Montag, November 24, 2014

Zahlen zum Nachdenken

Der estnische Institut für Menschenrechte und die Firma Turuuringute AS führten eine Umfrage unter den russisch-sprachigen Einwohnern Estlands durch. Es wurden tausende Leute im Alter zwischen 15-74 befragt. Dabei kamen recht interessante Ergebnisse heraus.

- 2/3 der Befragten würden gerne ein estnisches Fernsehkanal in russischen Sprache schauen. Je gebildeter der Befragte war, desto höher war die Zustimmung.

- 38% der Befragten vertrauen den russländischen Massenmedien bei der Berichterstattung von Konflikten, wie z.B. dem Konflikt in der Ukraine, 33% vertrauen sowohl den russländischen, als auch den estnischen Massenmedien, obwohl die Darstellung der Ereignisse manchmal konträr ist. Die Leute mit höherem Gehalt oder Selbstständige misstrauen am häufigsten den russländischen Massenmedien.

Der Anteil der Befragten, die den estnischen Massenmedien mehr Vertrauen schenkt, als den russländischen, liegt estlandweit bei 6%, in Ida-Virumaa im Osten des Landes bei 1%.

2/3 der russisch-sprachigen Befragten kennen die estnische Informationswelt gar nicht.

Mittwoch, November 19, 2014

Herberts Cukurs. A criminal. Just a criminal

Following the October premiere of the musical “Cukurs. Herberts Cukurs”, old arguments have resurfaced once again regarding the scandalous figure of the musical's main character. Who is he? Is he a national hero, who completed a flight to Gambia in 1933, or is he a criminal, who became a member of the execution squad of Viktors Arajs in 1941? Cukurs’s supporters point out the lack of evidence that he killed Jews with his own hands. Nevertheless, such evidence exists, which the “Open City” magazine is providing you today.

Sonntag, November 09, 2014

Politik und Facebook

Es gibt diesen Beitrag auf Estonian Moments, der recht genau beschreibt, wie die estnische Protestkultur funktioniert, hin und wieder gibt es Demonstrationen vor der Regierungssitz oder Parlament auf Toompea, aber der wirkliche Dampf wird online abgelassen. Es ist gewissermassen ein Volkssport in Estland beleidigende Kommentare zu schreiben. Und Politiker machen da keine Ausnahme.

Wie schon im letzten Artikel berichtet, bezeichnete der Finanzminister Jürgen Ligi den Bildungsminister Jevgeni Ossinovski als einen „Immigrantensohn aus der rosa Partei“. Normalerweise gehört es zu harmloseren Ausfällen von Ligi, der auch schon seinen politischen Opponenten in Talkshows empfohlen hat, einfach das Maul zu halten, aber diesmal war offenbar das Mass überschritten und die Öffentlichkeit forderte Konsequenzen. Die Konsequenz ist, dass Jürgen Ligi nicht mehr Finanzminister ist, das Amt hat jetzt Maris Lauti innen.

Zweiter Skandal geschah zwei Wochen später. Andres Ansip, der ehemalige Premierminister Estlands wurde in Europaparlament gewählt. Doch nachdem er Kommissar der Europäischen Kommission wurde, wurde sein Platz frei, also musste jemand nachrücken. Nach den Wahlergebnissen wäre der nächste der estnische Aussenminister Urmas Päet, und der übernächste Igor Gräzin. Allgemein wurde erwartet, dass Päet Aussenminister bleibt und Gräzin nach Brüssel fährt, doch überraschend erklärte Päet, dass er den Platz im Europaparlament annehmen wird. Daraufhin schrieb Gräzin in sein Facebook, dass Päet ein „gewöhnlicher Tartuer Mistkerl sei, wenn man ihn zusammenschlagen würde, wäre das moralisch gut, aber juristisch problematisch…“ Konsequenzen für Gräzin hatte es grundsätzlich keine, aber ich bezweifle, dass die Partei der Reformisten ihm noch einen hohen Posten anbieten wird.

Der estnische Aussenminister ist als Europaparlamentarier geworden. Die neue Aussenministerin heisst Kejt Pentus-Rozimannus, die vorher Umweltministerin war. Der neue Umweltminister ist Mati Raidma. Ob es eine gute Idee war Pentus-Rozimannus einen in heutigen Zeiten so verantwortungsvollen Job, wie Aussenministerin zu geben, ist fraglich, denn sie gilt als politisch angeschlagen, da sie beschuldigt wurde mit dem Bankrott der Firma ihres Vaters zu tun gehabt zu haben, bei dem viele Kreditoren auf Schulden sitzen blieben und Firmeneigentum veruntreut wurde. Das Gericht sprach sie vom Vorwurf frei, nicht allerdings ihren Ehemann, der über 100 000 EUR den Kreditoren zahlen musste.

Allerdings sind alle diese Umstellungen rein temporärer Natur. In vier Monaten gibt es Wahlen und das Rennen ist sehr offen. Sozialdemokraten werden versuchen die russischen Stimmen den Zentristen abzujagen, der russischstämmige Bildungsminister gibt richtig gute Interviews zum Thema russischen Schulen, mal sehen, ob sich das in Stimmen auszahlt. IRL wird höchstwahrscheinlich versuchen mit der Angst der Esten vor der russischen Invasion zu punkten, auch wenn sie in der letzten Zeit einige hochkarätige Politiker an andere Parteien verloren hat. So richtig ist der Wahlkampf noch gar nicht losgegangen, deswegen wird man wahrscheinlich in der Zukunft noch mehr Ausfälle in Facebookaccounts estnischer Politiker nachlesen können.

Donnerstag, Oktober 23, 2014

Worte der Woche

Er ist der Sohn einen Immigranten aus der rosa Partei. Er muss sehr vorsichtig sein.

Der estnische Finanzminister Jürgen Ligi in einem Facebookeintrag (inzwischen gelöscht) über Jevgeni Ossinovski, der russisch-stämmige Bildungsminister von der Sozial-Demokratischen Partei Estlands

Sonntag, Oktober 05, 2014

Untersuchung des RBK: Woher kommen russische Soldaten in die Ukraine?

