Sonntag, Januar 29, 2012

Facebook ist voll...

behauptet der estnische Verteidigungsminister Mart Laar. Auf die Frage warum er seinen kritischen Beitrag über ACTA (ein internationales Gesetzespaket gegen Copyright-Verletzungen) gelöscht hat, antwortete Laar "Kui on kadunud, siis ruum kippus otsa saama", was sinngemäß: "Es war weg, weil der Platz weg war": schreibt Õhtuleht. Darafhin bildete sich eine Facebook-Gemeinschaft, die ständig neue Späßchen auf Kosten des Verteidigungsministers betreibt. Mir gefällt das hier am besten, wobei die Vergleiche mit Chuck Norris auch nicht schlecht sind.

Donnerstag, Januar 26, 2012

Neue Schritte zur Anerkennung des offiziellen Status der russischen Sprache in EU

Der Vorstand der europäischen Partei European Free Alliance (EFA) unterstützt den Vorschlag der Abgeordneten des Europäischen Parlaments von der lettischen Partei Zaptschel (ЗаПЧЕЛ) Tatjana Zhdanok für die Durchführung einer europaweiten Unterschriftensammlung für die Anerkennung des offiziellen Status für die Sprachen der traditionellen Völker Europas, die keinen eigenen Staat auf dem Territorium der EU haben. Darüber berichtet der Pressedienst der Partei Zaptschel.

Das sind baskische, bretanische, walisische, gallische, katalanische, korsische, russische und friesische Sprachen.

Auf diese Weise fängt die Arbeit am Organisationsplan der Unterschriftensammlung an, der schon Ende März diesen Jahres bestätigt werden könnte. Die Sammlung von einer Million Unterschriften in nicht weniger als 7 Ländern der EU wird in Übereinstimmung mit dem am 1. April 2012 in Kraft tretenden Regelwerk der EU über die "Europäische Bürgerinitiative" durchgeführt. Die Mindestanzahl der Unterschriften in jedem Land wird durch bestimmte Quoten festgelegt. In Lettland müsste man z.B. 6000 Bürgerstimmen sammeln, in Großbritannien und in Frankreich jeweils 54000 Stimmen, in Spanien 37500, in Irland 9000.

Die Campagne der EFA zur Unterschriftensammlung für die Sprachinitiative wird in Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Deutschland, Lettland, Estland, Litauen und Irland durchgeführt. In Irland werden die Stimmen aller ständigen Einwohner berücksichtigt, also Bürger jeden EU-Landes. Das gibt den russisch-sprachigen Immigranten aus dem Baltikum in Irland die Möglichkeit für die Anerkennung der russischen Sprache als offizielle Sprache der EU abzustimmen.

Im Fall eines Erfolges für die Campagne wird der Gesetzesentwurf an die Europäische Kommission gereicht, die verpflichtet ist, es anzuschauen und an das Europaparlament und den EU-Rat weiterzuleiten. Doch kann sowohl die Europäische Kommission, als auch das Europaparlament und der EU-Rat Einwände gegen das Projekt erheben und zwar bis zu zwei Monate nach seiner Registrierung. Im Falle des Fehlens einer Begründung des Einwands, oder Fehlen der Einwände, tritt das Gesetz in Kraft.

Unter der Berücksichtigung, dass fünf Parteien, die in EFA Mitglieder sind, auf regionalen Ebenen regieren und es alleine in Spanien und Frankreich über 9 Mio. Katalanen leben, hat die Sprachinitiative der EFA reelle Chancen auf Erfolg.

Ein offizieller Status in Institutionen der EU bedeutet nicht, dass die russische, katalanische oder walisische Sprachen auf dem gesamten Territorium der EU zu offiziellen Sprachen werden. Sie werden zu offiziellen Arbeitssprachen der Institutionen der EU, also der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments, als auch Sprachen der offiziellen Kommunikation der Einwohner der EU mit diesen Organisationen.

http://evrokatalog.eu/efa-podderzhal-jazikovuju-kampaniju

Samstag, Januar 14, 2012

Veteranen der Waffen-SS als Freiheitskämpfer? (lange Version)

Bei dem letzten Veteranentreffen der Waffen-SS auf Sinimäe kamen schon die ersten Gerüchte auf, dass der Verteidigungsminister Mart Laar plant die Veteranen der Waffen-SS oder allgemein estnische Soldaten, die deutsche Uniformen im zweiten Weltkrieg getragen haben, zu Kämpfern für die Freiheit Estlands zu erklären. Die Veteranen sagten, dass wenn "unser" Mart sich einer Sache angenommen hat, dann wird er sie auch zu Ende bringen.

