Freitag, April 27, 2007

Krawalle in Tallinn

am 26.04.07 geschah in Tallinn genau das, wovor schon Monate vorher gewarnt wurde: Niemand hat sich vorstellen können, dass Pariser oder Budapester Verhältnisse im kleinen gemütlichen Tallinn möglich sind, doch genau das passiert. Der erste Artikel erschien in Indymedia, doch zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht klar, dass die Plünderungen stattfinden werden. Was danach passiert ist, kann man auf diesen Fotos anschauen. Die ganze Nacht über habe ich meine sämtliche Freunde in Estland über icq und Skype erreicht, alle waren vor Ort, die Berichte waren sehr ähnlich: Die Polizei tat nichts, um die Stadt abzusichern, einige haben was abbekommen, entweder eine Portion Tränengas, oder mussten von Gummigeschossen sich in Deckung bringen. Grundtenor war bei allen derselbe: so was hat keiner von ihnen erlebt, alle waren geschockt und haben es als einschneidenden Punkt ihres Lebens beschrieben. Was am meisten aber sie bedrückt hat, war die Gewissheit, dass die Integration ist Estland vorbei ist, zwei Volksgruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Auch wenn man den richtigen Nachnamen, einen blauen Pass und Zertifikat mit der bestandenen Sprachprüfung mit der Tasche hat, es nützt alles nichts, man bleibt Bürger zweiter Klasse und wird daran auch ständig erinnert. Charakteristisch war ein Hilfeschrei auf LiveJournal, eine Frau berichtete, dass ihre estnische Kollegen Sekt getrunken haben, um den "Sieg" zu feiern.

Aber schauen wir doch mal an, was eigentlich schief gelaufen ist, warum geriet die Situation derart ausser Kontrolle?

1. Der Termin für den Beginn der Ausgrabungen konnte nicht falscher sein (vorausgesetzt, dass er nicht absichtlich gewählt wurde, um die russisch-sprachige Bevölkerung noch weiter anzuheizen). 9. Mai steht vor der Tür, einer der höchsten Feiertage für alle, für die der Kampf und der Sieg gegen den Nationalsozialismus ihr wichtigstes historisches Erbe ist. Bei sehr vielen Leuten, die jetzt in Estland leben, waren ihre Eltern, Grosseltern oder andere nähere Verwandte entweder Teilnehmer des Zweiten Weltkrieges, oder sind gar gefallen. Das Denkmal steht für alle, die in der Roten Armee gekämpft haben. An diesem Tag kommen Tausende Leute zum Denkmal, um ihrer eigener Vergangenheit oder der ihrer Vorfahren zu gedenken. Das für die Esten dieser Denkmal was anderes symbolisiert, soll erstmal ausser vor bleiben. Eigentlich sollten ja in einem demokratischen Land zwei geteilte Meinungen über eine Sache möglich sein. Vor knapp einem Monat wurde am Tag der Vertreibung den Opfern des Stalinismus gedacht. Die Veranstaltung wurde nicht gestört, nur die wenigsten werden leugnen, dass an estnischem Volk während der Stalinzeit tatsächlich Grausamkeiten begangen wurden, wie an anderen Völkern der Sowjetunion übrigens auch. Die Diskussion, ob die Rote Armee an den Vertreibungen beteiligt war und mitschuldig war, ist wahrscheinlich genauso schwer zu beantworten, wie die Frage inwiefern die Wehrmacht in Hitlers Kriegsverbrechen verwickelt war. Aber ich schweife ab. Dass dieser Termin nicht zufällig ausgewählt wurde, ist auch deswegen klar, weil die Ausgrabungen zwei Wochen gehen sollten, also pünktlich zum 9.Mai fertig sein, so dass die Wut der Menschen noch größer werden sollte.

2. Der Hauptgräber estnische Premier-Minister Andrus Ansip liess keine Gelegenheit aus, um die Stimmung aufzuheizen. Im letzten Interview gab er gleich drei Versionen zum Besten, wer denn dort begraben sein könnte: 2 besoffene Soldaten, die vom Panzer überfahren wurden, Patienten aus dem nahegelegenen Klinikum, oder marodierende Soldaten, die von ihrem Vorgesetztem erschossen wurden. Niemals wurden irgendwelche alternative Namen genannt. Für die russische Bevölkerung ist hingegen klar, wer dort beerdigt ist, 13 Soldaten, deren Namen und Rang an einer Tafel eingraviert wurden, die in den 90er Jahren für "Restauration" abmontiert wurde und nie wieder aufgetaucht ist. Es gibt Verwandte, die gerade vor den russischen Gerichten klagen und von estnischen zuständigen Stellen wegen Verfahrensfehlern ignoriert werden. Es gibt Fotos von der Beerdigung. Übrigens war das aufgespannte Ausgrabungszelt reine Show, die Gräber befinden sich viel näher an der Trolleybus-Haltestelle, wurden also gar nicht verdeckt. Beim Schichten der Platten für die Haltestelle wurde damals zufällig ein Sargdeckel entdeckt und ein Knochen, den man wieder eingegraben hat. All diese Mutmassungen haben noch das Öl ins Feuer gegossen.

Jetzt zu den unmittelbaren Geschehnissen
3. Polizeistärke war ganz klar unzureichend. Wenn man anschaut, wie bei den Demonstrationen in Russland, bei denen mit Krawalle zu rechnen ist, auf jeden Demo-Teilnehmer 2-3 Polizisten und Mitglieder des Sondereinsatzkommandos kommen, beim gestrigen Einsatz war das Verhältnis eher umgekehrt. Oder schaut doch mal einen Castor-Einsatz an, oder Polizistenzahlen für die Demos bei der Sicherheitskonferenz in München an. Obendrein war die Polizei schlecht ausgerüstet, nicht motiviert und falsch positioniert. Auf keinem der Fotos habe ich Riot-Shields gesehen, die in anderen Ländern zu unabdingbaren Ausrüstung gehören. Selbst Sturmhelme waren wohl eine Seltenheit. Um die Demogruppen abzudrängen, wurde eine Menschenkette benutzt. Durch die Einnahme der Nationalbibliothek hatten die Demonstranten einen Höhenvorteil, so dass Müllbehälter von oben auf die Polizisten geworfen werden konnten. Bei den Sondereinsatzkräften wurden ältere Frauen als Mitglieder gesichtet, die den Job eher wegen Gehalt machen, und physisch und mental wohl eher weniger dazu geeignet sind. Weiter wurde berichtet, dass die Demonstranten gefordert haben, wenigstens Frauen-Polizisten abzuziehen, bevor es zu Steinschlachten kam. Sämtliche Polizeikräfte haben sich in den Ring, um den Bronzenen Soldaten positioniert, wurden also von den Demoteilnehmern blockiert, während die Randalierer längst woanders ihre Zerstörungsarbeit verrichten konnten. Erst durch den Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen wurden die Demoteilnehmer zu unkontrollierbaren Menge, die sich so was von ihrer Polizei klar nicht erwartet hat. Übrigens wurde auch von Polizisten berichtet, die nach dem Schichtende ihre Uniform auszogen und sich zu den Demonstranten gesellten. So viel zur Motivation.

4. In Deutschland mit ihrer reichen Erfahrung mit Randalen gibt es gut ausgearbeitete Taktiken sowohl von der Seite der Polizei, als auch von der Seite der Demonstranten. Beide Seiten haben ihre Methoden perfektioniert und wissen was sie erwartet. Es gibt sogar Kurse von den alternativen Gruppierungen, wie man sich richtig verhält, was ist rechtlich erlaubt, wann kann man sich wegtragen lassen, wie viel kostet das, wie kettet man sich richtig an die Gleise an, was ist an Vermummung erlaubt usw. Man weiss wie man sich verhalten muss, damit das Risiko kalkulierbar ist. Die Demos werden streng durchorganisiert und von Leuten mit Erfahrung geplant. Wenn diese Taktiken versagen, kommt es zu Szenen, wie an manchen Jahren am 1.Mai in Kreuzberg, wenn unter dem Anheizen von Atari Teenage Riot Steine fliegen oder wie an den Chaostagen in Hannover, als der Polizei nichts anderes übrigbleibt, als in Schildkrötenformation sich zurückzuziehen, während die Punks mit allem möglichen auf sie eindreschen. Aber noch nie in der jüngsten Geschichte wurde eine deutsche Stadt derart dem Mob überlassen wie Tallinn gestern. Bei den Demonstranten fehlten auch jegliche Führung, woher soll sie auch kommen, der einzige Aufruf, der der Mail verbreitet wurde, war, dass man sich um 18.00 Uhr am Denkmal treffen sollte. Durch die methodische Verhinderung von Bildung einer russischen Elite gibt es niemanden, der eine Führung übernehmen könnte, der die gewaltbereiten Teilnehmer mit Hilfe der Demonstranten von der Gruppe separieren könnte und ggfs. der Polizei übergeben. Aktivisten des Notchnoy Dozor werden vom Geheimdienst überwacht und wurden gestern als erste noch am morgen verhaftet. Und selbst sie hätten wahrscheinlich nicht genug Autorität, um das Geschehene zu verhindern. Die Regierung hat mit keinem Vertreter der wenigen russischen Gruppierungen ihr Vorgehen um das Denkmal erörtert.

Soviel zur absoluten Selbstüberschätzung der Regierung, die tatsächlich gedacht hat, dass sie mit der Hilfe von wenigen Kräften und purer Härte die Frage um den Bronzenen Soldaten lösen könnte. Angeblich nicht mal die Stadtverwaltung wurde in die Planung einbezogen. Und deswegen beantworte ich gleich die Frage, ob aus meiner Sicht die Krawalle notwendig und richtig war. Ja, war sie. Die Explosion war nötig, um zu zeigen, dass die Geduld der russisch-sprachigen Minderheit am Ende ist. Akte des zivilen Ungehorsams sind nötig und eine starke Demokratie überlegt sich, was im Staat falsch läuft, dass die Leute auf die Strasse gehen und keine Strafe fürchten, keine Entlassung (auch schon passiert) und evtl. Verlust der Gesundheit und sogar eigenen Lebens (es gab einen Toten). Viele fragen sich, was die marodierenden Banden mit dem Bronzenen Soldaten zu tun haben. Nun, inzwischen wurde festgestellt, dass ein Drittel der Marodeure Esten sind, so dass selbst der estnische Präsident Ilves in seiner Rede gesagt hat, dass Marodieren nicht abhängig von der Nationalität ist. Wäre die Demo überhaupt organisiert, hätten die Ordner die besoffenen Teenager sofort ausgesondert, würde die Polizei keine taktischen Fehler begehen und zu richtigen Zeit an richtigen Stelle sein, der Ausmass an Zerstörung wäre viel geringer. Wobei ich für die Zerstörung des Hauses der Reformpartei und der Nazikneipe eine gewisse Sympathie nicht verleugnen kann und das als Ironie des Schicksals betrachte, dass ausgerechnet diese beiden Gebäude in der Nähe der Ausschreitungen waren.

Wie geht's weiter? Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es zu weiteren Ausschreitungen kommen, entweder schon heute Abend, spätestens aber am 9.Mai. Auf beiden Seiten wird weitere Radikalisierung stattfinden, nicht ausgeschlossen ist es, dass weitere Kräfte aus Ida-Virumaa und evtl. sogar aus Russland und Lettland dazustossen. Es wird schon zu einem Marsch auf Toompea geblasen. Auf der estnischen Seite melden sich schon Nationalisten mit der Forderung um eine Massendeportation. Die abgeschwächte Form präsentieren die Mitglieder der Regierung, die warnen, dass die Marodeure ihre Aufenthaltsberechtigung verlieren könnten. Fraglich ist, wer denn als Marodeur gezählt wird. Nur jemand, der mit Beute festgehalten wurde, oder jemand, der auf zahlreichen Fotos und Videos aufgenommen wurde, weil er dorthin von der Polizei abgedrängt wurde? Verschleiert hat sich ja auch keiner und auf keinem Foto sind die Gesichter der Demonstranten verpixelt dargestellt. Ja, es gibt noch viel zu lernen in Estland, auf beiden Seiten. Und langfristig? Die Verhältnisse mit Russland sind auf dem Tiefstpunkt, wahrscheinlich wird der russische Botschafter abgezogen. Der Transitverkehr wird gesperrt, die Projekte mit russischen finanziellen Beteiligungen mit viel höheren Zinsen verzinst, um das Ausfallrisiko zu minimieren, was zum Rückzug der russischen Investitionen führen wird. Estnische Produkte werden in Russland boykottiert. Evtl. ist sogar ein Gesetz nach dem Vorbild des amerikanischen Burton-Helms Gesetzes denkbar, nach dem keine Firma, die sich in Estland engagiert, in Russland Geschäfte tätigen darf. Damit wird Estland schlagartig für westliche Investoren uninteressant, denn mit 130 Mio Einwohnern ist Russland ein viel interessanterer Geschäftspartner als das 1,3 Mio Einwohner zählendes Estland. Estland wird das auch nicht untätig hinnehmen. Das nächste wahrscheinliche Ziel ist der Abriss der Alexander-Newski Kathedrale auf Toompea. Damit wird Estland nicht nur Russland, sondern der gesamten orthodoxen Welt vor den Kopf stossen. Vielleicht hätte die EU sich nicht um die Nase führen sollen und genauer auf die Nationalitätenprobleme in den Beitrittsstaaten schauen. Die Beziehungen zwischen Russen und Esten kurzfristig zu kitten, dürfte sich als unmöglich erweisen.