Die Zeitung RBK sammelte und analysierte Fakten über die getöteten, verwundeten und vermissten russischen Armeeangehörigen in der Ukraine. Es stellte sich heraus, dass die meisten von ihnen in fünf Truppenteilen des ВДВ (Военно-Десантные-Войска, Fallschirmjäger Truppenteile in der russischen Armee) dienten, die zum russischen Friedenkorps angehören. An der offiziellen Version, dass die Fallschirmjäger während der Wehrübungen in Rostovskaja Oblast ums Leben kamen und in den Donbas nur Freiwillige fuhren, ergaben sich mehrere Unzulänglichkeiten. Es stellte sich heraus, dass während der vermutlichen Teilnahme der russischen Armee im Konflikt, die staatlichen Medien über den Zufluss an Freiwilligen in den Donbas berichteten.

„Ich zünde Kerzen für diejenigen an, die gelitten und ihr Leben für die Verteidigung der Leute in Novorossija gegeben haben“ - sagte Putin am 11. September, als er aus der orthodoxen Kirche Живоначальной троицы (Lebensbeginnender Dreifaltigkeit) auf den Vorobjev Hügeln in Moskau herauskam. Der President meinte nicht die russischen Armeeangehörigen, erklärte RBK Putins Pressesprecher Dmitrij Peskov: „Es gab dort keine russischen Armeeangehörigen“.

Wer waren den die Soldaten und Offiziere, die tot oder lebend aus der Ukraine zurückkehrten, wieviele waren es und warum letztendlich gelten mindestens drei von ihnen als vermisst?

Fallschirmjäger aus Ulyanovsk

Am 28. August hat der Korrespondent des ukrainischen Fernsehsenders „Espresso-TV“ Jegor Vorobjev im Internet einen Beitrag über der Soldaten der 31. Отдельной Десантно-Штурмовой Бригады (autonome Fallschirmjäger-Sturmbrigade) des russischen ВДВ veröffentlicht, die sich ergeben haben. Der Standort der Brigade ist in Ulyanovsk. In der Aufzeichnung erzählen die Fallschirmjäger Ruslan Achmetov und Arsenij Ilmitov, wie sie zur Wehrübung in Rostovskaja Oblast ankamen und schon am nächsten Tag sich in der Ukraine wiederfanden. „Die Patronen wurden an der Grenze ausgegeben“ - sagt Achmetov während der Aufnahme. Erst nach dem ersten Beschuss begriff er, dass es um ihn herum keine Wehrübung stattfindet.

Das Video wurde im Dorf Многополье (Mnogopolje) unterhalb von Иловайск (Ilovajsk) süd-westlich von Donezk aufgezeichnet, wo die Kämpfer der ukrainischen Armee und Angehörige der Bataillone der Freiwilligen des ukrainischen Innenministeriums „Dnepr-1“ und „Donbas“ umzingelt waren. „Wir befinden uns in einem improvisiertem Krankenhaus, im Gebäude der örtlichen Schule, hier behandelt man einen Kämpfer der russischen Armee, der in einem БМД (боевая машина десанта, BMD, Kampffahrzeug der Fallschirmjäger) verbrannte“ - mit diesen Worten beendet der ukrainische Journalist seinen Beitrag.

Nach zwei Tagen geriet er selbst in Gefangenschaft, der Reporter ist bis heute nicht nach Hause zurückgekehrt, erzählt RBK die Ehefrau Vorobjevs Elena Solodnikova.

Wie es aussieht, kehrten auch Ilmitov und Achmetov nicht aus dem Krieg zurück. Auf die Bitte des RBK erkannten die Bekannten der ulyanovsker Fallschirmjäger aus sozialen Netzwerken sie in dem Beitrag des ukrainischen Journalisten. In den Accounts der Kämpfer selbst gibt es keine frische Information. Die Verwandten von Ilmitov und die Frau von Achmetov wollten mit RBK nicht reden.

Der stellvertretende Innenminister der Ukraine Anton Geraschenko denkt, dass die Fallschirmjäger während des Beschusses einer Kolonne der ukrainischen Armee ums Leben kamen. Wie Geraschenko RBK erklärte, weiss er das vom Kommandeur einen der Bataillons der Freiwilligen. Der Kommandeur von „Dnjepr-1“ Jurij Bereza bestätigte RBK, dass Ilmitov und Achmatov im Laufe der Kämpfe bei Mnogoploje um den 20. August von seinen Kämpfern gefangengenommen wurden. „Ich habe persönlich Gespräche mit ihrem Kommandeur geführt - sein Rufnahme ist „Клен“ (Ahorn)“ - erzählte Bereza. Laut Bereza wurden zusammen mit den auf dem Video vorgeführten Fallschirmjägern noch bis zu 20 russische Soldaten von den ukrainischen Kämpfern gefangengenommen. Dass die Festgenommenen in der russischen Armee dienen, weiss der ukrainischer Offizier nur aus den Geständnissen der Gefangenen, sie hatten keine Dokumente bei sich, die Daten, die während der Vernehmungen aufgezeichnet wurden, gingen während dem Ausbruch aus der Umzingelung verloren.

„Ich gab mein Offizier-Ehrenwort, dass wenn man uns erlaubt, die Umzingelung zu verlassen, geben wir die Gefangenen frei. In jedem Fahrzeug saß ein russischer Gefangener“ - behauptet Bereza. Doch am 29. August wurde in der Nähe des Dorfes Новокатериновка (Novokaterinovka) auf die Kolonne das Feuer eröffnet. „Das Fahrzeug mit ihnen (Ilmitov und Achmetov) wurde vor meinen Augen zerschossen“ - behauptet der Kommandeur.

Im Truppenteil, wo die Fallschirmjäger dienten, hat man sich geweigert mit RBK über die Teilnahme der Kämpfer in den ukrainischen Geschehnissen zu reden. Genauso geschah es in allen Truppenteilen, die weiter unten erwähnt werden.