Am 27. Dezember 2011 zeigte delfi.ee einen Artikel, dass ein entsprechendes Gesetz in Vorbereitung sei und im Frühling dem Parlament und der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Ein ähnliches Gesetz wollte man schon 2005 durchs Parlament schleusen, doch die Regierung vertagte es. Am 30. März 2006 hat das Justizministerium befunden, dass dieses Gesetz für Unruhen in estnischen Zivilgesellschaft sorgen könnte, die auf verschiedenen Seiten gekämpft hat. Auch der Versuch im Jahr 2010 das Gesetz zu verabschieden ist gescheitert. Doch jetzt ist die Verabschiedung eines solchen Gesetzes ein Teil des Koalitionsvertrages zwischen IRL und der Reformpartei: "Unterstützen wir diejenigen, die für die Unabhängigkeit Estlands gekämpft hat mit dem Beschluss des Riigikogu (also des Parlaments)"

Am 03. Januar 2011 veröffentlichte die englische Zeitung DailyMail einen Artikel über das Vorhaben. Interessanterweise wurde der Artikel recht bald wieder von der Webseite runtergenommen, es finden sich aber noch einige Verweise auf die Existenz dieses Artikels auf der Webseite. Glücklicherweise wurde der Text kopiert und kann hier in voller Länge gelesen werden. Warum der Text runtergenommen wurde, kann man nur spekulieren, DailyMail gibt keine Kommentare ab.

Am 12. Januar veröffentlichten auch die deutschen Zeitungen umfangreiche Artikel zu dem Thema, die sich sehr kritisch mit dem Vorhaben der estnischen Regierung auseinandersetzen. Da wird von der Auferstehung der braunen Ungeheuer gesprochen und Blinder Ehrung der Waffen-SS, auch die grünen Politiker protestieren scharf. Selbst die konservative Welt glänzt mit Fakten, die ich bisher in der westeuropäischen Presse vermisst habe. In der Haaretz wurde ein Artikel von Efraim Zuroff veröffentlicht, in dem er aufruft nicht die Schuldigen zu rehabilitieren.

Dem Verteidigungsministerium wurde es schliesslich zu bunt und am 5. Januar 2012 wurde ein Artikel auf den Seiten des Verteidigungsministeriums veröffentlicht, der die erschienen Presseberichte richtigstellen soll. Das ist eine gute Zusammenstellung der Geschichtsbetrachtung in Estland, deswegen lohnt es sich genauer angeschaut zu werden:


Regarding the article “Laar intends to recognize men who fought in German uniform officially as freedom fighters” published in the Estonian online newsportal Delfi on December 27th 2011, the Estonian Ministry of Defence would like to make the following statement.

The government of the Republic of Estonia has not drafted nor will it draft something as absurd as a bill that would allow for honours to be given to Nazi collaborators.

The government of Estonia has given a task to the Ministry of Defence to prepare a bill to give recognition to persons who have fought for the restoration of the independence of Estonia. The fight against Nazi and Soviet totalitarian regimes was also a part of the Estonian fight for freedom and the decision of the government to honour the struggle for the restoration of Estonian independence is a natural and unequivocal choice. A number of member states of the European Union have approved similar bills to honour their resistance fighters. The exact wording of the bill will be drafted by spring of this year.


Gab es also noch eine dritte Gruppe von Menschen, die weder für in der deutschen, noch in der Roten Armee für die Unabhängigkeit Estlands gekämpft haben?


In addition, the Estonian Ministry of Defence would like to emphasize the following.

Estonia has been terrorized by the regimes of Nazi Germany and communist Soviet Union. The Republic of Estonia has officially condemned the atrocities and crimes of Nazism and Communism and has the intention to continue this policy. Estonia is pleased to notice that the same principles have been followed in Europe. The European Parliament has decided to condemn the crimes of the Communist regime along with the crimes of the Nazi regime.

In 1939 the Soviet Union and Nazi Germany concluded the Molotov-Ribbentrop Pact, the secret protocols of which divided Central and Eastern Europe into respective spheres of influence. The same year Germany launched the Second World War with its attack on Poland and the Soviet Union started to fulfil its role by invading Poland from the east, at the same time concentrating large forces on the borders of the three Baltic States and Finland. The Soviet Union occupied Estonia along with Latvia and Lithuania in 1940.

The Soviet occupation was followed by Estonia’s occupation by Nazi Germany in July 1941. In September 1944 Estonia was again occupied by the Soviet Union. Estonia regained its independence in 1991. For the most part Estonians were forcedly mobilised by the totalitarian regimes that occupied Estonia what is against international law. Direct human losses during the Soviet and Nazi German occupations reached 180 000, which is 17.5 per cent of the nation’s population, and 90 000 of these people were killed.