Montag, April 23, 2007

Einige Eindrücke aus Frankreich

ich war jetzt zum ersten Mal tief in Frankreich, genauer gesagt in Grenoble, aber selbst in zwei Tagen sind mir ein paar Sachen aufgefallen, die ich der geehrten Leserschaft nicht verweigern möchte. Nur zur Erinnerung, dieses Wochenende kann man durchaus als historisch für Frankreich betrachtet werden.

1. Die Wahlbeteiligung ist zum Beispiel historisch, ca 85% sind zu den Wahlen gegangen, das heisst die Franzosen wissen durchaus, um was es geht. Zum letzten Mal gab es so eine hohe Wahlbeteiligung in den 60ern.

2. Fast alle Wahlplakate in Grenoble sind bemalt, fast alle, ausser die von Segolene. In Frankreich will halt niemand die Schönheit verunstalten. Das ist wohl Kultur.

3. Die Rede von Sarkozy war zum Heulen schön, sogar mit meinen kargen Französisch-Kenntissen habe ich sie verstanden. Falls in Deutschland ein Politiker so eine Rede halten würde, die Ironiker und Satiriker dieses Landes (Harald Schmidt voran) würden ihn in der Luft zerreissen. Pathos ist in Deutschland unerwünscht, in Frankreich (und England) höchst willkommen.

4. Keine Züge ausser den TGVs haben Steckdosen an Bord, also hat auch niemand Laptop aufgeklappt, alle jungen Pärchen knutschen hemmungslos rum, man sitzt da und geniesst den Anblick oder wird neidisch (je nach Stimmung)

5. TGVs haben einen schwerwiegenden Nachteil, sie sind reservierungspflichtig, das heisst, falls sie ausverkauft sind, sind sie ausverkauft und man kommt ganz einfach nicht drauf. Und ausverkauft können sie schon Tage zuvor sein. Und das besonders gemeine ist, dass die Deutsche Bahn keine Informationen über andere Züge bekommt, weil die SCNF alle auf TGV lotsen möchte. So kann eine Reise sich als unmöglich erweisen, falls man nicht früh genug reserviert.

6. In Frankreich muss man an alles selbst denken, auf alles muss man selbst aufpassen, damit kein Blödsinn rauskommt. Meinem Freund wurde seine Hometheater-Anlage im Laden so eingepackt, dass sie komplett verkratzt wurde, als er zu Hause ankam. Er hätte wohl extra sagen müssen, dass man Isolationsstoff um die harten Teile hätte wickeln sollen.

7. So viel Geschmack bei Industrieanlagen haben Franzosen auch nicht. Sehen recht hässlich aus.

8. Stellt Euch folgende Situation vor. Ein Kurort, hunderte Gäste, kein Restaurant, der was anderes anbietet, als Crepes und Eis. Und riesige Hotels, die komplett leer stehen. C'est France. Dafür haben sie Segolene und wir Angela Merkel. C'est France aussie.

9. Ach, französische Mädchen, die kaum Make-Up tragen, sich recht einfach anziehen, aber trotzdem sehr suess aussehen und dazu auch noch französisch (die schönste Sprache der Welt) sprechen und einem Schwätzchen nie abgeneigt sind. Habe ich schon erwähnt, dass Segolene, wie ein Engel aussieht in ihrem weissen Anzug vor dem weissen Hintergrund?

10. wer hat eigentlich erzählt England sei teuer? Nur in Frankreich (und im deutschen Puff) kann man für ein Glas Mineralwasser 3 EUR zahlen und für ein kleines Bier fast fünf.

11. Ein schönes Beispiel von politischer Kunst. In Frankreich wird auch eine Diskussion über die Abgabe von Fingerabdrücken geführt. Also hat der Künstler (den Namen weiss ich leider nicht) dem damaligen Innenminister (also Sarkozy) einen Kuli gegeben, damit er ein Autogramm schreiben kann. Und die Fingerabdrücke von Sarkozy auf dem Kuli wurden zu Stempeln verarbeitet. Hiermit also noch ein Wettbewerb: Wer mir die Fingerabdrücke von Schäuble verschafft, bekommt von mit gleich eine Kiste besten fränkischen Wein.

Freitag, April 13, 2007

Drei Artikel von rus.delfi.ee

Für einige ist rus.delfi.ee eine Hetzseite, die ethnische Unruhen schürft und die Integration verhindert, für die anderen (unter anderem für mich), ist das die einzige Möglichkeit eine Übersicht zu bekommen, was die russisch-sprachige Community in Estland bewegt. Man kann dort Nachrichten, Meinungen und Kommentare über die aktuelle Situation in Estland aus der Sicht der Bevölkerung bekommen. Drei Artikel der vergangenen Tage möchte ich gerne ins Deutsche übersetzen, weil sie recht bezeichnend für die jetzige Situation sind und das gesamte Versagen der estnischen Politik gegenüber der eigenen Bevölkerung und dem grossen Nachbarn Russland offenbaren.

Der erste Artikel wurde in der Zeitung "Vesti Dnja" am 31.03.2007 veröffentlicht.

Lettland liess Estland Ohren vom verendeten Esel

Als vor einigen Monaten der lettische Minister für Kommunikation Ajnar Schlesers verkündete, dass "Kenntnisse der russischen Sprache unser Öl, Gold und Brillanten seien, die man richtig investieren müsse", haben die estnischen Politiker durchaus skeptisch darauf reagiert. Einige von ihnen haben sogar behauptet, dass der russische Transitverkehr nur der Ökologie unseres Landes (Estlands) schade und die estnische Wirtschaft auch ohne ihn überleben könne.

In dieser Zeit hat man in Lettland angefangen eine Basis für russischen Business aufzubauen, das Investitionskapital ins Ausland brachte. "Wir sind nicht nur näher, sondern besser als die Schweiz, weil im Gegensatz zur Schweiz, 90% der lettischen Bevölkerung russisch spricht", bemerkte Schlessers.

Diese Ereignisse wurden zu einer unangenehmen Sensation für unsere (estnische) national-besorgten Politiker. Denn seit geraumer Zeit waren die aussenpolitische Handlungen Estlands und Lettlands miteinander abgestimmt. Wobei im Widerspruch zum gesunden Menschenverstand und den Grundlagen des Kapitalismus die politischen Interessen über die wirtschaftlichen gestellt wurden.

Die Notbremse wurde in Riga gezogen

Zuerst hat Lettland ihre Position überdacht und fing an neue Kontakte zu dem östlichen Nachbarn zu suchen, gleichzeitig hat Estland den Krieg dem Bronzenen Soldaten erklärt und hat auch so schon schwierige Beziehungen zu Russland zusätzlich verschärft. Im Ergebnis wurde Lettland ein Teil des Transportkorridors "Seidene Strasse" (gemeinsamer russisch-amerikanischer Projekt), durch den chinesische Waren nach Europa geschickt werden.

Wir (Estland) haben nur politische Drohungen und die Aussicht auf eventuelle ökonomische Sanktionen von Seiten der Duma und des Kremls bekommen, als auch den Vermerk, dass eine neue Brücke über den Fluss Narva momentan "keine Priorität" besitzt. Obwohl genau dieser Schritt könnte uns sowohl von den vorhandenen Transportproblemen erlösen, als auch die Beziehungen der beiden Länder verbessern.

Die zweite Nachricht war, dass Lettland vor hat die Kapazität des Grenzverkehrs mit Russland zu verdoppeln. Und obwohl der russische Transitverkehr durch Estland sich in den vergangenen Monaten auch erhöht hat, ist eine mögliche Austrocknung dieser Einnahmequelle eine reale Perspektive.

Geld stinkt nicht nach Gas

Doch der richtige Donnerschlag war die Unterschreibung des lettisch-russischen Vertrages über die Grenzziehung. Zuerst verdarb die Tatsache den estnischen Politikern die Stimmung, dass Lettland auf jegliche Territorialansprüche Russland gegenüber verzichtet, faktisch wurde aus dem Vertrag die Präambel entfernt (die diese Ansprüche bekräftigte, Estland hat eine ähnliche Präambel in den Vertag eingebaut, weswegen das russische Parlament sich weigert den Vertag zu ratifizieren).

Desweiteren kam eine Information, die unsere Elite komplett schockierte. Wie die russischen Massenmedien berichtet haben, verhandelten der lettische und der russische Premier-Minister, dass auf dem lettischen Territorium eine grosse Gasaufbewahrungsanlage für den russischen Gas gebaut werden soll, auf die das gesamte Europa Zugriff haben wird. Dazu wurde erklärt, dass Lettland direkte Verhandlungen mit dem russisch-deutschen Konsortium führen wird, das die Nordeuropäische Gaspipeline baut.

Teile und Herrsche

Auf diese Weise wird Riga, die noch vor kurzem aus rein ökologischen Gründen gegen das Projekt der Nordeuropäischen Gaspipeline eingetreten ist, sich selbst an die durch die Ostsee führenden Pipeline anschliessen und bietet sogar "Gasprom" an, ihre gasleitende Infrastruktur zu benutzen.

Diesen Dolchstoss in den Rücken hat unsere regierende Elite ganz klar nicht erwartet. Premier-Minister Estlands Andrus Ansip sollte jetzt das cäsarische "Auch Du, Brutus!" aussprechen. Doch, wie der unvergessene Talleyrand mal sagte: "Verrat zur rechten Zeit ist kein Verrat, sondern Vorsehung."

Wenn man die Gerüchte hinzufügt , dass der grösste baltische Ölterminal in Ventpils von einer russischen Ölfirma gekauft werden könnte, so besteht die Möglichkeit, dass der Ölfluss durch Lettland bald wieder funktioniert.

Es sieht so aus, dass die "Ohren des toten Esels", die Putin Lettland für die Territorialansprüche angedroht hat, am Ende Estland bekommen wird. Die lettische Führung hat ihren Kurs geändert und beginnt die Früchte zu ernten. Und was für Ernte im Korb unserer Regierung sein wird, werden wir im Herbst ja sehen.

Anmerkung meinerseits: Russland ist momentan der größte Importeur in Estland.

Der nächste Artikel benennt die 10 wichtigsten Ziele, die der Ministerpräsident Ansip sich für seine nächste Regierungszeit gestellt hat.

Ministerpräsident Andrus Ansip hielt heute (04.04.2007) in Rijkogu eine Rede, in der er die wichtigsten Ziele der neuen Regierung herausgestellt hat, als wichtigste nannte er das Erreichen von positiven Bevölkerungszuwachs, so die Eesti Päevaleht ("Die estnische Tageszeitung").

Die Achse der neuen Regierung Estlands ist ein Handlungsplan, um die zehn wichtigsten Ziele für das Land zu erreichen.

Als erstes und wichtigstes Ziel nannte Ansip einen positiven Bevölkerungswachstum.

Zweites Regierungsziel ist das Erreichen von energetischen Unabhängigkeit und Sicherheit.

Drittes Ziel, laut Ansip, ist das Bestehen gegen die globale Konkurrenz der Unternehmensbesteuerung

Viertes Ziel besteht darin, eine gute Ausbildung zugänglich zu machen und die Wirtschaftsstruktur soweit ändern, dass der Schwerpunkt nicht an der arbeitsintensiven sondern an der wissensintensiven Produktion liegen sollte, indem man alle Mittel für die Einführung von Modernisierungen einsetzt.

Laut dem fünften Ziel ist es für Estland überlebenswichtig eine Meinung über sich zu bilden als aktiver Vorreiter und geistiger Führer bei der Vertiefung der Europäischen Union und NATO und Formierung der Einheit der westlichen Welt.

Sechstes Ziel der neuen Regierung ist es die estnische Sprache und Kultur zu bewahren und weiterzuentwickeln

Siebtes Ziel ist es ökologisch sauberes, schönes, wirtschaftliches und innovatives Estland zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Achtes äusserst wichtiges Ziel besteht darin, dass man qualitative und überlebensfähige Gesundheits- und Sozialsicherungssysteme entwickeln sollte, die nicht Bürger vom Staat abhängig machen würde, aber Platz für die Eigenverantwortung der freien Bürger liesse, denn, laut dem Ministerpräsidenten, dies wäre die einzige Möglichkeit mit dem Überalterung und Rückgang der Bevölkerung fertigzuwerden (versteht das jemand, warum das so sein sollte?).

Neuntes Staatsziel ist die Modernisierung des Staates, Mitspracherechte der Bürger und die Erhöhung der inneren Sicherheit.

Das letztes zehntes Ziel Estlands (doch nicht minder wichtige) ist es Estland als liberale Gesellschaft zu bewahren und zu entwickeln.

Gleichzeitig begrenzen sich die Aufgaben der Regierung nicht nur mit dem Obergenanntem, die Regierung hat ein symbolisches Motto. "Das Motto der Regierung ist weiterhin: Wir wollen ein Estland, das zu den reichsten europäischen Ländern sich zählen würde, sich um jeden kümmern würde und glücklich wäre. Natürlich haben wir das noch nicht erreicht. Aber jeder nachfolgende Tag wird ein besserer sein" - sagte Ansip

Nun, viel interessanter, als das was Ansip sagte, ist es was er nicht sagte. Wie es aussieht, ist es kein Ziel mehr für Estland baldmöglichst EURO als Währung einzuführen (wir erinnern uns, es gab mal Zeit, da hat Ansip seine politische Zukunft damit verbunden, falls Estland 2007 nicht zur Eurozone gehört, wird er zurücktreten).