Die 31. autonome Fallschirmjäger-Sturmbrigade ist in Ulyanovskaja Oblast stationiert. Die Fallschirmjäger aus Ulyanovsk nahmen an der Wiederherstellung der von Verfassung garantierten Ordnung auf den Gebiet von Tschetschenien teil. Im Jahr 2005 wurde die Brigade besteht die Brigade komplett aus Kontraktsoldaten.

Laut unterschiedlichen Berichten verlor die 31 Brigade noch mindestens zwei Kontraktsoldaten. Im Kreiswehrersatzamt in Baschkirien wurde der Nachrichtenagentur „Baschinform“ der Tod des 28-jährigen Gefreiten Ilnur Kiltschinbajev aus dem Dorf Almjasovo des Kugartschinskij Rajon (Rajon = Landkreis) bestätigt. Über Aleksander Belozerov aus dem Dorf Novaja Majna des Melekessov Rajon in Ulyanovskaja Oblast wurde ein kurzer Bericht des örtlichen Fernsehens aufgenommen. Beide sind Ende August zur Wehrübung in Rostovskaja Oblast gefahren, laut der Informationen, die die Verwandten haben, starben beide am 25. August.

„Unser Landsmann Ilnur Kiltschinbajev starb den Heldentod während der Verteidigung der Zivilbevölkerung in der Ukraine“ - stand es in der gelöschten, aber noch im Cache verfügbaren Meldung der Landsmannschaft des Kugartschinskij Rajons. „Starb bei der Erfüllung der Dienstpflicht“ - steht es lakonisch geschrieben auf dem Trauertafel in der Schule, wo Belozerov lernte.

Accounts der beiden sind schon aus dem sozialen Netzwerk „V Kontakte“ entfernt, die Frau von Kiltschinbajev wollte mit RBK nicht reden, Verwandte von Belozerov konnten nicht gefunden werden.

Fallschirmjäger aus Kostroma

„Sie verirrten sich nicht. Sie nutzten die Karten aus dem Jahr 2015“ - erzählt die Vorsitzende des Vereins der Soldatenmütter Ljudmila Hochlova ein Witz aus den sozialen Netzwerken über die Fallschirmjäger, die in Kostroma stationierten 331. Regiment des VDV angehören. Am 25. August hat der Sicherheitsdienst der Ukraine (СБУ = ukrainischer Innengeheimdienst) die Aufnahmen der Vernehmung der Kontraktsoldaten aus Kostroma veröffentlicht, die ein Tag früher neben dem Dorf Zerkalnoje im Amrosjevskij Rajon in Donezkaja Oblast festgenommen wurden. Das ist 36km westlich der russischen Grenze und 10km südlich von Mnogopolje, wo die Fallschirmjäger aus Ulyanovsk gefangengenommen wurden.

Auf dem Schirm sieht man neun schlechtgelaunte Männer im Tarnanzügen, ohne Erkennungszeichen, die der Reihe nach erzählen, wie sie sich im Krieg wiederfanden. Das Video ist dafür gedacht, die Kiever Hypothese von der Teilnahme der regulären russischen Armeeteile im Konflikt zu untermauern. Laut den Soldaten kamen sie für eine Bataillon-taktische Wehrübung in Rostovskaja Oblast an, wo sie einen Lager neben dem Dorf Matveen Kurgan aufgeschlagen haben. Nach einiger Zeit bekamen die Fallschirmjäger den Befehl eine Kolonne mit Militärtechnik zu begleiten. Sie überquerten die Grenze in einem nicht markierten Bereich und wurden am selben Tag von ukrainischen Armeeangehörigen gefangengenommen.

Laut der Aussage der russischen Seite verirrten sich die Fallschirmjäger während der Übungen und kamen zufällig auf das ukrainische Territorium. Am 31. August nach den Gesprächen der Präsidenten der Ukraine und Russlands in Minsk, wurden die Soldaten Moskau übergeben.

Nachdem sie einige Zeit in Rostov und dann im Militärhospital Burdenko in Moskau verbrachten, kehrten die neun Gefangengenommenen nach Kostroma zurück. Einer mit ernsthaften Verwundungen, blieb in einem Krankenhaus in St. Petersburg, wo Verbrennungen behandelt werden (der Verwundete wurde im SBU-Video nicht gezeigt), erzählen die Verwandten der ehemals Gefangenen. Jetzt sich die Befreiten im Urlaub, falls sie wünschen, können sie den Kontraktdienst auch fortsetzen, erzählte RBK der stellvertretender Kommandeur für Erziehung der 98. Division Hauptmann Aleksandr Hotulev. Ob es in dem Truppenteil Verluste gegeben hat, darüber wollte Hotulev nicht sprechen. Doch die Verwandten der Fallschirmjäger erzählen, dass genau dieser Offizier den Familien berichtete, dass es in der Division zwei Gefallenen und zehn Verwundete gibt.

98er Fallschirmjäger-Division ist in Ivanovskaja und Kostromskaja Oblast stationiert. Der der Division angehörende 331-Kostroma Regiment nahm an der Regulierung der internationalen Konflikte in Kaukasus, Transnistrien, Jugoslawien, Nord-Ossetien teil. Im Jahr 2008 nahmen die Fallschirmjäger aus Kostroma im georgisch-ossetinischen Konflikt teil.

Der erste gefallene Kontraktsoldat aus diesem Truppenteil über den bekannt wurde, der am 2. September in Vladimir beerdigte Sergej Seleznjev. Der Vertreter des Kreiswehrersatzamtes sagte der örtlichen Zeitung „Pro Gorod“, dass der Soldat während der Wehrübung in Rostovskaja Oblast gefallen ist. Die Todesumstände einen anderen Fallschirmjägers Andrej Piliptschuk aus Kostromskaja Oblast bleiben unaufgeklärt. Über seinen Tod haben Verwandte und Freunde in sozialen Netzwerken berichtet, doch später wurde die Information entfernt. Der Redaktor des „Главного портала Костромы“ (Hauptportal von Kostroma) Kirill Rubankov behauptet, dass eine Verwandte von Piliptschuk ihm gegenüber den Fakt der Bestattung des Fallschirmjägers bestätigte. Mit RBK wollte sie nicht reden.