Interessant ist der Satz über "forcedly mobilised". Was die Esten in der Roten Armee angeht, ich kann mich nicht daran erinnern, dass z.B. Arnold Meri gezwungen war in der Roten Armee zu dienen. Und wenn jemand gezwungen wird in Waffen-SS zu dienen, warum zieht man 70 Jahre später immer noch mit Stolz seine Uniform an, zeigt seine Orden und lässt sich verehren? Nach einem Treffen der Selbsthilfegruppe der Anonymen Waffen-SS Veteranen sieht das Treffen auf Sinimäe nicht aus. Unklar ist der letzte Satz, direct human losses waren 180 000 und 50% davon wurden getötet. Erstens, was passierte mit den anderen 50% und zweitens von wem wurden die anderen 50% getötet? Und natürlich wurde kein Wort über die Taten der estnischen Kollaborateure verloren, schuld sind nur die anderen.

Dieses Statement fügt sich nahtlos in die Politik, die auch der estnische Präsident Ilves betreibt. Die israelische Zeitung Haaretz schreibt über den Besuch von Ilves in Israel, wo er die Leiden von Juden während des Holokausts und der Esten während der beiden Okkupationen als gleich darstellt.

Aber abseits von den Betrachtungen der Vergangenheit, was würde es denn bedeuten, falls so ein Gesetz wirklich verabschiedet wird und zwar in der Form wie befürchtet? Das allerkleinste Problem wird sein, dass die Veteranen mit dem neuen Status evtl. besser vom Staat behandelt werden, höhere Rente usw. Der Status ihrer Zusammentreffen wird komplett geändert, es ist nicht mehr das Treffen der Veteranen der Waffen-SS, sondern das Treffen der Kämpfer für die Freiheit Estlands. Alle, die dagegen protestieren, protestieren gegen die estnische Unabhängigkeit, sind also für eine neue Okkupation, evtl. ist so was schon strafbar. Die estnische Armee wird neue Helden haben, auf die sie sich bezieht und in die Tradition einschliesst, schliesslich verteidigt ja die Armee die Freiheit Estlands. Die Schulkinder werden auch neue Helden haben, die tapfer gegen die Russen gekämpft haben, die Fälle, wo die Kinder ihre russisch-sprachigen Eltern als Okkupanten beschimpfen, werden sich also häufen.

Abschliessen möchte ich mit dem Zitat aus der TAZ: Die Heroisierung der SS- und der Waffen-SS-Angehörigen zu Freiheitskämpfern ist somit nicht nur eine Beleidigung der Opfer - sondern auch ein gefährliche Geschichtsverdrehung, die einzig und allein der Auferstehung des braunen Ungeistes von anno dazumal dient.

Freitag, Januar 13, 2012

Mitglieder der Waffen-SS als Freiheitskämpfer?

Eigentlich wollte ich einen längeren Text zu dem Thema schreiben, aber da waren andere schneller. Ich bin ehrlich erstaunt und begeistert, mit welchen Fakten die deutschen Journalisten auf einmal glänzen können. Warum wurden bei Interviews mit estnischen Politikern, sie nie damit konfrontiert?

Auferstehung der braunen Ungeheuer
Die SS als Freiheitskämpfer
Estland denkt über Ehrung der Waffen-SS nach
Blinde Ehrung der Waffen-SS
Grüne protestieren gegen Ehrung von SS-Mitgliedern

Bin mir sicher, dass da noch mehr kommen wird.

Nachtrag: Die britische DailyMail hat schon am 3. Januar eine Story zu diesem Thema veröffentlicht. Nach der Information von Algemeiner verschwand der Artikel nach einem Tag von der Seite, angeblich nach der Intervention der estnischen Regierung. Der volle Text kann hier gelesen werden.

Donnerstag, Januar 12, 2012

Stellenausschreibung für Journalisten

Das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung n-ost setzt sich mit einem europaweiten Korrespondentennetz in Berlin für eine hintergründige und differenzierte Berichterstattung aus Osteuropa ein. Mit seinem Artikel- und Radiodienst beliefert n-ost Print- und Online-Medien sowie Rundfunkanstalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Organisation führt medienpolitische Projekte, Fachkonferenzen und Recherchereisen durch und verleiht jährlich den n-ost Reportagepreis.

Im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erstellt n-ost die tägliche europäische Presseschau euro|topics. Auf www.eurotopics.net bietet die Presseschau täglich Kommentarausschnitte aus den 27 EU- Ländern und der Schweiz in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch).