Ebenfalls gehört die Entwicklung von guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu Russland auch nicht zu Top-Prioriäten der estnischen Regierung. Es gab mal einen schönen Kommentar zu diesem Thema, es hiess doch mal, dass die neuen östlichen EU-Mitglieder eine Vermittlerrolle gegenüber Russland einnehmen würden. Jetzt sieht es so aus, als wenn sie selbst einen Vermittler brauchen würden.

Kein Wort steht auch über die Massnahmen gegen den Mangel an Arbeitskräften, die man mit positiven Bevölkerungszuwachs kurzfristig kaum beheben könnte.

Und kein Wort findet sich zur Integration der russisch-sprachigen Bevölkerung. Vielleicht hat man ja eingesehen, dass diese Aufgabe von keiner Regierung zu schultern ist, wie der folgende Artikel beweist.

94.5% der Servicekräfte sprechen kein Estnisch

Von den in diesem Jahr überprüften 164 Verkäufer sprachen ganze 155 kein Estnisch. Die Liste der Läden mit den nicht der Staatssprache Mächtigen führt die Billigkette Maxima an, die auf die Empfehlung der Sprachinspektion hin angefangen hat, ihre Angestellte zu schulen.

Im letzten Jahr aus 875 überprüften Arbeiter des Dienstleistungssektors haben 603, d.h. 69% nicht auf dem erforderlichem Niveau die Sprache beherrscht, dieses Jahr beträgt ihr Anteil schon 94,5%, schreibt Eesti Päevaleht.

Direktor der Spachinspektion Ilmar Tomusk sagte, dass die Inspektion den Wechsel der Schulen auf die estnische Sprache abwarte, weil die heutigen Absolventen in der Schule Estnisch nicht lernen würden. "Diejenigen, die 1986 und 1987 geboren wurden, sprechen überhaupt kein Estnisch!"

Die Nichtesten beherrschen die Staatssprache auch im öffentlichen Sektor nicht, wo die Sprachkenntnisse verpflichtend seien: von den im letzten Jahr überprüften Arbeitern des öffentlichen Dienstes, unter ihnen auch Lehrer, beherrschten auf dem erforderlichen Level 89% die Sprache nicht.

Vielleicht ist angesichts solcher Zahlen 16 Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit doch ein Umdenken nötig, selbst mit Peitsche der Spachinspektion und drohender Entlassung schaffen es die Leute nicht, die Sprache zu lernen. Und verzichten auf die billige Arbeitskraft der russisch-sprachigen Minderheit kann Estland angesichts solcher Zahlen ebenso wenig. Vielleicht sollte die russisch-sprachige Minderheit mal einen Tag komplett streiken, um zu zeigen, dass ohne sie Estland schnell zusammenbrechen würde. Da würde auch ganz schnell ein elftes Ziel auf die Agenda der Regierung kommen.

Sonntag, April 01, 2007

Die trashigsten youtube-Videos

Wer mich kennt, weiss, dass meine persönliche Trashgrenze sehr tief angesiedelt ist, damit ich mit dem Kopf auf den Tisch knalle, muss schon einiges passieren. Diese Videos haben es allerdings geschafft (Achtung, die meisten sind politisch höchst unkorrekt).

Der Bonker
Die Steigerung
Hände hoch
Dagegen ist DJ Ötzi Beethoven

Deswegen ein Wettbewerb:

Wer es schafft mir ein Link zu einem youtube Video zu schicken, bei dem ich mit Kopf auf den Tisch knalle, bekommt von mir eine Flasche guten fränkischen Wein. Auf geht's.

Freitag, März 30, 2007

Letzte Woche England

Nachdem schon Befürchtungen laut wurden, dass wegen der vielen Estland-Artikeln ich womöglich dorthin gehen werde, um den Bronzenen Soldaten zu verteidigen, kann ich alle beruhigen. Dies ist mein letzter Eintrag über England und ab nächster Woche bin ich wieder in Beckstein-Land.

1. Angeblich existiert in England ein Gesetz, der einen Fahrer, der einen Hund überfahren hat, verpflichtet, auszusteigen und die Polizei zu rufen. Für Katzen, Füchse, Hasen und sogar Rehe die teilweise massenweise platt auf der Strasse rumliegen (besonders in der Gegend von Stonehenge), gilt es nicht.

2. Stonehenge. Ein Beweis, dass auch frühere Engländer Exzentriker waren. Wem würde es sonst einfallen riesige Steine über Hunderte von Kilometer zu schleifen und an einem Platz, wo Fuchs und (später überfahrene) Hasen sich gute Nacht sagen, so was aufzubauen? Die Anlage selbst ist gar nicht gross, die Steine sind aber riesig. Man kann nicht mehr reingehen, weil man Angst vor Graffitis hat. Ein Graffiti ist aber dort und zwar von Christopher Wren persönlich (der Erbauer von St.Pauls). Das ist dann wohl erhaltenswerte Kunst.

3. Falls jemand in der Stimmung ist, sich einen schottischen Kilt zu kaufen, muss unbedingt nicht nur auf die passenden Muster schauen, sondern sich beim Verkäufer erkundigen, welchem Clan dieses Muster (Tartan) gehört. Es gibt da eine Geschichte über die MacDonalds und Campbells, die seit 1692 miteinander im Streit sind (das kennen wir ja schon aus Oxford). Wenn man also in der falschen schottischen Gegend einen falschen Kilt trägt, kann man durchaus auf die Fresse kriegen, auch wenn das ein Schotte niemals zugeben würde

4. Apropos Schotten. Eine der Begründungen meinem Chef gegenüber warum ich nach England möchte, war, dass ich meinen schottischen Chef besser verstehen möchte. Dieses Ziel wurde definitiv nicht erreicht, selbst jetzt kriege ich nur 50% davon mit, was einem erzählt. Die Engländer haben mich beruhigt, ihnen geht's es auch nicht viel anders.

5. Indische Restaurants in England sind köstlich. Ich würde nie freiwillig in ein deutsches indisches Restaurant reingehen, hier würde ich nie freiwillig wieder rausgehen.

6. Was chinesische Restaurants angeht, duck with pancake ist wirklich chinesisches Essen und nicht englisch-chinesisch, so wie der deutsch-türkische Döner. Ich war bei einem chinesischen Kollegen zum Essen eingeladen, es gab duck with pancake, dumplings und eine sehr seltsame Nachspeise mit Sesamfüllung und klebrigem Reis als Mantel in Kugelform. In Deutschland ist so was komplett unbekannt.

7. Wo steht die älteste Topfpflanze der Welt? Natürlich in den Kew Gardens, wohl dem ältesten botanischen Garten der Welt. Es ist eine recht schiefe Palme, die zu der Zeit der französischen Revolution gepflanzt wurde und immer noch gut gedeiht. Daneben noch eine Zeittafel, wie viele englische Könige diese Palme überlebt hat. Erinnert mich an die Biographie von Fidel Kastro, wie viele amerikanische Präsidenten er schon überlebt hat. Mit dem Unterschied, kein englischer König wollte der Palme was zu Leide tun.

8. Den George IV hat die Palme übrigens auch überlebt. Dieser König ist für den englischen Neuschwanstein verantwortlich, den Royal Pavilion in Brighton. Sieht aus, wie eine gewagte Kopie von Tajj Mahal inmitten von normalen englischen Häusern. Zu Brighton kann man nur sagen, wenn man aus dem Zug steigt, sollte man sich links halten, sonst landet man nicht in Brighton, sondern in Hove, was an Hässlichkeit kaum zu überbieten ist. Brighton selbst ist auch nicht gerade eine Schönheit (definitiv hässlicher als Bournemouth), aber es ist eine grosse Musik- und alternative Szene dort (remember Fat Boy Slim: You're not from Brighton, you're not from Brighton) beheimatet.

9. Der Spiegel schreibt ellenlange Artikel über die Sorgen der Engländer wegen den vermissten Soldaten. Während meiner gesamten Zeit hier habe ich nicht ein einziges Mal ein Gespräch über den Krieg gehört, nichts über verschleppte Soldaten, nur über Bush wird gelegentlich gelästert. Über Politik unterhalten sich Engländer überhaupt nicht, eher übers Wetter, übers Verkehr, übers Haus oder über Sport.

10. Ich könnte noch viel und lange schreiben. Leute, die es geschafft haben mich zu besuchen, können das nur bestätigen. Es war definitiv eine sehr gute Entscheidung hierher zu kommen, mal was anderes zu sehen, andere Kultur und Mentalität zu erleben. London ist und bleibt für mich die tollste Stadt der Welt. Ob sich mein Englisch signifikant verbessert hat, weiss ich nicht, ich weiss, dass man anstatt Pfund quits sagt, kann eine council tax erklären und weiss, dass chap das Wort der Stunde ist und dude langsam ablöst. Ich weiss auch, dass England immer eine Insel bleiben wird, sowohl kulturell, als auch politisch, als auch ökonomisch. Das Geheimnis, das ich nicht auflösen konnte, waren die britischen Frauen, mit ihnen kann ich überhaupt nichts anfangen, aber es geht nicht nur mir so. Auf jeden Fall werde ich dieses halbe Jahr in einer warmen Erinnerung behalten.

Happy End

Freitag, März 16, 2007

Estnische Wirtschaft von einem Nichtvolkswirtschaftler für Nichtvolkswirtschaftler erklärt

Ich habe nie wirklich Volkswirtschaftsvorlesungen gehört, aber ich denke mit etwas Allgemeinbildung ist es auch ganz interessant einen Blick auf die aktuellen Zahlen der estnischen Volkswirtschaft zu werfen und ein bisschen Kaffeesatzleser zu betreiben, zu was es denn alles führen wird. Alle, die mehr Ahnung von der Materie haben, sind herzlich willkommen, mich zu widerlegen.

Schauen wir doch ein paar Zahlen an. Das estnische statistische Department hat gemeldet, dass das der Bruttoinlandsprodukt 2006 satte 11,4% betragen hat. Wenn man die Daten von CIA Worldbook of Facts ranzieht, sieht man dass Estland damit unter den 10 am schnellsten wachsenden Wirtschaften weltweit befindet. Wie kommt denn dieser enorme Wachstum zu Stande? Die Binnennachfrage wuchs um 15,1%, der Aussenhandel um 10%, der Import um 14,7%. Der Leistungsbilanzdefizit beträgt ca. 12%, das bedeutet, dass mehr Waren importiert, als exportiert werden.

Diese Zahlen sagen aus, dass estnische Bevölkerung gerade sehr konsumorientiert eingestellt ist. Die inländische Wirtschaft hält mit der Nachfrage nicht schritt, bzw. produziert Waren, die nicht für estnisches Konsum geeignet sind. Woraus besteht denn die estnische Wirtschaft?

Die Landwirtschaft trägt 11% zu dem Bruttoinnenprodukt, die Industrie 28% und der Dienstleistungssektor die restlichen 69%. Die Industrie fertigt hauptsächlich Halbfabrikate, die ins Ausland zur Weiterverarbeitung exportiert werden. Die größte Produktionsfirma in Estland ist Norma, die Sicherheitsgurte für Autos produziert, die alle exportiert werden, da Estland keine Automobilfabrik hat. Dasselbe gilt für die holzverarbeitende Firmen. Wie jeder Zwischenverarbeiter bestätigen kann, werden die grossen Gewinne nur am Ende der Produktionskette generiert, ansonsten versucht der Endproduzent die Lieferantenkette so weit wie möglich zu optimieren, so dass die Gewinnmargen der Zwischenverarbeiter recht klein sind. Warum das wichtig ist, sehen wir später. Estland ist auch ein Transitland für russische Waren, die per Eisenbahn oder LKW zu einem der estnischen Häfen geleitet werden, wo sie auf dem Schiffsweg weiter transportiert werden.

Im Dienstleistungssektor sind Finanzwesen, ITK und Tourismus die wichtigsten Zweige. Starkes Finanzwesen und der Fakt, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Bauwirtschaft zum Erliegen kam (von jährlichem Zuwachs der Wohnfläche in den 80ern Jahren um 60000m^2 fiel dieser Wert auf nahezu 0 in den 90ern und ist momentan unter 10000m^2), führte zu einem anderen Effekt, der starken Einfluss auf estnische Volkswirtschaft hat, nämlich Explosion der Immobilienpreise. Die teuersten Objekte werden zu Preisen von 100000 Kronen/m^2 verkauft, das sind 6410 EUR/m^2 (zum Vergleich Eigentumswohnungen in Köln und Düsseldorf (deutsche Spitzenreiter) kosten 5000 EUR/m^2). Günstige Finanzierungsangebote ermöglichen Kauf selbst solcher komplett überteuerter Immobilien. Was dadurch natürlich steigt, ist die Verschuldung der Bevölkerung.

Damit wären wir bei den Gefahren, die der estnischen Wirtschaft in der nahen Zukunft drohen angelangt. Niedrige Zinsen ist nicht der einzige Anreiz, einen hohen Kredit aufzunehmen. Weiterer Anreiz ist Garantie, dass der Kaufobjekt nicht an Wert verliert, so dass man es notfalls wieder zum höheren oder mindestens dem gleichen Preis wieder verkaufen kann. Also muss der Immobilienboom immer weiter angeheizt werden. Bei sinkender Bevölkerung eher kein leichtes Unterfangen. Wenn die Preise für Immobilien sinken und womöglich der Schuldner sich überschätzt hat und die Kredite nicht zurückzahlen kann, wird sein Pfand (nämlich die Immobilie) viel weniger Wert sein, als das Kredit, so dass die Bank das Kredit abschreiben muss (sogenanntes faules Kredit). Passiert das in grosser Zahl, kann es für die Bank bedrohlich werden.

