt wird. Die Konspiration macht das norwegische System um mehrere Größenordnungen komplizierter. Gleichzeitig ist das estnische System ideal für Manipulationen" - behauptet Pihelgas.
Alles ist offen
Laut Nore wird ein Programm mit offenen Quelltexten benutzt, denn Transparenz ist der Weg zum Vertrauen unter den Wählern. "In Norwegen ist das Verständnis der Wahlmethode und die dahinter stehende Mathematik selbst für Schüler begreifbar. Es ist geplant die entsprechende Thematik in Schulprogramm für Mathematik aufzunehmen" - ergänzte Gjøsteen.
Estland versteckt den Programmcode der E-Wahlen. Laut Pihelgas bestellt die Wahlkommission keine unabhängige Expertise des Programms ein und erlaubt niemandem es zu überprüfen. "Wenn Norwegen offen den ganzen Quelltext und Dokumentation im Internet publiziert, muss man in Estland eine Vertraulichkeitsvereinbarung für die Forschung an dem Programm unterzeichnen, es werden Strafen bis zu 300 000 Kronen (ca. 20 000 EUR) angedroht. Das erlaubt es nicht, die Forschungsergebnisse frei zu publizieren, obwohl weltbekannte IT-Experten diesen Wunsch hatten. Der Wähler hat keine Garantie, dass das Programm für die Stimmabgabe korrekt funktioniert."
Laut dem Leiter des Projektes für estnische E-Wahlen Tarvi Martens, würde eine offene Publikation des Codes den Hackern helfen ein Programm zu schreiben, das es zum Beispiel erlauben würde, die Stimmabgabe für einen Kandidaten zu unterbinden. David Bismark vom Europarat meint aber, dass dies die Wahlen intransparent macht. "In Estland ist man einfach überzeugt, dass alles was mit dem Programm der E-Wahlen zu tun hat, immer richtig und ohne Fehler ist" - sagte er.
Was ist billiger?
Paavo Pihelgas bemerkte, dass die norwegischen Wahlcodes und Bestätigungcodes nur dann übereinstimmen, wenn alles korrekt funktioniert hat, in Estland ist es möglich, dass die Veränderung der Wahlergebnisse als Ergebnis eines Programmabsturzes oder Attacke unbemerkt bleiben, denn im System bleiben keine Spuren.
Laut den Worten von Professor für Informatik von der TLU Helger Lipmaa ist es viel günstiger den mathematischen Beweis des verifizierten Systems zu überprüfen, als ein unverifiziertes zu administrieren. Tarvi Martens ist überzeugt, dass die Verifizierbarkeit nicht notwendig ist, denn der Wähler versteht eh nicht, wie der Server eine Bestätigung schicken kann: "Es wird eine Illusion erzeugt, dass die Wahlkommission die Stimme jeden einzelnen kennt."
Oft denkt man, dass die E-Wahlen billiger als die "papiernen" wären. Sven Heiberg von der Firma Cybernetica, die das Programm für die estnische Wahlen ausgearbeitet hat, gesteht ein, dass das nicht der Fall ist. "Die Technik und die Technologie entwickeln sich ständig, mit ihnen Schritt zu halten ist teuer. E-Wahlen sind kein finales Produkt, doch ein Prozess, der sich weiterentwickeln muss. Auch können die E-Wahlen nicht für sich allein existieren, zusätzlich müssen andere Formen der Abstimmung angeboten werden, was dieses Prozess teuerer macht.". Heiberg ergänzte, dass eine offene Diskussion und Verbreitung der Information über möglichen Schwächen des Systems, Vertrauen zu den Wahlen geben würden.
Der Hobby-Programmierer Paavo Pihelgas, der die Probleme mit der Sicherheit der E-Wahlen aufdeckte, schickte einen Brief an Andrus Ansip mit der Bitte die Vertraulichkeitsvereinbarungsklausel für die Forschung an den Wahlprogrammen abzuschaffen.
Laut Pihelgas möchten weltbekannte Experten wie Harri Hursti und Alex Halderman sich den Quelltext der E-Wahlen Programme anzuschauen, doch die Wahlkommission zwingt sie eine Vereinbarung zu unterschreiben, in der eine riesige Strafe angedroht wird. "Die freie Forschung bedroht nicht die Sicherheit der Wahlen. Zum Beispiel sind die Quelltexte der Online-Banking Programme völlig offen" - erklärte er. "Estland sollte die Fehlersuche im System belohnen, um die Suchende mit einer Prämie zu motivieren".
In Praxis bedeutet eine Vertraulichkeitsvereinbarung, dass falls die Wahlkommission die Ergebnisse des Forschers nicht ernst nimmt, er keine Möglichkeit hat seine Forschungsergebnisse publik zu machen. "Keiner wird eine Forschung mehrere Monate lang machen, niemand gibt dafür Geld, wenn die Erlaubnis zu der Publikation der Ergebnisse unvorhersehbar ist. Freie Publikation der Ergebnisse ist ein unabkömmlicher Teil wissenschaftlichen Arbeit" - sagte Pihelgas. Der Experte ist sich sicher, dass die offene Publikation der Quelltexte und Dokumentation in Norwegen nicht die Sicherheit bedroht, eher umgekehrt: die Interessenten überprüfen ständig alles, so dass die Fehler viel schneller zum Vorschein kommen.
Post nimmt man nicht ein
Der Experte unterstrich, dass in einem Wahllokal die Risiken geographisch zerstreut sind, für die Falsifizierung von 100 000 Stimmen braucht man eine umfangreiche, gut organisierte Verschwörung. "Die Stimmabgabe im Wahllokal ist derart einfach, dass jeder vernünftige Mensch die Bewegung der Stimmzettel beobachten kann: wie der Wähler vor aller Augen den Zettel in die Urne tut, für die die Mitarbeiter der Wahllokals die Verantwortung tragen, die unter der Aufsicht von unabhängigen Beobachtern stehen. Die Überprüfung der elektronischen Stimmabgabe ist technisch derart kompliziert, dass selbst die Wahlkommission ihre Mühe hat, sie zu verstehen."
Elektronische Stimmabgabe kann man nicht mit beispielsweise Internet-Banking vergleichen, denn in einer Bank kann der Verbraucher sein Zahlungsverkehr überprüfen, den Schicksal seiner Stimme bei den Wahlen aber nicht. Auch ist es inkorrekt, meint Pihelgas, das elektronische System mit Briefwahl zu vergleichen, denn für eine massive Attacke auf das elektronische System braucht man erheblich weniger Ressourcen, als für die Bearbeitung von tausenden Briefen, die an verschiedenen Orten verteilt sind. Die E-Wahlen sind zentralisiert und nur eine hand voll Leute haben das Recht die Ergebnisse zu bestätigen oder zu annullieren. "Wir verstecken uns hinter dem Argument, dem Wähler Komfort bieten zu können, doch wir liessen zu, dass die Zahl derer, die verstehen, wie das Wahlergebnis zustande kommt und wie der Staat regiert wird, immer weniger wurden." - sagt er.
Paave Pihelgas erinnerte daran, dass der Verfassungsgericht in Deutschland im Jahr 2009 die E-Wahlen als verfassungswidrig erklärte, gerade deshalb, weil wegen der technischen Komplexität sie nur von einem kleinen Teil der Gesellschaft verstanden werden. Dabei brauchten die Deutschen nicht mal einen Beweis für Manipulationen, die das estnische Verfassungsgericht verlangte.
Keiner überprüft
Sogar die elektronische Post und Browser, die jeder Mensch benutzt, werden sorgfältig überprüft, die Programme für die Wahlen nicht. Es wird behauptet, dass es drei Überprüfungen gab: 1. Testierung bei der Übergabe vom Entwickler, es wurde nichts dokumentiert; 2. Übungen des Cyberkaitselites, unterliegen der Geheimhaltung; 3. Audit von einem unabhängigen Programmierer, das nicht stattgefunden hat, weil der Programmierer krank wurde. "Erste und zweite "Testierung" beinhalteten nicht den Audit der Quelltexte, das bedeutet, dass das Programm ohne eine ernsthafte Kontrolle blieb" - erklärte Pihelgas. "Die Geschichte, dass die Ergebnisse der dritten Überprüfung mündlich gegeben waren, ist eine der vielen Finten der Wahlkommission. Ich schrieb an den Auditor, er antwortete mir direkt: "Die Arbeit wurde nicht gemacht". Wichtiger ist der Fakt, dass die Wahlkommission niemandem die Möglichkeit gibt, selbstständig das Programm zu überprüfen, dabei kann sie keinen Bericht einen unabhängigen Auditors vorweisen in dem stehen würde, dass alles in Ordnung ist und das System den Empfehlungen des Europarates und anderen allgemein akzeptierten Standards entsprechen würde."
Die Wahlbeobachter von Europarat erzählten Paave Pihelgas, dass ihnen ständig erzählt wurde, dass ein Audit eines unabhängigen Programmierers in Arbeit ist und bald fertig sein wird. "Sie haben nicht offensichtlich gelogen, sondern verdunkelten die Tatsachen, sie nannten nicht den Namen des Experten, als ob sie Angst hätten, dass sich herausstellen wird, dass der Programmierer krank ist und Audit nicht gemacht wird." - kommentierte Pihelgas. "Wenn es keine Manipulation mit den Wahlen gegeben hätte, dann ist es für keinen von Vorteil. Ironie des Schicksals nach, ist die Benutzung des jetzigen Systems auch für seine Entwickler nicht von Vorteil, denn ein neues System bedeutet eine neue Ausschreibung."
Pihelgas unterstrich, dass ein schwaches System der E-Wahlen eine Frage der Sicherheit des Staates ist. Mit kleinen Ressourcen kann man grosses Chaos stiften, das die Legitimität die Regierung in Frage stellt. "Wenn das mit Massenunruhen zusammenfällt, dass wird es ernst" - bemerkte er, "mit den E-Wahlen beschäftigen sich kompetente Wissenschaftler und Experten und wenn die parlamentarische Kommission auf sie hören wird, dann wird man den nächsten Wahlen trauen können."
Samstag, Oktober 22, 2011
Traurige Nachrichten aus Afghanistan
Der Unteroffizier Agris Hutroff war der neunte Este, der in Afghanistan gefallen ist. Neben der grundsätzlichen Frage was Estland in Afghanistan sucht, zeigt sich, dass die estnischen Verluste überproportional hoch sind.
Schweden verlor 4 Soldaten. In Afghanistan sind sie länger als die Esten. Ihre Truppe ist dreimal so gross.
Die Belgier sind mit 511 Mann dabei. Verlust ist 1 Mann. Die Ungarn sind mit 433 Mann dabei, Verlust von 7 Mann. Die lettischen Verluste sind 3 Mann, die Litauer verloren 1 Mann.
Georgien, das mit fast 1000 Mann dabei ist, verlor 10. Das portugiesische Kontingent ist so hoch wie der estnische, doch die Verluste sind 4,5 Mal niedriger (2 Mann).
Estlands Kontingent bestand im Jahr 2002 aus 6 Minnenräumern. 2006 waren es schon 150 Soldaten und Offiziere. 2012 können während des Truppenwechsels zwei Monate lang bis zu 340 estnische Soldaten in Afghanistan stationiert sein. Zum Vergleich schickte Slowenien mit doppelt so grossen Bevölkerung 78 Soldaten, Portugal, seit langem Mitglied der NATO und mit Bevölkerung von 10 Mio. schickte 140 Soldaten.
Laut der Daten vom estnischen Historiker Küllo Arjakas wurden während des sowjetisch-afghanischen Krieges von 1652 Wehrpflichtigen, die in Afghanistan eingesetzt wurden, 36 Mann getötet, 16 Esten, 14 Russen, 2 Weissrussen, ein Ukrainer und 3, deren Nationalität nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, doch aus vorhandenen Dokumenten kann man schliessen, dass es Russen waren.
Schweden verlor 4 Soldaten. In Afghanistan sind sie länger als die Esten. Ihre Truppe ist dreimal so gross.
Die Belgier sind mit 511 Mann dabei. Verlust ist 1 Mann. Die Ungarn sind mit 433 Mann dabei, Verlust von 7 Mann. Die lettischen Verluste sind 3 Mann, die Litauer verloren 1 Mann.
Georgien, das mit fast 1000 Mann dabei ist, verlor 10. Das portugiesische Kontingent ist so hoch wie der estnische, doch die Verluste sind 4,5 Mal niedriger (2 Mann).
Estlands Kontingent bestand im Jahr 2002 aus 6 Minnenräumern. 2006 waren es schon 150 Soldaten und Offiziere. 2012 können während des Truppenwechsels zwei Monate lang bis zu 340 estnische Soldaten in Afghanistan stationiert sein. Zum Vergleich schickte Slowenien mit doppelt so grossen Bevölkerung 78 Soldaten, Portugal, seit langem Mitglied der NATO und mit Bevölkerung von 10 Mio. schickte 140 Soldaten.
Laut der Daten vom estnischen Historiker Küllo Arjakas wurden während des sowjetisch-afghanischen Krieges von 1652 Wehrpflichtigen, die in Afghanistan eingesetzt wurden, 36 Mann getötet, 16 Esten, 14 Russen, 2 Weissrussen, ein Ukrainer und 3, deren Nationalität nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, doch aus vorhandenen Dokumenten kann man schliessen, dass es Russen waren.
Montag, Oktober 17, 2011
Für das Gedächtnis und Gewissen Europas
Originaltext stammt von baltija.eu
Die internationale Menschenrechtsorganisation "Welt Ohne Nazismus" hat eine Erklärung veröffentlicht in der die Initiative der 19 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 13 Ländern der Ost- und Mitteleuropa am 14. Oktober die sogenannte Plattform "Für das Gedächtnis und Gewissen Europas" zu gründen, verurteilt wird.
Im Dokument, das die Unterschrift des Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus" Boris Spiegel trägt, heisst es:
- am 14. Oktober werden in Prag die Vertreter von 19 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 13 Ländern aus Mittel- und Osteuropa im Beisein von Premier-Minister Tschechiens und Vize-Vorsitzenden des Europaparlaments eine sogenannte Plattform "Für das Gedächtnis und Gewissen Europas" gründen.
Der Prozess, der nach der Annahme der Prager Deklaration im Jahr 2008 weitergeführt wurde, gibt die gleiche Verantwortung den kommunistischen und nazistischen Regimen für die Verbrechen, die im XX Jahrhundert begangen wurden (vor allem die Entfachung des Zweiten Weltkrieges) und ruft zur Einführung des Europäischen Tages der Erinnerung an die Opfer der totalitären Regime am 23. August auf.
Die Gleichstellung der beiden totalitären Regime, des kommunistischen und des nazistischen ist nichts anderes, als ein Versuch einer Reihe von Ländern Osteuropas ihre verbrecherischen Regimes, die mit Hitler paktierten, reinzuwaschen, die Verantwortung für den Genozid ausschliesslich auf die Deutschen abzuwälzen, diejenigen als "Kämpfer mit kommunistischen Regime" darzustellen, mit deren Händen Massenmorde von Tausenden und Millionen Zivilisten ausgeführt wurden.
Es ist nicht schwierig zu sehen, dass unter denen, die zur "Verurteilung des Kommunismus" aufrufen, rechtsradikale Kräfte, zivilgesellschaftliche Organisationen, pseudowissenschaftliche Institute und Museen sich befinden, die sich als geistige und politische Nachfolger von Kollaborateuren, Legionären der Waffen-SS, Waldbrüdern, Bandera-Kämpfern und anderen Hitler-Unterstützern verstehen.
Es ist kein Zufall, dass die Bestrebungen das Gleichheitszeichen zwischen dem sowjetischen und nazistischen Regimen zu setzen vor dem Hintergrund der rasanten Nazifizierung und Radikalisierung des gesellschaftlichen Bewusstseins in den Ländern des früheren kommunistischen Blockes geschieht.
In baltischen Ländern zeigt diese Tendenz die alarmierendste Entwicklung. Die Rehabilitierung des Nazismus geschieht mit Unterstützung der Regierungen und Parlamente dieser Länder. Alljährlich zeichnet der Präsident Estlands mit offiziellen Auszeichnungen seines Landes die Veteranen der Waffen-SS aus. Das Verteidigungsministerium gibt Budget-Mittel für die Unterstützung der Veteranen-Nazisten. In Lettland bereitet sich eine neonazistische Partei vor, Ministersätze in der neuen Regierung zu bekommen. Litauen nutzt seine Mitgliedschaft in InterPol dazu aus, Partisanen aus dem Vilnuer Ghetto, die jetzt in Israel leben, zu suchen und zu extradieren. Während der Unabhängigkeit wurde in baltischen Ländern kein einziger Nazi zu Gefängnisaufenthalt verurteilt, viele wurden freigesprochen.
In Rumänien spricht der Präsident des Landes offen über seine Sympathien zu Faschisten Antonesku. Nicht besser sieht es in Moldavien aus, wo Stadtvierteln den Namen Antoneskus tragen und im Parlament ein Gesetz verabschiedet wird, der die Denkmäler für die Soldaten der Roten Armee abzubauen erlaubt. In Ungarn erklärt eine der größten Parteien des Landes in ihrer Ideologie und Symbolik die Kontinuität mit den bewaffneten Formierungen der ungarischen Faschisten.
Die Heroisierung des Nazismus verzerrt nicht nur die Vergangenheit, sondern gefährdet auch die Zukunft dieser Länder. Der neuen Generation wird der Gedanke eingepflanzt, dass die Verbrechen der Hitler-Unterstützer nicht bedeutsam sind, da sie im Namen des "Kampfes für die Unabhängigkeit" begangen wurden.
Die Gründer der Plattform "Für das Gedächtnis und Gewissen Europas" erklären als ihr Ziel, geschichtliche Schulbücher für europäische Schüler und Studenten zu schreiben, in diesen Büchern wird den europäischen Schülern unter dem Mantel der Behauptungen der gleichen Verantwortung Hitlers und Stalins für die Entfachung des Krieges, eine Haltung der Akzeptanz zu denen propagiert, die sich auf die Seite des Nazismus gestellt haben und ihre Hände mit dem Blut der unschuldigen Opfern des Nazismus besudelt haben.
Ausgehend aus dem oben geschriebenen erklärt die Internationale Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus" folgendes:
1. Die These über die gleiche Verantwortung zwei totalitären Regime für die Entfachung des Zweiten Weltkrieges ist historisch unbegründet, denn dort wird nicht die Rolle der westeuropäischen demokratischen Länder, vor allem Englands und Frankreichs beim Zerfall des nach dem ersten Weltkrieg formierten, sogenannten Systems des Versailler Friedens, und ihrer Ermutigung an Hitler nach Osten zu expandieren, berücksichtigt. "Münchener Verträge" und andere Nichtangriffspakte Deutschlands mit Großbritannien und Frankreich (im Jahr 1938) wurden zum ersten Wegepunkt, der nötigen und ausreichenden Bedingung für die Entfachung des Zweiten Weltkrieges, zu dem Beschluss, der Hitler die Hände frei machte für seine Annexionspolitik den osteuropäischen Ländern gegenüber.
2. Alle Gespräche der Gründer der sogenannten Plattform "Europäisches Gedächtnis und Gewissen" über die angeblich vorhandene Schuld der Sowjetunion für die Entfachung des Zweiten Weltkrieges, haben zum Ziel nicht nur das Umschreiben der Geschichte des XX. Jahrhunderts und die Heroisierung des Kollaborateure, doch auch die Revision der Beschlüsse des Nürnberger Prozesses und der Entscheidungen zur nachkrieglichem Aufbau der Welt, was allein für sich schon zu unvorhersehbaren Folgen führt.
3. Die erklärte Versuche die Geschichtsbücher umzuschreiben (tatsächlich wurde dieser Prozess schon längst in den osteuropäischen Ländern gestartet) wird zu einer Erziehung von Generation führen, die keine "Impfung" gegen die Ideen des Nazismus hat, die folglich fähig ist, die Fehler ihrer Großväter und Urgroßväter zu wiederholen, die die größte Katastrophe des XX. Jahrhunderts zugelassen haben. Das Kommen an die Macht von Regierung der Ultranationalisten angehören, ist eine direkte Folge dieser Praxis - denn 80% der Stimmen bei den letzten Parlamentswahlen kamen von der Jugend, die ihre Erziehung schon in unabhängigem Lettland bekommen hat.
Die Internationale Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus" ruft die Vorsitzende des Europäischen Parlaments und des Europarates auf, sich von dieser Initiative zu distanzieren, denn sie zielt darauf ab, die historischen Fakten zu verzerren und ist für viele europäischen Länder ein Signal eigene Kollaborateure zu rechtfertigen und zu heroisieren, was objektiv gesehen zur Wiedergeburt des Nazismus führt.
Wir schlagen vor eine breite wissenschaftliche Diskussion zur Geschichte des XX Jahrhunderts zu eröffnen, die Licht sowohl auf die Verbrechen der totalitären Regime, als auch auf die Rolle der westlichen Demokratien bei der Entfachung des Zweiten Weltkrieges, auf Kollaborationismus in den Ländern der Osteuropa in 40-er Jahren und auf die Verantwortung der modernen Politiker für die Wiedergeburt des Nazismus werfen soll. Jede Beliebigkeit bei Vergabe von Beschuldigungen ist in dieser Frage unzulässig.
Wir rufen Europarat auf, eine Arbeitsgruppe bestehend aus Experten aus verschiedene Ländern, unter anderem mit Experten der IMO "Welt ohne Nazismus" zu gründen, die das Ziel haben soll, Geschichtsbücher des XX. Jahrhunderts vorzubereiten, die man als modellhaft für die Bildungsministerien der Mitgliedsländer des Europarates empfehlen könnte. In ihre Grundlage sollten ernsthafte geschichtliche Forschungen gelegt werden als auch Beschlüsse von internationalen juristischen und politischen Instanzen, auf deren Basis die Nachkriegsordnung aufgebaut wurde. Dieses Buch sollte die Grundlage für den Lernprozess der europäischen Schüler für diese schwierigen für das Verständnis geschichtlichen Periode werden.
Für die Zukunft lassen wir die Verzerrung die Vergangenheit nicht zu!
Die internationale Menschenrechtsorganisation "Welt Ohne Nazismus" hat eine Erklärung veröffentlicht in der die Initiative der 19 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 13 Ländern der Ost- und Mitteleuropa am 14. Oktober die sogenannte Plattform "Für das Gedächtnis und Gewissen Europas" zu gründen, verurteilt wird.
Im Dokument, das die Unterschrift des Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus" Boris Spiegel trägt, heisst es:
- am 14. Oktober werden in Prag die Vertreter von 19 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 13 Ländern aus Mittel- und Osteuropa im Beisein von Premier-Minister Tschechiens und Vize-Vorsitzenden des Europaparlaments eine sogenannte Plattform "Für das Gedächtnis und Gewissen Europas" gründen.
Der Prozess, der nach der Annahme der Prager Deklaration im Jahr 2008 weitergeführt wurde, gibt die gleiche Verantwortung den kommunistischen und nazistischen Regimen für die Verbrechen, die im XX Jahrhundert begangen wurden (vor allem die Entfachung des Zweiten Weltkrieges) und ruft zur Einführung des Europäischen Tages der Erinnerung an die Opfer der totalitären Regime am 23. August auf.
Die Gleichstellung der beiden totalitären Regime, des kommunistischen und des nazistischen ist nichts anderes, als ein Versuch einer Reihe von Ländern Osteuropas ihre verbrecherischen Regimes, die mit Hitler paktierten, reinzuwaschen, die Verantwortung für den Genozid ausschliesslich auf die Deutschen abzuwälzen, diejenigen als "Kämpfer mit kommunistischen Regime" darzustellen, mit deren Händen Massenmorde von Tausenden und Millionen Zivilisten ausgeführt wurden.
Es ist nicht schwierig zu sehen, dass unter denen, die zur "Verurteilung des Kommunismus" aufrufen, rechtsradikale Kräfte, zivilgesellschaftliche Organisationen, pseudowissenschaftliche Institute und Museen sich befinden, die sich als geistige und politische Nachfolger von Kollaborateuren, Legionären der Waffen-SS, Waldbrüdern, Bandera-Kämpfern und anderen Hitler-Unterstützern verstehen.
Es ist kein Zufall, dass die Bestrebungen das Gleichheitszeichen zwischen dem sowjetischen und nazistischen Regimen zu setzen vor dem Hintergrund der rasanten Nazifizierung und Radikalisierung des gesellschaftlichen Bewusstseins in den Ländern des früheren kommunistischen Blockes geschieht.
In baltischen Ländern zeigt diese Tendenz die alarmierendste Entwicklung. Die Rehabilitierung des Nazismus geschieht mit Unterstützung der Regierungen und Parlamente dieser Länder. Alljährlich zeichnet der Präsident Estlands mit offiziellen Auszeichnungen seines Landes die Veteranen der Waffen-SS aus. Das Verteidigungsministerium gibt Budget-Mittel für die Unterstützung der Veteranen-Nazisten. In Lettland bereitet sich eine neonazistische Partei vor, Ministersätze in der neuen Regierung zu bekommen. Litauen nutzt seine Mitgliedschaft in InterPol dazu aus, Partisanen aus dem Vilnuer Ghetto, die jetzt in Israel leben, zu suchen und zu extradieren. Während der Unabhängigkeit wurde in baltischen Ländern kein einziger Nazi zu Gefängnisaufenthalt verurteilt, viele wurden freigesprochen.
In Rumänien spricht der Präsident des Landes offen über seine Sympathien zu Faschisten Antonesku. Nicht besser sieht es in Moldavien aus, wo Stadtvierteln den Namen Antoneskus tragen und im Parlament ein Gesetz verabschiedet wird, der die Denkmäler für die Soldaten der Roten Armee abzubauen erlaubt. In Ungarn erklärt eine der größten Parteien des Landes in ihrer Ideologie und Symbolik die Kontinuität mit den bewaffneten Formierungen der ungarischen Faschisten.
Die Heroisierung des Nazismus verzerrt nicht nur die Vergangenheit, sondern gefährdet auch die Zukunft dieser Länder. Der neuen Generation wird der Gedanke eingepflanzt, dass die Verbrechen der Hitler-Unterstützer nicht bedeutsam sind, da sie im Namen des "Kampfes für die Unabhängigkeit" begangen wurden.
Die Gründer der Plattform "Für das Gedächtnis und Gewissen Europas" erklären als ihr Ziel, geschichtliche Schulbücher für europäische Schüler und Studenten zu schreiben, in diesen Büchern wird den europäischen Schülern unter dem Mantel der Behauptungen der gleichen Verantwortung Hitlers und Stalins für die Entfachung des Krieges, eine Haltung der Akzeptanz zu denen propagiert, die sich auf die Seite des Nazismus gestellt haben und ihre Hände mit dem Blut der unschuldigen Opfern des Nazismus besudelt haben.
Ausgehend aus dem oben geschriebenen erklärt die Internationale Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus" folgendes:
1. Die These über die gleiche Verantwortung zwei totalitären Regime für die Entfachung des Zweiten Weltkrieges ist historisch unbegründet, denn dort wird nicht die Rolle der westeuropäischen demokratischen Länder, vor allem Englands und Frankreichs beim Zerfall des nach dem ersten Weltkrieg formierten, sogenannten Systems des Versailler Friedens, und ihrer Ermutigung an Hitler nach Osten zu expandieren, berücksichtigt. "Münchener Verträge" und andere Nichtangriffspakte Deutschlands mit Großbritannien und Frankreich (im Jahr 1938) wurden zum ersten Wegepunkt, der nötigen und ausreichenden Bedingung für die Entfachung des Zweiten Weltkrieges, zu dem Beschluss, der Hitler die Hände frei machte für seine Annexionspolitik den osteuropäischen Ländern gegenüber.
2. Alle Gespräche der Gründer der sogenannten Plattform "Europäisches Gedächtnis und Gewissen" über die angeblich vorhandene Schuld der Sowjetunion für die Entfachung des Zweiten Weltkrieges, haben zum Ziel nicht nur das Umschreiben der Geschichte des XX. Jahrhunderts und die Heroisierung des Kollaborateure, doch auch die Revision der Beschlüsse des Nürnberger Prozesses und der Entscheidungen zur nachkrieglichem Aufbau der Welt, was allein für sich schon zu unvorhersehbaren Folgen führt.
3. Die erklärte Versuche die Geschichtsbücher umzuschreiben (tatsächlich wurde dieser Prozess schon längst in den osteuropäischen Ländern gestartet) wird zu einer Erziehung von Generation führen, die keine "Impfung" gegen die Ideen des Nazismus hat, die folglich fähig ist, die Fehler ihrer Großväter und Urgroßväter zu wiederholen, die die größte Katastrophe des XX. Jahrhunderts zugelassen haben. Das Kommen an die Macht von Regierung der Ultranationalisten angehören, ist eine direkte Folge dieser Praxis - denn 80% der Stimmen bei den letzten Parlamentswahlen kamen von der Jugend, die ihre Erziehung schon in unabhängigem Lettland bekommen hat.
Die Internationale Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus" ruft die Vorsitzende des Europäischen Parlaments und des Europarates auf, sich von dieser Initiative zu distanzieren, denn sie zielt darauf ab, die historischen Fakten zu verzerren und ist für viele europäischen Länder ein Signal eigene Kollaborateure zu rechtfertigen und zu heroisieren, was objektiv gesehen zur Wiedergeburt des Nazismus führt.
Wir schlagen vor eine breite wissenschaftliche Diskussion zur Geschichte des XX Jahrhunderts zu eröffnen, die Licht sowohl auf die Verbrechen der totalitären Regime, als auch auf die Rolle der westlichen Demokratien bei der Entfachung des Zweiten Weltkrieges, auf Kollaborationismus in den Ländern der Osteuropa in 40-er Jahren und auf die Verantwortung der modernen Politiker für die Wiedergeburt des Nazismus werfen soll. Jede Beliebigkeit bei Vergabe von Beschuldigungen ist in dieser Frage unzulässig.
Wir rufen Europarat auf, eine Arbeitsgruppe bestehend aus Experten aus verschiedene Ländern, unter anderem mit Experten der IMO "Welt ohne Nazismus" zu gründen, die das Ziel haben soll, Geschichtsbücher des XX. Jahrhunderts vorzubereiten, die man als modellhaft für die Bildungsministerien der Mitgliedsländer des Europarates empfehlen könnte. In ihre Grundlage sollten ernsthafte geschichtliche Forschungen gelegt werden als auch Beschlüsse von internationalen juristischen und politischen Instanzen, auf deren Basis die Nachkriegsordnung aufgebaut wurde. Dieses Buch sollte die Grundlage für den Lernprozess der europäischen Schüler für diese schwierigen für das Verständnis geschichtlichen Periode werden.
Für die Zukunft lassen wir die Verzerrung die Vergangenheit nicht zu!
Donnerstag, September 29, 2011
Fragmente
Um die Ausstellung im Historischen Museum Estlands über berühmte Estländer, bei der ein Stand dem Nazi-Propagandisten Alfred Rosenfeld gewidmet war, eskaliert der Streit. Nachdem der Stand auf die Weisung des Kultusministeriums weggeräumt wurde, empören sich Historiker und werfen Museum und dem Kultusministerium Zensur und Geschichtsverfälschung vor. Ein entsprechender Brief wurde von 27 Historikern der Tartuer Universität unterzeichnet. Darin heisst es, dass das Kultusministerium sich unbegründet in die wissenschaftliche Tätigkeit des Museums einmischen würde. Der Beschluss des Ministeriums bedeutet dass eine Person zu persona non-grata in estnischen Geschichte erklärt wurde, und es geht gar nicht darum dass es um einen der Leader der nazistischen Partei ist, sondern dass der Versuch unternommen wurde gewaltsam die Erinnerung auszulöschen oder nur bruchstückhaft sich an etwas zu erinnern. Das ist nichts anderes als Geschichtsfälschung.
Liebe Historiker der Tartuer Universität. Ich bitte Euch zum Historischen Museum zu kommen, doch dann um die Ecke zu gehen. Dann seht ihr folgendes:



Warum soll man einen Naziverbrecher besser behandeln, als alle Leute, denen diese Denkmäler gewidmet sind? Mindestens eine der Personen, denen diese Denkmäler gewidmet sind, der Kommunist Fritz Böm, wurde von Nazis hingerichtet. An die Täter soll man sich also erinnern, aber nicht an die Opfer?
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Eine der Errungenschaft der E-stonia sind ja die E-Wahlen. Interessant ist, dass es eine Errungenschaft bleibt, bei der die anderen Länder nicht nachziehen wollen. Nicht mal die digitalen Wahlautomaten werden nach der Chaoswahl in USA 2004 eingesetzt. In Deutschland und Niederlanden wurde längst bewiesen, dass die Wahlautomaten unsicher sind. Doch in Estland werden Wahlen mit Stimmen entschieden, die am heimischen evtl. Viren, Trojaner und Rootkits-verseuchtem Computer abgegeben wurden. Jetzt schreibt die amerikanische Wissenschaftlerin Barbara Simons von Verified Voting Foundation:
1. There are a number of serious problems, as described by the OSCE/ODIHR report;
2. The voters’ privacy (secret ballot) is vulnerable;
3. The voters’ computers are vulnerable to election rigging malware;
4. There is an insider threat;
5. The server is vulnerable to attack from anyone/anywhere;
6. The system is not open or transparent;
7. There has been no security evaluation of the system by independent computer security experts.
Das Paper ist ein must-read (hier die estnische Version).
Warum soll so einem System vertraut werden? Berücksichtigt man wie wahlentscheidend mittlerweile die am Computer abgegebenen Stimmen sind, wachsen bei der Opposition die Zweifel, ob bei der letzten Parlamentswahl wirklich sauber gezählt wurde, insbesondere die grossen Unterschiede in Parteipräferenzen bei der digitalen und "alten" Zettelwahl werfen Fragen auf. Es gibt auch keine Möglichkeit zu prüfen, ob Manipulationen stattgefunden haben, denn am 11. April wurden trotz Proteste alle elektronischen Wahlunterlagen gelöscht. Ein Interview mit Blogger Raivo Orgusaar kann hier nachgelesen werden.
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Bei der letzten Sitzung von "Grazhdanskij Mir" (Zivilgesellschaft) verteidigte die Frau des estnischen Ex-Präsidenten Rüütel, Ingrid Rüütel die Bemühungen von Esten ihre Kultur zu bewahren und vor russischen Einflüssen zu bewahren, denn schliesslich sind Esten ein kleines Volk deswegen herrschen hier besondere Umstände, so dass in Estland die estnische Kultur aufbewahrt und propagiert werden soll.
Wenn das die Stimme des estnisches Volkes gewesen sein soll, dann frage ich mich, was ist denn jetzt das Ziel der estnischen Integrationspolitik? Hat es zum Ziel das estnische Volk durch die integrierte/assimilierte Fremden zu vergrößern, oder ist das Ziel die Nation möglichst gegenüber Fremden abzuschotten? Für die erste Theorie spricht die Eliminierung der russischen Bildung, für die zweite der Unwille der estnischen Behörden das Problem der Staatenlosigkeit zu lösen und die sehr zögerliche Einwanderungspolitik, die nur teilweise mit der hohen Arbeitslosigkeit zu erklären ist.
Angenommen die erste Theorie stimmt und nach ausreichend Integrationsbemühungen wird man in die estnische Gemeinschaft aufgenommen. Doch was ist es wert in der estnischen Gesellschaft aufgenommen zu werden? Wie weit kann man es als integrierter Ausländer bringen? Ich denke niemand wird bezweifeln, dass es bereits eine Menge an bestens integrierten Nichtesten gibt, doch wo sind sie alle geblieben? Im Regierungskabinett sucht man sie vergebens, den höchsten Parteiposten hat Denis Boroditch von der Zentristenpartei, er ist einer von einem Dutzend an Vizeparteivorsitzenden. Es gibt ein paar Parlamentsabgeordneten, die meisten von Zentrumspartei. Bei den grossen Firmen mit staatlichen Beteiligung gibt es keinen Leiter mit nichtestnischen Namen, nur einige Selfmade-millionäre, die es hauptsächlich durch Transit geschafft haben reich zu werden, oder aus eigener Kraft die alten Sowjetbetriebe auf Vordermann gebracht haben. Weder in der Presse noch beim Rundfunk gibt es einen bekannten Russen, der auf estnisch seine Meinung äußert. Die einzige Möglichkeit berühmt zu werden, ist Sport, doch das hat mit Integration und Sprachkenntnissen nichts zu tun. Also was ist der Lohn für die Aufgabe eigener Sprache, eigener Kultur, eigener Identität? Wo sind die russischen Cem Özdemir, Xavier Naidoo, Sebil Kikelli, Brüder Yerli (Gründer von Crytek)? Es scheint, dass es eine gläserne Decke in der estnischen Gesellschaft gibt, die selbst der integrierteste/assimilierteste Russe nicht durchstossen kann. Und wie es aussieht, ist diese Decke recht niedrig aufgehängt.
Liebe Historiker der Tartuer Universität. Ich bitte Euch zum Historischen Museum zu kommen, doch dann um die Ecke zu gehen. Dann seht ihr folgendes:


Warum soll man einen Naziverbrecher besser behandeln, als alle Leute, denen diese Denkmäler gewidmet sind? Mindestens eine der Personen, denen diese Denkmäler gewidmet sind, der Kommunist Fritz Böm, wurde von Nazis hingerichtet. An die Täter soll man sich also erinnern, aber nicht an die Opfer?
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Eine der Errungenschaft der E-stonia sind ja die E-Wahlen. Interessant ist, dass es eine Errungenschaft bleibt, bei der die anderen Länder nicht nachziehen wollen. Nicht mal die digitalen Wahlautomaten werden nach der Chaoswahl in USA 2004 eingesetzt. In Deutschland und Niederlanden wurde längst bewiesen, dass die Wahlautomaten unsicher sind. Doch in Estland werden Wahlen mit Stimmen entschieden, die am heimischen evtl. Viren, Trojaner und Rootkits-verseuchtem Computer abgegeben wurden. Jetzt schreibt die amerikanische Wissenschaftlerin Barbara Simons von Verified Voting Foundation:
1. There are a number of serious problems, as described by the OSCE/ODIHR report;
2. The voters’ privacy (secret ballot) is vulnerable;
3. The voters’ computers are vulnerable to election rigging malware;
4. There is an insider threat;
5. The server is vulnerable to attack from anyone/anywhere;
6. The system is not open or transparent;
7. There has been no security evaluation of the system by independent computer security experts.
Das Paper ist ein must-read (hier die estnische Version).
Warum soll so einem System vertraut werden? Berücksichtigt man wie wahlentscheidend mittlerweile die am Computer abgegebenen Stimmen sind, wachsen bei der Opposition die Zweifel, ob bei der letzten Parlamentswahl wirklich sauber gezählt wurde, insbesondere die grossen Unterschiede in Parteipräferenzen bei der digitalen und "alten" Zettelwahl werfen Fragen auf. Es gibt auch keine Möglichkeit zu prüfen, ob Manipulationen stattgefunden haben, denn am 11. April wurden trotz Proteste alle elektronischen Wahlunterlagen gelöscht. Ein Interview mit Blogger Raivo Orgusaar kann hier nachgelesen werden.
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Bei der letzten Sitzung von "Grazhdanskij Mir" (Zivilgesellschaft) verteidigte die Frau des estnischen Ex-Präsidenten Rüütel, Ingrid Rüütel die Bemühungen von Esten ihre Kultur zu bewahren und vor russischen Einflüssen zu bewahren, denn schliesslich sind Esten ein kleines Volk deswegen herrschen hier besondere Umstände, so dass in Estland die estnische Kultur aufbewahrt und propagiert werden soll.
Wenn das die Stimme des estnisches Volkes gewesen sein soll, dann frage ich mich, was ist denn jetzt das Ziel der estnischen Integrationspolitik? Hat es zum Ziel das estnische Volk durch die integrierte/assimilierte Fremden zu vergrößern, oder ist das Ziel die Nation möglichst gegenüber Fremden abzuschotten? Für die erste Theorie spricht die Eliminierung der russischen Bildung, für die zweite der Unwille der estnischen Behörden das Problem der Staatenlosigkeit zu lösen und die sehr zögerliche Einwanderungspolitik, die nur teilweise mit der hohen Arbeitslosigkeit zu erklären ist.
Angenommen die erste Theorie stimmt und nach ausreichend Integrationsbemühungen wird man in die estnische Gemeinschaft aufgenommen. Doch was ist es wert in der estnischen Gesellschaft aufgenommen zu werden? Wie weit kann man es als integrierter Ausländer bringen? Ich denke niemand wird bezweifeln, dass es bereits eine Menge an bestens integrierten Nichtesten gibt, doch wo sind sie alle geblieben? Im Regierungskabinett sucht man sie vergebens, den höchsten Parteiposten hat Denis Boroditch von der Zentristenpartei, er ist einer von einem Dutzend an Vizeparteivorsitzenden. Es gibt ein paar Parlamentsabgeordneten, die meisten von Zentrumspartei. Bei den grossen Firmen mit staatlichen Beteiligung gibt es keinen Leiter mit nichtestnischen Namen, nur einige Selfmade-millionäre, die es hauptsächlich durch Transit geschafft haben reich zu werden, oder aus eigener Kraft die alten Sowjetbetriebe auf Vordermann gebracht haben. Weder in der Presse noch beim Rundfunk gibt es einen bekannten Russen, der auf estnisch seine Meinung äußert. Die einzige Möglichkeit berühmt zu werden, ist Sport, doch das hat mit Integration und Sprachkenntnissen nichts zu tun. Also was ist der Lohn für die Aufgabe eigener Sprache, eigener Kultur, eigener Identität? Wo sind die russischen Cem Özdemir, Xavier Naidoo, Sebil Kikelli, Brüder Yerli (Gründer von Crytek)? Es scheint, dass es eine gläserne Decke in der estnischen Gesellschaft gibt, die selbst der integrierteste/assimilierteste Russe nicht durchstossen kann. Und wie es aussieht, ist diese Decke recht niedrig aufgehängt.
Freitag, September 02, 2011
Das weiße Band
Seit gestern (1. September 2011) tragen einige Leute in Estland weisse Bändchen auf ihrem Revers. Darunter sind Politiker wie Yana Toom, Mihhail Kõlvart, Mikhail Stalnuhhin und Journalistin Olejsa Lagaschina. Mit diesen Bändchen soll Protest gegen die estnische Bildungspolitik gezeigt werden. Ab ersten September gibt es offiziell keine russischen Gymnasien mehr in Estland, alle Gymnasien sind ab der 10. Klasse verpflichtet mind. 60% der Unterrichts auf Estnisch abzuhalten. Es gibt drei offizielle Ausnahmen, das deutsche Gymnasium in Tallinn und zwei Abendgymnasien für Erwachsene. Die Elternbeiräte von 16 Gymnasien haben beim Ministerium für Bildung beantragt, dass in Übereinstimmung mit der estnischen Verfassung die Elternbeiräte entscheiden können in welcher Sprache der Unterricht geführt wird. Doch die Entscheidung wird immer weiter hinausgezögert, als Termin wird jetzt Dezember genannt, was in der Zwischenzeit an diesen Schulen passieren wird, ist unklar.
Was wurden nicht alles für Argumente für und wider diese Reform angeführt. Auf der einen Seite ist es die Argumentation, dass man gute Sprachkompetenz braucht, um Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, doch wird diese Bemühung konterkariert durch die Tatsache, dass wenn die Schüler den Unterrichtsstoff wegen schlechten Sprachkenntnissen nicht verstehen, dann werden ihre Leistungen entsprechend schlechter. Die Gegner der Reform haben nichts gegen Sprachunterricht an der Schule, sie haben nur was dagegen, wenn Fächer wie Mathematik auf Estnisch unterrichtet werden, denn wenn die Schüler die Begriffe nicht verstehen, dann können sie vielleicht am Ende der Schule gut Estnisch, aber schlecht Mathematik. Mit geeignetem Sprachunterricht wären gute Leistungen in beiden Fächern möglich.
Dann wären noch die Argumente von dem jetzigen Bildungsminister Aaviksoo, dass in anderen Ländern Emigranten auch in die Schulen mit der Landessprache gehen und vom Premierminister Ansip, dass kein Land auf dieser Welt Schulen für Minderheitensprachen finanziert, nur Estland ist so gütig. Dabei verschweigen die beiden Herren, dass Russen schon lange keine Emigranten in Estland sind, kaum ein Kind, das jetzt in der russisch-sprachigen Schule ist, ist nicht in Estland geboren worden, dasselbe gilt häufig auch für die Eltern. Die russischen Schulen haben hundertjährige Tradition in Estland. Und dem Argument mit der Sprache der Minderheit kann man entgegnen, dass in anderen Ländern, in denen 30% der Bevölkerung eine andere Sprache sprechen, diese Sprache längst den Status einer zweiten Landessprache geniesst, so dass es selbstverständlich Schulen gibt, die in dieser Sprache unterrichten.
Die Gegner der Reform befürchten, dass die Qualität der Bildung noch weiter sinken wird. Erstens wegen bereits erwähnten Schwierigkeiten, nicht nur den Unterrichtsstoff, sondern auch noch die Sprache zu lernen, zweitens wegen den fehlenden Unterrichtsmaterialien und vor allem der Lehrer, die den Lehrplan auf Estnisch in russischen Schulen unterrichten können. Den Gymnasien, die sich als nicht bereit für den Umstieg erklären, wird einfach mit Schliessung gedroht, angeblich gibt es viel zu viele Schulen und zu viele Lehrer.
Es hat sich eine Vereinigung gebildet, die sich "Russische Schule in Estland" nennt und vor allem von Andrej Lobov, einem in Finnland lebenden Hochschullehrer repräsentiert wird. Das Ziel der Vereinigung ist es auf juristischen Wege zu erreichen, dass das Bildungsministerium den Wunsch der Elternbeiräte akzeptiert und die Verfassung respektiert, in der festgelegt ist, dass die Sprache in der Schule nicht unbedingt die Landessprache sein muss. Doch es ist kaum anzunehmen, dass die Reform wieder zurückgenommen wird. Die rebellischen Schulen werden früher oder später auf Kurs gebracht oder geschlossen, so dass es bald kaum noch Absolventen geben wird, die die russische Sprache mündlich und schriftlich perfekt beherrschen.
Hier noch ein Video aus Lettland, wo die Regierung ähnliche Reformen schon vor Jahren beschlossen hat und auf erbitterten Widerstand von russischen Schülern gestossen ist.
Was wurden nicht alles für Argumente für und wider diese Reform angeführt. Auf der einen Seite ist es die Argumentation, dass man gute Sprachkompetenz braucht, um Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, doch wird diese Bemühung konterkariert durch die Tatsache, dass wenn die Schüler den Unterrichtsstoff wegen schlechten Sprachkenntnissen nicht verstehen, dann werden ihre Leistungen entsprechend schlechter. Die Gegner der Reform haben nichts gegen Sprachunterricht an der Schule, sie haben nur was dagegen, wenn Fächer wie Mathematik auf Estnisch unterrichtet werden, denn wenn die Schüler die Begriffe nicht verstehen, dann können sie vielleicht am Ende der Schule gut Estnisch, aber schlecht Mathematik. Mit geeignetem Sprachunterricht wären gute Leistungen in beiden Fächern möglich.
Dann wären noch die Argumente von dem jetzigen Bildungsminister Aaviksoo, dass in anderen Ländern Emigranten auch in die Schulen mit der Landessprache gehen und vom Premierminister Ansip, dass kein Land auf dieser Welt Schulen für Minderheitensprachen finanziert, nur Estland ist so gütig. Dabei verschweigen die beiden Herren, dass Russen schon lange keine Emigranten in Estland sind, kaum ein Kind, das jetzt in der russisch-sprachigen Schule ist, ist nicht in Estland geboren worden, dasselbe gilt häufig auch für die Eltern. Die russischen Schulen haben hundertjährige Tradition in Estland. Und dem Argument mit der Sprache der Minderheit kann man entgegnen, dass in anderen Ländern, in denen 30% der Bevölkerung eine andere Sprache sprechen, diese Sprache längst den Status einer zweiten Landessprache geniesst, so dass es selbstverständlich Schulen gibt, die in dieser Sprache unterrichten.
Die Gegner der Reform befürchten, dass die Qualität der Bildung noch weiter sinken wird. Erstens wegen bereits erwähnten Schwierigkeiten, nicht nur den Unterrichtsstoff, sondern auch noch die Sprache zu lernen, zweitens wegen den fehlenden Unterrichtsmaterialien und vor allem der Lehrer, die den Lehrplan auf Estnisch in russischen Schulen unterrichten können. Den Gymnasien, die sich als nicht bereit für den Umstieg erklären, wird einfach mit Schliessung gedroht, angeblich gibt es viel zu viele Schulen und zu viele Lehrer.
Es hat sich eine Vereinigung gebildet, die sich "Russische Schule in Estland" nennt und vor allem von Andrej Lobov, einem in Finnland lebenden Hochschullehrer repräsentiert wird. Das Ziel der Vereinigung ist es auf juristischen Wege zu erreichen, dass das Bildungsministerium den Wunsch der Elternbeiräte akzeptiert und die Verfassung respektiert, in der festgelegt ist, dass die Sprache in der Schule nicht unbedingt die Landessprache sein muss. Doch es ist kaum anzunehmen, dass die Reform wieder zurückgenommen wird. Die rebellischen Schulen werden früher oder später auf Kurs gebracht oder geschlossen, so dass es bald kaum noch Absolventen geben wird, die die russische Sprache mündlich und schriftlich perfekt beherrschen.
Hier noch ein Video aus Lettland, wo die Regierung ähnliche Reformen schon vor Jahren beschlossen hat und auf erbitterten Widerstand von russischen Schülern gestossen ist.
Freitag, August 26, 2011
Interessantes Geschichtsverständnis der US-Botschaft in Estland
Folgende Seite wurde bei dem Internet-Auftritt der US-Botschaft in Estland entdeckt
Vor 72 Jahren wurde der Molotov-Ribbentrop Pakt unterschrieben
23.08.2011
An diesem Tag vor mehr als 70 Jahren haben das nazistische Deutschland und Sowjetunion Schritte unternommen, die Europa und die ganze Welt auf den Pfad des unvermeidlichen Krieges gestellt haben. Durch das Unterschreiben des Nichtangriffsvertrages zwischen Deutschland und Sowjetunion, der auch unter dem unrühmlichen Namen "Molotov-Ribbentrop Pakt" bekannt ist, haben zwei totalitäre Regimes auch geheime zusätzliche Protokolle zu dem Pakt angefügt, die Europa in entsprechende Wirkungssphären aufgeteilt haben. Estland hat niemals die katastrophalen Folgen diesen Schrittes vergessen, und so versammeln sich seit 27 Jahren, auch während der dunklen Zeit der Okkupation im Tallinner Park Hirve eine Gruppe von Leuten, um der Unterzeichnung dieser Dokumente zu gedenken. In diesem Jahr ist es vorgesehen eine öffentliche Versammlung auf dem Platz der Freiheit durchzuführen, um an dieses Ereignis zu gedenken. Estland ist nicht das einzige Land, das den Jahrestag dieser Geschehnisse gedenkt. Im Jahr 2009 hat der Europäische Parlament beschlossen an diesem Europäischen Gedenktag alle Opfer von totalitären und autoritären Regimes zu gedenken. Dieser Tag wird auch "Tag des schwarzen Bandes" genannt.
Ich bin kein Historiker, aber kann mir jemand erklären, warum das Unterzeichnen eines Nichtangriffvertrages "die ganze Welt auf den Pfad des unvermeidlichen Krieges gestellt hat"? Kann mir jemand erklären, was passiert wäre, wenn dieser Vertrag nicht unterschrieben worden wäre? Glaubt wirklich irgendjemand ernsthaft daran, dass Hitler nicht nach Polen einmarschiert worden wäre? Wie soll man sich das vorstellen, wegen Nichtunterzeichnung des Nichtangriffspaktes mit Sowjetunion, marschieren wir zurück aus Österreich und geben böhmische Gebiete an Tschechoslowakei zurück? Vergessen die ganze "Lebensraum im Osten"-Theorie und rüsten wieder ab?
Durch das Unterzeichnen des Nichtangriffspaktes bekam Sowjetunion zweierlei: Zeit und zusätzliches Gelände, so dass die Städte wie Moskau und Leningrad etwas weiter im Landesinneren sich befanden. Niemand kann sagen, was geschehen wäre, wenn die deutschen Armeen ganz Polen und das Baltikum besetzt hätten, dann Kräfte gesammelt und erst dann einen Angriff auf Sowjetunion führten. Vielleicht wäre Moskau gefallen und die Geschichte hätte einen ganz anderen Verlauf genommen.
Vor 72 Jahren wurde der Molotov-Ribbentrop Pakt unterschrieben
23.08.2011
An diesem Tag vor mehr als 70 Jahren haben das nazistische Deutschland und Sowjetunion Schritte unternommen, die Europa und die ganze Welt auf den Pfad des unvermeidlichen Krieges gestellt haben. Durch das Unterschreiben des Nichtangriffsvertrages zwischen Deutschland und Sowjetunion, der auch unter dem unrühmlichen Namen "Molotov-Ribbentrop Pakt" bekannt ist, haben zwei totalitäre Regimes auch geheime zusätzliche Protokolle zu dem Pakt angefügt, die Europa in entsprechende Wirkungssphären aufgeteilt haben. Estland hat niemals die katastrophalen Folgen diesen Schrittes vergessen, und so versammeln sich seit 27 Jahren, auch während der dunklen Zeit der Okkupation im Tallinner Park Hirve eine Gruppe von Leuten, um der Unterzeichnung dieser Dokumente zu gedenken. In diesem Jahr ist es vorgesehen eine öffentliche Versammlung auf dem Platz der Freiheit durchzuführen, um an dieses Ereignis zu gedenken. Estland ist nicht das einzige Land, das den Jahrestag dieser Geschehnisse gedenkt. Im Jahr 2009 hat der Europäische Parlament beschlossen an diesem Europäischen Gedenktag alle Opfer von totalitären und autoritären Regimes zu gedenken. Dieser Tag wird auch "Tag des schwarzen Bandes" genannt.
Ich bin kein Historiker, aber kann mir jemand erklären, warum das Unterzeichnen eines Nichtangriffvertrages "die ganze Welt auf den Pfad des unvermeidlichen Krieges gestellt hat"? Kann mir jemand erklären, was passiert wäre, wenn dieser Vertrag nicht unterschrieben worden wäre? Glaubt wirklich irgendjemand ernsthaft daran, dass Hitler nicht nach Polen einmarschiert worden wäre? Wie soll man sich das vorstellen, wegen Nichtunterzeichnung des Nichtangriffspaktes mit Sowjetunion, marschieren wir zurück aus Österreich und geben böhmische Gebiete an Tschechoslowakei zurück? Vergessen die ganze "Lebensraum im Osten"-Theorie und rüsten wieder ab?
Durch das Unterzeichnen des Nichtangriffspaktes bekam Sowjetunion zweierlei: Zeit und zusätzliches Gelände, so dass die Städte wie Moskau und Leningrad etwas weiter im Landesinneren sich befanden. Niemand kann sagen, was geschehen wäre, wenn die deutschen Armeen ganz Polen und das Baltikum besetzt hätten, dann Kräfte gesammelt und erst dann einen Angriff auf Sowjetunion führten. Vielleicht wäre Moskau gefallen und die Geschichte hätte einen ganz anderen Verlauf genommen.
Samstag, August 20, 2011
Ein paar Zahlen
Eins muss man dem estnischen Ministerpräsidenten Andrus Ansip lassen, er versprach, dass Estland unter fünf führenden Ländern sein wird. Damals meinte er unter den fünf reichsten Ländern Europas, doch diese Aussage ist schnell zu einem geflügelten Sprichwort geworden, so dass immer wenn eine Statistik veröffentlicht wird, dann wird vor allem geprüft, ob Estland unter den ersten oder unter den letzten fünf Ländern sich befindet. Und es ist sehr häufig der Fall sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne. Wirtschaftlich und sozial gesehen ist Estland ein Land der Extreme.
So stieg zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Estland im zweiten Quartal im Vergleich zum zweiten Quartal vorigen Jahres um sehr eindrucksvolle 8,4%, was der größte Wirtschaftswachstum von allen europäischen Ländern bedeutet. Das ist schon der zweite Quartal in Folge, dass die Wirtschaft derart schnell wächst. Wirtschaftswachstum und Inflation gehen immer Hand in Hand, mit einer Inflation von 5,3% hat Estland auch hier seinen Spitzenplatz verteidigt und wird wohl damit schon ein Jahr nach der Einführung des Euros die Maastrichter Stabilitätskriterien verletzen. Doch verletzen gerade andere EU-Länder die Stabilitätskriterien in einer viel massiveren Weise, deswegen glaube ich kaum, dass Estland deswegen Probleme mit der EZB bekommen wird. Wenn man bedenkt, dass in den Zeiten der ausufernden Staatsschulden Estlands Verschuldung bei 6,6% liegt, dann lobt selbst der russische Premierminister Putin Estlands Wirtschaftspolitik.
Auf den ersten Blick positiv entwickelt sich die Arbeitslosenquote. War sie noch letztes Jahr bei katastrophalen 18,6% (unter den ersten fünf), so meldet die estnische Agentur für Arbeit jetzt 7,5% registrierte Arbeitslosigkeit. Die Betonung liegt auf "registrierte" denn das Statistikamt nennt die Zahl von 13,3%, was immer noch der schnellste Rückgang in EU darstellt. Der riesige Unterschied erklärt sich dadurch, dass die Leute, die seit mehr als einem Jahr keine Arbeit haben, nicht in der offiziellen Statistik geführt werden. Und Anteil von diesen Leuten wächst, wobei es schwer vorstellbar ist, wovon diese Leute leben, denn mit einer Sozialhilfe von 67 EUR/Monat (unter den letzten fünf EU-Ländern), ist nicht mal das Essen finanzierbar. Oder vielleicht doch, das Statistikamt hat ausgerechnet, dass die durchschnittliche estnische Familie ganze 2,12 EUR pro Tag fürs Essen ausgibt.
Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Estland einen Mindestlohn, den man auch mit anderen Ländern vergleichen kann. Der liegt bei 278 EUR, damit ist Estland auf dem vierten Platz von hinten unter den EU-Ländern, die einen Mindestlohn haben. Zum Vergleich, der Mindestlohn in Luxemburg ist bei 1758 EUR, da liegt noch ein weiter Weg, um unter die ersten fünf zu kommen. Niedrige Gehälter bedeuten niedrige Kaufkraft, sie liegt bei 65% des EU-Durchschnitts, unter den EURO-Ländern ist Estland auf dem letzten Platz. Vor 15 Jahren war die Kaufkraft bei 35%, Luxemburg mit 283% Kaufkraft wird Estland also in voraussichtlich 105 Jahren einholen.
Wenn man diese Zahlen zusammen betrachtet, darf man behaupten, dass Estland ein Schiffchen ist, das auf den Wellen der Weltwirtschaft rumhüpft oder eher ein Wakeboarder, kommt eine Welle des Aufschwungs, fliegt Estland über dem Wellenkamm und legt sehr eindrucksvolle Wachstumszahlen vor. Fällt die Wirtschaft in Wellental, dann sinkt Estland erstmal ins tiefe Wasser. Die Bevölkerung bezahlt diese Extreme mit sehr geringer sozialen Absicherung und Unsicherheit im morgigen Tag. Die Parteien in der heutigen Regierung haben nicht vor diesen Kurs zu ändern und Estland zu einem Wohlfahrtsstaat nach den skandinavischen Vorbildern zu entwickeln.
Nachtrag
Gerade wurde wieder eine Statistik veröffentlicht laut der der durchschnittliche Lohn in Estland bei 857 EUR liegt, das ist ein 4,2% Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal. Doch wie wir gerade gelernt haben, liegt die Inflation gut einen Prozentpunkt höher, so dass für Reallöhne das einen Rückgang um ein Prozentpunkt bedeutet. Schon seit 11 Quartalen sinkt Reallohn. Nicht unbedingt rosige Aussichten eines der fünf reichsten Ländern in Europa zu werden.
So stieg zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Estland im zweiten Quartal im Vergleich zum zweiten Quartal vorigen Jahres um sehr eindrucksvolle 8,4%, was der größte Wirtschaftswachstum von allen europäischen Ländern bedeutet. Das ist schon der zweite Quartal in Folge, dass die Wirtschaft derart schnell wächst. Wirtschaftswachstum und Inflation gehen immer Hand in Hand, mit einer Inflation von 5,3% hat Estland auch hier seinen Spitzenplatz verteidigt und wird wohl damit schon ein Jahr nach der Einführung des Euros die Maastrichter Stabilitätskriterien verletzen. Doch verletzen gerade andere EU-Länder die Stabilitätskriterien in einer viel massiveren Weise, deswegen glaube ich kaum, dass Estland deswegen Probleme mit der EZB bekommen wird. Wenn man bedenkt, dass in den Zeiten der ausufernden Staatsschulden Estlands Verschuldung bei 6,6% liegt, dann lobt selbst der russische Premierminister Putin Estlands Wirtschaftspolitik.
Auf den ersten Blick positiv entwickelt sich die Arbeitslosenquote. War sie noch letztes Jahr bei katastrophalen 18,6% (unter den ersten fünf), so meldet die estnische Agentur für Arbeit jetzt 7,5% registrierte Arbeitslosigkeit. Die Betonung liegt auf "registrierte" denn das Statistikamt nennt die Zahl von 13,3%, was immer noch der schnellste Rückgang in EU darstellt. Der riesige Unterschied erklärt sich dadurch, dass die Leute, die seit mehr als einem Jahr keine Arbeit haben, nicht in der offiziellen Statistik geführt werden. Und Anteil von diesen Leuten wächst, wobei es schwer vorstellbar ist, wovon diese Leute leben, denn mit einer Sozialhilfe von 67 EUR/Monat (unter den letzten fünf EU-Ländern), ist nicht mal das Essen finanzierbar. Oder vielleicht doch, das Statistikamt hat ausgerechnet, dass die durchschnittliche estnische Familie ganze 2,12 EUR pro Tag fürs Essen ausgibt.
Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Estland einen Mindestlohn, den man auch mit anderen Ländern vergleichen kann. Der liegt bei 278 EUR, damit ist Estland auf dem vierten Platz von hinten unter den EU-Ländern, die einen Mindestlohn haben. Zum Vergleich, der Mindestlohn in Luxemburg ist bei 1758 EUR, da liegt noch ein weiter Weg, um unter die ersten fünf zu kommen. Niedrige Gehälter bedeuten niedrige Kaufkraft, sie liegt bei 65% des EU-Durchschnitts, unter den EURO-Ländern ist Estland auf dem letzten Platz. Vor 15 Jahren war die Kaufkraft bei 35%, Luxemburg mit 283% Kaufkraft wird Estland also in voraussichtlich 105 Jahren einholen.
Wenn man diese Zahlen zusammen betrachtet, darf man behaupten, dass Estland ein Schiffchen ist, das auf den Wellen der Weltwirtschaft rumhüpft oder eher ein Wakeboarder, kommt eine Welle des Aufschwungs, fliegt Estland über dem Wellenkamm und legt sehr eindrucksvolle Wachstumszahlen vor. Fällt die Wirtschaft in Wellental, dann sinkt Estland erstmal ins tiefe Wasser. Die Bevölkerung bezahlt diese Extreme mit sehr geringer sozialen Absicherung und Unsicherheit im morgigen Tag. Die Parteien in der heutigen Regierung haben nicht vor diesen Kurs zu ändern und Estland zu einem Wohlfahrtsstaat nach den skandinavischen Vorbildern zu entwickeln.
Nachtrag
Gerade wurde wieder eine Statistik veröffentlicht laut der der durchschnittliche Lohn in Estland bei 857 EUR liegt, das ist ein 4,2% Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal. Doch wie wir gerade gelernt haben, liegt die Inflation gut einen Prozentpunkt höher, so dass für Reallöhne das einen Rückgang um ein Prozentpunkt bedeutet. Schon seit 11 Quartalen sinkt Reallohn. Nicht unbedingt rosige Aussichten eines der fünf reichsten Ländern in Europa zu werden.
Donnerstag, August 18, 2011
Der Pyrrhussieg des Historischen Museum Estlands
Gennadij Gramberg schrieb für die Zeitung MK Estonia folgenden Kommentar.
Wenn es einen Streit über komplizierte Momente in der neueren Geschichte gibt, dann sagt man oft um Friedens Willen - überlasst das den Historikern und nicht den Politikern. Ich bin auch dieser Meinung. Doch als die Direktorin des Estnischen Museums für Geschichte Sirje Karis siegesgewiss berichtete, dass die Ausstellung über den "ruhmreichen" Kompatrioten, den Ideologen der national-sozialistischen Bewegung Alfred Rosenberg weiterhin im Museum ausgestellt sein wird, bekam ich Zweifel, ob unsere Historiker verstehen, welchen Geist sie aus der Flasche rauslassen und zu was solche "Objektivität" führen kann.
In der Geschichte des antiken Griechenlands gab es eine Episode als der König von Epirus Pyrrhus einen Sieg gegen die Römer erringen konnte, doch der Preis war so hoch, dass der Sieg einer Niederlage gleichkam. Als ein Pyrrhussieg kann man auch den Entschluss der Museumshistoriker werten, im wichtigsten historischen Museum des Landes den Namen von einem der abstossendsten nazistischen Verbrecher zu verewigen, der für die physische Vernichtung von Millionen unschuldiger Menschen in den okkupierten Ländern Osteuropas verantwortlich war. Das Museum klärt auf, dass der objektiven Wahrheit nach - Alfred Rosenberg in Estland geboren wurde und sogar mit einer Estin verheiratet war, er wurde weltberühmt, deswegen ist die Ausstellung über ihn gerechtfertigt und seine Nazi-Vergangenheit und Schuldigsprechung vor dem Nürnberger Tribunal werden auch erwähnt.
Ein fremder Flecken
Doch diese Erklärung sieht aus wie schreckliche Heuchelei. Der Nazi ist in eine Reihe mit ausserordentlichen Leuten Estlands gestellt worden, die wirklich ihr Land berühmt machten. Das ist der Antarktis-Forscher I.F. Krusenstern, Wissenschaftler K.von Ber, der Sänger G.Ots und andere. In diesem Ruhmesgebilde steht Rosenberg als ein fremder Flecken. Auf diesen Fakt versuchte die Leiterin der jüdischen Gemeinde Estlands Alla Jakobson die Aufmerksamkeit des Kultusministeriums, dem das Museum untersteht, zu lenken, doch das Ministerium schickte einen Brief an das Museum und dort schlug man spöttisch den Gemeindemitgliedern vor, hinzugehen und zu erklären, warum ihnen Rosenberg nicht gefällt. Als ob es den Nürnberger Prozess, wo die Mitbeteiligung des berühmten Kompatrioten zu der Barbarei des faschistischen Regimes und seine führende Rolle bei den Massenmorden und insbesondere beim Holocaust bewiesen wurde, nie gegeben hätte. Wenn die Historiker das nicht wissen, dann haben wir in Estland ernsthafte Probleme mit der Geschichtswissenschaft. Es macht auch traurig, dass nur Einzelne aus der estnischen politischen und intellektuellen Elite die Ausstellung kritisiert haben. Ich nenne den Mitglied des Riikogu (übrigens einen rechten Politiker) Marko Mihkelson und die Journalistin Imbi Paju.
Zarte Saat des Nazifilie
Einer meiner Bekannten war im Museum in der Nähe des Standes über Rosenberg in dem Moment als zwei ältere Deutsche es betrachteten. Da er Deutsch kann, hat er verstanden, dass die Touristen unangenehm erstaunt über den Fakt sind, dass in Estland Nazis verehrt werden und in ihren Aussagen zeigte sich unverdeckte Verwunderung, dass man hier derart wohlgefällig zu den nazistischen Kompatrioten sei. Als ich diese Erzählung hörte, dachte ich um wieviel effektiver die Denazifizierung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt wurde. Bei uns allerdings fängt unter dem Mantel der Desowjetisierung die Saat der Nazifilie (Verehrung des Nazismus) aufzugehen. Die deutsche Okkupation interpretiert man als Befreiung vom sowjetischen Regime (in Viljandi feierte man sogar dieses Ereignis), in der Reihe "Gedächtnis Estlands" ("Eesti mälu"), die von der Zeitung "Eeste Päevaleht" herausgegeben wird, wurde das Buch des Schweden Karl Motander publiziert, der mit unversteckten Begeisterung über die faschistische okkupatorische Administration Estlands spricht. Jetzt hat das Historische Museum zusammen mit dem Gustav Adolph Gymnasium seinen Beitrag geleistet.
Schauen wir dieses Ereignis im Kontext der letzten Geschehnisse in Norwegen an. Es scheint ein ruhiges und glückseliges skandinavisches Land zu sein - und der Akt der Terrors mit blutigem Abschlachten in einem Jugendlager. Der Ausführende dachte, dass er einen Anstoss geben muss, um Europa von Nichtweissen zu reinigen. Jetzt sagen die Analysten, dass rechtsextreme Stimmung in Norwegen nicht plötzlich aufkam, sondern lange reiften. Und die Regierung schaute durch die Finger auf die Verbreitung von diesen Stimmungen. Sogar die russländischen Nazis wussten davon, dass ihre ideologischen Brüder in Norwegen nicht verfolgt werde, deswegen versuchte einer von ihnen dort sogar zu wohnen.
Das gefährliche Spiel der Historiker
Die Historiker aus dem Museum spielen ein gefährliches Spiel. Den nazistischen Verbrecher als berühmten Kompatrioten zeigend und eine schweigsame Unterstützung durch die Regierung bekommend, geben sie ein Signal, dass Nazismus gar nicht so schlecht sei, dass er für Estland nicht fremd sei, das ist gegen das Sowjetische und Russländische gerichtet sei und der Protest der Juden eine Kleinigkeit sei. Man hat sie bestialisch hier getötet, Säuglinge eingeschlossen, na und. Die Historiker interessiert es nicht. Und nicht nur die Historiker. Wie freudig haben die ehemaligen Geiseln - Fahrradtouristen - berichtet, dass sie beweisen konnten, dass sie keine Juden wären. Ihnen kam nicht in den Sinn, dass sie Zeugen desselben Szenarios wurden, als die Nazisten Juden jagten und sie vernichteten, nur wegen ihrer Volkszugehörigkeit. Auf ihren Gesichtern war ein Lächeln der Freude und keine Empörung, dass Nazismus auch heute noch existiert, doch in islamischen Gewändern. Den Pyrrhussieg über den Protest der jüdischen Gemeinde heute feiernd, morgen kann die estnische Gesellschaft mit ihrem Breivik zusammenstossen, der die Idee der arischen Gemeinschaft und nazistischen Idealen verinnerlicht hat. Denn so kann man auch seinen Stand im Historischen Museum Estlands bekommen.
Wenn es einen Streit über komplizierte Momente in der neueren Geschichte gibt, dann sagt man oft um Friedens Willen - überlasst das den Historikern und nicht den Politikern. Ich bin auch dieser Meinung. Doch als die Direktorin des Estnischen Museums für Geschichte Sirje Karis siegesgewiss berichtete, dass die Ausstellung über den "ruhmreichen" Kompatrioten, den Ideologen der national-sozialistischen Bewegung Alfred Rosenberg weiterhin im Museum ausgestellt sein wird, bekam ich Zweifel, ob unsere Historiker verstehen, welchen Geist sie aus der Flasche rauslassen und zu was solche "Objektivität" führen kann.
In der Geschichte des antiken Griechenlands gab es eine Episode als der König von Epirus Pyrrhus einen Sieg gegen die Römer erringen konnte, doch der Preis war so hoch, dass der Sieg einer Niederlage gleichkam. Als ein Pyrrhussieg kann man auch den Entschluss der Museumshistoriker werten, im wichtigsten historischen Museum des Landes den Namen von einem der abstossendsten nazistischen Verbrecher zu verewigen, der für die physische Vernichtung von Millionen unschuldiger Menschen in den okkupierten Ländern Osteuropas verantwortlich war. Das Museum klärt auf, dass der objektiven Wahrheit nach - Alfred Rosenberg in Estland geboren wurde und sogar mit einer Estin verheiratet war, er wurde weltberühmt, deswegen ist die Ausstellung über ihn gerechtfertigt und seine Nazi-Vergangenheit und Schuldigsprechung vor dem Nürnberger Tribunal werden auch erwähnt.
Ein fremder Flecken
Doch diese Erklärung sieht aus wie schreckliche Heuchelei. Der Nazi ist in eine Reihe mit ausserordentlichen Leuten Estlands gestellt worden, die wirklich ihr Land berühmt machten. Das ist der Antarktis-Forscher I.F. Krusenstern, Wissenschaftler K.von Ber, der Sänger G.Ots und andere. In diesem Ruhmesgebilde steht Rosenberg als ein fremder Flecken. Auf diesen Fakt versuchte die Leiterin der jüdischen Gemeinde Estlands Alla Jakobson die Aufmerksamkeit des Kultusministeriums, dem das Museum untersteht, zu lenken, doch das Ministerium schickte einen Brief an das Museum und dort schlug man spöttisch den Gemeindemitgliedern vor, hinzugehen und zu erklären, warum ihnen Rosenberg nicht gefällt. Als ob es den Nürnberger Prozess, wo die Mitbeteiligung des berühmten Kompatrioten zu der Barbarei des faschistischen Regimes und seine führende Rolle bei den Massenmorden und insbesondere beim Holocaust bewiesen wurde, nie gegeben hätte. Wenn die Historiker das nicht wissen, dann haben wir in Estland ernsthafte Probleme mit der Geschichtswissenschaft. Es macht auch traurig, dass nur Einzelne aus der estnischen politischen und intellektuellen Elite die Ausstellung kritisiert haben. Ich nenne den Mitglied des Riikogu (übrigens einen rechten Politiker) Marko Mihkelson und die Journalistin Imbi Paju.
Zarte Saat des Nazifilie
Einer meiner Bekannten war im Museum in der Nähe des Standes über Rosenberg in dem Moment als zwei ältere Deutsche es betrachteten. Da er Deutsch kann, hat er verstanden, dass die Touristen unangenehm erstaunt über den Fakt sind, dass in Estland Nazis verehrt werden und in ihren Aussagen zeigte sich unverdeckte Verwunderung, dass man hier derart wohlgefällig zu den nazistischen Kompatrioten sei. Als ich diese Erzählung hörte, dachte ich um wieviel effektiver die Denazifizierung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt wurde. Bei uns allerdings fängt unter dem Mantel der Desowjetisierung die Saat der Nazifilie (Verehrung des Nazismus) aufzugehen. Die deutsche Okkupation interpretiert man als Befreiung vom sowjetischen Regime (in Viljandi feierte man sogar dieses Ereignis), in der Reihe "Gedächtnis Estlands" ("Eesti mälu"), die von der Zeitung "Eeste Päevaleht" herausgegeben wird, wurde das Buch des Schweden Karl Motander publiziert, der mit unversteckten Begeisterung über die faschistische okkupatorische Administration Estlands spricht. Jetzt hat das Historische Museum zusammen mit dem Gustav Adolph Gymnasium seinen Beitrag geleistet.
Schauen wir dieses Ereignis im Kontext der letzten Geschehnisse in Norwegen an. Es scheint ein ruhiges und glückseliges skandinavisches Land zu sein - und der Akt der Terrors mit blutigem Abschlachten in einem Jugendlager. Der Ausführende dachte, dass er einen Anstoss geben muss, um Europa von Nichtweissen zu reinigen. Jetzt sagen die Analysten, dass rechtsextreme Stimmung in Norwegen nicht plötzlich aufkam, sondern lange reiften. Und die Regierung schaute durch die Finger auf die Verbreitung von diesen Stimmungen. Sogar die russländischen Nazis wussten davon, dass ihre ideologischen Brüder in Norwegen nicht verfolgt werde, deswegen versuchte einer von ihnen dort sogar zu wohnen.
Das gefährliche Spiel der Historiker
Die Historiker aus dem Museum spielen ein gefährliches Spiel. Den nazistischen Verbrecher als berühmten Kompatrioten zeigend und eine schweigsame Unterstützung durch die Regierung bekommend, geben sie ein Signal, dass Nazismus gar nicht so schlecht sei, dass er für Estland nicht fremd sei, das ist gegen das Sowjetische und Russländische gerichtet sei und der Protest der Juden eine Kleinigkeit sei. Man hat sie bestialisch hier getötet, Säuglinge eingeschlossen, na und. Die Historiker interessiert es nicht. Und nicht nur die Historiker. Wie freudig haben die ehemaligen Geiseln - Fahrradtouristen - berichtet, dass sie beweisen konnten, dass sie keine Juden wären. Ihnen kam nicht in den Sinn, dass sie Zeugen desselben Szenarios wurden, als die Nazisten Juden jagten und sie vernichteten, nur wegen ihrer Volkszugehörigkeit. Auf ihren Gesichtern war ein Lächeln der Freude und keine Empörung, dass Nazismus auch heute noch existiert, doch in islamischen Gewändern. Den Pyrrhussieg über den Protest der jüdischen Gemeinde heute feiernd, morgen kann die estnische Gesellschaft mit ihrem Breivik zusammenstossen, der die Idee der arischen Gemeinschaft und nazistischen Idealen verinnerlicht hat. Denn so kann man auch seinen Stand im Historischen Museum Estlands bekommen.
Montag, August 01, 2011
Samstag, Juli 30, 2011
Finanziert das Verteidigungsministerium Treffen in Sinimäe?
Portal baltija.eu publiziert eine Reihe von Dokumenten, die beweisen, dass das Verteidigungsministerium Estlands Organisationen wie die Vereinigung der Veteranen der Waffen-SS, die jedes Jahr in Sinimäe eine Versammlung der Veteranen der Waffen-SS veranstaltet, finanziell unterstützt. Das sind Kopien der Verträge, die zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Vorsitzenden der Vereinigung der Veteranen der Waffen-SS Heino Kerdu geschlossen wurden:

2009

2010

2011
Seitens des Verteidigungsministeriums gaben ihre Unterschrift für die Unterstützung der Vereinigung die Kanzler des Ministeriums Riho Terrase (2009), Lauri Tumm (2010) und Hellar Lille (2011).
Ausserdem wird die Vereinigung durch den Eesti Vabadusvõitlejate Abistamise Fond finanziert, der auch Verträge mit dem Ministerium für Verteidigung geschlossen hat:

Wie in den Verwendungsnachweisen nachzulesen ist, ging ein Teil des Geldes (2009 32.950 Kronen, 2010 29.000 Kronen) an die Eesti Leegioni Veteranide Virumaa Klubi, also an die Veteranen der 20. Division der Waffen-SS. Insgesamt verteilte der Fond 2009 750.928 Kronen und 2010 809.478 Kronen an die verschiedene Organisationen der ehemaligen Freiheitskämpfer.

2009

2010
Das Verteidigungsministerium hat inzwischen reagiert, der Presse-Sprecher Piter Kujmet behauptet, dass zwischen dem Verteidigungsministerium und der Veteranen-Vereinigung eine Absprache gibt, dass die Versammlung in Sinimäe nicht von den Geldern des Verteidigungsministeriums finanziert wird, allerdings gibt es kaum Kontrolle und in den Abrechungsberichten werden die Treffen auch regelmäßig erwähnt.
Bildet Euch Euere Meinung.

2009

2010

2011
Seitens des Verteidigungsministeriums gaben ihre Unterschrift für die Unterstützung der Vereinigung die Kanzler des Ministeriums Riho Terrase (2009), Lauri Tumm (2010) und Hellar Lille (2011).
Ausserdem wird die Vereinigung durch den Eesti Vabadusvõitlejate Abistamise Fond finanziert, der auch Verträge mit dem Ministerium für Verteidigung geschlossen hat:

Wie in den Verwendungsnachweisen nachzulesen ist, ging ein Teil des Geldes (2009 32.950 Kronen, 2010 29.000 Kronen) an die Eesti Leegioni Veteranide Virumaa Klubi, also an die Veteranen der 20. Division der Waffen-SS. Insgesamt verteilte der Fond 2009 750.928 Kronen und 2010 809.478 Kronen an die verschiedene Organisationen der ehemaligen Freiheitskämpfer.