Für euro|topics sucht n-ost ab dem 1. Februar 2012

eine/n Estland-Korrespondent /in


Voraussetzungen:

· journalistische Ausbildung (Journalistik-Studium, Volontariat oder vergleichbare Ausbildung) sowie journalistische Erfahrung (bevorzugt im Online- oder Agenturbereich)
· Fähigkeit, auf den Punkt knackige Teaser zu schreiben
· Breite und fundierte Kenntnis aktueller europäischer Themen
· sehr gute Estnisch-Kenntnisse und Beherrschung von Deutsch auf muttersprachlichem Niveau
· ausgeprägte Kommunikationskompetenz und Offenheit für die gemeinsame Arbeit in einem internationalen Netzwerk unter dem Dach einer medienpolitischen NGO
· Lust, früh zu arbeiten, aber auch früh fertig zu sein
· Fähigkeit, auch unter hohem Zeitdruck zuverlässig zu arbeiten
· Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Estland
· Bereitschaft, sich mit dem Online-Redaktionssystem vertraut zu machen
Bewerber, die zusätzlich sehr gute Lettisch- und/oder Litauisch-Kenntnisse haben, können sich gleichzeitig auf die entsprechenden Stellen für Lettland bzw. Litauen bewerben, die wir zeitgleich ausschreiben.


Stellenprofil:

· tägliche Auswertung meinungsbildender estnischer Online- und Printmedien (inklusive wichtiger Blogs)
· tägliche Ausarbeitung und Übersetzung von ein bis zwei Zitaten aus den wichtigsten Meinungsartikeln, Reflexionen, Essays und Kommentaren (jeweils rund 1.000 Zeichen)
· Schreiben von Teasern bzw. Einleitungen und Überschriften

Wir bieten:

· Zusammenarbeit mit einem europaweiten Team
· Honorarvertrag über eine monatliche Pauschale.

Wir freuen uns über aussagekräftige Kurzbewerbungen (max. eine Seite Motivation und kurzer tabellarischer Lebenslauf, Angabe von zwei Referenzen) als ein (!) PDF-Dokument (maximal 1 MB) bis 19. Januar 2012, 10 Uhr, per E-Mail an bewerbung@n-ost.or g.

Rückfragen an Christian Mihr: +49-(0)30-2593283-0

Mittwoch, Januar 11, 2012

Leise rieselt der Schnee

ich komme gerade aus zugeschneitem Estland, wo ich vier Tage mit meiner Freundin, die vor 11 Jahren zum letzten Mal Estland besucht hat, und einem Freund, der zum ersten Mal in Estland war, verbracht habe. Deswegen sind viele Beobachtungen nicht nur meine, sondern auch ihre.

1. Estland ist teuer. Was schon 2007 spürbar war, ist jetzt endgültig zur Wirklichkeit geworden. Insbesondere die Preise in der Tallinner Innenstadt für Essen, Kleidung, Eintritte sind so gestiegen, dass selbst deutsche Touristen sich zweimal überlegen müssen, was sie unternehmen und wo sie essen gehen. Dieses Gefühl kenne ich von keiner anderen osteuropäischen Stadt, hier ist Tallinn skandinavisch geworden. Am teuersten sind interessanterweise die estnischen Erzeugnisse (nicht alle, aber die Ausnahmen bestätigen die Regel)


Tafel estnische Schokolade für 5,29 EUR gefällig?

2. Tallinn ist voll mit russischen Touristen. Deutsche gibt es kaum, Englisch hört man auch recht selten, aber dafür Russisch an jeden Ecke. Die Macht des Faktischen ist deutlich spürbar, so haben die Buchhandlungen die Waffen-SS Kalender aus der Vitrine geräumt, und dafür estnische Kochbücher auf Russisch platziert. Bedienungen, die nicht russisch sprechen, sind die Ausnahme geworden, alle Restaurantmenüs gibt es auch in russischen Sprache. Am Rathausplatz beim Weihnachtsmarkt ist der estnische Weihnachtsmann gezwungen sich mit den Kindern auf Russisch zu unterhalten, sonst versteht ihn dort niemand.

3. Auch die estnische Elite beginnt zwischen den "nützlichen" und "unnützen" Russen zu unterscheiden. Die "nützlichen", das sind diejenigen, die Geld in das Land bringen, denn nur die Touristen-Russen akzeptieren es ohne Murren, die teueren Preise zu bezahlen und kommen sogar evtl. wieder. Die "unnützen" Russen leben in Lasnamäe, verbreiten Geschlechtskrankheiten und machen Arbeit, die sonst kein Este tun würde, so O-Ton einer jungen Estin, die irgendwie ins Fernsehen geschafft hat.

4. Tallinn hat sich sehr herausgeputzt und sieht besonders im Schnee wunderschön aus. Manchmal ist es schon zu viel an Weihnachtseffekten, man muss nicht unbedingt die Dächer der Viru-Tore mit roten Lichterketten bedecken, aber der Weihnachtsmarkt, der Weihnachtsbaum sind sehr gelungen. Nur lasst bitte beim nächsten Mal die armen Rentiere aus dem 5x5m grossen Käfig raus, 6 Wochen darin ist reinste Tierquälerei.

5. Letztes Mal habe ich moniert, dass es keine estnischen Märchen in russischen Sprache in den Buchhandlungen gibt. Es gibt auch keine estnischen Klassiker in deutschen Sprache. Mein Freund wollte Jaan Kross auf deutsch kaufen. No luck.

