Mittwoch, November 01, 2006

Vierte Woche in England

1. Meine Meinung zu den englischen Nachrichtensendungen ist etwas zwiespaeltig, einerseits kann die wichtigste Nachricht des Tages sein, dass eine britische Familie auf Korfu sich mit Pilzen vergiftet hat, andererseits gehen die britischen Reporter viel härter mit Politikern oder anderen Offiziellen um, als in Deutschland. Hier kann es durchaus vorkommen, dass man seinem Gesprächspartner erstmal alle Beleidigungen auf den Kopf wirft und der darf sich dann verteidigen, da wuerde der deutsche Politiker laengst den Raum verlassen. Daraus folgt auch die Konsequenz zur Meinungsfreiheit, sie wird als heilig angesehen, es gibt nicht einen gesellschaftlichen Konsens was gesagt werden darf und was nicht (in Deutschland ist es viel eher der Fall). Andererseits fuehrt es dazu, dass auch jede Meinung erstmal fuer ernst genommen und nicht als irrelevant abgetan wird. Ich habe keinen Beispiel fuer England, aber die "Wissenschaftler" in USA, die den menschlichen Einfluss auf das Klima verneinen, oder die Anhaenger des Kreativismus haben in USA und Grossbritanien ein leichteres Spiel, weil auch mit ihren Theorien die seriöse Wissenschaft sich auseinandersetzen muss und sich gegen sie verteidgen. In Kontinentaleuropa hat es die Wissenschaft gar nicht nötig, diese Meinungen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, weil der gesellschaftlicher Konsens die Meinungsfreiheit beschränkt. Wenn man gegen den gesellschaftlichen Konsens anredet, wird man schnell als Spinner abgetan. Ob das jetzt gut ist, oder den revolutionären Ideen, die schon oft genug zuerst als Spinnereien abgetan wurden, die Luft abgedreht wird, kann ich auch nicht sagen.

2. Wenn man in London jemanden anspricht, der europäisch aussieht, hat man folgende Wahrscheinlichkeiten:

1/3: Die Person ist ein/e Engländer/in
1/3: Die Person ist ein/e Franzose/ösin

Der Rest verteilt sich auf Deutsche, Russen, Polen, Tschechen, Slowaken usw, usf. Wie gesagt, das sind nur die Leute, die europäisch aussehen und das ist auch nur ca. jeder zweite

3. Ich fange an meine Grenzen zu begreifen. Alles aussereuropäische verursacht bei mir ein Kulturschock. Zuletzt hatte ich einen in Uzbekistan, jetzt hatte ich einen in Londoner China-Town. Der Verstand kehrt zurück, doch Du setzst ihn nicht ein, jeder Schritt neues Land, wird es immer so sein? (Die Fantastischen Vier, Der Tag am Meer) Offenbar bin ich nicht dazu geboren, ausserhalb Europas zu leben. Das gute an China-Town ist, dass man dort gut und billig essen kann (wenn man nicht so genau hinschaut)

4. Ein schweizer Taschenmesser kann auch in England gute Dienste leisten, z.B. eingeschlossene Personen aus dem Badezimmer zu befreien, weil die englischen Schlösser nicht mehr funktionieren. Das einzige woran man denken muss, ist das Messer vor dem Flug ins Gepäck zu legen und nicht bei sich zu tragen. So bin ich schon zwei Messer losgeworden

5. Halloween ist gemessen am Aufwand, den die Kaufhäuser spendieren die nötigen Accesoires an den Mann/die Frau zu bringen, doch etwas enttäuschend. Bin nur einem kleinen Skelett begegnet, der bei mir eher ein Knuddel-Reflex ausgelöst hat und einem besoffenen Pärchen, das laut ihr Recht auf Alkohol beim Verkäufer skandiert hat, weil ja heute Halloween sei.

6. Eine ordentliche Tee-Time in England zu machen, wird auch immer schwieriger, die entsprechenden Cafees sterben alle aus, wahrscheinlich wie ihre Besucher. Dafuer lerne ich die Pubs immer mehr und mehr schaetzen (es gibt hier sogar Pubs fuer Pelikane). Und was die ewigen Vorurteile gegenüber der englischen Küche angeht, wenn man eine ungefähre Vorstellung hat, was man bestellt, ist das Essen sehr schmackhaft und die Portionen riesig. Und meine Freundin ist ein Fan von Marks & Spencer geworden, so viel gesundes Essen, das auch noch handlich abgepackt ist und in Single-gerechten Portionen, gibt es in Deutschland nicht.

7. Die groessten Fans von Sherlock Holmes leben in Russland und in Japan, wenn man sich die Visitenkarten anschaut, die die Besucher im Museum hinterlassen haben. Wenn man den Waechter mit Hundewelpenblick anschaut und auf gebrochenem Englisch versichert, alle Sherlock Holmes Buecher gelesen zu haben, dann darf man Platz im Sessel nehmen, den Karo-Hut aufziehen, tiefen Zug aus der Pfeife nehmen und peinliche Photos schiessen lassen (kommen noch).

8. Die Englaender lieben es alles zu vermessen und zu ordnen. Nicht umsonst ist das Guiness Buch der Rekorde zuerst in England erschienen. Das Fernsehen ist voll mit Sendungen von alten Popstars als Moderatoren, die irgendwelche Charts der laengst nicht mehr aktuellen Hits und Filme erstellen. Leider ist diese Welle als schlechte Kopie auch nach Deutschland ins Unterschichtenfernsehen ruebergeschwappt, wo Nachwuchskomiker ueber Lieder laestern, die schon lange vor ihrer Geburt nicht mehr aktuell waren.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…

Hallo kleiner Bär, ich glaube, Du bräuchtest einen Lektor ;-), verlernst wohl langsam Deine zweite Muttersprache.

pvnam_3 hat gesagt…
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