2009

2010
Das Verteidigungsministerium hat inzwischen reagiert, der Presse-Sprecher Piter Kujmet behauptet, dass zwischen dem Verteidigungsministerium und der Veteranen-Vereinigung eine Absprache gibt, dass die Versammlung in Sinimäe nicht von den Geldern des Verteidigungsministeriums finanziert wird, allerdings gibt es kaum Kontrolle und in den Abrechungsberichten werden die Treffen auch regelmäßig erwähnt.
Bildet Euch Euere Meinung.
Freitag, Juli 29, 2011
Archiv der Vereinigung der Veteranen der Waffen-SS
Ungeachtet der Ereignisse in Norwegen, wo ein Massenmörder seine faschistoide Wahnvorstellungen auslebte, findet auch dieses Jahr am 30.07 in Sinimäe in Nord-Osten Estlands ein Treffen der Veteranen der Waffen-SS und ihrer Verehrer statt. Es ist wieder ein Gegenmeeting von Notchnoj Dozor und anderen Organisationen geplant, allerdings haben die Altnazis ein so grosses Gelände für ihre Veranstaltung reserviert, damit sie garantiert unter sich bleiben und von den schwarz-weissen KZ-Roben der Protestierenden nichts mitbekommen werden. Der folgende Artikel wurde von Galina Sapozhnikova geschrieben, sie bekam Unterstützung von der Organization "Welt ohne Nazismus".
Der Archiv der Veteranen der Waffen-SS wurde veröffentlicht.
Wie der Korb mit den Papieren auf meinem Schreibtisch landete, kann ich nicht sagen. Noch. "Dank dem Mut der Leute, die unerkannt bleiben wollen", heisst es dann in den Zeitungen.
Der Mensch, dem diese Photos und Papiere gehörten, ist vor kurzem gestorben. Und die Koffer, die sein ganzes Leben enthielten, landeten auf der Müllhalde. Was da drin war? Der Archiv alles estnischen Organisationen der Veteranen der Waffen-SS.
Es stellte sich heraus, dass der estnische Opa, der ein Aktivist einer der 18! offiziell in Estland registrierten Organisationen der Veteranen war, die auf Seite der Deutschen gekämpft haben, für irgendwas alle diese Dokumente sammelte und kopierte, die ihm in die Hände kamen. Wahrscheinlich träumte er davon, dass die Geschichte des zweiten estnischen Staates, in dem diejenigen zu Helden wurden, die man in der zivilisierten Welt für Unmenschen halten würde, von nachfolgenden Generationen erforscht wird. Genau das tun wir.
Fehler im System
Dass der Archiv echt ist, wurde von Historikern zugleich bestätigt - die Protokolle der Sitzungen der Versammlungen der Veteranen und Photos von blonden Jungs in SS-Uniform sind ohne System gesammelt und genauso abgeheftet worden- Fälschungen würde man gewissenhafter anfertigen. Doch damit man die Unterlagen versteht, muss man das geschichtliche Konzept kennen, das in heutigem Estland für ein Dogma gehalten wird.
Also: Im Jahr 1940 wäre hier die erste Okkupation gewesen, die sowjetische, von der die Esten nur noch eine Erinnerung an Angst haben. Dann die deutsche, angenehm in jeder Beziehung - aus dieser Zeit erinnert man sich an die Konfekts, an die Erschiessungen will man sich irgendwarum nicht erinnern. Dann die zweite sowjetische Okkupation, die bis zum Jahr 1991 andauerte. Daraus folgt die Logik, die estnischen Veteranen der Wehrmacht als Helden darstellt - sie kämpften gegen Bolschewismus und für die Unabhängigkeit ihrer Heimat, nur in deutschen Uniformen. In allen offiziellen Dokumenten werden sie "Freiheitskämpfer" genannt.
Ein paar Details passen nicht in dieses Konzept, zum Beispiel, dass die Esten freiwillig zur SS gegangen sind, massenweise, zum Ende des Krieges 1944. Sie wussten wahrscheinlich über die jüdischen Ghettos und Gasöfen, sie sind trotzdem gegangen. Ihre erste Wahl könnte man einen Fehler nennen. Dass man 70 Jahre später diesen Fehler in Estland richtigstellen versucht, sagt, dass wir es hier mit einem System zu tun haben.
Blutgruppe auf der Schulter
Also, Archiv: Postkarten, mit Kinderschrift geschrieben ("Danke, dass ihr für die estnische Freiheit gekämpft habt"), ein Pack von Einladungen zu allen möglichen Versammlungen und Redenotizen, in denen folgendes steht: "Ich begrüße euch im Namen der Kameraden der 20. Division der SS! Uns verbindet der Kampf gegen den Bolschewismus während der Okkupation Estlands durch die Sowjetunion. Für unsere Division endete der Krieg in Tschechoslowakien, doch ein Großteil blieb in Estland, unter den Sowjets. Wir lebten weiter, doch nicht als verdiente Veteranen, doch als Faschisten, mit dem Blutgruppentattoo auf der Schulter. Die Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit im Jahr 1991 erlaubte es den Kämpfern in der deutschen Armee eigene Organisationen zu erschaffen, Treffen abzuhalten, Erinnerungen zu publizieren. Trotz den Bemühungen aus dem Ausland, uns als Kriegsverbrecher anzuerkennen, hält uns die estnische Regierung für Leute, die für die estnische Freiheit gegen die sowjetische Okkupation kämpften. Wir stellen uns die Aufgabe die Geschichte der Division auferstehen zu lassen, unsere Rechte und Ziele zu verteidigen, für die wir gekämpft haben. Denn ausser uns wird es keiner tun." Hier irrt sich der Autor dieser Zeilen, der damalige Vorsitzende der Vereinigung der Veteranen der 20. Division SS Karl Sirel: die estnischen Buchhandlungen sind auch ohne seine Hilfe vollgestopft mit ähnlichen Memoiren, denn das Thema SS wurde in Estland unerwartet zu einer der wichtigsten.
"Die Sache soll man bis zum EU-Eintritt lösen"
Sie haben wohl gedacht, dass die estnische Regierung sich dazu herablassend verhält, denkt, dass wäre ein Zeichen der Demenz? Durchaus nicht. Umgekehrt, alle drei letzten Premier-Minister trafen sich ganz offen mit den "Ehemaligen".
Den heutigen Verteidigungsminister Mart Laar, als er Vorsitzender der Regierung war, wollten die "Freiheitskämpfer" zwingen "eine Entschädigung für den Schaden von Russland, USA und Großbritannien für den Molotov-Ribbentrop und die Vereinbarung von Jalta zwischen Stalin - Roosevelt - Churchill zu verlangen". Laar war ehrlich: "Heute ist es unrealistisch Forderungen an USA oder Großbritannien zu stellen. Es gibt konkrete aussenpolitische Argumente, warum man es nicht tun sollte. Was die Entschädigung seitens Russland angeht: da prüfen wir".
Der nächste Premier, Juhan Parts, war auch gut dabei (aus dem Stenogramm seines Treffens mit den "Kämpfern" 2003):
"Parts: Ich habe keine Zeit, deswegen beantworte ich die nächsten drei Fragen schnell. Ein Memorial für die Kämpfer gegen die sowjetischen Armeen? Heino Kerde (der Vorsitzende der Vereinigung der Veteranen der 20. Grenadier Division der SS): Die Letten haben uns überholt. Ein imposantes Memorial. 11 000 Namen der Gefallenen in Granit. Wir haben nichts ähnliches. Parts: Heute diskutiert man in Europaparlament und in der Duma die Estland und Lettland-Frage. Enn Sarv (einer der Aktivisten der Organisation): Früher oder später sollte man Druck auf Europa ausüben, dass in der Realität unser Kampf 1944 ein zweiter Befreiungskrieg war, den wir verloren haben. Mit Faschismus gibt es nichts Gemeinsames… In der letzten Zeit hat man das Gefühl, dass wir diese Frage lösen können. Die Regierung, die das erreicht, wird die Dankbarkeit des gesamten estnischen Volkes verdienen. Parts: Die Sache sollte man bis zum Eintritt in EU lösen. Die Frage ist, wie man die nötige Anzahl der Stimmen im Parlament bekommt".
Zum Glück für die EU, wurde diese Frage nicht gelöst.
Und der heutige Premier Andrus Ansip, der Urheber des skandalösen Umzugs des Bronzenen Soldats, schrieb sogar den "Kämpfern" einen Brief (es war auch im Archiv): Ich möchte mich mit Euch treffen, um die Perspektiven für eine weitere Zusammenarbeit zu besprechen". Er macht aus seinen Treffen mit den "Ehemaligen" überhaupt kein Geheimnis. Diesen Winter hat er sich derart entspannt, dass er der Allgemeinheit mitteilte: "Ich bin euch dankbar, was ihr für das estnische Volk getan habt". Ich werde niemals müde zu erwähnen, dass zu Sowjetzeiten dieser Genosse in der Kommunistischen Partei gearbeitet hat.
Die Idee mit dem Umzug des Bronzenen Soldaten wurde wohl Ansip auch von den Ex-SS-Leuten eingeflüstert. Ihre erste Rede zu diesem Thema war schon 1996. Und ein Päckchen mit Fotos, die in verschiedenen Jahren am 9. Mai bei dem Denkmal von einem nicht gleichgültigen Photografen gemacht wurden, zeigt, dass die Situation um das Denkmal von den "Kämpfern" schon lange vor dem April 2007 beobachtet wurde.
Bonus fürs Leiden
Man muss sagen, dass nicht ohne die Hilfe der Regierung die "Ehemaligen" recht komfortables Leben führen. So hat das estnische Parlament 2005 ein Gesetz verabschiedet, laut dem ALLE Veteranen, die auf Seite der Deutschen gekämpft haben, als politisch repressierte anerkannt wurden! Sogar der einzige noch lebende estnischer Träger des Eisernen Ritterkreuzes Harald Nugiseks. Die Logik ist folgende: Warst du nach dem Krieg in Sibirien? Also hast du unter der Sowjetmacht gelitten, also bist du komplett rehabilitiert… Auf diese Weise haben sich die Listen der Repressierten, die Estland Anfang der 90-er der Welt präsentierte, um vom Genozid zu berichten, um 50 000 Leute vergrößert - durch die, die in der deutschen Armee dienten und laut dem Nürnberger Tribunal verurteilt wurden. Zählen wir mal nach: 1941 wurden ca. 10000 Esten deportiert, 1949 25 000. Doch in den Listen der Repressierten, die in Okkupationsmuseum hängen, sind es 87 000! Wie es aussieht zahlt man in Europa für die "Opfer des Kommunismus" proportional ihrer Anzahl…
Laut den Archivberichten haben die "Freiheitskämpfer" ihre Freude nicht versteckt: "In Parlament ist das Gesetz über die Repressierten durch das Okkupationsregime verabschiedet worden. Ganz besonders angenehm ist es, dass in diesem Gesetz Esten berücksichtigt werden, die in 20. Division SS mobilisiert wurden oder diejenigen, die freiwillig dorthin gegangen sind".
Diese "Annehmlichkeit" hatte, ausser dem moralischen, auch einen materiellen Gewinn. Laut dem Gesetz bekommen ALLE Repressierten eine erhöhte Rente. Aus dem Bericht über die Tätigkeit der Tallinner Vereinigung der Freiheitskämpfer 2003: "Wir haben direkte Kontakte mit dem Ministerium für Soziales aufgebaut. Das Ergebnis war eine 10% Erhöhung der Rente. Die Krankenkassen und Sozialhilfebehörde gaben den Kämpfern erste Sanatoriumaufenthalte im Gesundheitszentrum "Seli". Der Zusatz zu den Renten (10%), die vom Verteidigungsministerium und Ministerium für Soziales gemacht wurden, sollte man bis 60% erhöhen, oder eine jährliche Prämie ausgeben." Das heisst die "Kämpfer" bekommen Boni von drei Seiten: vom Staat, weil sie durch stalinistisches Regime repressiert wurden, von den Ländern in deren Uniform sie kämpften (Deutschland und Finnland) und Zusatzleistungen von speziellen Fonds, dafür, dass sie auf der "richtigen" Seite gekämpft haben. Das ist für das Leiden. Heldentaten werden getrennt bewertet: im Archiv ist ein ganzes Pack der Fragebögen der Anwärter auf Staatsorden. Ich ziehe per Zufall ein Blatt heraus: Eldor Jaanisoo. In der Spalte "Verdienste" steht schwarz auf weiss: "Dienst in der 20. Division SS".
Ich war nicht faul und ging auf die Seite des Präsidenten (www.president.ee). So ist es, 2002 hat dieser Veteran einen Orden aus den Händen des Präsidenten der Estnischen Republik bekommen - ein Adlerkreuz der 5. Stufe!
Staatsbudget als Staatsgarantie
Den "Kämpfern" direkt zu helfen hatte der Staat zuerst etwas Angst. Deswegen wurde folgende Pyramide erbaut: Das Geld aus dem Staatshaushalt wurde auf die Konten von drei Fonds überwiesen - Hilfsfonds für die Repressierten, Hilfe für die "Kämpfer" und Fonds "Der Verehrung der Kämpfer für die Freiheit Estlands". Die Geldeingänge (aus den Ministerien der Verteidigung und der Justiz) waren ungleichmäßig, mal wurden 5 Mio. Kronen (320 000 Euro) überwiesen, mal 10 mal weniger. Die gesamtrepublikanische "Union der Kämpfer für die Freiheit Estlands" verteilte das Geld ehrlich unter den anderen Organisationen. Noch eine Struktur - die Vereinigung der Veteranen der 20. Division SS - war ein Sonderfall. Einsehend, dass die Abkürzung SS überall auf der Welt, ausser in Estland einen schlechten Ruf hat, unterstreichte die Regierung, dass sie keinesfalls mit der Organisation der SS-Versammlungen in Sinimäe verbunden ist. Doch die Kontoauszüge, die unser SS-Opa gesammelt hat, sprechen eine andere Sprache: das Verteidigungsministerium Estlands überwies regelmäßig Geld genau auf das Konto der Vereinigung der 20. Division der SS!
Es sieht so aus, dass die Steuerzahler, ein Drittel derer aus den Leuten besteht, die eine komplett entgegengesetzte Sicht auf die Geschichte des Zweiten Weltkrieges haben - Russen, Weissrussen, Ukrainer - all die Jahre Versammlungen derer bezahlt haben, die sie besiegten.
Druzhba - Freundschaft
Das ist doch ein internationaler Skandal, sagen Sie, man sollte schleunigst darüber in Europa berichten!
Keine Sorge. Europa ist schon hier. Sie ist immer mit uns. Hier ist die Liste der deutschen Staatsbürger, die "Union der Kämpfer für die Freiheit" mit Ehrenabzeichen ehrte: persönliche Sponsoren Günter von Maidel und Heinz Peterson, aber auch ein gewisser Georg Diers, ein Vertreter der Vereinigung der Veteranen des Steiner Korps aus Deutschland, BEVOLLMÄCHTIGTER Estlands… Wie soll man das verstehen?
"Korps Steiner" zu dem die 20. Grenadier Division SS gehörte, führte die Blockade von Leningrad durch und wurde dann bei Narva zerschlagen. Doch sein Kommandeur, der Obergruppenführer Felix Steiner überlebte das Ende des Krieges, war in Gefangenschaft und hinterliess sogar Memoiren, dass die "grünen" (Waffen) Teile der SS - das sind sehr gute und friedliche SS, im Gegensatz zu den "schwarzen".
Wie es aussieht sind Ideen von Steiner nach wie vor lebendig, 66 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: ein ganzer Stapel von Zeitschriften, die in Deutschland herausgegeben wurden, wurden in der Wohnung des Bewahrers der SS-Geheimnisse aufbewahrt, sie beleuchten den Kampf der Veteranen um ihre Vergangenheit.
In den Briefen, die auf den Briefbögen der "Kriegskameradschaft ehemaliger europäischen Freiwilligen" gedruckt wurden, die der "estnische Bevollmächtigte" Georg Diers seinen estnischen "Kameraden" schickte, steht geschrieben, dass "diese Legionäre tapfer in der dritten europäischen Panzerdivision von General Steiner gekämpft haben und grosse Verluste davontrugen. Jetzt kann die Erinnerung an sie auf einem historischen Platz verewigt werden, die an unsere Kampfgenossen erinnert wird, die im Namen der Gerechtigkeit gefallen sind" (Die Rede ist über den Bau des Memorials, für das der Korps Steiners ein Drittel des Geldes überwiesen hat)
Einige Briefe zeigen den internationalen Charakter der ex-SS Organisationen: es stellt sich heraus, dass es ein Weltzentrum der Freiheitskämpfer gibt, das die aus Estland geflüchteten SS-Leute vereinigt, es wurde 1960 in New York registriert und vereinigte 17 verschiedene Vereinigungen: 2 in Australien, 9 in USA, 4 in Kanada, je eins in Schweden und Großbritannien. Die Programme dieser Organisationen durchzulesen ist nichts für die Leute mit schwachen Nerven. "Wir fordern, dass die Vertreter der slawischen Völker, die von Okkupanten nach Estland eingeführt wurden, rausgeschmissen werden" - schreiben in Übereinstimmung mit der Rassentheorie die Grossväter, die in einer besseren Welt lebten und sich auf dem Übergang in die ewigen Jagdgründe befanden.
Übersetzungsschwierigkeiten
In Australien leben Känguru, in Südafrika Pinguine, in Estland lebende SS-Leute. Die Population verkleinert sich natürlich, doch ist sie sehr kämpferisch. Unter der Mehrheit der Papiere aus diesem Archiv steht die Unterschrift von Heino Kerde, dem jetzigen Vorsitzenden der Vereinigung der Veteranen des 20. Grenadier Division der SS. Durch Zufall kennen wir uns - haben uns mehrmals während SS-Versammlungen getroffen. Ich fahre zu ihm auf die Insel Hiiumaa, mich auf einen Kampf vorbereitend, doch der Himmel selbst schickt mir auf meinem Weg freundliche Esten, solche, die wir immer geliebt haben - ruhig, arbeitsliebend, ausgeglichen. Alle, ohne Ausnahme, demonstrieren maximale Freundschaft zu Russland und Russen, so dass im Gehirn ein unlösbares Paradox entsteht: wie passt in ihren Köpfen die Sympathie zu uns und zum Dritten Reich? Und wie passt es in unsere Köpfe: absolute Liebe zu Estland als zu einem Land und hundertprozentiger Liebesentzug an den Staat, der die Geschichte bezahlt, die komplett verdreht ist? Im Zentrum der Hauptstadt der Insel , in der Stadt Kärdla, wächst wie ein Steinpilz der sowjetische steinerne Soldat "Kivi Jüri". Die Geschichte, warum man ihn nicht zusammen mit dem Tallinner Bronzenen Soldaten wegschaffte ist fast so irreal, wie das Leben von Heino Kerde, der als Freiwilliger in die 20. Division der SS ging, als er 16 Jahre alt war. Die Sache ist so, dass der SS-Mann Kerde den steinernen Soldaten Jüri gerettet hat. Als Inspektor der Gesellschaft für den Erhalt der Denkmäler machte er ein Vermerk, dass das Monument einen künstlerischen Wert darstellt. Hat sich der Meinung der Inselbewohner unterworfen, normale Leute hatten kein Problem mit dem steinernen Soldaten.
- Das heisst Sie hatten keine Gründe für persönliche Rache an den Russen?
- Für die Rache, nein. Doch dem Vater, einem ehemaligen Offizier der estnischen Armee, gab man keine Arbeit, ich denke das ist schon Repression. Er kam in die Rote Armee und kämpfte in Schützenkorps. Und bekam sogar den Roten-Stern-Orden.
- Das heisst ihr kämpftet gegeneinander?
- Woher sollte ich wissen, dass er dort war? Doch der Vater spielte keine Rolle, dass der Premier-Minister Jüri Uluots die Esten aufrief, die Heimat zu verteidigen, das war wichtig!
- Doch haben sie 1944 schon gewusst, wer Hitler ist. Wie konnten sie die Uniform der deutschen Armee anziehen?
- Die Deutschen haben menschlich besser gehandelt, als die Russen. Sie liessen uns die estnische Fahne, die Hymne und gaben das Wort, dass wenn wir bis zum Ende kämpfen würden, geben sie uns die Republik zurück. Die Russen haben das nicht getan.
- Ich wollte Sie schon immer fragen: Ihr wurden 1944 bei Sinimäe geschlagen, warum versammelt ihr euch ausgerechnet dort?
- Wir halten das nicht für eine Niederlage, weil wir die russischen Armeen aufhielten. Die Frontlinie stand drei Monate. Als die Roten Tallinn eingenommen haben, gingen fünf tausend nach Deutschland, zehn tausend blieben hier. Sie waren Optimisten, ich war unter ihnen. Ich wurde zum "Waldbruder". Dann haben die Freunde die Möglichkeit gefunden, Dokumente zu kaufen.
- Das heisst Sie haben keine Bestrafung durch die Sowjetmacht erfahren, weil Sie auf Seite des Feindes gekämpft haben?
- Ich war 17 Jahre alt - sie suchten nicht unter Jungen. Das Tattoo auf der Hand, wie bei allen in SS, wurde wegoperiert. Ich beendete das Polytechnikum, wurde zum Ingenieur, Leiter der staatlichen Baubehörde.
- Die Veteranen aus Deutschland helfen Ihnen?
- Früher haben sie viel geholfen. Jetzt fast gar nicht, weil es sie fast gar nicht mehr gibt. In den ersten Jahren haben wir vom Staat keine Mittel bekommen. Nur die deutschen Kameraden, mit denen wir gekämpft haben, haben was gegeben - mit diesem Geld fing die Organisation an.
- Beim letztjährigen Treffen der 20. Division der SS in Sinimäe gab es kein Militärorchester und keine Vertreter des Verteidigungsministeriums. Distanziert sich der Staat von Euch?
- Ach was. Ansip ist unser Mann! Dass er in der kommunistischen Partei war, merkt man fast gar nicht.
- Ist es unbedingt nötig, dass Eure Sache von der Jugend unterstützt wird?
- Natürlich. Als wir die Fahne der Veteranen der 20. Division der SS erhielten, dann sagte ich: Der letzte von uns übergibt sie ins Museum. Jetzt sage ich: Die Fahne muss man an Jugend übergeben!
Faschismus im Stil casual
Wahrscheinlich konnte ein 16-jähriger Junge kaum Hitler helfen, auch wenn er ihm vom ganzen Herzen Treue geschworen hat - wie es nur ein Kind kann. Opfer des Krieges - doch kein Held! Vor dem Hintergrund seiner 83 1/2 Jahre, war das halbe Jahr Dienst in der SS, nur eine Episode, doch die Impfung wirkt irgendwarum das ganze Leben. Wenn zu ihnen, wie er, es Vorwürfe geben kann, dann nicht für die Vergangenheit. Doch für die Gegenwart. In den letzten 20 Jahren wurde mit Hilfe von Heino Kerde und seinen Kameraden der Faschismus etwas allgegenwärtiges. Etwas zärtliches, leichtes, mit Humor: mal hängt man in Tartu eine Swastika vom Balkon mit der Unterschrift "Kunstwerk", mal bauen die Mitarbeiter des Tallinner Stadtmuseums einen Stand, der einem berühmten Landsmann, dem Begründer der Rassentheorie, Alfred Rosenberg gewidmet ist… Schon seit zwei Jahren steht im Zentrum der Hauptstadt das hässliche gläserne Kreuz der Freiheit, es ist mit demselben Symbol verziert, den die Soldaten der 20. Grenadier Division der SS auf dem Ärmel trugen: Sie durften nicht an den Hemdkragen die klassischen SS-Runen anhängen, da sie nicht genügend "arisch" waren. Im Archiv, der in Händen der "Komsomolskaja Pravda" ist, gibt es eine Postkarte, aus der folgt, dass der Freiheitskreuz, der den estnischen Haushalt mit 8,5 Mio. Euro belastet hat, tatsächlich fast eine genaue Kopie eines anderen Kreuzes ist, unter dem man hohe Offiziere Hitlers beerdigte… Es gibt keinen Zweifel, dass die estnische Gesellschaft auch das schlucken wird.
Doch warum rufen alle diese SS-Versammlungen, Bücher, Filme und Medaillen keine Reaktion bei niemandem hervor, ausser in Russland und in Israel?
Es gibt hier zwei Gründe: zuerst haben die US- und europäischen Diplomaten, die in der Spalte "Demokratie" bei Estland ein Häkchen gesetzt haben, keine Lust das Tagebuch zurückzublättern, sie sind schon längs irgendwohin nach Libyen geflogen, um dort Revolutionen zu machen und die Akte ist schon im Archiv. Zweitens gibt es auf der Welt kaum Spezialisten für so eine seltene Sprache wie Estnisch, deshalb kann niemand lesen, welche Erinnerung über den Krieg in Estland Mainstream wurde.
Die einzigen, die in der Lage sind das alles zu verstehen und zu übersetzen, das sind die lokalen Russen. Deswegen gibt es auch den Konflikt, er ist nicht ethnisch, doch es geht um die Weltanschauung. Und man sollte meinen er bleibt ewig, bis ein Vermittler aus der EU, z.B. Deutschland, erzählt nicht den Esten, vor was sie Stalin gerettet hat.
Estland ist von der Schande davongekommen, ein Land zu sein, das Hitler unterstützte und im Zweiten Weltkrieg verlor (als Folge gäbe es Entnazifizierung und Entschädigungszahlungen), doch der Preis war der Verlust der eigenen Selbstständigkeit. Doch wenn man betont, dass die damalige Wahl bewusst getroffen wurde, dann sollte man zu diesen Fragen zurückkehren.
Die Autorin dankt der internationalen Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus"
Der Archiv der Veteranen der Waffen-SS wurde veröffentlicht.
Wie der Korb mit den Papieren auf meinem Schreibtisch landete, kann ich nicht sagen. Noch. "Dank dem Mut der Leute, die unerkannt bleiben wollen", heisst es dann in den Zeitungen.
Der Mensch, dem diese Photos und Papiere gehörten, ist vor kurzem gestorben. Und die Koffer, die sein ganzes Leben enthielten, landeten auf der Müllhalde. Was da drin war? Der Archiv alles estnischen Organisationen der Veteranen der Waffen-SS.
Es stellte sich heraus, dass der estnische Opa, der ein Aktivist einer der 18! offiziell in Estland registrierten Organisationen der Veteranen war, die auf Seite der Deutschen gekämpft haben, für irgendwas alle diese Dokumente sammelte und kopierte, die ihm in die Hände kamen. Wahrscheinlich träumte er davon, dass die Geschichte des zweiten estnischen Staates, in dem diejenigen zu Helden wurden, die man in der zivilisierten Welt für Unmenschen halten würde, von nachfolgenden Generationen erforscht wird. Genau das tun wir.
Fehler im System
Dass der Archiv echt ist, wurde von Historikern zugleich bestätigt - die Protokolle der Sitzungen der Versammlungen der Veteranen und Photos von blonden Jungs in SS-Uniform sind ohne System gesammelt und genauso abgeheftet worden- Fälschungen würde man gewissenhafter anfertigen. Doch damit man die Unterlagen versteht, muss man das geschichtliche Konzept kennen, das in heutigem Estland für ein Dogma gehalten wird.
Also: Im Jahr 1940 wäre hier die erste Okkupation gewesen, die sowjetische, von der die Esten nur noch eine Erinnerung an Angst haben. Dann die deutsche, angenehm in jeder Beziehung - aus dieser Zeit erinnert man sich an die Konfekts, an die Erschiessungen will man sich irgendwarum nicht erinnern. Dann die zweite sowjetische Okkupation, die bis zum Jahr 1991 andauerte. Daraus folgt die Logik, die estnischen Veteranen der Wehrmacht als Helden darstellt - sie kämpften gegen Bolschewismus und für die Unabhängigkeit ihrer Heimat, nur in deutschen Uniformen. In allen offiziellen Dokumenten werden sie "Freiheitskämpfer" genannt.
Ein paar Details passen nicht in dieses Konzept, zum Beispiel, dass die Esten freiwillig zur SS gegangen sind, massenweise, zum Ende des Krieges 1944. Sie wussten wahrscheinlich über die jüdischen Ghettos und Gasöfen, sie sind trotzdem gegangen. Ihre erste Wahl könnte man einen Fehler nennen. Dass man 70 Jahre später diesen Fehler in Estland richtigstellen versucht, sagt, dass wir es hier mit einem System zu tun haben.
Blutgruppe auf der Schulter