Grab von Sergej Selesnjev

In der Verwaltung des Kostroma-Friedhofs erzählte man RBK über die Begräbnisse von drei „in der Ukraine“ Gefallenen. In der „Afghanen-Allee“, wo man traditionell die Gefallenen in den Konfliktregionen beerdigt, gibt es drei frische Gräber nebeneinander. Laut den Begräbnistafeln fielen der 26-jähriger Sergej Gerasimov, der 32-jähriger Aleksej Kasjanov und der 27-jähriger Evgenij Kamenev am 24, 25 August und am 3. September.


Grab von Sergej Gerassimov

Die Frau von einem Truppenangehörigen von Gerassimov erzählte RBK, dass der junge Mann als Kontraktsoldat in der Aufklärung des 331. Regiments diente. Sie selbst wartet auf die Rückkehr ihren Mannes aus Rostovskaja Oblast. „Sie sagen: „Ja, wir waren in der Ukraine“ - behauptet die Gesprächspartnerin RBK, die gebeten hat, ihren Namen nicht zu nennen. Laut ihren Worten kehrte ihr Mann vom ukrainischen Territorium in den ersten Septembertagen zurück in Rostovskaja Oblast: „Gestern [am 3. September] gab man ihnen die Gelegenheit Telefonate zu führen. Die Jungs wollen nicht dort bleiben.“


Grab von Aleksej Kasjanov

Wieviele Fallschirmjäger aus Kostroma auf die Wehrübung nach Rostov gefahren sind, wollte Hotulev nicht sagen. Die Verwandte der Soldaten behaupten, dass in Rostovskaja Oblast mindestens ein Bataillon (normalerweise sind in einem Fallschirmjäger-Bataillon 400-500 Soldaten).


Grab von Evgenij Kamenev

„Ich denke, dass die Wehrübung bald beendet sein wird… Zusammen mit der Verbesserung der politischen Lage“ - sagte Hotulev RBK. Die Teilnahme der russischen Armeeangehörigen im ukrainischen Konflikt wollte er nicht kommentieren. „Die Mütter und die Verwandten haben sich beruhigt. Alles normalisiert sich“ - schlussfolgerte der Hauptmann.

Die Fallschirmjäger aus Pskov, Novorossija und Ryazan

Der ersten Bezeugung der möglichen Teilnahme der Fallschirmjäger aus Pskov in den Kämpfen in der Ukraine war die Meldung der ukrainischen Massenmedien vom 20. August. Neben dem Dorf Georgievka in der Luganskaja Oblast nahm die ukrainische Armee ein BMD-2 mit Dokumenten und Waffen der Kämpfer aus der 76er Luftlandedivision, die in Pskov stationiert ist, gefangen . Der Korrespondent des Kanals „Inter“ Roman Botschkala veröffentlichte auf seiner Facebookseite entsprechende Photos. Unter den Sachen, die in BMD gefunden wurden, gab es einen Pass und Führerschein von Nikolai Krygin aus Pskovskaja Oblast und Ilja Maksimov aus Saratovskaja Oblast, als auch ein Meldebuch der abendlichen Anwesenheit mit einer langen Liste von Fallschirmjägern. Beide Russen dienten in diesem Moment als Kontraktsoldaten in der Pskover Division, behaupten ihre Bekannten, die von RBK befragt wurden.

Der offizielle Vertreter des Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkov macht Witze: „Zu den zahlreichen „Heldentaten“ von SBU, muss man jetzt noch eine hinzufügen: Das Aufkaufen von Gestohlenem“.

Doch schon am 25. August beerdigte man in Pskov die Fallschirmjäger Leonid Kitschatnik und Alekandr Ossipov, die in dem Meldeheft, das im BMD gefunden wurde, erwähnt waren. Auf den Tafeln auf den Grabkreuzen stehen die Todesdaten: 19. und 20. August.


Grab von Leonid Kitschatkin

Dank der Untersuchung des lokalen Abgeordneten Lev Schlossberg und den Journalisten der Zeitung „Pskovskaja Gubernija“, die über die Beerdigungen erzählt haben, erfuhr das ganze Land über die Verluste der 76. Division. Die Mutter von Maksimov gab sogar eine Pressekonferenz und sagte, dass sie von den Militärbehörden keine Auskunft bekommt, wo ihr Sohn sich befindet. Er fand sich in Pskov wieder, erzählte Maksimova später dem RBK, doch er hat nicht erklärt, wie seine Dokumente in ein ausgebranntes Kampffahrzeug in der Ukraine gelangen konnten.

Die 76. Fallschirmjäger-Sturmdivision in in Pskovskaja Oblast stationiert. Die Pskover Fallschirmjäger nahmen an der Regulierung der internationalen Konflikte in Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kirgisistan, Baltikum, Transnistrien, Süd- und Nord-Ossetien teil. In den Jahren 1994-95 nahm die Division an dem bewaffneten Konflikt in Tschetschenischen Republik teil. Im Jahr 2008 nahmen die Angehörigen der Division an dem georgisch-ossetischen Konflikt teil. Im August dankte der Verteidigungsminister Sergej Schoigu die Soldaten für die Teilnahme an der Krim-Operation 2014.

Journalisten und Nutzer von sozialen Netzwerken fanden Dutzende von Profilen in „V Kontakte“, die den Pskover Fallschirmjägern gehören, die sie zuletzt am 15-16 August besuchten. Die lokalen Massenmedien in Voronezh, Orenburg und Komi berichteten mit Verweis auf Kreiswehrersatzämter und Verwandte über den Tod von Anton Korolenko, Dmitrij Ganin und Maksim Mesenzev (alle dienten in Pskover Division). Zu den Umständen ihres Todes verfügten die Kreiswehrersatzämter über keine Information.

