Dienstag, September 30, 2008

Breites Medienecho auf das Estland-kritische Buch

Breites Medienecho auf das Estland-kritische Buch

während die Bücher, die sich mit der Geschichte und der Gegenwart Estlands kritisch auseinandersetzen und in Russland geschrieben wurden, wie Alexander Djukows "Legenden über Genozid", weitgehend ignoriert und unter russländischer Propaganda eingeordnet werden, hat man ein kritisches Estland-Buch von einem finnischen Autor geschrieben, nicht unbedingt erwartet. Johan Bäckman ist auf jeden Fall als extrem pro-russisch einzuordnen, aber selbst die finnische Präsidentin Tarja Halonen zeigt sich oft befremdet über die russophoben Ausfälle manch estnischen Politiker und ruft zum konstruktiven Dialog mit Russland auf. Die finnische Politik gegenüber Russland ist bemerkenswert pragmatisch, geschäftsorientiert und nicht vergangenheitbelastet, obwohl die Beziehungen zwischen zwischen Sowjetunion und Finnland besonders zu Stalin-Zeit sehr konfliktgeladen waren. Doch noch heute steht die Statue Alexander II an einem der Hauptplätze der finnischen Hauptstadt.

Hier ist die Übersicht des Medienechos auf das Buch "The Bronze Soldier" geschrieben von Dr. Johan Bäckman.

The book written by Dr. Johan Bäckman, The Bronze Soldier, was presented in the Russia State Television, First Channel, on the memorial day of liberation of Tallinn, September 22th 2008:
Photo: http://www.1tv.ru/newsphoto/128477/page4
Text: http://www.1tv.ru/owa/win/ort6_main.main?p_news_title_id=128477&p_news_razdel_id=1&p_pagenum=1
Video: http://www.1tv.ru/newsvideo/128477

The same day, September 22th, the book was presented also by the Russian State television channel "Rossiya". First the book presentation was announced in at 8 a.m. in the morning news, see video: http://www.vesti.ru/doc.html?id=210556
Later, the issue was presented also in the 9 a.m. news: http://www.vesti.ru/doc.html?id=210581

Bronze Soldier book in the Finnish national television, main news broadcast 22.9.2008:
http://areena.yle.fi/toista?id=1530510

A radio discussion by the Finnish Broadcasting Company about Bäckman's and other Finns critical books on Estonia:
http://www.yle.fi/java/areena/dispatcher/1545695.asx?bitrate=1

In addition to this, all Estonian main tv channels reported about the book:

Video report of the book THE BRONZE SOLDIER (including a tour with Dr. Bäckman in Tallinn) by the Estonian TV3 (in English):
http://www.postimees.ee/?id=35328

Critical video report of the book THE BRONZE SOLDIER by Estonian TV2:
http://www.postimees.ee/?id=35386

Very critical video by Eesti Päevaleht (in English):
http://www.epl.ee/artikkel/442469

Critical video by the Estonian portal Delfi:
http://rus.delfi.ee/daily/estonia/article.php?id=19938113

The full broadcast of Dr. Bäckman's interview for the Estonian State television, about his book The Bronze Soldier, can be watched here:
http://etv.err.ee/arhiiv.php?id=85376

The newspaper "Molodyosh Estonii" about Dr. Bäckman's book:
http://www.moles.ee/08/Sep/23/3-1.php

Radio Mayak:
http://www.radiomayak.ru/doc.html?id=94927&cid=

Interfax:
http://www.interfax.by/mosaic/1046072



Das Foto zeigt Arnold Meri beim Ehren des Bronzenen Soldaten am Tag der Befreiung Tallinns am 22.09.2008

Kommentare:

sonikrave hat gesagt…

Hallo kloty.

Ich denke was viel eher Estland zu einem fail-state macht (und somit auch die eigene Integrität gefährdet), ist das Estland es nicht geschaft hat, Recht und Ordnung in diesem Land aufzubauen und nachhaltig zu garantieren.

Innere Sicherheit (was in machen Ländern schon teilweise zu hyporkratisch forciert wird) wird in Estland klein geschrieben.