Eine weitere Voraussetzung für die Aufnahme eines Kredites ist die Annahme, dass die persönliche Zukunft des Kreditnehmers ausreichend gesichert ist. Auf den ersten Blick ist das tatsächlich der Fall. Die Arbeitslosenquote beträgt in Estland 4.5%, es herrscht quasi Vollbeschäftigung. Ausserdem hilft eine höhere Inflation von 5% die Schulden schneller abzubauen. Das Problem dabei ist, dass mit so einer hohen Inflation Estland nicht in näheren Zeit ein Mitglied der Eurozone werden kann, was eine weitere Annäherung an die europäische Wirtschaft zumindest erschwert. Und ein weit schärferes Problem ist, dass bereits jetzt ein klarer Arbeitskräftemangel in Estland vorherrscht. Das hat zwei Effekte. Erstens steigen die Löhne überproportional, jedenfalls viel schneller als die Produktivität, so dass die estnische Waren auf den Weltmärkten immer weniger konkurrenzfähig werden (die Lieferantenketten können schnell auf günstigere Konkurrenten umgestellt werden). Zweitens führt der Mangel an Arbeitskräften, dass die Inventionen aus In- und Ausland ausbleiben, was der estnischen Wirtschaft einen erheblichen Schlag versetzen könnte. Gerade der Mangel an IT-Experten könnte sogar estnische IT-Firmen ihre Geschäfte nach Russland oder Indien outsourcen.

Ein weiteres Problem ist recht kurzsichtige estnische Politik, die zwar Finanzwirtschaft stützt und von ihr unterstützt wird, andere Wirtschaftszweige werden von ihr aber in Mitleidenschaft gezogen. Durch eine Verschlechterung der Beziehungen zu Russland, warnt die Transportwirtschaft vor Zusammenbruch ihres Hauptgeschäftes. Die Grenzpunkte haben zu niedrige Kapazität für die Abfertigung des LKW-Verkehrs, eine zusätzliche Brücke über den Fluss Narva wird nicht gebaut, der Grenzvertrag wurde (in Unterschied zu Lettland) nicht geschlossen und die komplett veraltete Eisenbahn wird nach Reprivatisierung nicht erneuert. In der Zwischenzeit bauen die Russen an der Ostsee Ölterminals und die Letten vergrössern die Transitkapazitäten, so dass Estland bald auf dem Trockenen sitzen bleiben könnte. Ebenso könnte die Exportwirtschaft leiden, ein Grossteil der Sicherheitsgurte der Firma Narva geht an russische Autohersteller, die jedoch schon von russischen Politikern aufgerufen werden, russische Lieferanten zu bevorzugen.

Das estnische Staatsbudget ist zwar in Profizit, aber die Wahlversprechen, die während der letzten Wahlen gegeben wurden, werden das sicher ändern. Die bereits niedrigen Einheitssteuern werden noch weiter auf 18% gesenkt, die Renten um 20% erhöht. Der Staat wird seiner Handlungsfähigkeit und der Möglichkeit selbst zu investieren beraubt.

Wie man sieht, ist jeder Zweig der estnischen Wirtschaft auf eigene Art gefährdet: die Banken durch das Abflauen des Immobilien-Booms, die IT-Wirtschaft durch den Mangel an hochqualifizierten Arbeitern, die Tourismusindustrie durch den Mangel an niedrigqualifizierten Kräften, die Fertigungsindustrie durch die steigende Gehälter und die Transportwirtschaft durch eine russland-unfreundliche Politik. Was kann/muss also getan werden?

Estland braucht Einwanderung. Durch den zusätzlichen Bedarf an Wohnraum, bleiben die Preise für Immobilien zumindest stabil. Zusätzliche Arbeitskräfte drücken die Arbeitspreise, so dass die estnischen Unternehmen wieder konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt werden. Hochqualifizierte Spezialisten erhalten den Ruf Estlands ein hochtechnisiertes Land zu sein. Servicepersonal ermöglicht weitere Entwicklung von Tourismusindustrie.

Allerdings ist die Frage der Einwanderung ein wunder Punkt in estnischen Geschichte. Bis zum heutigen Tage besteht ein drittel der Bevölkerung Estlands auf russisch-sprachigen Einwanderern, die während des letzten Wirtschaftsbooms im sowjetischen Estland in den 50-60ern Jahren eingewandert sind. Es wurden zahlreiche Gesetze und Verordnungen erlassen, um diese Gruppe in die estnische Gesellschaft zu integrieren, doch wenn eine neue Einwanderungswelle über Estland rüberschwappt sind alle diese Gesetze, alle Sprachkommissionen hinfällig, denn es ist nicht realistisch von den neuen Einwanderern zu verlangen estnische Sprache und estnische Kultur zu erlernen. Die Angst vor dem Verlust derselbigen ist so gross, dass manche eher ein Absacken der Wirtschaft in Lauf nehmen, anstatt neue Einwanderer.

Normalisierung der Beziehungen zu Russland. Trotz der zahlreichen Verflechtungen mit den skandinavischen Ländern darf Estland nicht den grossen Nachbarn übersehen und die vielfältigen Möglichkeiten der wachsenden russischen Wirtschaft nutzen. Auch darf nicht vergessen werden, dass Estland höchstgradig abhängig von russischen Energielieferungen ist. Durch die Erweiterungen der Kapazitäten der Transitpunkte an der Grenze, Unterzeichnung des Vertrages über die russisch-estnische Grenze und Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur (insbesondere der Eisenbahn) kann Estland ihre einzigartige Verkehrslage voll ausnutzen.

Stoppen und Umkehren des Auswanderungstromes. Trotz niedriger Arbeitslosigkeit und rasant steigenden Löhnen, verlassen viele junge und hochgebildete Leute Estland. Die Ursachen müssen festgestellt und beseitigt werden. Gerade auf diese Leute kann estnische Wirtschaft am wenigsten verzichten.

Stärkung der Wirtschaftszweige, die Endprodukte für Verbraucher produzieren. Dadurch müssen weniger Waren importiert werden, so dass der Aussenhandelsdefizit geringer wird.

Verbindlicher Termin zur Einführung des Euros festlegen. Nachdem letztes Jahr die Möglichkeit verpasst wurde den Euro als Währung einzuführen, gibt es nicht mal einen Fahrplan, wann Estland den Euro einführen möchte und welche Anstrengungen dafür getan werden müssen.

Alle diese Massnahmen sollten Estland helfen, weiterhin die fantastische Wirtschaftserfolgsstory fortzuführen, die allen Bürgern nutzt und Estland als Musterland der EU darstellt.

Mittwoch, März 07, 2007

Wahlen in Estland (Versuch einer Analyse)

Am Sonntag hat Estland endlich gewählt, endlich weil man sich nichts sehnlicher gewünscht hat, dass der Vorwahlkampf aufhört, so dass nicht noch mehr Geschirr in der Küche der estnischen Politik zerschlagen wird. Ich gebe zu, die Wahlergebnisse sind nicht so, wie ich sie mir gewünscht hätte und eigentlich hat kaum jemand mit so einem Ergebnis gerechnet.

Kaum jemand gab dem jetzigen Premier-Minister Ansip noch eine Chance, sämtliche Vorhersagen sagten einen hohen Sieg der Zentrumspartei voraus, so dass der Vorsitzende der Partei Edgar Saavisaar ein neuer PM werden könnte. Doch die Reformparei mit dem Vorsitzenden Ansip wurde mit Abstand die stärkste Kraft, danach kam die Zentrumspartei, danach die rechte Heimatpartei, danach die Sozialdemokraten aus deren Mitte der jetzige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves stammt, an fuenften Platz kam noch eine rechte Volksfrontpartei und aus dem Stand haben die Grünen 6 Sitze im Parlament erobert. Somit finden sich im jetzigen Parlament sechs Parteien wieder, die gerade komplizierte Koalitionsgespräche beginnen.

Es ist kaum damit zu rechnen, dass es zu einer zweier Koalition zwischen der Reformpartei und der Zentrumspartei kommt, dazu sind die Gräben, die während des Wahlkampfes sichtbar wurden viel zu tief. Die Unterschiede beginnen bei der Frage nach dem Einfluss des Staates in der Wirtschaft, gehen über das Verhältnis zu Russland (die Zentrumspartei hat enge Bindungen zu der russischen Einiges Russland-Regierungspartei) und enden bei der Behandlung der Minderheiten in Estland (mehr dazu später). Ich rechne eher damit, dass die rechten Volksparteien, die Reformpartei und evtl. die Grünen eine Koalition bilden werden.

Eine interessante Frage ist wie die Grünen aus dem Stand so viele Stimmen bekommen haben. Es ist grundlegend falsch die estnischen Grünen mit den deutschen Grünen zu vergleichen, die Wurzeln der beiden Parteien liegen in ganz unterschiedlichen Milieus (wobei ich ehrlich gesagt gar nicht weiss, wo die Wurzeln der estnischen Grünen liegen). Erinnern wir uns, aus der Umweltbewegung gegen die Phosphorgewinnung in Maardu ist die estnische Volksfront entstanden, die sich für die estnische Unabhängigkeit eingesetzt hat. Die Reste der Volksfrontpartei sind die fünftstärkste Kraft in Parlament, haben also mit den jetzigen Grünen nichts zu tun. Die Umweltsituation in Estland ist bei weitem nicht so dramatisch, wie in Deutschland in den 80ern Jahren, als die deutschen Grünen ihre Hochblüte hatten. Die meisten Dreckschleuder sind mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion geschlossen worden, das Meer ist wieder sauber, das dünn-besiedelte Estland hat viel unberührte Natur und Nationalparks, über die Phosphorgewinnung spricht niemand mehr, die Landwirtschaft ist nicht industrialisiert und selbst für Kohtla-Järve, die Stadt, die eine einzige ökologische Katastrophe war, gibt es Tourismuskonzepte, ist also vorzeigbar geworden. Das einzige Umweltthema, dass die estnischen Grünen also ernsthaft beackern können, wäre eine möglichst hohe Nutzung von Alternativenergien. Da ist die estnische Bilanz tatsächlich recht schlecht, viel Energie wird durch schlecht isolierte Häuser und fehlende Thermostate verschwendet und der reichhaltige Potenzial der Windkraft wird in Estland kaum genutzt. Doch neben dem Umweltschutz-Gedanken hat ein möglichst hoher Anteil an selbsterzeugten Energie einen gewaltigen politischen Vorteil, nämlich energetische Unabhängigkeit von Russland. Somit liegen die Grünen auf der selben Linie mit der Reform- und Heimatpartei, sind also durchaus koalitionsfähig.

Was bedeutet denn das Wahlergebnis für die russisch-sprachige Minderheit? Als erstes muss man feststellen, dass trotz der Tatsache, dass diese Wahl durchaus als Schicksalswahl für sie anzusehen war und sie definitiv die Möglichkeit hätten das Wahlergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen, haben sie diese Möglichkeit nicht genutzt. Die Wahlbeteiligung in Ida-Virumaa, also dem Wahlbezirk in dem die meisten Russen leben, mit 50% am niedrigsten. Die Konstitutionspartei, die sich als einzige klar von Anfang an für die Interessen der russisch-sprachigen Bevölkerung und gegen den Abriss des Bronzenen Soldaten ausgesprochen hat, bekam knapp 1% der Stimmen (insgesamt ca. 5000). Da helfen auch keine Erklärungen, dass knapp 17% der Bevölkerung nicht wählen durfte, weil sie entweder keine, oder russische Staatsangehörigkeit hat. Wenn wir davon ausgehen, dass ca. 33% der Gesamtbevölkerung der russisch-sprachigen Minderheit angehört, müssten erheblich mehr Stimmen für die Konstitutionspartei drin sein. Viele der russisch-sprachigen Bürger haben ihre Stimme der Zentrumspartei gegeben (die Partei bekam >50% der Stimmen in Ida-Virumaa), aber es wäre durchaus mehr drin gewesen. Die niedrige Beteiligung der Minderheiten erklärt sich mit dem tiefen Misstrauen der estnischen Politik insgesamt gegenüber und der tiefverwurzelten Vorstellung, dass die Politiker generell nur an ihrem eigenen Wohl interessiert sind. Diese Meinung kommt auch in Deutschland besonders bei den sozial benachteiligten Gruppen durchaus oft vor, nur das eine Wahlabsistenz keine Antwort darauf sein kann, denn man durchaus genügend Gewicht hat die Verhältnisse zu ändern und eine Gruppe darstellt, die für Politik durchaus lohnenswert wäre zu beackern. Jetzt wurde wieder jegliche Chance verspielt seine Interessen geltend zu machen. Es reicht nicht in Internet-Foren Ansip mit Doppel "s" möglichst in Runenschrift zu schreiben und im Fernsehen die Reformpartei als Faschisten zu beschimpfen und sich zu beklagen.