Schlossberg erklärte im Gespräch mit RBK, dass die Verwandten der Gefallenen in der Regel keine Informationen verlautbaren, nicht mal auf anonymen Basis. Seiner Meinung nach, ohne Hoffnung ihre Nächsten zurückzubekommen, werden sie leichter unter Druck von der Armeeführung gesetzt, im Tausch gegen soziale Auszahlungen.

Laut Annahme von Schlossberg wurden mehr als 2000 Kämpfer aus der 76. Division zur ukrainischen Grenze verlegt.

Ausser den Fallschirmjägern aus Pskov, Kostroma und Ulyanovsk kamen während des Zeitraums der Kämpfe im Osten der Ukraine bei ungeklärten Umständen mindestens zwei Fallschirmjäger aus anderen Truppenteilen zu Tode. Die Zeitung „Чита.Ру“ berichtete mit dem Verweis auf Kreiswehrersatzamt über den Tod während der Wehrübung in Rostov des Tschitiner Landsmanns Nikolai Schaborin, der in einem Truppenteil des VDV in Novorossijsk diente. In dieser Stadt ist die 7. Fallschirmjäger Sturmdivision stationiert. Später wurde in den Nachrichten Schaborin als Freiwilliger, der sich den Separatisten angeschlossen hat, bezeichnet, sein Todesort wurde mit Donezkaja Oblast angegeben.

Über den Tod des 21-jährigen aus Astrachan Ildar aus dem 137. Armeeregiment, der 106. Division der VDV, die in Ryazanskaja Oblast stationiert ist, berichtete der Experte des Komitee der Soldatenmütter Anatolij Salin. Den Nachnamen nannte der Menschenrechtler nicht, nur das Todesdatum, 28. Juli. Kurz davor wurde der Soldat, laut den Angaben seiner Mutter in Novoschachtinsk der Rostovskaja Oblast verlegt. Die Zeitung „Kaspij.info“ nennt den Namen des Soldaten: Maksutov. Journalisten fanden den Profil des Fallschirmjäger in dem sozialen Netzwerk „V Kontakte“ mit dem Status „Auf in die Ukraine!“. Salin erzählt dass die Mutter des Soldaten, die von sich aus an die Menschenrechtler zugegangen war, von einem Moment an aufgehört hat mit ihnen Kontakt zu halten.

Die 7. Fallschirmjäger-Sturm Bergdivision VDV ist in Krasnodarskij Kraj stationiert und hat Kasernen in den Städten Novorossijsk, Stawropol und Anapa. Der Truppenteil hat an den Friedenssicherungsmissionen in Abchasien und an den Antiterror-Missionen im Nordkaukasus aktiv teilgenommen.

Die 106. Luftlande-Fallschirmjäger Division ist in Ryasanskaja Oblast stationiert. Die Kämpfer der Division nahmen an der Wiederherstellung der Ordnung während der Zeit der antiarmenischer Unruhen in Aserbaidschan und antiterroristischen Operationen in Nordkaukasus teil.

Die motorisierten Schützen

Am 27. August hat die SBU die Gefangennahme von noch einem russischen Soldaten verkündet, den 19-jährigen Peter Hochlov. Auf der von dem Dienst veröffentlichen Videoaufnahme behauptet der in der Stadt Novouzensk in Saratovskaja Oblast geborene, dass er Gefreiter der 9. autonomen Brigade der motorisierten Schützen, die in Nizhnij Nowgorod stationiert ist, sei. Er wurde von Roman Schubzov, der den Grundwehrdienst zusammen mit Hochlov absolviert hat, erkannt und seine Worte wurden RBK gegenüber bestätigt. Laut Schubzov, wurde Hochlov in einem Internat aufgezogen, seine Eltern wären gestorben.

Der Soldat auf der Videoaufnahme sagt, dass er zum Grundwehrdienst am 22. Mai 2013 aufgenommen wurde, nach neun Monaten unterschrieb er einen Kontrakt zum Dienst in der 9. Brigade. Nach zwei Monaten wurde sein Bataillon in Alarmbereitschaft versetzt, sie wurden auf ein Zug verladen und in die Rostovskaja Oblast geschickt. Dort schlug die Brigade in einem Wald ein Lager auf. Nach einem Monat befahl der Kommandeur die BMPs (gepanzerte Schützenwägen) „rauszufahren“, sie in eine Kolonne aufzureihen, ihre Nummern und andere Erkennungszeichen zu verdecken, erzählte der Soldat. Später, behauptet Hochlov, wurden 14 solcher Wägen irgendwelchen „Tschetschenen“ in der grenznahen russischen Stadt Donezk übergeben.

Aus der Erzählung Hochlovs folgt heraus, dass er von einer Belohnung erfahren hat, die die Separatisten angeblich bekommen, er hat beschlossen auf eigene Faust sein Truppenteil zu verlassen und sich ihnen anzuschliessen. Am 8. August verliessen Hochlov und sein Truppenkamerad Ruslan Garafiev selbstständig die Truppe und befanden sich in Luganskaja Oblast. Dort geriet er am 27. August beim Dorf Novosvetlovka in die Hände der Ukrainer.

Jetzt versuchen der Bruder von Hochlov, Sergej, der mit ihm im Internat aufgezogen wurde und die Braut des Soldaten Anna aus Nizhnij Nowgorod etwas über den Schicksal des Gefangenen rauszufinden. „Im Kreiswehrersatzamt sagten sie: Er verliess den Truppenstandort“. Ich glaube nicht daran, was er in die Kamera sagt. Er war auf einer Wehrübung in Rostov. Wenn er beschlossen hätte, irgendwohin zu gehen, hätte er mich angerufen.“ - erzählte Sergej Hochlov RBK. Die Verwandten von Ruslan Garafiev zu finden war nicht möglich. In SBU weigerte man sich den Schicksal der russischen Soldaten zu kommentieren.