Also, Archiv: Postkarten, mit Kinderschrift geschrieben ("Danke, dass ihr für die estnische Freiheit gekämpft habt"), ein Pack von Einladungen zu allen möglichen Versammlungen und Redenotizen, in denen folgendes steht: "Ich begrüße euch im Namen der Kameraden der 20. Division der SS! Uns verbindet der Kampf gegen den Bolschewismus während der Okkupation Estlands durch die Sowjetunion. Für unsere Division endete der Krieg in Tschechoslowakien, doch ein Großteil blieb in Estland, unter den Sowjets. Wir lebten weiter, doch nicht als verdiente Veteranen, doch als Faschisten, mit dem Blutgruppentattoo auf der Schulter. Die Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit im Jahr 1991 erlaubte es den Kämpfern in der deutschen Armee eigene Organisationen zu erschaffen, Treffen abzuhalten, Erinnerungen zu publizieren. Trotz den Bemühungen aus dem Ausland, uns als Kriegsverbrecher anzuerkennen, hält uns die estnische Regierung für Leute, die für die estnische Freiheit gegen die sowjetische Okkupation kämpften. Wir stellen uns die Aufgabe die Geschichte der Division auferstehen zu lassen, unsere Rechte und Ziele zu verteidigen, für die wir gekämpft haben. Denn ausser uns wird es keiner tun." Hier irrt sich der Autor dieser Zeilen, der damalige Vorsitzende der Vereinigung der Veteranen der 20. Division SS Karl Sirel: die estnischen Buchhandlungen sind auch ohne seine Hilfe vollgestopft mit ähnlichen Memoiren, denn das Thema SS wurde in Estland unerwartet zu einer der wichtigsten.
"Die Sache soll man bis zum EU-Eintritt lösen"
Sie haben wohl gedacht, dass die estnische Regierung sich dazu herablassend verhält, denkt, dass wäre ein Zeichen der Demenz? Durchaus nicht. Umgekehrt, alle drei letzten Premier-Minister trafen sich ganz offen mit den "Ehemaligen".
Den heutigen Verteidigungsminister Mart Laar, als er Vorsitzender der Regierung war, wollten die "Freiheitskämpfer" zwingen "eine Entschädigung für den Schaden von Russland, USA und Großbritannien für den Molotov-Ribbentrop und die Vereinbarung von Jalta zwischen Stalin - Roosevelt - Churchill zu verlangen". Laar war ehrlich: "Heute ist es unrealistisch Forderungen an USA oder Großbritannien zu stellen. Es gibt konkrete aussenpolitische Argumente, warum man es nicht tun sollte. Was die Entschädigung seitens Russland angeht: da prüfen wir".
Der nächste Premier, Juhan Parts, war auch gut dabei (aus dem Stenogramm seines Treffens mit den "Kämpfern" 2003):
"Parts: Ich habe keine Zeit, deswegen beantworte ich die nächsten drei Fragen schnell. Ein Memorial für die Kämpfer gegen die sowjetischen Armeen? Heino Kerde (der Vorsitzende der Vereinigung der Veteranen der 20. Grenadier Division der SS): Die Letten haben uns überholt. Ein imposantes Memorial. 11 000 Namen der Gefallenen in Granit. Wir haben nichts ähnliches. Parts: Heute diskutiert man in Europaparlament und in der Duma die Estland und Lettland-Frage. Enn Sarv (einer der Aktivisten der Organisation): Früher oder später sollte man Druck auf Europa ausüben, dass in der Realität unser Kampf 1944 ein zweiter Befreiungskrieg war, den wir verloren haben. Mit Faschismus gibt es nichts Gemeinsames… In der letzten Zeit hat man das Gefühl, dass wir diese Frage lösen können. Die Regierung, die das erreicht, wird die Dankbarkeit des gesamten estnischen Volkes verdienen. Parts: Die Sache sollte man bis zum Eintritt in EU lösen. Die Frage ist, wie man die nötige Anzahl der Stimmen im Parlament bekommt".
Zum Glück für die EU, wurde diese Frage nicht gelöst.
Und der heutige Premier Andrus Ansip, der Urheber des skandalösen Umzugs des Bronzenen Soldats, schrieb sogar den "Kämpfern" einen Brief (es war auch im Archiv): Ich möchte mich mit Euch treffen, um die Perspektiven für eine weitere Zusammenarbeit zu besprechen". Er macht aus seinen Treffen mit den "Ehemaligen" überhaupt kein Geheimnis. Diesen Winter hat er sich derart entspannt, dass er der Allgemeinheit mitteilte: "Ich bin euch dankbar, was ihr für das estnische Volk getan habt". Ich werde niemals müde zu erwähnen, dass zu Sowjetzeiten dieser Genosse in der Kommunistischen Partei gearbeitet hat.
Die Idee mit dem Umzug des Bronzenen Soldaten wurde wohl Ansip auch von den Ex-SS-Leuten eingeflüstert. Ihre erste Rede zu diesem Thema war schon 1996. Und ein Päckchen mit Fotos, die in verschiedenen Jahren am 9. Mai bei dem Denkmal von einem nicht gleichgültigen Photografen gemacht wurden, zeigt, dass die Situation um das Denkmal von den "Kämpfern" schon lange vor dem April 2007 beobachtet wurde.
Bonus fürs Leiden
Man muss sagen, dass nicht ohne die Hilfe der Regierung die "Ehemaligen" recht komfortables Leben führen. So hat das estnische Parlament 2005 ein Gesetz verabschiedet, laut dem ALLE Veteranen, die auf Seite der Deutschen gekämpft haben, als politisch repressierte anerkannt wurden! Sogar der einzige noch lebende estnischer Träger des Eisernen Ritterkreuzes Harald Nugiseks. Die Logik ist folgende: Warst du nach dem Krieg in Sibirien? Also hast du unter der Sowjetmacht gelitten, also bist du komplett rehabilitiert… Auf diese Weise haben sich die Listen der Repressierten, die Estland Anfang der 90-er der Welt präsentierte, um vom Genozid zu berichten, um 50 000 Leute vergrößert - durch die, die in der deutschen Armee dienten und laut dem Nürnberger Tribunal verurteilt wurden. Zählen wir mal nach: 1941 wurden ca. 10000 Esten deportiert, 1949 25 000. Doch in den Listen der Repressierten, die in Okkupationsmuseum hängen, sind es 87 000! Wie es aussieht zahlt man in Europa für die "Opfer des Kommunismus" proportional ihrer Anzahl…
Laut den Archivberichten haben die "Freiheitskämpfer" ihre Freude nicht versteckt: "In Parlament ist das Gesetz über die Repressierten durch das Okkupationsregime verabschiedet worden. Ganz besonders angenehm ist es, dass in diesem Gesetz Esten berücksichtigt werden, die in 20. Division SS mobilisiert wurden oder diejenigen, die freiwillig dorthin gegangen sind".
Diese "Annehmlichkeit" hatte, ausser dem moralischen, auch einen materiellen Gewinn. Laut dem Gesetz bekommen ALLE Repressierten eine erhöhte Rente. Aus dem Bericht über die Tätigkeit der Tallinner Vereinigung der Freiheitskämpfer 2003: "Wir haben direkte Kontakte mit dem Ministerium für Soziales aufgebaut. Das Ergebnis war eine 10% Erhöhung der Rente. Die Krankenkassen und Sozialhilfebehörde gaben den Kämpfern erste Sanatoriumaufenthalte im Gesundheitszentrum "Seli". Der Zusatz zu den Renten (10%), die vom Verteidigungsministerium und Ministerium für Soziales gemacht wurden, sollte man bis 60% erhöhen, oder eine jährliche Prämie ausgeben." Das heisst die "Kämpfer" bekommen Boni von drei Seiten: vom Staat, weil sie durch stalinistisches Regime repressiert wurden, von den Ländern in deren Uniform sie kämpften (Deutschland und Finnland) und Zusatzleistungen von speziellen Fonds, dafür, dass sie auf der "richtigen" Seite gekämpft haben. Das ist für das Leiden. Heldentaten werden getrennt bewertet: im Archiv ist ein ganzes Pack der Fragebögen der Anwärter auf Staatsorden. Ich ziehe per Zufall ein Blatt heraus: Eldor Jaanisoo. In der Spalte "Verdienste" steht schwarz auf weiss: "Dienst in der 20. Division SS".
Ich war nicht faul und ging auf die Seite des Präsidenten (www.president.ee). So ist es, 2002 hat dieser Veteran einen Orden aus den Händen des Präsidenten der Estnischen Republik bekommen - ein Adlerkreuz der 5. Stufe!
Staatsbudget als Staatsgarantie
Den "Kämpfern" direkt zu helfen hatte der Staat zuerst etwas Angst. Deswegen wurde folgende Pyramide erbaut: Das Geld aus dem Staatshaushalt wurde auf die Konten von drei Fonds überwiesen - Hilfsfonds für die Repressierten, Hilfe für die "Kämpfer" und Fonds "Der Verehrung der Kämpfer für die Freiheit Estlands". Die Geldeingänge (aus den Ministerien der Verteidigung und der Justiz) waren ungleichmäßig, mal wurden 5 Mio. Kronen (320 000 Euro) überwiesen, mal 10 mal weniger. Die gesamtrepublikanische "Union der Kämpfer für die Freiheit Estlands" verteilte das Geld ehrlich unter den anderen Organisationen. Noch eine Struktur - die Vereinigung der Veteranen der 20. Division SS - war ein Sonderfall. Einsehend, dass die Abkürzung SS überall auf der Welt, ausser in Estland einen schlechten Ruf hat, unterstreichte die Regierung, dass sie keinesfalls mit der Organisation der SS-Versammlungen in Sinimäe verbunden ist. Doch die Kontoauszüge, die unser SS-Opa gesammelt hat, sprechen eine andere Sprache: das Verteidigungsministerium Estlands überwies regelmäßig Geld genau auf das Konto der Vereinigung der 20. Division der SS!
Es sieht so aus, dass die Steuerzahler, ein Drittel derer aus den Leuten besteht, die eine komplett entgegengesetzte Sicht auf die Geschichte des Zweiten Weltkrieges haben - Russen, Weissrussen, Ukrainer - all die Jahre Versammlungen derer bezahlt haben, die sie besiegten.
Druzhba - Freundschaft
Das ist doch ein internationaler Skandal, sagen Sie, man sollte schleunigst darüber in Europa berichten!
Keine Sorge. Europa ist schon hier. Sie ist immer mit uns. Hier ist die Liste der deutschen Staatsbürger, die "Union der Kämpfer für die Freiheit" mit Ehrenabzeichen ehrte: persönliche Sponsoren Günter von Maidel und Heinz Peterson, aber auch ein gewisser Georg Diers, ein Vertreter der Vereinigung der Veteranen des Steiner Korps aus Deutschland, BEVOLLMÄCHTIGTER Estlands… Wie soll man das verstehen?
"Korps Steiner" zu dem die 20. Grenadier Division SS gehörte, führte die Blockade von Leningrad durch und wurde dann bei Narva zerschlagen. Doch sein Kommandeur, der Obergruppenführer Felix Steiner überlebte das Ende des Krieges, war in Gefangenschaft und hinterliess sogar Memoiren, dass die "grünen" (Waffen) Teile der SS - das sind sehr gute und friedliche SS, im Gegensatz zu den "schwarzen".
Wie es aussieht sind Ideen von Steiner nach wie vor lebendig, 66 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: ein ganzer Stapel von Zeitschriften, die in Deutschland herausgegeben wurden, wurden in der Wohnung des Bewahrers der SS-Geheimnisse aufbewahrt, sie beleuchten den Kampf der Veteranen um ihre Vergangenheit.
In den Briefen, die auf den Briefbögen der "Kriegskameradschaft ehemaliger europäischen Freiwilligen" gedruckt wurden, die der "estnische Bevollmächtigte" Georg Diers seinen estnischen "Kameraden" schickte, steht geschrieben, dass "diese Legionäre tapfer in der dritten europäischen Panzerdivision von General Steiner gekämpft haben und grosse Verluste davontrugen. Jetzt kann die Erinnerung an sie auf einem historischen Platz verewigt werden, die an unsere Kampfgenossen erinnert wird, die im Namen der Gerechtigkeit gefallen sind" (Die Rede ist über den Bau des Memorials, für das der Korps Steiners ein Drittel des Geldes überwiesen hat)
Einige Briefe zeigen den internationalen Charakter der ex-SS Organisationen: es stellt sich heraus, dass es ein Weltzentrum der Freiheitskämpfer gibt, das die aus Estland geflüchteten SS-Leute vereinigt, es wurde 1960 in New York registriert und vereinigte 17 verschiedene Vereinigungen: 2 in Australien, 9 in USA, 4 in Kanada, je eins in Schweden und Großbritannien. Die Programme dieser Organisationen durchzulesen ist nichts für die Leute mit schwachen Nerven. "Wir fordern, dass die Vertreter der slawischen Völker, die von Okkupanten nach Estland eingeführt wurden, rausgeschmissen werden" - schreiben in Übereinstimmung mit der Rassentheorie die Grossväter, die in einer besseren Welt lebten und sich auf dem Übergang in die ewigen Jagdgründe befanden.
Übersetzungsschwierigkeiten
In Australien leben Känguru, in Südafrika Pinguine, in Estland lebende SS-Leute. Die Population verkleinert sich natürlich, doch ist sie sehr kämpferisch. Unter der Mehrheit der Papiere aus diesem Archiv steht die Unterschrift von Heino Kerde, dem jetzigen Vorsitzenden der Vereinigung der Veteranen des 20. Grenadier Division der SS. Durch Zufall kennen wir uns - haben uns mehrmals während SS-Versammlungen getroffen. Ich fahre zu ihm auf die Insel Hiiumaa, mich auf einen Kampf vorbereitend, doch der Himmel selbst schickt mir auf meinem Weg freundliche Esten, solche, die wir immer geliebt haben - ruhig, arbeitsliebend, ausgeglichen. Alle, ohne Ausnahme, demonstrieren maximale Freundschaft zu Russland und Russen, so dass im Gehirn ein unlösbares Paradox entsteht: wie passt in ihren Köpfen die Sympathie zu uns und zum Dritten Reich? Und wie passt es in unsere Köpfe: absolute Liebe zu Estland als zu einem Land und hundertprozentiger Liebesentzug an den Staat, der die Geschichte bezahlt, die komplett verdreht ist? Im Zentrum der Hauptstadt der Insel , in der Stadt Kärdla, wächst wie ein Steinpilz der sowjetische steinerne Soldat "Kivi Jüri". Die Geschichte, warum man ihn nicht zusammen mit dem Tallinner Bronzenen Soldaten wegschaffte ist fast so irreal, wie das Leben von Heino Kerde, der als Freiwilliger in die 20. Division der SS ging, als er 16 Jahre alt war. Die Sache ist so, dass der SS-Mann Kerde den steinernen Soldaten Jüri gerettet hat. Als Inspektor der Gesellschaft für den Erhalt der Denkmäler machte er ein Vermerk, dass das Monument einen künstlerischen Wert darstellt. Hat sich der Meinung der Inselbewohner unterworfen, normale Leute hatten kein Problem mit dem steinernen Soldaten.
- Das heisst Sie hatten keine Gründe für persönliche Rache an den Russen?
- Für die Rache, nein. Doch dem Vater, einem ehemaligen Offizier der estnischen Armee, gab man keine Arbeit, ich denke das ist schon Repression. Er kam in die Rote Armee und kämpfte in Schützenkorps. Und bekam sogar den Roten-Stern-Orden.
- Das heisst ihr kämpftet gegeneinander?
- Woher sollte ich wissen, dass er dort war? Doch der Vater spielte keine Rolle, dass der Premier-Minister Jüri Uluots die Esten aufrief, die Heimat zu verteidigen, das war wichtig!
- Doch haben sie 1944 schon gewusst, wer Hitler ist. Wie konnten sie die Uniform der deutschen Armee anziehen?
- Die Deutschen haben menschlich besser gehandelt, als die Russen. Sie liessen uns die estnische Fahne, die Hymne und gaben das Wort, dass wenn wir bis zum Ende kämpfen würden, geben sie uns die Republik zurück. Die Russen haben das nicht getan.
- Ich wollte Sie schon immer fragen: Ihr wurden 1944 bei Sinimäe geschlagen, warum versammelt ihr euch ausgerechnet dort?
- Wir halten das nicht für eine Niederlage, weil wir die russischen Armeen aufhielten. Die Frontlinie stand drei Monate. Als die Roten Tallinn eingenommen haben, gingen fünf tausend nach Deutschland, zehn tausend blieben hier. Sie waren Optimisten, ich war unter ihnen. Ich wurde zum "Waldbruder". Dann haben die Freunde die Möglichkeit gefunden, Dokumente zu kaufen.
- Das heisst Sie haben keine Bestrafung durch die Sowjetmacht erfahren, weil Sie auf Seite des Feindes gekämpft haben?
- Ich war 17 Jahre alt - sie suchten nicht unter Jungen. Das Tattoo auf der Hand, wie bei allen in SS, wurde wegoperiert. Ich beendete das Polytechnikum, wurde zum Ingenieur, Leiter der staatlichen Baubehörde.
- Die Veteranen aus Deutschland helfen Ihnen?
- Früher haben sie viel geholfen. Jetzt fast gar nicht, weil es sie fast gar nicht mehr gibt. In den ersten Jahren haben wir vom Staat keine Mittel bekommen. Nur die deutschen Kameraden, mit denen wir gekämpft haben, haben was gegeben - mit diesem Geld fing die Organisation an.
- Beim letztjährigen Treffen der 20. Division der SS in Sinimäe gab es kein Militärorchester und keine Vertreter des Verteidigungsministeriums. Distanziert sich der Staat von Euch?
- Ach was. Ansip ist unser Mann! Dass er in der kommunistischen Partei war, merkt man fast gar nicht.
- Ist es unbedingt nötig, dass Eure Sache von der Jugend unterstützt wird?
- Natürlich. Als wir die Fahne der Veteranen der 20. Division der SS erhielten, dann sagte ich: Der letzte von uns übergibt sie ins Museum. Jetzt sage ich: Die Fahne muss man an Jugend übergeben!
Faschismus im Stil casual
Wahrscheinlich konnte ein 16-jähriger Junge kaum Hitler helfen, auch wenn er ihm vom ganzen Herzen Treue geschworen hat - wie es nur ein Kind kann. Opfer des Krieges - doch kein Held! Vor dem Hintergrund seiner 83 1/2 Jahre, war das halbe Jahr Dienst in der SS, nur eine Episode, doch die Impfung wirkt irgendwarum das ganze Leben. Wenn zu ihnen, wie er, es Vorwürfe geben kann, dann nicht für die Vergangenheit. Doch für die Gegenwart. In den letzten 20 Jahren wurde mit Hilfe von Heino Kerde und seinen Kameraden der Faschismus etwas allgegenwärtiges. Etwas zärtliches, leichtes, mit Humor: mal hängt man in Tartu eine Swastika vom Balkon mit der Unterschrift "Kunstwerk", mal bauen die Mitarbeiter des Tallinner Stadtmuseums einen Stand, der einem berühmten Landsmann, dem Begründer der Rassentheorie, Alfred Rosenberg gewidmet ist… Schon seit zwei Jahren steht im Zentrum der Hauptstadt das hässliche gläserne Kreuz der Freiheit, es ist mit demselben Symbol verziert, den die Soldaten der 20. Grenadier Division der SS auf dem Ärmel trugen: Sie durften nicht an den Hemdkragen die klassischen SS-Runen anhängen, da sie nicht genügend "arisch" waren. Im Archiv, der in Händen der "Komsomolskaja Pravda" ist, gibt es eine Postkarte, aus der folgt, dass der Freiheitskreuz, der den estnischen Haushalt mit 8,5 Mio. Euro belastet hat, tatsächlich fast eine genaue Kopie eines anderen Kreuzes ist, unter dem man hohe Offiziere Hitlers beerdigte… Es gibt keinen Zweifel, dass die estnische Gesellschaft auch das schlucken wird.
Doch warum rufen alle diese SS-Versammlungen, Bücher, Filme und Medaillen keine Reaktion bei niemandem hervor, ausser in Russland und in Israel?
Es gibt hier zwei Gründe: zuerst haben die US- und europäischen Diplomaten, die in der Spalte "Demokratie" bei Estland ein Häkchen gesetzt haben, keine Lust das Tagebuch zurückzublättern, sie sind schon längs irgendwohin nach Libyen geflogen, um dort Revolutionen zu machen und die Akte ist schon im Archiv. Zweitens gibt es auf der Welt kaum Spezialisten für so eine seltene Sprache wie Estnisch, deshalb kann niemand lesen, welche Erinnerung über den Krieg in Estland Mainstream wurde.
Die einzigen, die in der Lage sind das alles zu verstehen und zu übersetzen, das sind die lokalen Russen. Deswegen gibt es auch den Konflikt, er ist nicht ethnisch, doch es geht um die Weltanschauung. Und man sollte meinen er bleibt ewig, bis ein Vermittler aus der EU, z.B. Deutschland, erzählt nicht den Esten, vor was sie Stalin gerettet hat.
Estland ist von der Schande davongekommen, ein Land zu sein, das Hitler unterstützte und im Zweiten Weltkrieg verlor (als Folge gäbe es Entnazifizierung und Entschädigungszahlungen), doch der Preis war der Verlust der eigenen Selbstständigkeit. Doch wenn man betont, dass die damalige Wahl bewusst getroffen wurde, dann sollte man zu diesen Fragen zurückkehren.
Die Autorin dankt der internationalen Menschenrechtsorganisation "Welt ohne Nazismus"
Dienstag, Juli 12, 2011
Ruhe in Frieden Klaus Dornemann
am 06.07 ist in Estland mein guter Freund Klaus Dornemann gestorben. Klaus war einer der interessantesten Leute, die ich jemals kennengelernt habe, er war sicherlich unbequem, streitlustig, hielt sich mit seiner Meinung nie hinterm Berg, aber genau durch diese Charakterzüge hat er viel in seinem Leben erreicht und viele Freunde und einige Feinde gewonnen.
Klaus-Georg Dornemann ist 1942 in Breslau geboren, die Familie flüchtete 1945 nach Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Der Vater war Militärpilot im 2. Weltkrieg, dass war wohl in DDR nicht gern gesehen, deswegen flüchtete die Familie ein zweites Mal 1953 nach Westen. 1956 kam der Vater zu der neugegründeten Bundeswehr und die Familie zog nach Borken/Westfalen. Nach den Schule trat Klaus als "vorzeitig Dienender" in die Bundeswehr ein, besuchte die Heeresoffizierschule II in Hamburg und erreichte den Dienstgrad Hauptmann. Er lernte und studierte Flugzeugbau, ging aber zurück zur Bundeswehr, wo er bei der Bundeswehrverwaltung gearbeitet hat. Am 30. Juli 1966 heiratet er Lydia und hat mir ihr zwei Söhne Christoph und Lukas.
Neben seinem Beruf organisierte Klaus 35 Jahre lang Ferienlager an der holländischen Insel Ameland und fünf internationale Jugendbegegnungen zur Völkerverständigung in ganz Europa. Er wurde vom Dienst freigestellt und leistete beim Roten Kreuz Hilfseinsätze in Uganda, Sudan, Libanon, Eritrea, Armenien, beim Malteser Hilfsdienst war er im Rahmen "Hilfe für Sowjetunion" beim Einsatz in der Ukraine, für die Johanniter war er in Sarajewo, Tuzla, Kosovo und Kroatien.
1992 arbeitete er beim Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit im Referat "Psychiatrische Versorgung", baute die psychiatrische Versorgung im Land auf. Daneben sammelte er Mittel für Projekte im Ausland, wie das Krankenhaus im Ruanda, oder das "offene Haus für Behinderte" in Kroatien, das das erste seiner Art war.
2002 wurde Klaus nach Estland versetzt, um mit dortigen Behörden und Wirtschaftsunternehmen öffentliche, wie wirtschaftliche Projekte zu versuchen. Unter anderem organisierte er dort kirchliche Freizeiten für Jugendliche und hatte ein Lehramt an der Tallinner Universität.
Ich hörte zum ersten Mal von Klaus 2007 nach den Bronzenen Nächten. Er war einer, der Opfer der estnischen Polizeikräfte, die in Terminal D beim Tallinner Fährhafen eingesperrt und misshandelt wurden. Am nächsten Tag veröffentlichte die finnische Zeitung Italehti Bilder von Klaus und seinem Sohn Lukas, die zu einem Symbol für die Willkür der estnischen Polizei wurden. Ich habe die Verwandte von Klaus in Deutschland ausfindig gemacht und schrieb ihm eine Mail. Er schickte mir seinen Artikel "Polizeigewahrsam", der auch veröffentlicht wurde und dem deutschsprachigen Europa zeigte, was in Estland wirklich geschehen war. Seit diesen Nächten engagierte sich Klaus für die russisch-sprachige Minderheit in Estland, aber auch für die Meinungsfreiheit und Demokratie in Estland. Er schrieb Briefe an alle wichtigen Amtsträger in Estland und im Ausland, gab unzählige Interviews. Ausserdem wurde er Mitglied von Notchnoj Dozor, der Organization, die den Bronzenen Soldaten beschützte. Er nahm an vielen Akten des Protestes teil und berichtete darüber.
Doch es gab nur wenige politische Amtsträger, die überhaupt reagierten. Eine davon war der damalige Mitglied des Europaparlaments Sahra Wagenknecht, die nach Estland kam, um sich den Verlauf des Gerichtsprozesses gegen die sogenannten Bronzenen Vier, Dimitrij Linter, Dmitrlk Klenskij, Maksim Reva und Mark Syrik sich anzuschauen. Klaus war bei jeder Verhandlung dabei und schickte mir seine Berichte, die ich dann veröffentlichte. Bei anderen Amtsträgern, besonders bei den estnischen, stiessen seine Anklagen auf taube Ohren. Die Untersuchungen der Gewaltexzesse der Polizei während der Bronzenen Nächte wurden eingestellt, da "nicht festgestellt werden konnte, wer denn auf die wehrlosen Gefangenen des Terminals D einprügelte". Doch ganz wurde Klaus und Notchnoj Dozor von den estnischen Behörden nicht vergessen. Die KAPO hatte immer ein Auge auf die Aktivitäten von Notchnoj Dozor, was Klaus einmal zur Bemerkung veranlasste: "Er fürchte weder Tod noch Teufel, aber von der estnischen Polizei und der estnischen Justiz habe ich Angst."
Politisch gesehen war Klaus nie ein Kommunist, was ihm manche vorgeworfen haben. Im Gegenteil, er sagte öfters, dass es die schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte Hitler, Stalin und Mao gewesen sind, in aufsteigender Reihenfolge. Sein Kampf war immer für das europäische Verständnis von Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte. Obwohl er oft genug Esten das fehlende Verständnis für diese Grundwerte vorwarf, ging er auch oft mit der russischen Minderheit hart ins Gericht und sagte ihnen offen, was sie seiner Meinung nach falsch machen. Mit seiner offenen und geradelinigen Art schuff er sich nicht nur Freunde, viele kamen mit dieser Art nicht klar. Doch wer sein Vertrauen gewonnen hat, konnte immer auf ihn zählen.
2009 habe ich Klaus persönlich kennengelernt. Wir haben uns an der Stelle verstanden und seitdem immer wenn ich nach Estland kam, war ich bei ihm eingeladen. Klaus hatte immer Projekte, Ideen, er war voller Tatendrang. Sein Traum war es in Estland ein Business aufzubauen, der hunderte Arbeitsplätze sichern würde, doch stiess er immer wieder auf Ignoranz und Unverständnis seitens Behörden und Investoren. So erklärte der Bürgermeister von Paldiski "seine Stadt bräuchte keine Arbeitsplätze". Ausserdem arbeitete er an zwei Büchern zur estnischen Sprache und Geschichte.
Das letzte Mal besuchte ich Klaus im Krankenhaus im März diesen Jahres. Er klagte, dass es ihm nicht so gut gehe, er bekam einen Bypass in seinem Bein, doch spüre er immer noch Schmerzen. Doch es war sein letzter Tag im Krankenhaus und er freute sich schon darauf, wieder zu seinen Projekten zurückkehren zu können. Als ich ihm ein Osterei mit Süssigkeiten ins Krankenhaus brachte, beschwerte er sich, dass kein Schnaps dort enthalten ist. Das war sein herzlicher Humor.
Die Nachricht von seinem Tod kam doch sehr unerwartet. Über eine Nachrichtenseite erfuhr ich, dass seine Freunde von Notchnoj Dozor, besonders Sergej Tydiyakov ihm den letzten Geleit geben werden, Klaus wird auf einem Tallinner Friedhof beerdigt sein.
Ruhe in Frieden, Klaus,