Wie wird denn die estnische Politik nach den Wahlen aussehen? Als erstes muss man feststellen, dass es der Reformpartei durchaus genutzt hat die Nationalismusdebatte zu entfachen. Viele Stimmen, die die rechten Parteien verloren haben, gingen auf das Konto der Reformpartei. Ansip steht also in der Pflicht sein Versprechen zu erfüllen und den Bronzenen Soldaten zu entfernen. Falls die von mir vorhergesagte Koalition wirklich sich zusammenfindet, wird ein korrigiertes Gesetz über die Entfernung der okkupationsverherrlichenden Zeichen das Parlament passieren und wird vom Präsidenten unterschrieben. Das Verhältnis zu Russland wird endgültig zerrüttet, man darf nicht vergessen, dass nächstes Jahr in Russland Präsidentschaftswahlen stattfinden werden, wo ein möglichst starker nationalistisch denkender Putin-Nachfolger gesucht wird. Man braucht sich keine Illusionen zu machen, wie auf jede russland-feindliche Äusserung jeden estnischen Politikers reagiert wird. Ebenso wird es wahrscheinlich auch nicht beim Bronzenen Soldaten bleiben. Es gibt noch genügend Denkmäler der russischen Zeit in Estland, das weitaus sichtbarste steht mitten in Tompea direkt gegenüber dem Regierungssitz. Diese russisch-orthodoxe Kirche war schon der estnischen Regierung in den 20er Jahren ein Dorn im Auge (war auch als solches gedacht), also braucht es nicht viel Phantasie sich vorzustellen, worauf sich die Blicke der estnischen Nationalisten als nächstes richten werden. Mit ein bisschen mehr Phantasie ist sogar der Abriss von dem Kadriorg-Palais durchaus denkbar, schliesslich wurde es vom verhassten Zar Peter I gebaut und an seine Frau Ekatherina geschenkt. Da gibt es aber auch noch Russalka-Denkmal, das dem Untergang eines russischen Kriegsschiffes gewidmet ist. Also Möglichkeiten für Provokationen gibt es mehr als genug.

Ökonomisch gesehen wird die estnische Wirtschaft wohl noch wachsen, bis ein akuter Mangel an Facharbeitskräften spürbar wird. Bereits jetzt wird den Mitarbeitern von Elion (ehemalige Eesti Telekom) eine Prämie versprochen, wenn sie einen potentiellen qualifizierten Mitarbeiter finden (in westlichen High-Tech Firmen durchaus übliche Massnahme, in Estland bis vor kurzem undenkbar). Estland steht momentan am aehnlichen Scheideweg, wie vor einigen Jahren Portugal und Irland. Beide Länder hatten einen hohen Wirtschaftswachstum, doch in Portugal kam er zum Erliegen, während der irische Boom nach wie vor andauert. Die Iren hatten viele hochqualifizierte Spezialisten, viele kamen auch aus dem Ausland, dank der englischen Sprache und offenen irischen Kultur konnten sie sich integrieren und tragen zum irischen Wachstum bei. In Portugal war der Anteil der hochqualifizierten Spezialisten nicht so hoch, der Anteil der Arbeiter in der Fischerei und traditionellen Industrien wie Textilindustrie war hoch und es wurden keine Ausländer angeworben. Wie es aussieht, wird Estland eher den portugiesischen Weg beschreiten, anstatt dass Spezialisten ins Land kommen, gibt es eher ein Brain Drain, die besten Absolventen (viele davon Russen) verlassen das Land wegen der niedrigen Gehälter und entwürdigenden Sprachgesetze (obwohl sie die estnische Sprache durchaus beherrschen). Ich sehe auch nicht, dass Gastarbeiter aus dem Westen sich nach Estland aufmachen, das heisst wahrscheinlicher muss sich Estland auf die Gastarbeiter aus der Ukraine, Weissrussland und evtl. Bulgarien einrichten. Nur lesen diese Leute eher die russische Presse, so dass ein positives Bild von Estland kaum entstehen kann. Eine hohe Einwanderung braucht Estland auch aus einem anderen Grund: die hohen Immobilienpreise, die einen Teil der estnischen Wirtschaft ausmachen, bleiben nur dann oben, wenn genügend Nachfrage besteht. Sollte die Nachfrage (und damit die Preise) fallen, entstehen jede Menge fauler Kredite, die der hochentwickelten Bankenwirtschaft Estlands einen schweren Schlag versetzen können. Irland und Großbritannien, die sich in einer ähnlichen Situation befinden lösen das Problem indem sie eine möglichst hohe Einwanderung zulassen (das sind die beiden Länder, die keine Zuzugsbeschränkungen für die EU-Osteuropäer geschaffen haben).

Neben diesen brennenden Problemen gibt es noch viele Herausforderungen an die estnische Politik in der nächsten Wahlperiode. Die Lebenserwartung ist die niedrigste in ganz Europa, die AIDS-Rate die höchste, Drogen und Alkoholmissbrauch in der Bevölkerung, besonders unter den Jugendlichen grassiert trotz Androhung der hohen Strafen und entsprechend überfüllter Gefängnisse. Die Geburtenrate ist niedrig, die Bevölkerung schwindet. Der Zeitpunkt des Übergangs zum Euro ist unklar. Wegen der niedrigen Steuersätze und dem Wahlversprechen sie noch weiter abzusenken, kann der Staat seine Sozialpflichten, wie Bildung oder Mindestsicherung nur ungenügend erfüllen. Viele Kommentatoren vergleichen Estland mit solchen sozial starken Staaten wie den skandinavischen Ländern, dabei ist Estland eher mit Großbritannien vergleichbar, was die ökonomische Liberalität und die Sozialsicherungsstrukturen angeht. Unter der Führung der liberalen Reform-Partei werden sich die beiden Länder noch mehr angleichen. Bleibt zu hoffen, dass nicht die falschen Antworten für die richtigen Fragen gefunden werden und man nicht die skandinavischen Methoden auf die großbritanische Wirklichkeit anwendet.

Donnerstag, Februar 22, 2007

Эстония = США?

Несколько дней назад в интервию с Би-би-си президент Эстонии Тоомас Ильвес сравнил Эстонию с ЮАР. Мне кажется, что это сравнение не очень удачное, английский язык до сих пор является государственный, рядом с 10ю другими языками, как Зулу или Ксхоза. У всех жителей ЮАР имеется гражданство страны. Во время аппартеида в ЮАР не было представителей коренного населения в государственных органах. И эстонского Нельсона Манделлы я ещё не встречал.

По этому мне кажется лучше сравнить Эстонию с другой страной, с США и посмотреть какие выводы из этого нужно сделать.

Вспомним историю, в 1620-ом году парусник Mayflower высадил на берег Американского континента 102 пассажира из Англии, которые обосновали первую колонию, не спрашивая на это разрешения у коренного населения. В 1763-ем году всё восточное побережье Америки было под властью переселенцев. В 1890-ом году весь северный америкнаский континент был под властью белых пришельцев. Сопротивление коренного населения было жестоко подавленно, большинство индейцев было выселенно в резерваты, где они живут и до сих пор. Многие не выдержав натиска переселенцев ушли в эмиграцию. В 1900-ом году на территории США было подсчитано четверть миллиона индейцев. В 1970-ых годах в некоторых резерватах в Южной Дакоте произошли востания, которые лишили жизни 60-300 коренных жителей. Вожак востания Леонард Пелтир до сих пор находится в тюремном заключении, различные организации по правам человека считают его полит-заключённым.

В 1876ом году пришельцы поставили себе памятник из меди который они назвали "Statue of Liberty", что означает статуя свободы. Статуя свободы символ американского духа и гордость всей нации.

На сегодняшний день коренное население США состовляет 1% от общего населения. 99% населения не говорит не на одном из коренный языках и имеет только смутное предстовление о культуре коренной нации. В правительстве США нет ни одного представителя коренной нации. Только в немногих школах в резерватах можно выучить коренной язык.

Теперь я спрашиваю читателя, что это если не оккупация? Кто белые американцы если не оккупанты? Кто Джордж Буш если не главный оккупант? Кто Тоомас Хендрик Ильвес если не лучший друг главного оккупанта?

Особенно интересен последний вопрос. Сознаёт Тоомас Ильвес, что большую часть своей жизни он сам был оккупантом? Жил на чужой земле? Говорил на языке оккупантов? Не курил трубку помирения? Даже если он об этом сознаёт, раскаялся-ли он в этом? Принёс он свои извенения индийскому народу? Другие эстонские политики осазнали что были колоборотёрами русских оккупантов и раскаялись в этом, но президент даже не сделал намек, что он тоже виновен.

Мне не кажется, что он кается в этом. Он даже принял главного оккупанта с почестями в освобождённой Эстонии. На стороне этой нации эстонские солдаты воюют в Ираке и помогают оккупировать ещё одну страну.

Теперь всё становится на свои места. Посмотрим пару уравнений:

коренное население = эстонцы = индийцы
оккупанты = русские = белые американцы
символ оккупации = бронзовый солдат = медная Statue of Liberty
язык оккупантов = русский = английский
культура оккупантов = славянская = American Way of Life

Так-что какие выводы надо делать Эстонии, если она хочет остаться правдивым борцом за свободу народов?

1. Запретить английский язык как символ оккупации на всех вывесках и рекламах в старом городе.

2. Не учить язык оккупантов в школе, зато учить язык коренного индийского населения, например язык племени Навахо.

3. МИД Эстонии должен периодично высказывать свою озабоченность не только происходящего в Чечне, но и выступать за защиту прав коренного населения Америки

4. Раскрыть глаза американским нашельцам о том, что представляет собой Statue of Liberty и посоветовать убрать её

5. Послать в США советников, которые будут помогать организовывать американскую коммиссию о защите языка. Государственным языком будет провозглашён язык племени Навахо. У коммиссии должны быть полномочия без предупреждения принимать участия на каждом заседании госудаственных учереждений (например ЦРУ) и брать выписку из всех государственных документов и копировать их. Если чиновник не будет знать языка племени Навахо, его нужно будет уволить. Даже если у него есть цертификат о знание языка племени Навахо, не верить ему и всё равно уволить.

6. Говорить с главным оккупантом исключительно на языке племени Навахо. Если он не поймёт, предложить ему вернуться на его историческую родину Великобританию или Ирландию, где у него ещё существуют родственники.

7. Вывести эстонские войска из Ирака, так как они не могут воевать на одной стороне с шайкой бандитов. Вывести Эстонию из НАТО, так как главный член НАТО - позорный оккупант.

8. Ввести в Эстонии четвёртый четверг ноября как день траура и солидарности с индийскими братями по судьбе. В этот день американские оккупанты отмечают Thanksgiving чем вспоминают своих предков-оккупантов.

9. Запретить такие мероприятия как Rock Summer на певческом поле, так-как мероприятия такого рода прославляют американский образ жизни и американскую оккупационную культуру.

10. Если американское СМИ будет поливать грязью, эстонское посольство будет должно заверить, что отношения между двумя странами на высоком уровне и критический диалог всегда должен быть возможен между партнёрами.

11. Эвентуальные экономические санкции со стороны США будут приниматься как подтверждение о правильном курсе политики.

12. Американские символы как например $ запрещенно применять во всех документах.

Если все эти требования будут выполнены я буду опять гордиться маленькой, но храброй Эстонией, которая всегда будет бороться с угнетением и оккупацией, независимо от того где оно происходит и как силён оккупант. Я больше не буду протестовать против запрета советской символики и сноса бронзового солдата. Я выучу все 17 падежей эстонского языка и опять буду претендировать об эстонском гражданстве. Я публично раскаюсь о том, что был оккупантом, что моя прабабушка и моя мать пришли незванно на эстонскую землю. Но только если это будет выполнено.

Samstag, Februar 17, 2007

Dei Geschichte vom Bronzenen Soldaten Teil2

Vor zwei Wochen habe ich einen Artikel über den Bronzenen Soldaten in Tallinn geschrieben. In dieser Zeit ist einiges passiert, weswegen ich hiermit ein Update schreiben möchte.

Zwei Wochen scheinen zwar eine kurze Zeit zu sein, es wurden aber in dieser Zeit vom estnischen Parlament einige Gesetze verabschiedet, die zumindest fragwürdig erscheinen. Vielleicht ist es so eine Art Torschlusspanik, man versucht noch Tatsachen zu schaffen, die das nachfolgende Parlament nicht mehr so einfach umkehren kann.

Zweifellos die größte Aufmerksamkeit hat das Gesetz "Über den Abriss der verbotenen Bauwerke" erhalten, das sich direkt auf den Bronzenen Soldaten bezieht. Als die Initiative über dieses Gesetz ins Parlament eingebracht wurde, war die Argumentation, dass es sich nur gegen die Errichtung des Denkmals dem Peter I in Narva richtet. Vor der zweiten Lesung wurden allerdings von den rechten Parteien Korrekturen eingebracht, so dass im Gesetzestext die Räumung des Bronzenen Soldaten innerhalb von 30 Tagen nach der Verabschiedung des Gesetzes durch den Präsidenten deklariert wurde. Die zweite und die dritte Lesung wurden von Demonstrationen der russischen Minderheit begleitet, jedoch wurde das Gesetz in der dritten Lesung mit 46-44 Stimmen angenommen.