Doch die Version, dass der Soldat der 9. Brigade aus eigenem Antrieb heraus sich in der Ukraine befunden hat, hat einige Schwachstellen. „Komsomolskaja Pravda“ veröffentlichte die Geschichten von zwei anderen Kontraktsoldaten aus derselben 9. Brigade, Armen Davoyan und Aleksander Voronov, die „an der ukrainischen Grenze“ in Rostovskaja Oblast ums Leben gekommen sind. Ihre Truppenkameraden berichteten der Zeitung, dass die jungen Leute am 14. Juli beim Beschuss ums Leben kamen, als sie Flüchtlinge beschützt haben. Später wurde der Artikel von der Webseite entfernt.

Die Kontaktperson der Brigade, dessen Telefon Sergej Hochlov vom Kreiswehrersatzamt bekommen hat, legte auf, als der Korrespondent von RBK sich vorgestellt hat. Es ist nicht gelungen in Kontakt mit den Verwandten von Davoyan und Voronov zu treten.

Wie es aussieht, nahmen an der „Wehrübung in Rostovskaja Oblast“ motorisierte Schützen aus anderen Truppenteilen teil.

Die 21. autonome Brigade der motorisierten Schützen ist in Tozkij Rajon in Orenburgskaja Oblast stationiert. Die Kämpfer der Brigade aus Tozk nahmen an friedenssichernden Missionen in Transnistrien und Abchasien, als auch an zwei tschetschenischen Operationen teil.

Ende August haben die Massenmedien in Irkutsk, Astrachan und Baschkirien mit den Verweisen auf Kreiswehrersatzämter und Verwandte über die Bestattungen von Vadim Larionov, Konstantin Kuzmin und Marcel Araptanov aus den 17. und 18. autonomen Brigaden der motorisierten Schützen, die in Tschetschenien stationiert sind, berichtet. Alle drei starben laut der offiziellen Version bei der „Erfüllung der Dienstpflicht“ während der Wehrübung bei Rostov. Die Massenmedien in Perm berichteten mit dem Verweis auf die Verwandten, die entsprechende Nachrichten bekommen haben, über den Tod während der Wehrübung von Vasilij Karavajev aus der 21. autonomen Brigade der motorisierten Schützen, die in Tozkij Rajon in Orenburgskaja Oblast stationiert sind. Der Autor der Facebook-Gruppe „Gruz-200“ (Ladung 200 ist Armeeslang für getötete Soldaten), die den russischen Soldaten, die in der Ukraine gestorben sind, gewidmet ist, ist Elena Vassiljeva. Sie veröffentlichte die Kopie des Befehls über die Einstellung aller Bezüge vom 4. September 2014 von noch sechs Angehörigen desselben Truppenteils: 25-jähriger Unteroffizier Viktor Karpuchin, 27-jährigen Gefreiten Nikita Surkov, 29-jährigen Stabsunteroffizier Vitalij Gluschenko, 35-jährigen Fähnrich Aleksander Nikulin, 37-jährigen Oberfähnrich Nikolaj Mylnikov und 35-jährigen Oberfähnrich Sergej Dymov. Vassiljeva behauptet, dass sie alle auch gestorben sein könnten.

Ihre Behauptungen zu bestätigen oder zu widerlegen, war es bis zum Erscheinen dieses Materials nicht möglich.

Friedenssicherer aus Samara

An der Übung in Rostovskaja Oblast nahmen auch Kämpfer der 15. autonomen motorisierten Schützenbrigade der Friedenssichernden Kräfte, die im Dorf Roschinskij in Samarskaja Oblast stationiert sind, teil, erzählte RBK der Vorsitzender der „Union der Veteranen von VDV und den Spezialkräften“ Viktor Kalinitschev. Zwei Verwandte der Kämpfer erzählten anonym, dass die Soldaten nach einer langen Unterbrechung am 3. September wieder Kontakt aufgenommen haben.

Die Schwiegermutter von einem Kontraktsoldaten und der Bruder den anderen behaupten, dass die Soldaten ihnen gesagt haben, dass sie in der Ukraine waren. Am 2. September kehrten sie wohl über Krasnodon zurück in Rostovskaja Oblast und bereiteten sich auf eine mögliche neue Dienstreise in die Ukraine vor.

Die Frau noch einen Kontraktsoldaten aus der Brigade aus Samara erzählte RBK, dass ihr Mann, zu dem sie lange keine Verbindung hatte, Ende August sie von einer ukrainischen Nummer aus angerufen hätte. Der Mann berichtete ihr, dass er in Rostovskaja Oblast auf Wehrübung sei. Den Telefon mit der ukrainischen SIM-Karte von dem er angerufen hat, hat er wohl von einem der Flüchtlinge genommen.

Über womöglichen Verluste der Brigade gibt es keine Zeugnisse. Im Truppenteil weigerte man sich mit RBK zu reden. „Die Wehrübung fand in der Rostovskaja Oblast statt, doch es gibt keinen unseren Kämpfer in der Ukraine“ - sagte mit Bestimmtheit Kalinischev.

Die 15. autonome motorisierte Schützenbrigade der friedenssichernden Kräfte ist in Tschernoretschje in Samarskaja Oblast stationiert. Das ist der erste autonome friedenssichernde Truppenteil in Russland, der Ende 2004 zusammengestellt wurde. Besteht aus Kontraktsoldaten.

Die Friedenskräfte

„Die Welt hat sich geändert, hat sich grundliegend verändert. Wie sie aus der Vergangenheit wissen, können friedenssichernde Truppenteile plötzlich gebraucht werden“, das sagte der Verteidigungsminister Sergej Schoigu, als er am 6. August zur 15. Brigade der Friedenssicherer kam. Damals konnten in dem Samarer Truppenteil sich nicht alle vorstellen, worüber der Minister redete.