6. Estland entwickelt sich zu einem Land für Feinschmecker. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt kann man Elchleber probieren, Vorschmack (eine Art Labskaus) mit Elementen der Molekularküche degustieren, oder auch Wildschweingulasch essen. Selbst Bärenfleischkonserven bestehen aus 85% Bärenfleisch, in Russland sind es ca 15%, obwohl in Russland viel mehr Bären leben. Sehr empfehlenswert ist Lido in Solaris, wo man für wenig Geld recht gut essen kann und braucht nicht auf die Bedingung zu warten.

7. Die coolste Bar in Tallinn ist immer noch die DM Baar (für Uneingeweihte DM steht für Depeche Mode). Jeder, der zwischen 1970-1980 geboren wurde, wird mir zustimmen.

8. Wintersportanfänger kommen am Sängerfestplatz auf ihre Kosten, es gibt da Schneekanonen und sogar ein Miniskilift, also kann man da schon die ersten Schritte auf dem Snowboard ausprobieren. Wer Langlauf bevorzugt, kommt erst recht auf seine Kosten. Wir haben viele Touristen aus Russland gesehen, die in Estland Skilaufen. Wahrscheinlich denken sie, dass sie sich hier nicht verlaufen können und nicht vom Bären gerissen werden. Man kann sich auch täuschen, angeblich leben noch 500 Bären in Estland.

9. Im estnischen historischen Museum läuft gerade die Ausstellung 11.000 Jahre estnische Geschichte. Das ist der neue Rekord, wie alt das estnische Volk nun eigentlich ist. Den letzten Rekord hat der estnische Präsident Ilves aufgestellt, der in seiner Neujahrsansprache von 750 Jahren Warten auf die Freiheit gesprochen hat. Zur Ehrenrettung der Ausstellung muss man sagen, dass dort gesagt wird, dass erst 1805 die Esten sich als ein Volk zu fühlen begannen.



10. Noch ein Geheimtipp für die Liebhaber des Jugendstils. Die Standesamtmitarbeiter werden mich verfluchen, aber der Tallinner Standesamt ist definitiv ein Besuch wert. Einfach sich einer Hochzeit anschliessen, den wunderschönen Jugendstil-Leuchter anschauen und ja keine Gegenstände auf das Klavier legen, denn wie auf dem aufgeklebten Schild steht, ist das Instrument alt und wertvoll, für alle Schäden haftet das frischgetraute Ehepaar und wir wollen ja nicht ihnen ihren schönsten Tag vermiesen.

Donnerstag, Januar 05, 2012

Vene kool Eestis ühenduse jõulueelne pöördumine eesti rahvale

Nachdem keine estnische Zeitung den Weihnachtsgruss des Vereines zum Schutz der Russischen Schulen drucken wollte, hier ist die estnische Version:


Eesti haridusreform käib kogu hooga. Sealhulgas ka vene õppekeelega koolide üleviimine eesti õppekeelde. Näib, et kõik õige: ühine riik, üks riigikeel, üks haridussüsteem, ühised õppekavad. Aga see näilisus meenutab pigem sedasama sirget teed helgesse tulevikku, mis on alati viinud käijaid hoopis põrgusse. Ajalooliselt tõestatud, et vaid üksikriikidel ning ülipingutustega õnnestus sealt välja rabeleda. Kas väiksel ja vaesel Eestil selleks vajalikku jõuvaru leidub?

Kuni 5% elanikkonnast neile võõrasse keelde üleviia, sellesse „integreerida“, ehk ausalt öeldes – lasta nad assimileeruda 95%-ga on veel ettekujutatav tegu. See on tilk meres, ning ka selle ideaalne lahustamine nõuab suurt meisterlust ja pingutamist. Kui rääkida 1/3 elanikkona lahustamisest vaid kahekordselt seda ületavas koguses, sellest võib saada ainult mingi ettenähtamatu omadustega plahvatamiskaldumustega elujõutu mürk. Ning ise ei märka, kui selleks agressivseks tehisseguks muutub kogu uus Eesti põlvkond.
Iga rahva keel on selle iseloomu peegel. Me oleme nii erinevad, et niisama meid sobitada ühte, kumbagi raskelt vigastamata ei ole võimalik.Lihtsalt ei saa. Kooliaeg on loodud kõigepealt isiksuse arendamiseks. Ning kogu maailma pedagoogika üks põhimõtteid on see, et üldjuhul lapseareng peab toimuma emakeeles (kodukeeles). Kui laps selgelt aru ei saa, siis ka õpetada ei saa. Rääkimata sellest, et lapse päritolu süüdistavas õhkkonnas on võimatu üleskasvatada vaba, loominguline, elurõõmu tundev ning vaimselt terve isiksus.