Der Präsident Estlands Toomas Hendrik Ilves hat sowohl vor, als auch nach der Verabschiedung des Gesetzes gemahnt, dass es nicht verfassungskonform sei und deswegen nicht von ihm unterschrieben wird. Eine genauere Begründung was genau an dem Gesetz verfassungswidrig sei, wird er in den folgenden Tagen abgeben. Das hat aber den Vorsitzenden des Rechtsausschusses! im Parlament Väino Linde nicht gehindert zu behaupten, dass es trotzdem angenommen werden muss, weil in diesem Fall das öffentliche Interesse über der Verfassung steht. Jedes Land hat seinen eigenen Zhirinowski.

Nach dem estnischen Recht kann der Präsident kann ein Gesetz zwei Mal ablehnen, bevor er es an das Oberste Gericht überweisen muss, das dann entscheidet, ob das jeweilige Gesetz verfassungskonform ist. Auf jeden Fall wird dadurch viel Zeit gewonnen und die Nachverhandlungen finden dann im neu-gewählten Parlament statt.

Als es klar wurde, dass der Präsident nicht mitspielen wird, wurde eine Kommission gebildet, die auf der Grundlage des ebenfalls von kurzem verabschiedeten Gesetzes "Über den Schutz der Kriegsgräber" entscheiden soll, welche Gräber denn schützenwert seien und welche nicht. Kein Wunder, dass die Kommission als erstes erklärt hat, dass die Gräber, die sich bei dem Bronzenen Soldaten befinden, dauernd durch die Fahnen-Schwenker und Vodka-Trinker entweiht werden, so dass sie auf ein Friedhof gehören. Natürlich wird das Memorial auch weggeschafft. Dagegen hat sich aber die Tallinner Stadtverwaltung ausgesprochen mit dem Verweis, dass alle Denkmäler der Stadt gehören, so dass nur sie zu entscheiden hat, was mit dem Bronzenen Soldaten zu geschehen sei.

Es wurden aber auch andere Gesetze verabschiedet, die alleine für sich für Aufregung unter der russischen Minderheit gesorgt hätten, wären sie nicht von dem Streit um das Denkmal überschattet worden.

Das Spachengesetz wurde geändert. Man hat sich der Realität gebeugt, in den Gegenden, die mehrheitlich von russisch-sprachigen Minderheit bewohnt sind, also zum Beispiel Nord-Osten mit 95% russisch-sprachigen Bevölkerung, ist es erlaubt Behördengänge auf Russisch zu erledigen, ebenfalls ist es möglich Aushänge in den Läden auch fremdsprachig zu machen, der estnische Name muss aber vorangestellt werden. Meiner Meinung nach geht es nicht nur um russische Aushänge, sondern auch die Legalisierung des Faktes, dass in den Touristengegenden die meisten Läden auch englisch-sprachige Aushänge bieten.

Gleichzeitig wurden die Rechte der staatlichen Sprachkommission gestärkt. So ist es den Inspekteuren erlaubt ohne Vorwarnung private und staatliche Einrichtungen aufzusuchen, Versammlungen beizuwohnen, Dokumente zu lesen und zu kopieren, er kann auch dem Arbeitgeber vorschreiben, Arbeiter zu entlassen. Er kann die Zertifikate über die Kenntnisse des estnischen Sprache als ungültig erklären und eine erneute Prüfung verlangen. Russische Lehrer haben bereits über solche Besuche berichtet, es wurde von ihnen verlangt in einer russischen Schule den russischen Schülern den Russisch-Unterricht auf Estnisch zu geben.

Ein weiteres Gesetz das verabschiedet wurde, gilt den staatlichen estnischen Feiertagen. Der 22. September war schon immer ein Feiertag in Estland, an diesem Tag wurde Tallinn von der faschistischen Armee befreit. Im neuen Gesetz wurde dieser Tag zum Trauertag erklärt. Getrauert wird um die Befreiungskämpfer, die ihr Leben für die Befreiung Estlands von der Sowjetmacht ließen. Erinnert doch an die katholische Kirche, die die heidnische Feiertage zu Kirchenfesten erklärt hat, nicht wahr?

Beide Gesetze sind übrigens auch noch nicht von Präsidenten unterschrieben worden.

Bis zu den Parlamentswahlen sind noch ganze drei Wochen geblieben. Es wird ein neues Parlament geben, in dem die rechten Kräfte nach den derzeitigen Prognosen eher in der Minderheit bleiben. Recht wahrscheinlich ist es, dass zum ersten Mal die ausschliesslich aus den Vertretern der russischen Minderheit bestehende Konstitutionelle Partei einziehen wird, da sie der derzeitige Wortführer beim Kampf gegen den Abriss den Bronzenen Soldaten ist und dementsprechend viel Respekt bei dieser Minderheit besitzt. Damit werden die rechten das genaue Gegenteil dessen erreicht haben, was sie ursprünglich vorhatten.

Aber unabhängig davon, wie die Wahlen ausgehen, Estlands guter Ruf hat Kratzer bekommen. Die Beziehungen zum grossen Nachbarn Russland sind auf dem Tiefpunkt, was womöglich auch ökonomische Auswirkungen haben wird. Es wird zwar keinen offiziellen Boykott geben, aber wurde zum Beispiel bereits jetzt der geplante Ausbau der Grenzbrücke über den Fluss Narva aufs Eis gelegt. Die radikalen Kräfte haben spürbaren Aufwind bekommen, das schwarz-weiss Denken Wir gegen Die bekommt neue Nahrung, jeder versucht seine Interpretation der Geschichte als die einzig Wahre zu deklarieren. Es wird übersehen, dass auf im zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten Esten gekämpft haben, es Opfer an beiden Seiten gab, an die gedacht werden muss. Anstatt zu integrieren werden die Bevölkerungsgruppen weiter gespalten. Was das für das zivil-gesellschaftliche Zukunft Estlands bedeutet, ist nicht absehbar.

Dienstag, Januar 30, 2007

Die Geschichte vom Bronzenen Soldaten und viele andere

Die Geschichte vom Bronzenen Soldaten spielt im heutigen Estland. Da wahrscheinlich noch nicht allzuviele Leser in Estland waren, erzähle ich ein bisschen über das Land, um den nötigen Überblick zu verschaffen. Estland hat ungefähr die Größe von Niedersachsen, aber nur ca. 1.3 Mio. Einwohner. Die Geschichte hat es nicht gut gemeint mit dem kleinen Estland, das am Knotenpunkt vieler Verkehrswege liegt, nach Eroberung Estlands durch das Livonische Orden, der aus deutschen Rittern bestand, wurde Estland noch von Dänen (der Name der Hauptstadt Tallinn kommt von Tanni Linn, also dänische Stadt), Schweden und seit dem 21-jährigen Krieg (1700-1721) von den Russen beherrscht.

Erst nach der Russischen Revolution wurde 1918 die Estnische Republik aufgerufen, die jedoch schon 1939 im Folge des Molotov-Ribbentrop Paktes in die Sowjetunion eingegliedert wurde. Während des zweiten Weltkrieges wurde Estland von der Wehrmacht besetzt, es gab einige KZs auf dem estnischen Territorium, die estnische Abteilung der Waffen-SS bestand aus (20.000 Soldaten, wobei wohl recht viele Balten-Deutsche (die Nachfahren der Ritter des Deutschen Ordens) eingetreten sind, aber es gab auch viele Esten, die im Kommunismus das schlimmere Übel gesehen haben.

Nach dem Krieg gingen viele der Waffen-SS Mitglieder in die Wälder und führten bis Mitte der 50er Jahre einen Partisanenkampf gegen die sowjetische Armee. Unter Stalin kam es zu Massendeportationen der Esten nach Sibirien. Nach dem Ende des Stalin-Terrors war Estland eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Sowjetrepubliken. Es entstand ein grosser Bedarf an Arbeitskräften, so dass viele russisch-sprachige Arbeiter aus anderen Republiken nach Estland kamen. Die meisten kamen nach Narva (die drittgrößte Stadt im Osten Estlands) und Tallinn. Bis heute noch ist der Bevölkerungsanteil an Nichtesten in Ostestland ca 95%. Es wäre jedoch falsch zu behaupten, dass erst seit dieser Zeit Russen in Estland wohnen. Wie gesagt, Estland war ein Teil des Russischen Reiches seit dem Anfang des 18.Jh. mit entsprechendem Bevölkerungsaustausch, es gibt sogar Siedlungen von so-genannten Starovery (eine sektiererische Abspaltung von der orthodoxen Kirche), die im 17.Jh am Peipus-See im Osten gegründet wurden.

Die estnische Unabhängigkeitsbewegung gründete sich ironischerweise in Maardu, einer Phosphormine, wo viele Russen in einer absolut gesundheitsschädigender Umgebung gearbeitet haben. Als der weitere Ausbau der Mine beschlossen werden sollte, kam es zu Protesten, die dann zur Bildung der estnischen Volksfront geführt haben und schliesslich zu so-genannter singender Revolution bei der die Bevölkerungen der drei baltischen Republiken ihren Unabhängigkeitswillen bekräftigt haben und sich von der zerfallenden Sowjetunion loslösten. Ab jetzt geht die modernere Geschichte los, die uns endlich zum Bronzenen Soldaten führen wird.

1989 sah die Situation in Estland folgendermassen aus: ca 450.000 Leute aus insgesamt 1.500.000 der Gesamtbevölkerung waren Nichtesten, die in seltenen Fällen die komplizierte estnische Sprache gesprochen haben und mit der estnischen Kultur wenig anfangen konnten. Allerdings lebten viele seit Jahrzehnten im Land, viele waren in Estland geboren, so dass sie nirgends hinkonnten. Die rechtskonservative Regierung unter Mart Laar wollte das Problem möglichst auf die harte Tour lösen. Es wurde beschlossen, dass nur diejenigen die estnische Staatsbürgerschaft erhalten werden, die vor 1940 in Estland gewohnt haben und deren Nachkommen. Auf die Art und Weise wurden 400.000 Leute staatenlos. Manche bekamen die russische Staatsangehörigkeit, viele blieben staatenlos mit dem so-genannten grauen Passport. Für diese Leute bedeutet es, dass sie kein Wahlrecht haben, keine Reisefreiheit, auch nicht in die EU-Länder, sie können nicht im Staatsdienst arbeiten. Es gibt zwar Einbürgerungsmöglichkeiten, die mit einer schwierigen Prüfung der estnischen Sprache und Einbürgerungstests verbunden sind. Das es auch anders geht, hat Litauen gezeigt, da haben alle Bürger des Landes die Staatsbürgerschaft bekommen, unabhängig davon, wie lange sie in dem Land gelebt haben. Erst seit diesem Jahr wurde auf den Druck des Europaparlaments ein Abkommen getroffen, dass die ständig in Estland lebende Besitzer des grauen Passes ohne Visum die EU Staaten besuchen dürfen.

Aber auch innerhalb des Landes fühlen sich die Russen als Bürger zweiter Klasse. Verschiedene Studien haben festgestellt, dass unter der russischen Bevölkerung höherer Anteil an Arbeitslosen, an AIDS-Kranken (Estland hat die in Europa zweithöchste Rate an AIDS-Kranken 1,1%), Alkoholikern, Drogensüchtigen, Gefängnisinsassen und Selbstmördern besteht als unter den Esten. Viele besonders Jüngere sehen keine Perspektive und wandern aus. Estland verliert pro Jahr ca. 0.6% an Bevölkerung, pro 1000 Menschen Bevölkerung wandern 3.2 Personen aus (neben Bulgarien und Georgien der höchste Wert in Europa). Diese Zahlen widersprechen komplett anderen Statistiken, die die ökonomische Entwicklung Estlands zeigen. Letztes Jahr betrug der Wirtschaftswachstum satte 10,8% (Spitzenreiter in EU), die Arbeitslosigkeit ist unter 5%, die Immobilienpreise wachsen weltweit! am schnellsten. Wirtschaftliche Probleme können es also kaum sein, die die Menschen aus dem Land treiben. Vielleicht eher eine staatliche Kommission zur Förderung der estnischen Sprache, die für die Abschaffung russischer Schulen eintritt, die durchgesetzt hat, dass Polizisten und Lehrer sich strengen Sprachprüfungen unterziehen müssen (was man noch verstehen kann). Was man nicht mehr verstehen kann ist die Forderung der Kommission an die privaten Firmen alle Taxifahrer zu entlassen, die schlecht Estnisch sprechen können (bei einer Stichkontrolle genügte jeder 10. Taxifahrer den Anforderungen). Dabei ist es jetzt schon absehbar, dass die Geschichte sich wiederholen wird und man wieder Gastarbeiter benötigt, sollte die Ökonomie so weiterwachsen. Aber es gibt keine Esten mehr auf der Welt. Und von Gastarbeitern wird man kaum Kenntnisse des Estnischen und der estnischen Geschichte verlangen dürfen. Wie dieses Dilemma zu lösen sein wird, weiss noch keiner.

Obwohl die Russen ca. 1/3 der Bevölkerung stellen, sind sie politisch unterrepräsentiert. Es gibt zwar russisch-sprachige Politiker in einigen Parteien, die aber nicht viel politisches Gewicht haben. Ein Projekt von dem man sich einiges verspricht ist die Gründung einer russischen Kulturautonomie. Aber selbst da melden sich kritische Stimmen, die sagen, dass das Minderheitenschutzgesetz, der die Einrichtung solcher Autonomien vorsieht, ist derart lax konstruiert, dass es mehr schaden könnte, als nutzen. Zum Beispiel wird keine verbindliche Zahl genannt an Mitteln, die der Staat für die Unterstützung der Autonomie zur Verfügung stellt, also im Zweifelsfall gar nichts. Und es ist ein zusätzliches Anreiz die russischen Schulen möglichst schnell zu schliessen mit dem Hinweis, dass die Autonomie die Schulen in Eigenregie führen und finanzieren soll.