Alle Truppenteile deren Kämpfer während der Wehrübung in Rostovskaja Oblast ums Leben kamen, oder in der Ukraine gefangengenommen wurden (ausser den motorisierten Schützen) bilden das Fundament der friedenssichernden Kräfte Russlands. Als friedenssichernde wurden die aufgezählten Truppen der Luftlandeeinheiten im August vom stellvertretendem Kommandeur der VDV für friedenssichernde Operationen General-Major Aleksander Vjasnikov bezeichnet. Laut seinen Worten wurde die Formierung der friedenssichernden Kräfte mit fünf Tausend Kämpfern im August 2014 abgeschlossen.

Die Frage er Formierung der speziellen friedenssichernden Kräfte wurde vor fünf Jahren nach der Operation in Ossetien gestellt, erinnert sich der Vorsitzender des Zentrums der militärischen Prognose Anatoij Zyganok. Laut ihm unterscheiden sich die Friedenssicherer von den anderen Kräften der schnellen Reaktion durch Sprachvorbereitung (alle lernen Englisch und andere Fremdsprachen), die Fähigkeit bei Unruhen und Massenunruhen zu handeln, die Fähigkeit mit der Polizei und anderen Ordnungskräften von anderen Staaten zusammenzuarbeiten, als auch die Bereitschaft zu nicht nur rein militärischen, sondern auch zu humanitären Operationen. Jetzt besitzen den Status von Friedenssicherern nur eine Brigade von Landkräften und die weiter oben aufgeführten Truppenteile des VDV, doch friedenssichernde Einheiten gibt es auch in den Einheiten des Innenministeriums Russlands.

Im Frühling nahmen die Fallschirmjäger aus Kostroma, Pskov und Ulyanovsk zusammen mit Kämpfern aus anderen Einheiten in der Operation zur Eingliederung von Krim an Russland. Als der Suvorov-Orden der mit einer Präsidentenorder vom 18. August der 76. Division verliehen wurde, bedanke sich Schoigu persönlich bei den Kämpfern für die Teilnahme an der Krim-Operation. Mit den Medaillen für die Rücknahme des Krims wurde der gefallene Kontraktsoldat Kiltschibajev und der bei Donezk gefangengenommene Fallschirmjäger Jegor Potschtojev geehrt. Auf persönlichen Seiten in sozialen Netzwerken haben viele Photos von den Soldaten aus diesen Truppenteilen solche Medaillen.

Wie kämpfte man

Anfang August waren Donezk und Lugansk fast völlig blockiert, das Territorium von selbstausgerufenen Donezkaja und Luganskaja Volksrepubliken verringerte sich seit dem Beginn der Kampfhandlungen fast um drei Viertel. Zurückgetreten waren Aleksander Bolotov und Aleksander Borodaj, die besonders hervorgehobene Leader der DVR und LVR, am 14. August verliess der Verteidigungsminister der DVR Igor Strelkov seinen Posten, einer der Anführer des bewaffneten Aufstandes gegen Kiev. Auf den Webseiten der russischen Nationalpatrioten kam die Redewendung auf: „Moskau gibt Novorossija auf“.

Am 16. August als die Kämpfe schon in den Vororten von Donezk und Lugansk gingen, verkündete der neue Premierminister DVR Aleksander Zachartschenko eine Verstärkung: 150 Militärfahrzeug-Einheiten (ca. 30 Panzer, alles andere verschiedene gepanzerte Fahrzeuge) und „1200 Leute aus eigenen Einheiten, die eine viermonatige Ausbildung auf dem Territorium der Russischen Föderation absolviert haben“. „Sie sind in dem allerentscheidenden Augenblick hier reingelassen worden“, sagte Zachartschenko, als er auf einer Sitzung bei dem Obersten Rat der DVR auftrat. „Nur Einzelne in der Führung der Republik wussten, dass in den nächsten Tagen ernsthafte Veränderungen eintreten werden und der Feind völlige Niederlage erleiden wird“, erklärte später gegenüber RBK, der nach Moskau zurückgekehrte Strelkov.

Als Ergebnis kam zum 19. August der Angriff der ukrainischen Armee zum Stillstand, am 20. August fing der Gegenangriff der Separatisten an. In die russischen Massenmedien kehrte die Siegesrhetorik aus den Zeiten des Grossen Vaterländischen Krieges zurück: Es wurde über die Kesseln von Ilovajsk und Mariupol gesprochen, in die die ukrainische Armee geraten ist. Tatsächlich wurden zum 27. August zwischen den Orten Ilovajsk, Amvrosievka und Starobeschevo mehrere tausend ukrainischer Militärs umzingelt. Im Osten von Mariupol hat eine frische Gruppierung, die mit gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstet war, den Angriff auf die Ukrainer begonnen.

Am 28. August sprach der President der Ukraine Petr Poroschenko zum ersten Mal öffentlich über das Einfallen der russischen Armee in die Ukraine. Nach einigen Stunden verlautete Putin in einer Nachricht an die Separatisten, dass es „ernste Erfolge bei der Verhinderung der militärischen Operation aus Kiev“ gibt und rief auf „einen humanitären Korridor für die ukrainischen Kämpfer, die in der Umzingelung sich befinden, zu öffnen“.

Der Gegenangriff der Separatisten wäre ohne die Unterstützung von bataillon-taktischen Gruppen (BTK), die aus regulären Armeeeinheiten formiert wurden, nicht gelungen, sagt der ukrainischer Kriegsreporter Konstantin Maschovez. Die momentanen Tätigkeiten der BTK, ist die Grundlage der Militärtaktik der russischen VDV, sagt der russische Militärexperte Anatolij Zyganok. BTG kamen vor 10 Jahren auf, vor der Operation in Süd-Ossetien, wo sie sich hervorragend bewährten, sagt er. Solche Truppe ist auf der Grundlage eines Regiments oder einer Bataillons, seltener aus einer Division oder Brigade formiert, die Stärke der Truppe beträgt ähnlich der Stärke einer motorisierten Schützenbrigade 450-500 Kämpfer. So eine Formierung wird mit Artillerie, gepanzerten Fahrzeugen als auch mit Soldaten und Offizieren mit unterschiedlichen Fähigkeiten: Aufklärer, Minensuchern, Funkern, Feuerleitern und anderen ergänzt. Die Verstärkung von aus Fallschirmjägern gebildeten BTG mit motorisierten Schützen und Panzern ist eine reguläre Praxis, ergänzt der Militärexperte Aleksander Hramtschichin.