Das sollte auch nicht weiter verwunderlich sein, denn nach der Lesart der estnischen Regierung komme ja auch die Bedrohung alleinig von außen aus Russland.

So wundert es dann auch wenig, wenn dann jetzt auch noch die eh schon knappen Polzeiressourcen noch weiter reduziert werden.

Estlnad ist nicht in der Lage, die zivilen Rechte der Bevölkerung zu schützen, wenn es nicht um Mord und Totschlag geht.

kloty hat gesagt…

Hallo sonikrave,

ich bin mir nicht ganz sicher worauf Du anspielst. Meinst Du die hohe Kriminalitaet in Estland? Oder wer ist der Gefaehrder der Inneren Sicherheit?

Gruss,

kloty

sonikrave hat gesagt…

Hallo kloty,

das Stichwort wäre hier eher "state capture", dass heisst kriminelle Organisationen, die die Wirtschaft und Politik in Estland beeinflussen und dementsprechend destabilisieren.

Dieser Einfluß resultiert daraus, dass in Estland die Exekutive, als auch die Judikative nicht mehr ihrer Arbeit nachkommt, womit die zivilen Rechte der Bevölkerung vernachlässigt werden.

Das kennen wir ja bereits aus Litauen.

Beispiele gefällig? Nur 1% der in Estland ankommenden illegalen Drogen werden auch tatsächlich von der estnischen Exekutive konfisziert, was ein Armutszeugnis von Polzeiarbeit und Grenzschutz ist, wie sie in keinem anderen europäischen Land prozentual erbämlicher sein kann.

So ist derzeit der Drogenmarkt in Estland mittlerweile mit rund 5 Milliarden estnischen Kroonen so ziemlich der einzige und zudem der stärkste Wachstumsmakrt.

Drogen sind in Estland so billig geworden, dass sogar mittlerile Cannabis heroingetränkt verkauft wird.

Hinzu kommt die starke und oft offene Korruption vor allem in Tallinn. Polizeibeamte arbeiten nebenbei bei privaten Sicherheitsfirmen, der Taxiwirtschaftszweig wird von mafiösen Strukturen kontrolliert, ja sogar Schokoladenhersteller fringieren Unternehmensdaten, bis hin zu Käseherstellern, die EU-Hilfsgelder missbrauchen, und natürlich das strauchelnde Baugwerbe, welches zunehmends Teile von Gehälter wieder schwarz auszahlt.

Hinzu kommen dann noch Politiker, wie Edgar Savisaar, welche weit unter Marktwert zu Immobilien kommen, Freunden und Verwandten die besten Plätze für zum Beispiele Kioske reservieren, pi pa po.

Das eh schon überarbeitete Polizeiwesen erfährt jetzt auch noch eine Budget-Krise, in der hunderte von Mitarbeitern entlassen werden.

Die Devise derzeit im Polizeiwesen:

Alle Fälle ablehnen, wenn es nicht um Mord- und Totschlag geht.

Was aus so einem toxischem Korruptionssumpf wird, kennen wir bereits aus Venezuela.

Aus einem einst liberalen demokratischen Staat wird ein fail-state mit einer defekten Demokratie, welche dann eine extremistische Regierung hervorbringt, zumindest begünstigt.

Und was dann aus Estland wird, wage ich mir heute noch gar nicht auszumalen.

sonikrave hat gesagt…

"Das kennen wir ja bereits aus Litauen."

Sorry, Lettland, nicht Litauen!

sonikrave hat gesagt…

Leider habe ich auch wenig Zeit mehr in die Details zu gehen oder in Moment in meinem blog darüber zu schreiben, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen in Estland, können wir uns vor Arbeit kaum mehr retten.

Lies mal einfach die News der letzten Monate bei Äripäev (BBN), dann wird Einiges von selbst klar.

kloty hat gesagt…

Hallo sonikrave,

ich lese bbn von Zeit zu Zeit. Was ich in dem Drogenartikel nicht verstanden habe, wie ein Land, das dem Schengen-Abkommen beigetreten ist, wie behauptet 99% aller Drogen ungehindert durchläßt? Da wurden doch Millionen in die Grenzsicherung investiert, war das alles umsonst?