Dieses Jahr finden in Estland Parlamentswahlen statt. Die rechts-konservativen und einfach rechten Parteien wollen aus der Opposition raus und haben einen recht einfachen und effektiven Plan entwickelt, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, der des Skandals, möglichst internationalen Ausmasses. Ausserdem soll eine Stimmung des Hasses auf beiden Seiten geschürt werden und jeder Russe endgültig begreifen, dass er hier als "Okkupant" gesehen wird und sich entsprechend fühlt. An einem der zentralen Plätze der Hauptstadt steht ein Denkmal dem Befreiersoldaten, dort sind auch die sterblichen Reste von sowjetischen Soldaten in einem Brudergrab beerdigt. Jedes Jahr am 9. Mai treffen sich dort die Veteranen und gedenken den Gefallenen. Den ideellen Wert dieses Denkmals kann man mit dem Denkmal dem sowjetischen Befreier in Berliner Treptow-Park vergleichbar. Jetzt wurde ein Gesetz "Zum Schutz der Soldatengräber" ins Parlament eingebracht, der die Grundlage liefert, dieses Denkmal abzureissen. Ein weiteres Gesetz wurde eingebracht, der die Benutzung von Symbolen sowohl des Dritten Reiches als auch der Sowjetunion unter Strafe stellt (also hat eine rote Fahne denselben Stellenwert wie Hakenkreuz). Und ein drittes Gesetz ist in Vorbereitung, der die Aufstellung von Denkmälern verhindern soll, die die Rassenkonflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen schüren können. Offiziell soll dieses Gesetz die Aufstellung eines Denkmals zum Gedenken an Peter I in Narva (wir erinnern uns 95% der Bevölkerung sind dort Russen) verhindern. Nur zur Information: Das schönste Tallinner Park mit einem Schloss, in dem sich die estnische Nationalgemäldegalerie und der Sitz des Präsidenten befindet, war ein Geschenk Peters I an seine Frau (vielleicht soll man das auch abreissen?). Die Gesetze wurden als Provokation gedacht und haben leider ihr Ziel erreicht. Russlands Politiker und Jugendorganisationen sind in helle Aufregung versetzt worden, einige bieten an, das Denkmal nach Russland zu überführen (Gedenken an die Gefallenen des 2. Weltkrieges ist in Russland heilig). Selbst wirtschaftliche Massnahmen wurden angedroht (darin ist Russland neuerdings Meister). Dabei wurden die Interessen der russischsprachigen Bevölkerung komplett übersehen. Nachdem das Denkmal bereits zwei Mal geschändet wurde (mit Farbe in blau,schwarz, weiss übermalt) hat sich eine Nachtwache (benannt nach dem populären russischen Film) gebildet, die jede Nacht das Denkmal vor Vandalismus beschützt. Sollte Russland wirklich wirtschaftliche Sanktionen verhängen, werden die Nichesten endgültig zu den Pariern des Landes. Sollte es jedoch tatsächlich zu einer Räumung des Bronzenen Soldaten kommen, halte ich Massenunruhen nicht für ausgeschlossen. Das alles spielt in die Hände den Nationalisten, unter der Führung denselben Mart Laares, der keine Masseneinbürgerung wollte.

Deswegen rufe ich alle Antifaschisten Europas auf, ihre Blicke nach Estland zu richten, falls die Gesetze tatsächlich angenommen werden (und danach sieht es wohl aus). Sollte ein Termin feststehen, wann der Bronzene Soldat abgetragen wird, rufe ich zu Protesten vor den estnischen Botschaften auf, denn die Idee des antifaschistischen Kampfes ist viel höher zu bewerten als schmutzige Populismusspielchen der rechten Parteien. Nicht mal die NPD ist meines Wissens auf die Idee gekommen gegen den Memorial-Komplex im Treptow-Park zu protestieren. Was wir in unserem Haus nicht zulassen, sollten wir vor unserer Haustür genausowenig dulden.

Sonntag, Januar 14, 2007

Januar in England

Nachdem die Weihnachts- und die Neujahrsfestivitaeten ueberstanden wurden, bin ich wieder dabei englische (Un)sitten zu erkunden. Jetzt bin ist schon die Haelfte meiner Zeit hier vorbei, aber es gibt immer noch Sachen, die mich verwundern.

1. Es ist moeglich Drum'n'Bass auf High Heels zu tanzen. Daraufhin kann man aber auch barfuss nach Hause gehen (es ist zwar warm hier, aber trotzdem Januar)

2. Morrissey hat sich bereit erklaert fuer England beim Eurovision Contest teilzunehmen. Es ist zwar nicht klar, ob er selbst antritt, oder nur ein Lied schreibt, aber die Englaender sind schon ganz aus dem Haeuschen. Hoffentlich faellt den Deutschen auch was Besseres ein fuer dieses Jahr. Nach den Siegern von letztem Jahr sind alle Barrieren gefallen, wer weiss, vielleicht erklaert sich ja Rammstein bereit 8-)

3. In Oxford erklaerte uns die Fuehrerin, dass es ca. 1280 zu einem folgenschweren Streit zwischen den Studenten und den Stadtbewohnern kam. Angeblich sind sie heute noch aufeinander nicht gut zu sprechen. Das nenne ich Tradition. Uebrigens die beste Methode sich mit einem Wirt in Oxford zu unterhalten ist es zu fragen, ob in seinem Pub Bill Clinton inhaliert hat

4. Einmal im Leben kann man es sich erlauben drei Stunden am Ufer der Themse zu stehen, von der berittenen Polizei gejagt zu werden, 10 Minuten geilen Neujahrsfeuerwerk anschauen, sich 3 Stunden durch London zusammen mit anderen 350 000 Leuten zum Bahnhof vorzuschieben, nach Reading zu fahren und Unsummen Geld fuer Taxi nach Bracknell bezahlen. Wie gesagt, genau einmal. Danach schaut man sich das ganze im Fernsehen an und erinnert sich wie es war.

5. Wenn ihr in London seid, geht in Victoria & Albert Museum in South Kensington. Ich bin nichts ahnend hingegangen und kam im Schock wieder raum. Da gibt es eine riesige Halle in der einige architekturische Kunstwerke im Originalgroesse nachgebaut wurden, z.B. das komplette Portal von der Santiago di Compostella Kathedrale oder eine in Rom stehende Kolonne gewaltigen Ausmasses (wegen der Hoehe hat man sie in 2 Teile geteilt). Begruendet wurde der ganze Aufwand damit, weil frueher die armen Kunststudenten nicht nach Italien oder Spanien fahren konnten, um vor Ort diese Werke zu studieren, also hat man sie in England nachgebaut. Das witzige ist, dass im Laufe der Jahre einige Originale gelitten haben und so dass die Kopien jetzt besser aussehen und selbst von unschaetzbaren Wert sind.

6. Setzt nicht weniger als 2 Pfund in Ascot Pferderennen, die Angestellten lachen sich sonst kaputt. Huete sind nicht unbedingt notwendig, aber allzu schlampig sollte man auch nicht aussehen

7. Kauft keine Musikaltickets in den Vorverkaufsbueros, wenn ihr sicher wisst, in was fuer ein Musical ihr gehen wollt. Geht direkt an die Kasse. Was diese Vorverkaufsbueros an Geld von Euch verlangen, hat mit dem aufgedruckten Preis nichts zu tun.

8. Wenn man Englaender in Erstaunen versetzen moechte, zieht man sich organge-farbig an, moeglichst Partnerlook. Man erntet unglaubliche Blicke und philosophische Ansichten, ob man nicht dem grauen Wetter und politischen Lage entfliehen moechte. Dieser Tip kann naechstes Jahr schon wieder out sein, vielleicht wird Orange die Farbe der Saison?

Freitag, Januar 12, 2007

Opinion: Why Solaris and MacOS X should unite?

There are dozens of articles like this one on the net. Over and over people suggested solutions like this for different reasons and although I know that such thing probably won't happen any time soon, from my point of view now it is the best moment ever in the history of both operating systems to merge in a one powerful alliance. And the hell has already frozen over, hasn't it?

First I will give short description of both OSes, so we can see the strong and the weak sides of them and see if the combination should eliminate the shortcomings and make the good points even better.

MacOS X

After running MacOS X several years exclusively on PowerPC processors from IBM and Freescale (former part of Motorola), Apple decided to make a switch towards x86 architecture, which is completed now. PowerPC version of OS is still developed, although no one outside Apple knows for how long this version will be feature complete with the x86 version. While the kernel of MacOS X is freely available, the complete OS costs about $150 per seat.

The kernel of MacOS X is called Darwin, it is open sourced, but it is not very popular among third party developers outside Apple. First reason is that the development itself is closed source, only the finished kernel is delivered by Apple, sometimes with months of delay. So the developer can study the kernel, write drivers for it, but has only little influence on the development of the kernel itself. The second reason is that the architecture of the kernel is quite unusual. It is an outdated Mach3 microkernel with a FreeBSD "personality". So after understanding of the concept, still hardly anyone can explain the reason (probably heritage of NextStep) and the benefits of having such architecture. Some people are talking about Frankenstein OS, which consists of parts somehow glued together and brought to life. The problem with such approach is that the concepts from other OSes cannot be applied to Darwin. That might affect security, reliability and scalability of the OS, because there is no experience from other OSes, so all these topics require extra effort and research. Virtualization is not even on agenda of the kernel developers. Darwin kernel has also received lot of negative press, because it lost several benchmarks against Linux and Solaris. Even if the benchmarks were not always correct, they still contribute to the negative image of Darwin, which decreases the amount of voluntary programers, who want to spend their time with this program.

The UI and user-land programming on the other hand are among the best in class. MacOS X was the first platform with 3D GUI acceleration, is very consistent and simple to use, but powerful. Lot of technologies like Quicktime, ColorSync, PDF-based compositing system, desktop-search system Spotlight, Core Audio and Core Image are built-in and are used by the OS itself and by the third-party programs. MacOS X can be used by not tech-savvy people without any knowledge of the command line. For command line-aware people, whole UNIX power is available. MacOS X also includes an X-Window server, so even UNIX-programs, which require graphical output can be ported to MacOS X. The programming of MacOS X is either possible using libraries and languages known from other UNIX platforms like TK, QT, Motif for libraries and C, C++, Perl for languages or MacOS X-native Cocoa or Carbon environments.

Main usage of MacOS X is creation and consumption of multimedia content, video and image editing, audio processing, desktop publishing, main focus is desktop user, who might not be aware of command line and should not be. MacOS X is used as server mostly in MacOS X environment. Most of the software has already been ported from PowerPC to x86 or is still in development. For PowerPC-only software there is an emulator available, which translates PowerPC code to x86 commands.

MacOS X is supposed to run on Apple computers only. Apple offers two lines of notebooks, three lines of desktop computers and one server line. Although it is theoretically possible to run MacOS X on an other x86 compatible computer from other manufacturer it is legally forbidden. Drivers exist only for devices, which are used by Apple computers, so running the OS on a computer with different devices, might cause problems. MacOS X has been already tried out for running on 8 processors (2 4-core Intel processors). However, there are no experiences how well it scales for this number of processors or even above (remember, Linux 2.2 was also running with 16 processors, but it did not scale well). The maximum supported amount of memory is 16GB.

Solaris

With the open-sourcing of the Solaris 10 version of its operating system, Sun has awaked new interest in it. Solaris 10 is running on SPARC and x86 processors both versions are feature-complete. There are attempts of porting it to PowerPC processors as well. Solaris 10 is available for free, however you have to pay for support.

The kernel of Solaris is BSD UNIX with some heritage from System V (according to the www.levenez.com/unix/ ). The kernel is very scalable (largest server offered by Sun contains 72 CPUs), secure (merged with parts of Trusted Solaris), reliable (Solaris Fault and Service Managers, Self-Healing technologies). Technologies like Containers for virtualization, DTrace for debugging and performance optimization, ZFS as high-end file system are still not available on other systems (or have been ported from Solaris). Performance-wise Solaris gets very good notes from several benchmarks. It receives lot of attention from the open source community. Sun releases very often previews of the next version of Solaris and works close with the third-party developers.

On user-land side, Solaris 10 is delivered with completely outdated CDE or Java Desktop 3, which is based on GNOME. This software is included in Java Desktop 3:

• GNOME 2.6
• Evolution 1.4.6
• Mozilla 1.7 browser
• OpenOffice.org 1.1 (basis for StarOffice 7 suite)

One can see, that this software is completely outdated (compared with e.g. SUSE Enterprise Desktop). There is no 3D-acceleration included, no desktop search. And nowhere on the net I could find a shipping date for Java Desktop 4. Moreover Sun will have problems sticking with further versions of GNOME, because it seems, that GNOME's high-level language will be Mono's C#, which is big rival for Sun's JAVA. User-land programming is done in JAVA, C, C++ with GTK+, QT or Motif libraries.

Solaris is heavily used in technical and science areas. It is still OS of choice for such tasks as EDA, CAD, CAM, CAE. It is also used as server OS for large databases, file and computation server or websites in mixed environments. The user should be very skilled in usage of the command line and understanding of UNIX. Lot of software, which is available for SPARC only has still not been ported to x86. There is no emulator available, which could translate SPARC commands to x86 (the only emulator demonstrated by Intel translates SPARC code into Itanium code, Sun tries to ignore that one). Currently there are no plans to abandon SPARC processor, but the roadmap for a workstation SPARC processor is not quite clear.