Selles kontekstis on suureks patuks osutunud kõik need pealetungivad kümblused, lõimumised ja keeleinspektsiooni tegevus. Võõrsilt sissevoolava raha eest on loodud rangelt toimiv „riik riigis“, ning õppetaseme parendamise, efektiivsete metoodikate väljatöötamise asemel selle peategevuseks sai mõtetu repressioon. Kes, millal ja mis tingimustel hakkab neid veksleid kinni tasuma? Või see juba käib rahva mahasurumise, laialiajamise ning riigi ja riikluse laristamise kujul?

Eesti haridus on muudetud siiamikaksikuks, kus ühe (vene) tite peksmine ja suretamine viib kahtlemata ka selle teise (eesti) lahutamata osa hävitamisele. See lühinägelik, kurjust ja lõpmatut kättemaksu täis poliitika hävitab eelkõige eesti riiklust ja eesti keelt. Rahvusvähemusest laste mõnitamine, nende piinamine on üks ülimatest kuritegudest.

Nii madalale ei langenud isegi igast otsast nüüd kirutav nõukogude võimud: sõltumata rahvusest ja emakeelest, tol ajal kõigile lastele oli jäetud võimalus õppida emakeeles, arendati kõrgharidust, teadust, soodustati rahvakultuuri.

Samamoodi kui eesti rahvale on elutähtis eesti keele ja kultuuri säilitamine ning edasine areng, nii ka meile on elutähtis meie laste saatus ja meie identiteedi oma järeltulijaile edasiandmine. Meil ja teil, mõlemal osapoolel võtmesõnaks on ja jääb emakeelne haridus. Emakeel ja emakeelne haridus on need viimased põhiväärtused, mida peab teineteisele alles jätma, sest pärast nende mahamurdmist tulevikku jääb ainult pimedus ja kaos.

Oleme suures mures vene kooli saatuse pärast. Kutsume üles Riigikogu saadikuid, Valitsuse liikmeid, kogu eesti rahvast – igaüht oma isiklikule südametunnistusele: mõelge ja lõpetage see ebaõiglane laste kohtlemine! Ei või olla laps süüdi selles, et on sündinud siin ning mitte-eestlasena. Jõuluaeg on rahuaeg, las ta paneb teid ka selle üle mõtisklema.

Samas oleme tänulikud kõigile nendele eestlastele, kes vaatamata kogu propagandale on mõistusele jäänud ja vene kooli kaitseks oma allkirjad andnud. See annab loota, et nii Eestimaal ja kõigil eestimaalastel, kui ka haridusel Eestis on veel inimväärset tulevikku!

Lugupidamisega
MTÜ Vene Kool Eestis
e-post: russovet24@gmail.com
web: www.venekool.eu

Freitag, Dezember 23, 2011

Das war 2011

Das Jahr 2011 geht zu Ende. Ich kann mich nicht an ein Jahr erinnern an dem weltweit mehr Ereignisse passiert sind, als in diesem, es waren Katastrophen wie in Japan und Thailand, britische königliche Hochzeit, Revolutionen, Regierungsumstürze, schrecklicher Amoklauf in Norvegen, Todesfälle von mehreren berühmten Personen, Eurokrise und noch vieles mehr. Die Zukunft ist ein Stück unvorhersehbarer geworden, viele der Ereignisse sind noch nicht ausgestanden und es gibt noch Tendenzen, die zeigen, dass das nächste Jahr kein Deut ruhiger wird.

Doch zurück zum Thema diesen Blogs. Das wichtigste Ereignis in Estland waren zweifellos die Wahlen des Parlaments. Nach vielen unpopulären Entscheidungen der letzten Regierung war es bis zuletzt unklar, ob die Opposition davon profitieren kann oder nicht. Doch recht pünktlich zur Wahl warnte der estnische Verfassungsschutz KAPO davor, dass die führende Oppositionspartei der Zentristen Parteispenden aus Russland erhalten haben könnte, erwartungsgemäß stürzte die Partei in Umfragen ab. Gewonnen haben die Regierungsparteien und alles blieb bei altem, von ein paar Ministerwechseln mal abgesehen. Ein Putschversuch bei den Zentristen verlief sich auch, Savisaar blieb an der Macht, die Opponenten kuschten sich. Die Spenden aus Russland wurden nach den Wahlen von niemandem mehr erwähnt.

Eine gesonderte Diskussion wert waren die E-Wahlen, mehrere unabhängige Experten aus USA und Norwegen bescheinigten dem estnischen E-Wahlen systembedingte Schwächen, die leicht ausgenutzt werden können. Zudem haben einige Hacker-Skandale in Estland gezeigt, dass Potential durchaus vorhanden wäre. Wie die aktuelle Entscheidung zu E-Wahlen in Österreich zeigt, um vertrauenswürdig zu sein, müssen die E-Wahlen mit sehr hohem Aufwand durchgeführt werden.