Eigentlich habe ich gehofft, dass der Staat es geschafft hat seit den 90ern Jahren die Mafia zurückzudrängen, meine Hoffnungen sind wohl vergebens.

sonikrave hat gesagt…

"Eigentlich habe ich gehofft, dass der Staat es geschafft hat seit den 90ern Jahren die Mafia zurückzudrängen, meine Hoffnungen sind wohl vergebens."

Es geht nicht nur um die Drogen. Estland ist machtorientiert aufgebaut. Von Gesetzen hält man nicht viel und obowhl Estland als liberales Land nun wirklich nicht gerade übermässige Regeln hat, werden selbst diese wenigen Regeln regelmässig gebrochen.

Ich hatte zum Beispiel am Wochenende ein kleines Problem im Club Parlament mein Eigentum zurück zu bekommen (Details kannst du bei bbn nachlesen). Streng genommen handelt sich hierbei um Diebstahl. Da ich auch noch Geld für die Rückgabe meines Eigentums bezahlen soll... also würde mir dies auf der Strasse passieren, würde man von einem erpresserischem Diebstahl reden und der Täter wäre jetzt im Gefängnis (eines der schwersten Verbrechen überhaupt).

Nun glaube aber ja nicht, dass mir hier die Polizei irgendwie behilflich sein würde.

a) Ist die Polizei hoffnungslos unterbesetzt

b) Arbeiten Polzeibeamte nicht allzu selten im privatem Sicherheitsdienst in Clubs und die schützen sich gegenseitig

c) Nimmt man es in Estland mit den Gesetzen eh nicht so genau


Also läuft es auf die estnische Art hinaus, d.h. Freunde informieren, die die Leute vom Sicherheitsdienst kennen und mir mein Eigentum organisieren.

Dafür bin ich denen dann irgendwann mal eine Gefälligkeit schuldig.

So läuft es hier regelmässig in Estland, hinzu kommt noch dass aufgrund der kleinen Bevölkerung sowieso über Dritte jeder jeden kennt.

Ach ja, und mein Anwalt meint zu der Sache, so bekomme ich wenigstens mein Eigentum zurück "at no time", als wenn ich über die Jstiz gehen würde.

Recht und Ordnung funktioniert in Estland nach wie vor nicht, was vor allem daran liegt, dass dieses Rechtsbewußtsein erst gar nicht in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden ist.

Die Justiz ist in den ersten zwei Instanzen mit der Regierung verknüpft, d.h. de facto in Teilen nicht unabhängig.

Von daher sollten auch Urteilsempfehlungen von Politikern nicht weiter verwunderlich sein.

Estland hat eigentlich mehr Gemeinsamkeiten mit dem heutigem Russland (wenn auch in abgeschwächter Form)), als mit Deutschland, wie die Executive und Judikative wenigstens noch einigermaßen strukturiert funktioniert.

Zum Thema Drogenhandel und Grenzsicherung betrifft, sicherlich wurden da Millionen EURO von EU-Hilfen verballert.

Wenn allerdings Estland nicht mal dazu in der Lage ist, alle EU finanzierten Projekte fristgerecht überhaupt fertig zu planen (nur 10 von derzeit über 30 Projekten), so dass jetzt ein Großteil des Geldes wohl wieder zurück an die EU geht, kannst du dir sicherlich vorstellen, wie es mit den Projekten zur Grenzsicherung aussieht.

Meine Empfehlung: Die EU-Komission sollte Estland mal sorgfältig bis auf die Grundmauern hin auf EU-Kompatibilität hin untersuchen.

sonikrave hat gesagt…

Gibt auch mittlerweile ein Bericht im Standard dazu:

http://derstandard.at/?url=/?id=1220457806736

Bei den Kommentaren dort ist mir allerdings teilweise zum würgen zumute.

Das ist ja schon schlimmer als in den Kommentarbereichen von Delfi oder Postimees.