Der Hauptkommandeur der vereinigten NATO-Kräfte Philipp Breedlove schätzte die maximale Anzahl der an der Kriegsfront tätigen Kräfte der russischen Armee auf bis zu 10 BTG. Der Journalist Maschovez und der ukrainische Bataillon-Kommandeur Bereza schätzen, dass die Anzahl der BTGs mit mind. 3-4. Die letzte Zahl entspricht ungefähr der Zahl der Verstärkung über die vor dem entscheidenden Gegenangriff Zachartschnko verkündete.

Im Verteidigungsministerium wird die Behauptung Breedloves mit Humor verneint. „Vier Bataillone sind keine Nadel im Heuhaufen. Ganz geschweige von den 10 BTGs, die sich eine Woche früher sich dort befunden haben sollen. Solche lauten Aussagen, die nur auf eigenen „Gedanken“ basieren, für einen Vielsterne-General zu machen, ist zumindest fahrlässig“, sagt der Presserelease des Verteidigungsministeriums.

Doch antwortete das Verteidigungsministerium nicht auf die Anfrage des RBK, mit der Bitte die Todesumstände von mehr als zehn Militärs aus unterschiedlichen Truppenteilen während der Wehrübungen in Rostovskaja Oblast, als auch über das Schicksal vom Ilmitov, Achmetov und Hochlov aufzuklären.

Kein Urlaub auf den Stränden

Das Verteidigungsministerium erklärte die Mehrzahl der Fakten der Anwesenheit von eigenen Militärs in der Ukraine damit, dass es Freiwilligen wären, die auf den Krieg während ihren Urlaubs weggefahren wären. In DVR und LVR folgt man derselben Linie. „Sie zogen es vor, ihren Urlaub nicht auf den Seestränden, sondern unter uns zu verbringen“ - sagte Zachartschenko am 28. August im Interview den russischen Kanälen.

Als die internationalen Massenmedien über die russischen Soldaten, die in der Ukraine umgekommen waren, zu berichten begannen, fingen die russischen staatlichen Massenmedien an, das Thema über die Militär-Urlaubern zu entwickeln, die in Donbas kämpfen, bezeugt die Untersuchung der Firma „Medialogija“ für RBK. Laut den Daten des Monitoringsystems und der Analyse der Massenmedien, gab es auf den drei offiziellen Fernsehkanälen 36 Beiträge mit der Erwähnung der militärischen Freiwilligen aus Russland, 34 davon wurden nach dem 25. August gesendet.

Am 4. September wurde im Ersten Kanal die Beerdigung von Fallschirmjäger aus Kostroma Anatolij Travkin, der in der Ukraine gefallen war, gezeigt. „Vor einem Monat ging er nach Donbas, ohne was den Verwandten zu sagen. Die Kommandeure der Einheit betont: Um in die Kriegszone zu fahren, nahm Anatolij sich frei“ - sagt der Nachrichtensprecher des Ersten Kanals.

Doch dieser Beitrag stellt mehr Fragen, als beantwortet er welche. Aus ihm folgt, dass in einem Truppenteil, dem 331. Regiment des VDV in Kostroma einen in der Ukraine getöteten „Freiwilligen“, als auch „auf den Wehrübungen in Rostovskaja Oblast Gefallenen“, und zufällig in der Ukraine verirrten Kontraktsoldaten gibt, dabei sind die letzten in Uniform ohne Abzeichen gekleidet, einer sogar verwundet.

Das ist der einzige Truppenteil über deren Kämpfer die Führung nicht sagen kann, dass es Freiwillige gewesen sind: das Video der Befragung der gefangenen Militärs verneint es. Der Hauptmann Hotulev aus dem Truppenteil in Kostroma wollte RBK gegenüber den Grund für die Verletzung des verirrten Fallschirmjägers erklären. Die Gründe des Todes der anderen Kämpfer während der Wehrübung werden in dem Militärlandkreis Süd untersucht, sagte der Offizier. Der Presse-Offizier des Landkreises antwortete RBK nicht.

Ausserdem verbietet der Kontrakt es direkt den Militärangehörigen an Kampfhandlungen während ihren Urlaubs teilzunehmen, betont der Mitglied des Rates für Menschenrechte, Direktor der Menschenrechtsgruppe „Bürger. Armee. Recht“ Sergej Krivenko. „Der Dienstleistende berichtet an die Führung, wohin er während des Urlaubs fährt, in eine Zone mit Kampfhandlungen auf dem Territorium einen fremden Staats zu fahren ist ungesetzlich“, erklärt der Menschenrechtler. Nach seinen Worten muss ein nach Donbas fahrender Fallschirmjäger in so einem Fall seine Kommandeure belügen und kann in so einem Fall weder auf soziale Garantien noch auf Zahlungen im Fall seiner Verwundung oder Todesfall rechnen, als auch auf die posthume Militärehren.

Doch viele Verwandte der Gefallenen und Zurückgekehrten, die von RBK befragt wurden, sagen, dass ihnen Zahlungen im Fall einer Verwundung oder Todesfall versprochen wurden.

Am 2. September beim Treffen mit Menschenrechtlern versprach der stellvertretende Verteidigungsminister Nikolai Pankov jeden einzelnen Todesfall während der „Wehrübung in Rostov“ zu untersuchen, Krivenko übergab dem General eine Liste der Gefallenen, in dem, nach seinen Worten ca. 15 Namen standen. Eine Antwort hat er bis heute nicht erhalten.

Wie der NATO-General Breedlove behauptet, blieben im September, nach dem Beschluss des Waffenstandes vier BTG der russischen Kräfte. Das wären bis zu eineinhalb Tausend Kämpfer. Das russische Verteidigungsministerium nannte diese Einschätzung „Gedanken“.