Weitere Themen waren die Einführung des Euros, das Aufleben der Wirtschaft und die demographische Situation, bzw. die Frage gehen oder bleiben. Die Einführung des Euros machte den Vergleich zwischen den skandinavischen Nachbarn und Estland sehr transparent, in tabellarischen Form kann man sofort sehen, wie schwach der soziale Sektor in Estland ist, wie niedrig sind die Gehälter und wie ähnlich teuer die Waren. Das öffnete wohl recht vielen die Augen, die Auswanderungstendenzen und auch der Umzug innerhalb Estlands verstärkten sich. Die Wirtschaft wuchs sehr ordentlich um mehr als 8%, die Staatsfinanzen blieben in Ordnung, was viele Kommentatoren der westlichen Wirtschaftszeitungen und auch die Rating-Agenturen mit wohlwollen kommentierten, die Esten verglichen ihre Sozialleistungen mit denen von Griechen und fragten sich, wer hier wem helfen muss.

Ein Riesenthema für die russische Gemeinde Estlands waren die russischen Gymnasien. Seit dem Anfang des neuen Schuljahres müssen alle Gymnasien Estlands mind. 60% der Kurse auf Estnisch anbieten, 40% können auf Russisch sein, oder einer anderen Sprache. Die Tatsache, dass es keine Lehrer gibt, keine speziellen Schulbücher und auch die Schüler unzureichend vorbereitet sind, interessierte niemanden. Am 22. Dezember wurde ein Gesuch von 15 russisch-sprachigen Schulen abgelehnt, die Reform an ihren Schulen zumindest zu verschieben. Laut Yana Toom, einer der lautesten Gegnern der Reform passiert in vielen Schulen folgendes: Lehrer liest vom Papier auf estnisch vor, weil er nicht frei auf estnisch sprechen kann, die Schüler verstehen nur die Hälfte, die Lehrer, die frei sprechen können, müssen ihr Lehrstoff stark vereinfachen, damit die Schüler Physik, Chemie, Biologie und anderen wissenschaftlichen Fächern mit komplizierten Terminologie überhaupt folgen können. Welche Folgen das für die Abschlüsse haben wird, kann man sich leicht vorstellen. Demnächst werden sich wohl Gerichte mit dem Thema auseinandersetzen müssen, doch für die Schulen wird es zu spät sein. Die einzige Alternative sind wohl Privatschulen, doch während Deutschland das deutsche Gymnasium in Estland unterstützt und diese nicht auf die 60/40 Regelung umgestellt wurde, ist Russland wiedermal unfähig ihren Staatsbürgern hier zu helfen. Die Städte Tallinn und Narva versprechen zwar, dass sie die Finanzierung von Privatschulen erwägen, doch eine oder zwei Schulen pro Stadt werden kaum genug sein, um den Bedarf zu decken, ausserdem braucht nur die Stadtregierung zu wechseln, dann wird die Finanzierung schnellstens gestrichen.

Wenn man schon die russländischen Staatsbürger erwähnt, in diesem Jahr war deren Zahl zum ersten Mal höher, als denjenigen ohne die Staatsbürgerschaft. Dabei ist es so einfach die estnische Staatsbürgerschaft zu bekommen, ganz ohne Sprachkenntnisse, man muss nur vor Gericht beweisen können, dass man einen Vater hat, dessen Vorfahren vor 1940 in Estland gelebt haben. Man muss 16.000 EUR an eine tschechische Anwaltskanzlei zahlen und 6-8 Monate später hat man einen neuen Vater und eine neue Staatsbürgerschaft. Ist doch viel sicherer, als wenn man bei den IRL-Mitgliedern eine winzige Wohnung anmietet, die man mit 60 anderen Oligarchen teilen muss und deswegen in die Schengen-Zone einreisen darf. Andererseits hält in diesem Fall die KAPO still.

Bei den russländischen Duma-Wahlen erwiesen sie sich die russländischen Staatsbürger als treue Unterstützer der regierenden Partei, über 70% gaben ihre Stimme für Edinaja Rossija ab. Entsprechend gering war die Proteststimmung gegen die Wahlfälschungen in Russland, nur 5 Leute protestierten vor der russischen Botschaft. Potential der protestierenden wäre erheblich größer, doch gibt es keine öffentliche dritte Kraft in der russisch-sprachigen Bevölkerung, die sowohl gegen das regierende System in Russland, als auch gegen das regierende System in Estland wäre. Sobald man sich gegen das eine System äußert, ist man automatisch Unterstützer des anderen. Es gibt durchaus Leute, die gegen beides sind, doch ist diese Meinung noch nicht stark genug, um sich Gehör zu verschaffen.