Klaus und Notchnoj Dozor

Bei einer Protestaktion in Terminal D

Nach den Bronzenen Nächten

Klaus Dornemann 1942 - 2011
Artikel von und über Klaus in diesem Blog:
Was geschah im Terminal D des Tallinner Hafens
Polizeigewahrsam
Was folgt auf Terminal D
Der Prozess
Aus dem Gerichtssaal
Jahrestag der Bronzenen Nächte
Bericht von Herr Dornemann über 26. April
Bericht zu Demonstration am 27.04
Ein Protestschreiben und eine Antwort
Freispruch
Februarreport von Hr. Dornemann
Russen und ihre Glaubwürdigkeit nach den Kommunalwahlen
Klaus-Georg Dornemann ist 1942 in Breslau geboren, die Familie flüchtete 1945 nach Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Der Vater war Militärpilot im 2. Weltkrieg, dass war wohl in DDR nicht gern gesehen, deswegen flüchtete die Familie ein zweites Mal 1953 nach Westen. 1956 kam der Vater zu der neugegründeten Bundeswehr und die Familie zog nach Borken/Westfalen. Nach den Schule trat Klaus als "vorzeitig Dienender" in die Bundeswehr ein, besuchte die Heeresoffizierschule II in Hamburg und erreichte den Dienstgrad Hauptmann. Er lernte und studierte Flugzeugbau, ging aber zurück zur Bundeswehr, wo er bei der Bundeswehrverwaltung gearbeitet hat. Am 30. Juli 1966 heiratet er Lydia und hat mir ihr zwei Söhne Christoph und Lukas.
Neben seinem Beruf organisierte Klaus 35 Jahre lang Ferienlager an der holländischen Insel Ameland und fünf internationale Jugendbegegnungen zur Völkerverständigung in ganz Europa. Er wurde vom Dienst freigestellt und leistete beim Roten Kreuz Hilfseinsätze in Uganda, Sudan, Libanon, Eritrea, Armenien, beim Malteser Hilfsdienst war er im Rahmen "Hilfe für Sowjetunion" beim Einsatz in der Ukraine, für die Johanniter war er in Sarajewo, Tuzla, Kosovo und Kroatien.
1992 arbeitete er beim Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit im Referat "Psychiatrische Versorgung", baute die psychiatrische Versorgung im Land auf. Daneben sammelte er Mittel für Projekte im Ausland, wie das Krankenhaus im Ruanda, oder das "offene Haus für Behinderte" in Kroatien, das das erste seiner Art war.
2002 wurde Klaus nach Estland versetzt, um mit dortigen Behörden und Wirtschaftsunternehmen öffentliche, wie wirtschaftliche Projekte zu versuchen. Unter anderem organisierte er dort kirchliche Freizeiten für Jugendliche und hatte ein Lehramt an der Tallinner Universität.
Ich hörte zum ersten Mal von Klaus 2007 nach den Bronzenen Nächten. Er war einer, der Opfer der estnischen Polizeikräfte, die in Terminal D beim Tallinner Fährhafen eingesperrt und misshandelt wurden. Am nächsten Tag veröffentlichte die finnische Zeitung Italehti Bilder von Klaus und seinem Sohn Lukas, die zu einem Symbol für die Willkür der estnischen Polizei wurden. Ich habe die Verwandte von Klaus in Deutschland ausfindig gemacht und schrieb ihm eine Mail. Er schickte mir seinen Artikel "Polizeigewahrsam", der auch veröffentlicht wurde und dem deutschsprachigen Europa zeigte, was in Estland wirklich geschehen war. Seit diesen Nächten engagierte sich Klaus für die russisch-sprachige Minderheit in Estland, aber auch für die Meinungsfreiheit und Demokratie in Estland. Er schrieb Briefe an alle wichtigen Amtsträger in Estland und im Ausland, gab unzählige Interviews. Ausserdem wurde er Mitglied von Notchnoj Dozor, der Organization, die den Bronzenen Soldaten beschützte. Er nahm an vielen Akten des Protestes teil und berichtete darüber.
Doch es gab nur wenige politische Amtsträger, die überhaupt reagierten. Eine davon war der damalige Mitglied des Europaparlaments Sahra Wagenknecht, die nach Estland kam, um sich den Verlauf des Gerichtsprozesses gegen die sogenannten Bronzenen Vier, Dimitrij Linter, Dmitrlk Klenskij, Maksim Reva und Mark Syrik sich anzuschauen. Klaus war bei jeder Verhandlung dabei und schickte mir seine Berichte, die ich dann veröffentlichte. Bei anderen Amtsträgern, besonders bei den estnischen, stiessen seine Anklagen auf taube Ohren. Die Untersuchungen der Gewaltexzesse der Polizei während der Bronzenen Nächte wurden eingestellt, da "nicht festgestellt werden konnte, wer denn auf die wehrlosen Gefangenen des Terminals D einprügelte". Doch ganz wurde Klaus und Notchnoj Dozor von den estnischen Behörden nicht vergessen. Die KAPO hatte immer ein Auge auf die Aktivitäten von Notchnoj Dozor, was Klaus einmal zur Bemerkung veranlasste: "Er fürchte weder Tod noch Teufel, aber von der estnischen Polizei und der estnischen Justiz habe ich Angst."
Politisch gesehen war Klaus nie ein Kommunist, was ihm manche vorgeworfen haben. Im Gegenteil, er sagte öfters, dass es die schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte Hitler, Stalin und Mao gewesen sind, in aufsteigender Reihenfolge. Sein Kampf war immer für das europäische Verständnis von Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte. Obwohl er oft genug Esten das fehlende Verständnis für diese Grundwerte vorwarf, ging er auch oft mit der russischen Minderheit hart ins Gericht und sagte ihnen offen, was sie seiner Meinung nach falsch machen. Mit seiner offenen und geradelinigen Art schuff er sich nicht nur Freunde, viele kamen mit dieser Art nicht klar. Doch wer sein Vertrauen gewonnen hat, konnte immer auf ihn zählen.
2009 habe ich Klaus persönlich kennengelernt. Wir haben uns an der Stelle verstanden und seitdem immer wenn ich nach Estland kam, war ich bei ihm eingeladen. Klaus hatte immer Projekte, Ideen, er war voller Tatendrang. Sein Traum war es in Estland ein Business aufzubauen, der hunderte Arbeitsplätze sichern würde, doch stiess er immer wieder auf Ignoranz und Unverständnis seitens Behörden und Investoren. So erklärte der Bürgermeister von Paldiski "seine Stadt bräuchte keine Arbeitsplätze". Ausserdem arbeitete er an zwei Büchern zur estnischen Sprache und Geschichte.
Das letzte Mal besuchte ich Klaus im Krankenhaus im März diesen Jahres. Er klagte, dass es ihm nicht so gut gehe, er bekam einen Bypass in seinem Bein, doch spüre er immer noch Schmerzen. Doch es war sein letzter Tag im Krankenhaus und er freute sich schon darauf, wieder zu seinen Projekten zurückkehren zu können. Als ich ihm ein Osterei mit Süssigkeiten ins Krankenhaus brachte, beschwerte er sich, dass kein Schnaps dort enthalten ist. Das war sein herzlicher Humor.
Die Nachricht von seinem Tod kam doch sehr unerwartet. Über eine Nachrichtenseite erfuhr ich, dass seine Freunde von Notchnoj Dozor, besonders Sergej Tydiyakov ihm den letzten Geleit geben werden, Klaus wird auf einem Tallinner Friedhof beerdigt sein.
Ruhe in Frieden, Klaus,

