Sonntag, Februar 08, 2009

Februar-Report von Hr. Dornemann

Am 22. Januar waren wir, wir von Notchnoi Dozor, in Narva eingeladen, um die Organisation dort vorzustellen. Der Präsident, wie er sich nennt, Juri Mishin, von der russischen Gemeinschaft Narvas, hatte die Veranstaltung fest im Griff, zu der etwa 35o (ich habe sie überschlägig gezählt), meist wohl Rentner, Invaliden und Veteranen gekommen waren. Von einem Zolloffizier wurden die neuesten EU-Vorschriften erklärt und die Veränderungen dazu an der Grenze infolge des Schengener Vertrages.

Nun war doch Notchnoj Dozor bis vor noch nicht langer Zeit und ganz sicher noch nicht zur Zeit des April Desasters 2oo7 eine geordnete Organisation mit eingetragenen Mitgliedern, wie ich es seinerzeit schon mal beschrieb. Das ist nun anders.
Und ich bin ordentliches Mitglied, während Linter, Klenski und Mark S. sich zwar als Angehörige feiern lassen, aber es nicht sind. Sie sind Trittbrettfahrer und genießen den bekannten Namen. Mehr nicht.

Auf der Rückfahrt von Narwa trafen wir im Zentrum von Kohtla Järve einen jungen Mann, der Mitglied werden möchte. Er meinte am Telephon, uns gegen 21oo Uhr uns dann zu treffen. Wir warteten auch nicht lange, und er kam über einen recht großen, verschneiten Platz gestiefelt. Nichts, kein Mensch und kein Auto war zu sehen. Doch er hatte uns noch nicht erreicht, kam ein Polizeiauto und zwei Privatfahrzeuge, die etwa 1o Meter neben uns hielten. Und mit Richtmikrophonen uns belauschten. Nach etwa einer halben Stunde hatten wir das Gespräch unter freiem Himmel beendet und der junge Mann bat uns eindringlich, ihn nach Hause zu begleiten, denn er habe Angst vor den ungebetenen Zuhörern, die ihn für den nächsten Tag ins KAPO-Büro geladen haben.

Bei einer anderen Gelegenheit hat man uns fünf mal angehalten und bequatscht, sodaß wir mehr als eine Stunde zu spät zu der Veranstaltung kamen. Das ist die Taktik von KAPO. Das sind sicherlich keine Methoden eines demokratischen Gefüges, sondern altstalinistisches Gehabe in Reinform. Das wird von der Masse der Esten als legitimes Mittel des Staates akzeptiert um all die Staatsfeinde dingfest zu machen. Was für eine windige Demokratie inmitten der EU ??

Am 28. Januar war dann der russische Schriftsteller Sergej Lukjanenko zu Besuch in Tallinn, um sich über Noschnoi Dozor zu informieren. Er schreibt ein Buch darüber. Lukjanenko hat auch in Deutschland eine Reihe von Büchern erfolgreich herausgegeben, worüber er mir ganz stolz erzählte.



Noschnoi Dozor mit dem Schriftsteller, in der Mitte mit Lederjacke, links mit weißem Bart ich.

Kommentare:

Dr. Axel Reetz hat gesagt…

Ich habe Herrn Dornemann vor etlichen Jahren persōnlich kennengelernt, als er gerade nach Estland übersiedelt war. Dabei hat er im Gespräch vowiegend von seinem Organisationstalent geschwārmt und wie wichtig er für die Staatskanzlei in Thüringen (gewesen) sei - das mag ja auch zutreffen.
Nachdem ich erfahren hatte, daß er in der Bronzenacht verhaftet worden war, habe ich ihm nach vielen Jahren mal wieder gemailt, um zu erfahren, was passiert war und wie das geschehen konnte.
Er war zunächst sehr erfreut und stieß wüste Beschimpfungen nicht nur gegen Estland aus, sondern auch über deutsche Politiker. Außer Frau Wagenknecht habe sich niemand engagiert. Dabei unterstrich er, kein Sympathisant deren Partei zu sein - auch das mag zutreffen.
Ich fragte ihn erneut, wie, wann, wo und warum er verhaftet worden war. Das hätte ja nicht geschehen konnen, wenn er den Abend daheim vor dem Fernseher verbracht hätte.
Daraufhin erhielt ich ebenfalls vom ihm wüste Beschimpfungen, die wie die vorherige Nachricht mit Fehlern in Grammatik und Rechtschreibung gespickt waren. Auch die mir elektronisch überlassenen Schreiben an die erwähnten deutschen Politiker waren nicht in einem angemessenen Ton verfaßt. Ich wies ihn darauf hin, um dann anschließend erneut eine unflätige Antwort zu erhalten und die Ankündigung, daß er mit mir jetzt keinen Kontakt mehr pflegen werde.
Und so weiß ich bis heute nicht, was mit Herrn Dornemann in der Bronzenacht passiert ist.

kloty hat gesagt…

Hallo Herr Reetz,

ich habe mit Herr Dornemann im Mai 2007 nach dem Artikel in einer finnischen Zeitung aufgenommen. Er schickte mir folgenden Bericht, was mit ihm und seinem Sohn während der Bronzenen Nächte passiert ist. Ich jedenfalls halte den Bericht und die Fotos für authentisch. Daraufhin hat sich zwischen uns eine Brieffreundschaft entwickelt, Herr Dornemann versorgt mich mit frischen Informationen aus Estland, die ich gegebenfalls veröffentliche (nicht alles was mir zugeschickt wurde, habe ich auch veröffentlicht, unter anderem auch aus von Ihnen genannten Gründen).

Während meines letzten Besuches in Estland habe ich Herr Dornemann auch persönlich kennengelernt. Er hat mich zu sich eingeladen, fürstlich bekocht und aus seinem doch sehr ereignisreichem Leben erzählt. Am nächsten Tag hat er mich mit einem der Leader von Notchnoj Dozor bekannt gemacht, so dass ich auch die Hintergründe der Organisation kennengelernt habe, über die ich recht oft schreibe, wofür ich ihm dankbar bin.

Was Ihre Anmerkung über die Grammatik- und Rechtschreibfehler angeht, Hand aufs Herz, auch manchem Bericht von Ihnen hätte eine Rechtschreibprüfung nicht geschadet, dasselbe behaupte ich auch von meinem Geschreibsel. Wenn die Information interessant und wichtig ist, überlese ich grosszügig formale Schwächen. Dass die Briefe von Herr Dornemann an deutsche Politiker gerne etwas formeller ausfallen könnten, dem stimme ich zu.

Dr. Axel Reetz hat gesagt…

Den Bericht kannte ich schon.
Was meine Beitrage betrifft, so habe ich ersten nicht immer eine deutsche Tastatur wie gerade jetzt. Zweitens setze ich die Beitrage online und einen korrigierte Version meist am nachsten Tag. Es geht um Schnelligkeit; und eine deutsche Rechtschreibkontrolle habe ich nur an meinem privaten Rechner.

Dr. Axel Reetz hat gesagt…

Nach neuerlicher Lekture mochte ich hinzufugen, dass Dornemann auch hier wenig zu den Umstanden sagt, warum er festgenommen wurde. Die Beschreibung, auf dem Freiheitsplatz sei alles wie immer gewesen und dann habe man ihn plotzlich auf den Boden eines Polizeikleinbusses geworfen, klingt nicht besonders uberzeugend.
Ich habe die Fernsehbilder vom Polzeieinsatz gesehen und kann nur bestatigen, dass die Polizei nicht immer gerade zimperlich war.
Aber ein (estnischer) Freund von mir war vor Ort bis gegen Mitternacht und wurde im Gegenteil zu Dornemann nicht verhaftet.