Solaris runs on wide variety of SPARC and x86 based hardware, especially servers from big companies. But it has to share the same problems as Linux with notebooks, where there might be no support for non-standard hardware build-in, or no open available documentation, so no open source drivers may exist. Sun also produces workstations and servers for Solaris.

Elimination of Shortcomings

Now it becomes clear that the weak side of the MacOS X is its kernel. Even if it is technologically interesting, it has negative image in the minds of developers, so there are only few people outside Apple, who are doing research and develop for Darwin. Lost benchmarks, complex architecture (and unknown security holes as a result), not proven scalability, lack of virtualization, self-healing, and a noncompetitive file system also doesn't make it system of choice for large server administrators. Additionally, though MacOS X is a UNIX system, there is hardly commercial software available, which comes from "old" UNIX platforms (e.g. Solaris).

The weak side of Solaris it is user-land. While making good shape on server, Solaris looses ground on workstation market, especially to Linux. Lot of workstation software packages, which were running on SPARC Solaris, are not ported to Solaris x86, but to Linux instead. Linux supports more hardware, it receives more frequent updates and ISVs (Independent Software Vendors) see no point in supporting two very similar (from the workstation point of view) operation systems on the same hardware. Unclear situation on the SPARC side (for the workstation) only increases the problem.

Strengthen the Good Sites

So what kind of advantages will the user have, if both systems will be merged?

- industry-proven, trusted, fast, reliable, secure, scalable kernel as fundament
- server OS with great manageability as known from MacOS X server
- unmatched technologies like DTrace, ZFS, Containers, Spotlight, Time Machine, Quicktime and so on in one package
- attractive UI with modern multimedia, office and communication software for former Solaris users
- programs from both worlds on one platform
- increased number of users, who might attract developers for porting their programs to this platform
- new buzz OS for geeks
- shared development resources
- ...

Is it just a dream?

Both companies Apple and Sun must change their politics to make such a dream happen. Apple has to accept that they do not have the full control over the development of the kernel, Sun has to accept that after open sourcing the whole OS, parts of it will be closed again (Aqua part, Apple will never open-source that one). From the license point of view such a merging is possible, I hope Sun will not do something stupid and put Solaris under GPL as they announced not so long ago. Both OS need to get some attention from users and developers for not being crushed from Windows on one side and Linux on the other. Sun should also declare SPARC workstations as depreciated, so not the complete OS should be ported to SPARC, but only the server relevant one. An emulator should translate SPARC code to x86. Aqua should run only on selected hardware, but kernel can run on a variety of x86 platforms. The Solaris port to PowerPC should be accomplished, but the quality doesn't have to match the x86 package, because, PowerPC platform is not the main business for Apple, they should do it only for the compatibility reasons. The interesting thing is that some of Solaris code has already been ported to Darwin, namely DTrace and there are lot of rumors, that ZFS will also find its way into the new Leopard. So why not make a big step and take the whole portion instead small crumbles.

Montag, Dezember 11, 2006

England zwoelfte Woche

1. Paniken koennen die Englaender auch ganz gut. Wenn man die Nachrichten so anhoert, ist London mindest zur Haelfte radioaktiv verstrahlt, die Gefahr für die Gesundheit besteht zwar offiziell keine, aber wer weiss, ob von den 33 000 Passagieren, die mit den BA Flugzeugen geflogen sind, in denen Radioaktivitaetspuren gefunden wurden nicht als Langzeitfolge irgendwas abbekommen? Oder die Besucher des Fussballstadions in dem die boesen Russen ein Spiel angeschaut haben. Oder die Hotelangestellten vom Hotel in dem die Russen residiert haben? Buh, grusel...

2. London sollte man immer bei nacht anfliegen, dann kriegt man erst mit, wie riesig diese Stat eigentlich ist, man fliegt ueber den dunklen Chanel und ploetzlich ist da ein Meer aus Lichtern. Vom Flugzeug aus kann man auch Big Ben erkennen und einige andere Sehenswuerdigkeiten

3. Eines der coolsten Exponate, die ich jemals in einem Museum gesehen habe, war der Erdbebensimulator im British Natural Science Museum. Da wurde das Erdbeben von Cobe 1995 nachgestellt. Es gibt eine beruehmte Videoaufnahme aus einem japanischen Laden, wo die ganzen Regale zu wackeln anfangen. Genau diesen Laden hat man im Museum nachgebaut, das Video laeuft dazu und ploetzlich faengt der Boden an unter einem zu wackeln und alle Produkte in Regalen zu zittern. Sehr eindrucksvoll.

4. Preisfrage: Warum gibt es so viele Buecherlaeden in Soho, der Amuesiermeile von London? Antwort: Jeder dieser Laeden ist in Wahrheit ein Sex-Shop, man muss nur in den Keller gehen. Und alle werden von Polen betrieben.

5. Am Wochenende war ich auf einer englischen Weihnachtsfeier. Genauso habe ich sie mir vorgestellt, die meisten Maenner im Smocking mit Fliege, die Frauen in Abendrobben. Ich habe mich auch entsprechend verkleidet, schwarzer Anzug, rotes Jacket, rote Fliege, sah aber aus weniger als James Bond, sondern eher wie Winston Churchill. Nur das Essen sah aus, wie aus der Mikrowelle auf den Teller. Es hat nicht schlecht geschmeckt, aber dass man Gerichte auch optisch ansprechend machen kann, ist an dem Oberkoch von Hilton Hotel wohl spurlos voruebergegangen. Spaeter gab es Tanz (Disco, kein Walzer), aber es war schon sehr viel feiner, als die Feier in Deutschland, wo man in normaler Kleidung hingeht. Wirklich schade, dass man in Deutschland ueberhaupt keine Abendkleider mehr benoetigt, der bloede Hosenanzug fuer Frauen hat sich durchgesetzt und wenn ein Mann eine Krawatte anzieht ist es schon was besonderes.

6. Heute habe ich geschafft in peak time von London nach Bracknell mit dem Zug zu fahren. Die Besonderheit hier ist, dass die Zuege keine festgelegten Gleise haben, sondern sie werden erst ein paar Minuten vor der Abfahrt bekannt gegeben. Also stehen Tausende Leute am Bahnhof und starren die elektronischen Abfahrtstafel an. Und dann geht die Rennerei los. Jeden Tag moechte ich mir sowas auf keinen Fall geben.

7. Dies ist die letzte Kolumne in diesem Jahr aus England. Wuensche jetzt schon allen Leserinnen und Lesern Froehe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr 2007. Einen Gewinner des Schoenste-England-Geschichte Wettbewerbs kann ich leider keinen nennen, vielleicht naechstes Jahr. Feiert schoen.

Euer Anton

Donnerstag, November 30, 2006

England neunte Woche

1. Die Liebe zu Marks & Spencers geht bei den Englaendern so weit, dass es eine Restaurantkette gibt mit dem simplen Namen “EAT”, in dem Marks & Spencers Sandwiches und Salate im Regal liegen, originalverpackt, man kann sie kaufen und gleich im Restaurant essen. Im Prinzip eine kosequente Weiterfuehrung des Flaschenbiergedanken, oder dieser Assi-Gaststaetten, wo man eine Dose bekommt, wenn man nach Coca-Cola gefragt hat.

2. Apropos Kochen. Nach Jahren der Fastfood Kultur und Dank Jamie Oliver sind die Kochsendungen die beliebtesten Sendungen im Fernsehen. Heulende Hausfrauen, die nicht mal ein Ruehrei bereiten konnten, stellen am Ende der Sendung ein 4-Gaenge Menue zusammen und behaupten, dass das ihr Selbstwertgefuehl gesteigert hat. Ehemann gluecklich, Kinder gluecklich, der sich von den Ueberresten ernaehrende Hund eher ungluecklich. Aber fuer ihn gibt es ja Victoria, die Hundequeen. Mehr ueber sie irgendwann mal spaeter.

3. Warum gibt es in Deutschland eigentlich keine Fernsehserien oder Kinofilme ueber BND, MAD oder Verfassungsschutz? Immer wenn diese Dienste im Fernsehen auftretten, sind die Personen entweder extrem Gute oder extrem Schlechte, aber auf jeden Fall so geheimnissumwittert, dass man selten ueberhaupt mal einen Agenten vor die Kamera bekommt, es heisst immer nur: “Diese Information kommt direkt aus Pullach” und alle verdrehen wissend die Augen. Von James Bond mal abgesehen, gibt es hier eine Kultserie namens Spooks, wenn man sie nicht angeschaut hat, kann man am naechsten Morgen im Buero nicht mitreden. Es geht um Agenten von MI5 (fuer die Unwissenden: MI5 ist Innengeheimdienst, MI6 der Auslandsgeheimdienst), die relativ bedrohliche Szenarien mitten in London bewaeltigen muessen. Wenn es darum geht, dass die Umweltterroristen (gibt es inzwischen wohl auch) die Ueberflutungsschutzanlagen besetzt haben und in wenigen Studen halb London metertief im Wasser stehen wird, ueberlegt man sich schon wie weit man von der Themse entfernt wohnt. Das entsprechende Szenario fuer Deutschland waere es wie Alkoholgegner-Terroristen (wird es bestimmt auch welche geben) drohen wuerden Polonium 210 in die Wasserversorgung von Hofbraeuhaus zu kippen. Die tapferen Verfassungsschutzer pressen unter Einsatz von Folter und Volksmusik den Versteck des Giftes heraus, doch beim Ausheben des Verstecks bekommt einer einen Niesanfall, Pulver wirbelt auf, alle werden kontaminiert und im Anfall von Balkan-Krieg bedingtem posttraumatischen Stressyndrom schuetet ein BND-Mitarbeiter das Zeug selbst in die Wasserversorgung des Hofbraeuhauses. Bangevolle Stunden vergehen, alle warten, ob ihnen die Haare ausfallen und sie sich erbrechen. Mindestens zwei Agenten haben den Apokalypse-Sex. Endlich kommt die Nachricht aus dem Pullach-Labor, dass der Informant ein Doppelagent war und es gar nicht die Alkoholgegner-Terroristen waren, sondern ehmalige Love-Parade Geschaedigte und das Zeug nicht Polonium210, sondern Extasy. Zum Glueck wird das Bier direkt zum Oktoberfest ausgeliefert, so merkt am Ende keiner was, am wenigsten die unfreiwilligen Konsumenten. Alle sind high und gluecklich. Happy End.


4. Wiedermal ein Fall fuer die deutsche Paragrafenreiterei: Ich moechte meinen Mitbewohner mit der bayerischen Kueche bekannt machen, also kaufe ich 100ml suessen Senf und eine Konservendose mit Weisswuersten. Den suessen Senf kann ich durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen bringen, die Wuerstchen werden konfisziert, weil da wahrscheinlich mehr als 100ml Fluessigkeit befinden. Ohne Messer oder Dosenoeffner kriege ich die Dose gar nicht auf, aber das ist egal. Befehl ist Befehl. Eine kleinere, aber im Verhaeltnis teuerere Dose bekomme ich im Duty-free Shop. Ich warte, bis ein Feuerspucker mit im Duty-free Shop eingekauften Whiskey und geschmuggelten Streichhoelzern einen schoenen Brand im Flugzeug veranstaltet, oder einfach ein Molotov-Cocktail bastelt.

5. Wie locker sind dagegen die Englaender, die anstatt MINDESTHALTBARKEITSDATUM in etwa so was schreiben: If you can resist the desire to eat this yummi pizza immidiately, you can put it in a freeezer till... Dafuer versuchen sie selbst auf einer Chipsverpackung zu erklaeren, wie Chips unter Umstaenden gut fuer die Gesundheit sein koennen

6. Gestern habe ich etwas unglaeubig geschaut, als um das Firmengebaeude ein Mann mit einem Falken auf dem Arm rumspazierte. Mit wurde erklaert, das ist der Taubenjaeger. Darauf ist mir eingefallen, dass ich wirklich kaum eine Taube in England gesehen habe, nicht mal am Trafalgar Square, wo sie frueher einem auf den Kopf gesetzt haben. Scheint wirksam zu sein.

7. Die Briten sind unuebertroffen in Bush-Bashing. Gestern kam eine Doku namens "638 ways to kill Fidel Castro", ueber alle Versuche Fidel zu ermorden. Gleich am Anfang kam ein Ausschnitt aus der beruehmten Bush-Rede: "Everyone who gives a home to terrorists, is a terrorist, simple as that". Daraufhin wurden Exil-Kubaner gezeigt, die Photos von sich selbst mit Bush senior und Jeb Bush (dem Bruder und Gouverneur von Florida (meiner Meinung nach der naechste Praesident von USA)) zeigen und dabei prahlen, wie sie Befehle gaben, Bomben in zivile kubanische Flugzeuge zu plazieren oder kubanische Hotels in die Luft zu jagen. Selbst als sie gefragt wurden, ob sie Terroristen seien, haben sie nicht "Nein" gesagt. Tja, Mr. Bush, simple as that.

Zum Schluss noch ein Witz, stammt von meiner Freundin: "Was sagt eine Meck-Pom Mutter, die nach ihrem Sohn sucht?"

"Ich werde mal nach dem Rechten schauen"