Klaus und Notchnoj Dozor

Bei einer Protestaktion in Terminal D

Nach den Bronzenen Nächten

Klaus Dornemann 1942 - 2011
Artikel von und über Klaus in diesem Blog:
Was geschah im Terminal D des Tallinner Hafens
Polizeigewahrsam
Was folgt auf Terminal D
Der Prozess
Aus dem Gerichtssaal
Jahrestag der Bronzenen Nächte
Bericht von Herr Dornemann über 26. April
Bericht zu Demonstration am 27.04
Ein Protestschreiben und eine Antwort
Freispruch
Februarreport von Hr. Dornemann
Russen und ihre Glaubwürdigkeit nach den Kommunalwahlen
Freitag, Juli 08, 2011
Feier zum 70-jährigen Beginn der Nazi-Okkupation Viljandis
Heute feierte eine Organisation namens Eesti Sõjameeste Sakala Ühing den Beginn der nazistischen Besatzung der Stadt Viljandi vor 70 Jahren. Das ist keine Trauerfeier, sondern ein freudiges Ereignis in der Stadtgeschichte. Als Begründung wird von der Organisatorin Jaanika Kressa aufgeführt, dass die Deutschen Estland von dem Regime rettete, das mehr als 10 000 Leute nach Sibirien geschickt hat. Die Zeitung Sakala berichtet über das Ereignis. Der Stadtrat, der von der nicht ganz alltäglichen Koalition aus IRL, Reformpartei und Zentristen beherrscht wird, hatte offenbar nichts dagegen.
Der Leiter des Stadtmuseums von Viljandi Jaak Pihlak sagte der Zeitung, dass für die Esten nach dem Beginn der deutschen Okkupation die Situation sich normalisierte. im Vergleich zu der sowjetischen Besatzung waren die Jahre unter der deutschen Besatzung viel angenehmer.
Etwas anderes schreibt dieselbe Zeitung Sakala im Jahr 2006: "Bevor die Juden ihr Leben verlieren sollten, mussten sie ihre Würde verlieren. Am 31. Juli hat der Stadtrat von Viljandi beschlossen, dass die Juden den Davidstern auf der rechten Brust tragen müssen, 5 cm gross. Die Aufsicht wurde von der Polizei und Polizeihelfern durchgeführt. Den Juden wurde verboten öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, auf den Fussgängersteigen zu gehen, öffentliche Plätze aufzusuchen und vieles andere mehr. Sofort nachdem die Deutschen ankamen, wurden die Polizisten und Freiwilligenverband (Omakaitse?) versammelt, alle Juden wurden verhaftet. Sie wurden in die Gefängniskammer des Polizeigebäudes und ins Gefängnis gesteckt. Die Räume waren mit Leuten überfüllt.
Die Männer wurden bald erschossen. Einer Nacht wurde allen Frauen und Kindern, manche hatten Babies, befohlen in Gefängnishof rauszugehen, wo ein LKW auf sie wartete. Den Gefangenen wurde befohlen Kleidung und Schuhe auszuziehen und Schmuck abzugeben. Das schlimmste erwartend, fingen die Gefangenen an um Hilfe zu rufen. Von Erniedrigungen der Wächter begleitet, hat sich der Todeszug auf den letzten Weg begeben. Das gemeinsame Grab war schon bereit.
Die Henker hatten genügend Mitgefühl, so dass die Mütter und Erwachsenen als erste getötet wurde, weil das Herz der Mutter nicht die Tötung des Kindes aushalten würde. Danach tötete man die Kinder. Da die Babies nicht stehen konnten, warf sie ein Henker in die Luft, der andere schon auf ihn.
Die jüdische Gemeinde Estlands hat scharfen Protest gegen die Feiererlichkeit ausgesprochen. Es ist ausgesprochen zynisch zu beurteilen, welcher Okkupationregime "besser" gewesen sei. Ausserdem wurde das Naziregime als verbrechering von einem internationalen Tribunal eingestuft.
Der Leiter des Stadtmuseums von Viljandi Jaak Pihlak sagte der Zeitung, dass für die Esten nach dem Beginn der deutschen Okkupation die Situation sich normalisierte. im Vergleich zu der sowjetischen Besatzung waren die Jahre unter der deutschen Besatzung viel angenehmer.
Etwas anderes schreibt dieselbe Zeitung Sakala im Jahr 2006: "Bevor die Juden ihr Leben verlieren sollten, mussten sie ihre Würde verlieren. Am 31. Juli hat der Stadtrat von Viljandi beschlossen, dass die Juden den Davidstern auf der rechten Brust tragen müssen, 5 cm gross. Die Aufsicht wurde von der Polizei und Polizeihelfern durchgeführt. Den Juden wurde verboten öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, auf den Fussgängersteigen zu gehen, öffentliche Plätze aufzusuchen und vieles andere mehr. Sofort nachdem die Deutschen ankamen, wurden die Polizisten und Freiwilligenverband (Omakaitse?) versammelt, alle Juden wurden verhaftet. Sie wurden in die Gefängniskammer des Polizeigebäudes und ins Gefängnis gesteckt. Die Räume waren mit Leuten überfüllt.
Die Männer wurden bald erschossen. Einer Nacht wurde allen Frauen und Kindern, manche hatten Babies, befohlen in Gefängnishof rauszugehen, wo ein LKW auf sie wartete. Den Gefangenen wurde befohlen Kleidung und Schuhe auszuziehen und Schmuck abzugeben. Das schlimmste erwartend, fingen die Gefangenen an um Hilfe zu rufen. Von Erniedrigungen der Wächter begleitet, hat sich der Todeszug auf den letzten Weg begeben. Das gemeinsame Grab war schon bereit.
Die Henker hatten genügend Mitgefühl, so dass die Mütter und Erwachsenen als erste getötet wurde, weil das Herz der Mutter nicht die Tötung des Kindes aushalten würde. Danach tötete man die Kinder. Da die Babies nicht stehen konnten, warf sie ein Henker in die Luft, der andere schon auf ihn.
Die jüdische Gemeinde Estlands hat scharfen Protest gegen die Feiererlichkeit ausgesprochen. Es ist ausgesprochen zynisch zu beurteilen, welcher Okkupationregime "besser" gewesen sei. Ausserdem wurde das Naziregime als verbrechering von einem internationalen Tribunal eingestuft.
Donnerstag, Juli 07, 2011
Über das Sängerfest in heutiger Form
Als eine Veranstaltung im Rahmen von Tallinn als europäische Kulturhauptstadt 2011 wurde das XI Sängerfest der Jugend ausgerichtet. Begeisterten Berichten von deutschen Bloggern (1, 2, 3) nach kamen zehntausende SängerInnen und ZuschauerInnen zusammen, um zusammen zu singen und zu feiern. Von ergreifenen Momenten wurde berichtet, einer Kommentatorin stiegen sogar die Tränen in die Augen vor Rührung, als das Lied Mis Maa See On? (Was für Land ist das?) von Chören und Zuschauern angestimmt wurde. Also Friede, Freude, Eierkuchen?
Einer Umfrage der russisch-sprachigen Seite des Nachrichtenportals Delfi zufolge interessierte sich eine verschwindend geringe Minderheit (42 von 324 Stimmen) der russisch-sprachigen Einwohnern Estlands für das Sängerfest, wobei es quasi vor den Türen der Russen-Hochburg Lasnamäe stattfand. Die am häufigsten angeklickte Begründung war: "Das ist ein Fest für die Esten - Russen sind da fehl am Platz". Eigentlich komisch, denn Russen haben nichts gegen volkstümliche Chorlieder und es gibt durchaus russische Chöre in Estland. Nur gilt schon seit Jahren die Regel, dass nur estnisch-sprachige Lieder gesungen werden dürfen, wenn russischer Chor auftreten möchte, bitte schön, aber nur auf Estnisch, selbst Finnisch oder Englisch sind nicht erlaubt. Es ist ein nationales Fest, gegründet, um die estnische Identität zu wahren, also sind alle anderen Kultureinflüsse unerwünscht. Es gab Zeiten, da war es noch anders, die heutige Muschel des Sängerfestes wurde 1957-1960 erbaut und der grosse Dirigent Gustav Ernesaks dirigierte "Mu isamaa on minu arm" für alle und alle sangen mit, Russen und Esten.
Das Sängerfest fand in Estland zum ersten Mal 1869 statt und trug zur nationalen Selbstbestimmung bei. Bei den ersten Festen waren die meisten Lieder finnisch oder deutsch, erst im 20. Jahrhundert waren genügend Lieder auf estnisch geschrieben, so dass die häufigste Sprache, in der die Lieder vorgetragen wurden, Estnisch war. Schaut man was in dieser Zeit in Deutschland passierte, so fällt einem das Hambacher Fest 1832 ein, wo die Studentenburschenschaften als liberal und progressiv wirketen, weil sie vereintes Deutschland, Freiheit und Demokratie forderten. Heute, da alle ihre Forderungen erfüllt wurden, gelten Studentenburschenschaften als progressiv, wenn sie Zivis als Mitglieder aufnehmen. Unter einem ähnlichen Winkel kann man auch das Sängerfest betrachten. War es im 19. Jahrhundert eine revolutionäre Forderung nach der estnischen Selbstbestimmung, eigener Kultur und Unabhängigkeit, so wirkt 20 Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit die Beschränkung auf rein Estnische sehr rückwärtsgewandt. Wenn Chören aus estnischen Enklaven in Kanada singen dürfen und aus Helsinki und Kiew nicht, dann frage ich mich, was diese Veranstaltung überhaupt unter der Ägide der europäischen Kulturhauptstadt zu suchen hat. Europäer sind da nicht mehr als Zaungäste. Ganz besonders gilt dieser Vorwurf für ein Fest der Jugend. Die Botschaft ist, bleibt unter sich, Austausch mit Chören aus anderen Ländern und Kulturkreisen ist nicht erwünscht, alle sich bitte dem Sprachdiktat unterordnen. Und zwar nicht nur auf dem Fest, sondern auch in der Schule, in der Werbung (offene Frage warum Estnonian Air immer noch so heisst), in Massenmedien, beim Arzt, bei den Behörden usw. Schliesslich steht im ersten Satz der estnischen Verfassung, dass der estnische Staat die Erhaltung der estnischen Nation, der Sprache und der Kultur für Jahrhunderte als oberstes Ziel hat. Für europäischen Gedanken des Kulturaustausches, der Vielfältigkeit der Sprachen und der Völker ist da kein Platz mehr.
Einer Umfrage der russisch-sprachigen Seite des Nachrichtenportals Delfi zufolge interessierte sich eine verschwindend geringe Minderheit (42 von 324 Stimmen) der russisch-sprachigen Einwohnern Estlands für das Sängerfest, wobei es quasi vor den Türen der Russen-Hochburg Lasnamäe stattfand. Die am häufigsten angeklickte Begründung war: "Das ist ein Fest für die Esten - Russen sind da fehl am Platz". Eigentlich komisch, denn Russen haben nichts gegen volkstümliche Chorlieder und es gibt durchaus russische Chöre in Estland. Nur gilt schon seit Jahren die Regel, dass nur estnisch-sprachige Lieder gesungen werden dürfen, wenn russischer Chor auftreten möchte, bitte schön, aber nur auf Estnisch, selbst Finnisch oder Englisch sind nicht erlaubt. Es ist ein nationales Fest, gegründet, um die estnische Identität zu wahren, also sind alle anderen Kultureinflüsse unerwünscht. Es gab Zeiten, da war es noch anders, die heutige Muschel des Sängerfestes wurde 1957-1960 erbaut und der grosse Dirigent Gustav Ernesaks dirigierte "Mu isamaa on minu arm" für alle und alle sangen mit, Russen und Esten.
Das Sängerfest fand in Estland zum ersten Mal 1869 statt und trug zur nationalen Selbstbestimmung bei. Bei den ersten Festen waren die meisten Lieder finnisch oder deutsch, erst im 20. Jahrhundert waren genügend Lieder auf estnisch geschrieben, so dass die häufigste Sprache, in der die Lieder vorgetragen wurden, Estnisch war. Schaut man was in dieser Zeit in Deutschland passierte, so fällt einem das Hambacher Fest 1832 ein, wo die Studentenburschenschaften als liberal und progressiv wirketen, weil sie vereintes Deutschland, Freiheit und Demokratie forderten. Heute, da alle ihre Forderungen erfüllt wurden, gelten Studentenburschenschaften als progressiv, wenn sie Zivis als Mitglieder aufnehmen. Unter einem ähnlichen Winkel kann man auch das Sängerfest betrachten. War es im 19. Jahrhundert eine revolutionäre Forderung nach der estnischen Selbstbestimmung, eigener Kultur und Unabhängigkeit, so wirkt 20 Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit die Beschränkung auf rein Estnische sehr rückwärtsgewandt. Wenn Chören aus estnischen Enklaven in Kanada singen dürfen und aus Helsinki und Kiew nicht, dann frage ich mich, was diese Veranstaltung überhaupt unter der Ägide der europäischen Kulturhauptstadt zu suchen hat. Europäer sind da nicht mehr als Zaungäste. Ganz besonders gilt dieser Vorwurf für ein Fest der Jugend. Die Botschaft ist, bleibt unter sich, Austausch mit Chören aus anderen Ländern und Kulturkreisen ist nicht erwünscht, alle sich bitte dem Sprachdiktat unterordnen. Und zwar nicht nur auf dem Fest, sondern auch in der Schule, in der Werbung (offene Frage warum Estnonian Air immer noch so heisst), in Massenmedien, beim Arzt, bei den Behörden usw. Schliesslich steht im ersten Satz der estnischen Verfassung, dass der estnische Staat die Erhaltung der estnischen Nation, der Sprache und der Kultur für Jahrhunderte als oberstes Ziel hat. Für europäischen Gedanken des Kulturaustausches, der Vielfältigkeit der Sprachen und der Völker ist da kein Platz mehr.
Montag, Juni 06, 2011
Estnisch, estnischer, am estnischsten
Mein Rechtschreibungsprogramm unterstreicht den Titel als fehlerhaft an, aber nichts anderes fällt mir ein, wenn ich den Artikel von baltija.eu lese.
Die estnische Regierung ignoriert die Bekämpfer der Folgen des Tschernobyl-Katastrophe, die keine Staatsbürger sind.
Die estnische Regierung hat am 2. Juni den Gesetzesentwurf der Zentristenpartei abgelehnt, laut dem bestimmte Erleichterungen und Unterstützung allen Veteranen der Beseitigung der Folgen der Katastrophe von Tschernobyl, die in Estland leben, gewährleistet wird, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.
Zur Zeit wirkt der 2003 angenommene Gesetz über die Repressierten zu denen auch die Teilnehmer der Beseitigung der Folgen der Tschernobylkatastrophe gezählt werden.
Laut diesem Gesetz können Unterstützung und Erleichterungen nur diejenigen estnischen Staatsbürger bekommen, die seit ihrer Geburt Staatsbürger sind. Diejenigen, die ihre Staatsbürgerschaft infolge der Integration bekommen haben, nachdem sie die Sprachprüfung und Prüfung zur Grundlagen der Verfassung abgelegt haben und Personen, die keine estnische Staatsbürgerschaft haben, werden nicht von Gesetz über Repressierten abgedeckt.
Die Initiatoren der Gesetzesinitiative möchten, dass Unterstützung allen ständig in Estland lebenden Personen gewährt wird, die in die Region der Tschernobyl-Katastrophe geschickt wurden. Insgesamt leben in Estland 3140 Teilnehmer der Beseitigung der Folgen der Tschernobylkatastrophe, 1300 von ihnen bekommen keine Hilfe und Unterstützung vom Staat.
Laut Zentristen widerspricht solche Ungleichbehandlung den Hauptprinzipien der Europäischen Union laut denen soziale Unterstützung und Kompensationszahlungen alle Landeinwohner bekommen sollen, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.
Die estnische Regierung ignoriert die Bekämpfer der Folgen des Tschernobyl-Katastrophe, die keine Staatsbürger sind.
Die estnische Regierung hat am 2. Juni den Gesetzesentwurf der Zentristenpartei abgelehnt, laut dem bestimmte Erleichterungen und Unterstützung allen Veteranen der Beseitigung der Folgen der Katastrophe von Tschernobyl, die in Estland leben, gewährleistet wird, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.
Zur Zeit wirkt der 2003 angenommene Gesetz über die Repressierten zu denen auch die Teilnehmer der Beseitigung der Folgen der Tschernobylkatastrophe gezählt werden.
Laut diesem Gesetz können Unterstützung und Erleichterungen nur diejenigen estnischen Staatsbürger bekommen, die seit ihrer Geburt Staatsbürger sind. Diejenigen, die ihre Staatsbürgerschaft infolge der Integration bekommen haben, nachdem sie die Sprachprüfung und Prüfung zur Grundlagen der Verfassung abgelegt haben und Personen, die keine estnische Staatsbürgerschaft haben, werden nicht von Gesetz über Repressierten abgedeckt.
Die Initiatoren der Gesetzesinitiative möchten, dass Unterstützung allen ständig in Estland lebenden Personen gewährt wird, die in die Region der Tschernobyl-Katastrophe geschickt wurden. Insgesamt leben in Estland 3140 Teilnehmer der Beseitigung der Folgen der Tschernobylkatastrophe, 1300 von ihnen bekommen keine Hilfe und Unterstützung vom Staat.
Laut Zentristen widerspricht solche Ungleichbehandlung den Hauptprinzipien der Europäischen Union laut denen soziale Unterstützung und Kompensationszahlungen alle Landeinwohner bekommen sollen, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.
Samstag, Mai 28, 2011
Ein bisschen Demographie
Artikel aus Djen za Dnjem: Immer mehr Leute verlassen Estland
Im Jahr 2010 emigrierten aus Estland 5924 Personen, es immigrierten 2810 Personen. Im Vergleich zu 2009 ist die Emigration gewachsen, die Immigration gesunken. Unter den Migranten (innerhalb des Landes, als auch ausserhalb) waren die meisten Leute im Alter zwischen 20-30.
Im Jahr 2010 immigrierten in das Land 2484 Personen weniger, als emigrierten. Im Vergleich zu 2009 verliessen Estland 636 Personen mehr, es kamen 1074 Personen weniger. Seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit war die Emigration höher als Immigration, berichtet das Statistikamt.
60% der Migranten in das Land waren Männer. Bei den Ausreisenden waren etwas mehr Frauen als Männer.
Unter den Ankommenden waren etwas mehr als die Hälfte estnische Staatsbürger, bei den Ausreisenden mehr als 90%.
Die meisten Immigranten waren aus Finnland, Russland, Ukraine und Großbritannien. Diese Länder waren auch die Hauptanziehungspunkte, wohin die Leute ausreisten. Dazu zählen kann man auch Deutschland, Irland und USA.
Die innere Migration, oder mit anderen Worten Wohnwechsel innerhalb Estlands, der über die Kreisbezirksgrenzen hinausgeht, blieb auf den Niveau von 2009. Ausserhalb der Gemeinde, der Stadt oder des Kreisbezirkes haben 37500 Personen ihren Wohnort gewechselt.
Tallinn war die vorderste Stadt in der Rangliste des positiven Migrationssaldos (in die Stadt kamen mehr, als weggingen, die Bevölkerung wuchs um 2353 Personen), danach folgen die Kreisbezirke Harku und Rae.
Das höchste negative Migrationssaldo (aus der Stadt zogen mehr Einwohner weg, als ankamen) hatten Tartu und Pärnu.
Die Richtung der inneren Migration sind nach wie vor die Vorstädte, von dort zieht man in die nächsten Kreisbezirke weg.
Die Hauptrichtung der Migration ist Tallinn, dessen Migrationssaldo schon mehrere Jahre hintereinander positiv ist, aufgrund der Leute, die aus dem ganzen Land kommen.
Unter den Migranten (innerhalb des Landes, als auch ausserhalb) waren am meisten Leute im Alter zwischen 20-30.
-----------------------------
Laut The World Factbook wenn man den Vergleich zu anderen Ländern zieht, belegt Estland mit -3,31 Migranten / 1000 Menschen den 179 Platz (in Europa hinter Armenien, Albanien, Gibraltar und Georgien), wenn man allerdings die Bevölkerungsabnahme sich anschaut, dann ist Estland mit -0.641% auf dem 6. Platz weltweit, in Europa ist nur Bulgarien weiter "vorne". Bei der Sterberate ist Estland mit 13,55 Toten / 1000 Menschen weltweit auf Platz 20, zwar hinter Russland, das auf dem 5. Platz sich befindet, aber dennoch recht weit vorne.
Dennoch wird die Diskussion um demographischen Folgen für das Land viel entspannter geführt als in Deutschland, dem -0.21% Bevölkerungsabnahme / Jahr dieses Jahr prognostiziert wird. Während in Deutschland der Abbau von Infrastruktur auf dem Land, Bevölkerungsschwund in den meisten Gemeinden und Städten und Überalterung der Bevölkerung ein Riesenthema ist, unternimmt Estland sehr wenig, um den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Zugegeben ist die Regelung des Kindergeldes sehr gut, die Mütter bekommen 1,5 Jahre ihr letztes Gehalt, falls sie in dieser Zeit ein weiteres Kind bekommen, wird die Weiterzahlung entsprechend verlängert. Doch wie in den meisten Ländern stellt sich auch hier heraus, dass die Höhe des Kindergeldes mit der Geburtsrate höchstens kurzfristig korreliert. Zuwanderung ist nur von gebürtigen Esten erwünscht, es gibt einen Fonds, der Auslandsesten ermutigt nach Estland zu kommen, doch sehr viel Erfolg kann ihm bisher nicht bescheinigt werden. Gastarbeiter werden nur widerwillig eingeladen, zu gross ist die Angst, dass sie auch bleiben und die Sprache nicht lernen. Estland belegte auch europaweit den letzten Platz, was die Anzahl der gewährten Asylanträgen angeht. Der neue Innenminister Vaher sagt auch offen, dass die meisten Asylbewerber nur dem besseren Leben nachjagen und aus wirtschaftlichen Gründen nach Estland kommen.
Was den Abbau von Infrastruktur angeht, so droht das Bildungsministerium offen, dass die Anzahl der Gymnasien mittelfristig auf ein Drittel, also von 210 auf 70 zusammengestrichen wird, momentan ist es keine Seltenheit, dass nur eine Klasse pro Jahrgangsstufe zusammenkommt, was viel zu wenig ist. Diese Drohung tauchte im Zusammenhang mit der Umstellung der russisch-sprachigen Gymnasien im neuen Schuljahr auf mehrheitlich estnische Sprache. Falls Gymnasien protestieren, können sie ganz einfach unter die Anzahl der zu schliessenden Gymnasien fallen. Die medizinische Versorgung auf dem Land ist eher schlecht, aber die Leute waren schon immer gewohnt bei größeren gesundheitlichen Problemen in die größere Stadt zu fahren. Was die Bankfilialen angeht, so gibt es Bankbusse, die Dörfer besuchen, anderenfalls müssen die Leute auch weiten Weg auf sich nehmen, um an das Geld zu kommen.
Einige Esten sagen auch offen, dass 1.2 Mio. Bevölkerung in Estland zu viel ist. Um den Platz richtig nutzen zu können, reichen auch 800.000. Zum Vergleich, in gleichgrossen Niederlanden leben knapp 17 Mio. Menschen. Interessanterweise ist es genau die Zahl der Esten in Estland, also falls alle anderen Nationalitäten emigrieren, ist die gewünschte Bevölkerungszahl erreicht.
Wie schon DZD-Artikel beschreibt, ziehen immer mehr Menschen nach Tallinn, besonders stark ist die Zuwanderung aus dem Osten, also russisch-sprachige Minderheit, die in Narva und Kohtla-Järve Arbeit verlor und in Hoffnung auf Arbeitsplätze in die Hauptstadt zieht. Tallinn ist zu 50% russisch-sprachig, das Verhältnis wird eher zu Ungunsten von Esten sich weiterentwickeln, weil viele Esten in die Vororte umziehen und damit aus der Statistik rausfallen, während die russisch-sprachige Bevölkerung in die (verhältnismäßig) billige Plattenbauten zieht. Savisaar mit den Zentristen wird noch lange Zeit Bürgermeister von Tallinn bleiben, Rückhalt ist ihm hier gesichert.
Dieses Jahr findet in Estland wie überall in Europa eine Volkszählung statt. Womöglich wird die Zahl der Ausgewanderten nach oben korrigiert werden müssen, denn viele melden sich gar nicht ab. Es bleibt abzuwarten, ob die anziehende Konjunktur die Leute eher zum Bleiben bewegt, oder die jetzt offenen Arbeitsmärkte in Westeuropa noch mehr Leute zum Ausreisen bewegen werden.
Im Jahr 2010 emigrierten aus Estland 5924 Personen, es immigrierten 2810 Personen. Im Vergleich zu 2009 ist die Emigration gewachsen, die Immigration gesunken. Unter den Migranten (innerhalb des Landes, als auch ausserhalb) waren die meisten Leute im Alter zwischen 20-30.
Im Jahr 2010 immigrierten in das Land 2484 Personen weniger, als emigrierten. Im Vergleich zu 2009 verliessen Estland 636 Personen mehr, es kamen 1074 Personen weniger. Seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit war die Emigration höher als Immigration, berichtet das Statistikamt.
60% der Migranten in das Land waren Männer. Bei den Ausreisenden waren etwas mehr Frauen als Männer.
Unter den Ankommenden waren etwas mehr als die Hälfte estnische Staatsbürger, bei den Ausreisenden mehr als 90%.
Die meisten Immigranten waren aus Finnland, Russland, Ukraine und Großbritannien. Diese Länder waren auch die Hauptanziehungspunkte, wohin die Leute ausreisten. Dazu zählen kann man auch Deutschland, Irland und USA.
Die innere Migration, oder mit anderen Worten Wohnwechsel innerhalb Estlands, der über die Kreisbezirksgrenzen hinausgeht, blieb auf den Niveau von 2009. Ausserhalb der Gemeinde, der Stadt oder des Kreisbezirkes haben 37500 Personen ihren Wohnort gewechselt.
Tallinn war die vorderste Stadt in der Rangliste des positiven Migrationssaldos (in die Stadt kamen mehr, als weggingen, die Bevölkerung wuchs um 2353 Personen), danach folgen die Kreisbezirke Harku und Rae.
Das höchste negative Migrationssaldo (aus der Stadt zogen mehr Einwohner weg, als ankamen) hatten Tartu und Pärnu.
Die Richtung der inneren Migration sind nach wie vor die Vorstädte, von dort zieht man in die nächsten Kreisbezirke weg.
Die Hauptrichtung der Migration ist Tallinn, dessen Migrationssaldo schon mehrere Jahre hintereinander positiv ist, aufgrund der Leute, die aus dem ganzen Land kommen.
Unter den Migranten (innerhalb des Landes, als auch ausserhalb) waren am meisten Leute im Alter zwischen 20-30.
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Laut The World Factbook wenn man den Vergleich zu anderen Ländern zieht, belegt Estland mit -3,31 Migranten / 1000 Menschen den 179 Platz (in Europa hinter Armenien, Albanien, Gibraltar und Georgien), wenn man allerdings die Bevölkerungsabnahme sich anschaut, dann ist Estland mit -0.641% auf dem 6. Platz weltweit, in Europa ist nur Bulgarien weiter "vorne". Bei der Sterberate ist Estland mit 13,55 Toten / 1000 Menschen weltweit auf Platz 20, zwar hinter Russland, das auf dem 5. Platz sich befindet, aber dennoch recht weit vorne.
Dennoch wird die Diskussion um demographischen Folgen für das Land viel entspannter geführt als in Deutschland, dem -0.21% Bevölkerungsabnahme / Jahr dieses Jahr prognostiziert wird. Während in Deutschland der Abbau von Infrastruktur auf dem Land, Bevölkerungsschwund in den meisten Gemeinden und Städten und Überalterung der Bevölkerung ein Riesenthema ist, unternimmt Estland sehr wenig, um den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Zugegeben ist die Regelung des Kindergeldes sehr gut, die Mütter bekommen 1,5 Jahre ihr letztes Gehalt, falls sie in dieser Zeit ein weiteres Kind bekommen, wird die Weiterzahlung entsprechend verlängert. Doch wie in den meisten Ländern stellt sich auch hier heraus, dass die Höhe des Kindergeldes mit der Geburtsrate höchstens kurzfristig korreliert. Zuwanderung ist nur von gebürtigen Esten erwünscht, es gibt einen Fonds, der Auslandsesten ermutigt nach Estland zu kommen, doch sehr viel Erfolg kann ihm bisher nicht bescheinigt werden. Gastarbeiter werden nur widerwillig eingeladen, zu gross ist die Angst, dass sie auch bleiben und die Sprache nicht lernen. Estland belegte auch europaweit den letzten Platz, was die Anzahl der gewährten Asylanträgen angeht. Der neue Innenminister Vaher sagt auch offen, dass die meisten Asylbewerber nur dem besseren Leben nachjagen und aus wirtschaftlichen Gründen nach Estland kommen.
Was den Abbau von Infrastruktur angeht, so droht das Bildungsministerium offen, dass die Anzahl der Gymnasien mittelfristig auf ein Drittel, also von 210 auf 70 zusammengestrichen wird, momentan ist es keine Seltenheit, dass nur eine Klasse pro Jahrgangsstufe zusammenkommt, was viel zu wenig ist. Diese Drohung tauchte im Zusammenhang mit der Umstellung der russisch-sprachigen Gymnasien im neuen Schuljahr auf mehrheitlich estnische Sprache. Falls Gymnasien protestieren, können sie ganz einfach unter die Anzahl der zu schliessenden Gymnasien fallen. Die medizinische Versorgung auf dem Land ist eher schlecht, aber die Leute waren schon immer gewohnt bei größeren gesundheitlichen Problemen in die größere Stadt zu fahren. Was die Bankfilialen angeht, so gibt es Bankbusse, die Dörfer besuchen, anderenfalls müssen die Leute auch weiten Weg auf sich nehmen, um an das Geld zu kommen.
Einige Esten sagen auch offen, dass 1.2 Mio. Bevölkerung in Estland zu viel ist. Um den Platz richtig nutzen zu können, reichen auch 800.000. Zum Vergleich, in gleichgrossen Niederlanden leben knapp 17 Mio. Menschen. Interessanterweise ist es genau die Zahl der Esten in Estland, also falls alle anderen Nationalitäten emigrieren, ist die gewünschte Bevölkerungszahl erreicht.
Wie schon DZD-Artikel beschreibt, ziehen immer mehr Menschen nach Tallinn, besonders stark ist die Zuwanderung aus dem Osten, also russisch-sprachige Minderheit, die in Narva und Kohtla-Järve Arbeit verlor und in Hoffnung auf Arbeitsplätze in die Hauptstadt zieht. Tallinn ist zu 50% russisch-sprachig, das Verhältnis wird eher zu Ungunsten von Esten sich weiterentwickeln, weil viele Esten in die Vororte umziehen und damit aus der Statistik rausfallen, während die russisch-sprachige Bevölkerung in die (verhältnismäßig) billige Plattenbauten zieht. Savisaar mit den Zentristen wird noch lange Zeit Bürgermeister von Tallinn bleiben, Rückhalt ist ihm hier gesichert.
Dieses Jahr findet in Estland wie überall in Europa eine Volkszählung statt. Womöglich wird die Zahl der Ausgewanderten nach oben korrigiert werden müssen, denn viele melden sich gar nicht ab. Es bleibt abzuwarten, ob die anziehende Konjunktur die Leute eher zum Bleiben bewegt, oder die jetzt offenen Arbeitsmärkte in Westeuropa noch mehr Leute zum Ausreisen bewegen werden.
Montag, Mai 09, 2011
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