Samstag, August 09, 2008

Blogeintrag aus Tiflis

Dies ist eine Übersetzung eines Blogs aus Tiflis

Die Stadt wurde still, unruhig werden Nachrichten aus Süd-Ossetien erwartet.. Jede Stunde kommen Berichte aus der Konfliktzone, laut den Berichten der ausländischen Journalisten, können aus den Dörfern, die nah an Zhinvali liegen, keine Evakuierungen von Zivilbevölkerung durchgeführt werden. Opfer dieses Chaoses werden in Hunderten gezählt, wie Militärs, so auch Zivilbevölkerung... Die ganze Stadt versammelt sich vor den Fernsehern, in der Hoffnung Einzelheiten zu erfahren, aber das Bild der Kriegshandlungen in Süd-Ossetien bleibt bisher unklar... All diese Tage, dieser Konflikt wurde wie noch ein Beschuss aufgenommen, doch jetzt haben wir begriffen - es ist Krieg... Um 6 Uhr morgens wurde ich vom Telefonklingeln geweckt, ich nahm den Hörer ab und hörte das Weinen meiner Freundin, die vor kurzem geheiratet hat,.. ihren Mann, wie übrigens alle anderen Jungs bis 27 Jahre, hat man auf einer Basis versammelt, von wo man sie laut Gerüchten, nach Gori überführt, wohin nach Informationen des "Rustavi2" am Morgen des 8. Augusts schon von russischen Flugzeugen Bomben abgeworfen wurden... Die Mehrheit der Reservisten, die man jetzt an heisse Punkte fährt, waren 2 Wochen in der Armee und verstehen überhaupt nicht, was man im Krieg tut. Das sind Studentenjungs, meine Freunde, meine Verwandte, meine Nächsten... Wir wissen nicht wohin man sie gefahren hat, wir können nirgends anrufen. In der Stadt herrscht Panik, die Bevölkerung betreibt Hamsterkäufe im Falle der Verschlimmerung der Situation. Die Kirchen sind voll mit Hunderten von Leuten, die kamen, um für ihre Nächsten zu beten.

In Banken, Läden, Offices alles steht still, Menschen sitzen vor dem Fernseher, versuchen rauszufinden, wohin man ihre Söhne von den Basen hingeschickt hat, ja und was überhaupt passiert. Die Ausgaben sind voll von glücklichen Annoncen der Regierung über eingenommene Dörfer und ehrlich gesagt entsteht schreckliches Gefühl der Scham, dass wir in einem Land leben, das eine schwache Republik angegriffen hat, die nicht fähig ist, sich zu verteidigen und die Menschen tötet für ein Stück Land und politische Positionen und Ziele.. Jede Sekunde warten wir auf die Nachricht, dass Russland sich in den Krieg eingemischt hat und beschlossen hat Ossetien zu unterstützen, denn wir verstehen klar, was hinterher es für uns bedeuten wird, für die einfache Bevölkerung, 90% deren, die alle Handlungen unserer Regierung als sinnlos und unwürdig empfindet... Schon ist es nicht mehr klar, wer diesen Krieg angefangen hat, und genauso als das bezeichnet man es jetzt.. Obwohl ich bin im Begriff zu meinen, dass Georgien eine unverzeihliche Aggression gezeigt hat.. Es ist einfach lächerlich die Reden unseres "Präsidenten" anzuhören, der verlautet, dass er Frieden und Stabilität in Ossetien haben möchte. Ist es denn möglich, dass dieses Land, das er so einnehmen möchte, so viel unschuldiges Leben kostet, den Krieg kostet, das Leben unserer Compatrioten kostet? Jetzt ist uns nichts anderes geblieben, als krampfhaft unsere Nächsten anzurufen, versuchen rauszufinden, wo sie sind, was mit ihnen ist, und natürlich beten. Wie banal es auch klingt, doch beten für den Frieden auf der Welt.. dafür, dass dieser Schrecken ein Ende hat und Ruhe einkehren würde, dafür, dass man unsere Nächsten nicht töten würde. Und mit unseren Nächsten verstehe ich nicht nur die Georgier, sondern auch Ossetier...

Kommentare:

Yamile Yemoonyah hat gesagt…

Vielen Dank fuer die Uebersetzung. Meine Freundin kommt auch aus Georgien und ihr Bruder wurde eingezogen.

sonikrave hat gesagt…

Das Drehbuch in den Medien wirkt konstruiert:

Zunächst gab es eine neutrale Berichterstattung und Kommentierung. Am Anfang ging es ja auch nicht anders, da die erste Offensive zweifellos von georgischer Seite ausging.

Mit zunehmder Dauer verkauft sich Georgien jetzt als der "Überfallene".

Und Russland spielt jetzt die Kosovo-Karte, wobei Ossetien hierbei wohl das georgische Kosovo sein soll, und Georgien der serbische-like Aggressator.

Interessant ist es auch, dass es in Tallinn am Wochenende heftige Prosteste gab, in der Georgier(-zugehörige fühlende) einerseits, und Russen(-zugehörige fühlende) für gegensätzliche Interessen demonstriert haben. Unangemeldet, nebenbei erwähnt.

Da in den meisten postsowjetischen Staaten Georgier, als auch Russen leben und die meisten postsowjetischen Staaten (bis auf Weissrussland halt) 'gen Westen ausgerichtet sind, sind hier schon Probleme und Unruhen mit den russischen Minderheiten vorprogrammiert.

Ein Russe meinte gestern als die estnische Sicherheitspolizei darum bat, die Demontration aufzulösen und nach Hause zu gehen, dass er nur auf die russische Polizei hören würde.

Wie schön, alte Feindbilder und Konflikte also wieder aufgetaut.

Beruhigend ist einzig, dass man sich darauf verlassen kann, dass die Dummheit der Menschheit weiterhin unendlich ist und bleibt.

kloty hat gesagt…

Hallo Sonikrave,

jetzt fängt estnische Regierung langsam an zu begreifen, was es für ein Fehler war, zuzulassen, dass hunderttausende Einwohner russländische Staatsbürgerschaft bekommen haben. Russland hat sehr klar demonstriert, dass es alles tun wird, um ihre Staatsbürger zu beschützen, es ist wahrscheinlich auch egal, ob sie sich in einer realen Gefahr befinden oder nicht, als Grund reicht es allemal. Wenn ich mich nicht täusche hat Postimees schon entsprechende Artikel geschrieben.

Gruss,

kloty

sonikrave hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
sonikrave hat gesagt…

Naja, die gefühlte Zugehörigkeit aufgrund des Passes dürfte noch für weitere Probleme sorgen.

Wir sehen jetzt in Georgien, dass Russland ihre nationalen Interessen, ohne Rücksicht auf Verluste versuchen werden, durchzusetzen.

Das erinnert schon ein wenig an den kalten Krieg.

Estland ist jedoch als NATO- und EU-Mitglied ganz gut abgesichert.

Auf Beides kann Georgien nur bedingt zählen, da jediglich gemeinsame strategische Interessen bestehen, jedoch keine verbindlichen Mitgliedsverträge.

Vorsorge-Vergleich hat gesagt…

Ich denke das sich die Lage beruhigen wird.

Gruß Ralf