Die vorher unbekannte schweizer Zeitung "Der Bund" dürfte sich über unerwartete Zugriffszahlen aus Estland freuen, denn der estnische Präsident Ilves dachte entweder, dass in Estland niemand deutsch versteht, oder keiner Internet bedienen kann, denn in einem Interview erlaubte er sich so viele Lügen, dass selbst die recht zurückhaltende Kammer der nationalen Minderheiten inzwischen mit Gericht droht, falls der Präsident sich nicht entschuldigt. Offenbar darf der estnische Präsident einiges, zum Beispiel seine Einkommensverhältnisse bei der Parlamentskommission jahrelang falsch angeben, ohne dass es jemanden interessiert.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich noch Klaus Dornemann, der leider viel zu früh von uns gegangen ist. Ich werde versuchen seine Sache fortzusetzen, auch wenn es nicht einfach ist.

Zum Schluss möchte ich allen meinen Lesern und insbesondere den Kommentatoren danken. Ihr liefert mir Ideen, Zuspruch und bringt mir Interesse entgegen, die mich ermutigen weiterzumachen. Danke Euch dafür, hoffe, dass Eure Weihnachtsbäume nicht umfliegen, wie die Tanne am Rathausplatz in Tallinn, und warten wir gespannt was uns 2012 bringen wird.

Montag, Dezember 19, 2011

Spendenaktion für Tallinner Kinderheim

Nachdem alle meine Leser so bescheiden waren und keiner eine Belohnung für die Beiträge zum Ilves-Interview haben wollte, sagte mir einer meiner treusten Leser Knut, dass ich lieber die Plätzchen an ein Kinderheim in Estland schicken soll. Die Idee ist gut, aber vielleicht ist Geld doch besser.

Deswegen starte ich eine Weihnachtsspendenaktion für das Kinderheim in Tallinn. Das Projekt an das das Geld gehen wird heisst Ready for Life und ist dafür gedacht den Kindern, die das Heim verlassen, ein würdiges Leben zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang sehr lesenswert ist der Blog von skippy, der sein Freiwilliges Soziales Jahr als Mitarbeiter des Kinderheimes absolvierte und über viele interessante, aber auch erschütternde Momente schrieb.

Die wenigsten Leser/-innen aus Deutschland werden ein estnisches Konto haben, ich kann nicht sagen, wie hoch die Überweisungsgebühren sein werden. Deswegen mache ich den Vorschlag, dass jede/r, der/die spenden möchte mir eine Email an kloty@me.com schickt, ich schicke ihr/ihm meine deutsche Kontonummer und überweise entsprechend viel Geld von meinem estnischen Konto an das Kinderheim, natürlich mit Beleg. Es gibt keine Spendenquittung, das ganze ich nicht von der Steuer absetzbar.

Ich mache hiermit den Anfang:



Jede/r, der/die gespendet hat, bekommt von mir ein grosses: "Hip Hip Hurray" in den Kommentaren und ein grosses "Danke Schön".

Estland vs. Finnland vs. Schweden vs. Irland

Eine Leserin des Blogs hat mich auf folgendes Bild aufmerksam gemacht:



Soome = Finnland
Rootsi = Schweden
Iirimaa = Irland
Eesti = Estland
Miinimumpalk = Mindestlohn
Keskmine palk = Durchschnittslohn
Pension = Rente
Töötutoetus = Arbeitslosenhilfe
Toimetulekutoetus = Sozialhilfe
Lapsetoetus = Kindergeld

Zu den Kritikern, die sagen, dass diese Zahlen die Folge der Sowjetzeit sind, hier sind noch andere Zahlen, die Professor der Estnisch-Amerikanischen Business-College Vladimir Nemchinov im Interview zu der Zeitung Stolitsa zum besten gab:

Frage: Die Regierung behauptet, dass sie besser zu der zweiten Welle der Krise vorbereitet ist. Wie ist es begründet?

Antwort: Zu der ersten Phase der Krise war sie überhaupt nicht vorbereitet. Jetzt ist es einfacher in dem Sinne, weil wir geringe Staatsverschuldung haben, nur 6,7%. Estland ist sehr stolz darauf und ruft alle auf, Beispiel daran zu nehmen. Doch die Verschuldung ist so niedrig weil unsere rechtsgerichtete Führer sich nicht mit Ausgaben in der Sozialsphäre belasten. Bei uns ist deren Teil im Haushalt ungefähr 12%, in der EU ist der Durchschnitt 27%, in Schweden 33%. Ich bezweifle das der Bauer recht hat, wenn er sagt, dass er Geld sparen kann und gibt sie nicht aus, um Setzlinge zu kaufen. Für jeden Staat sind die Ausgaben für die Bildung, Gesundheit, Wissenschaft und Kultur, das sind diese Setzlinge aus denen die Zukunft des Landes wächst. In diesem Sinne kann Estland kaum mit seinen Zahlen aufgrund solches Wirtschaftens glänzen, auch hat die Bevölkerung sehr grosse Schulden bei den Banken.

Donnerstag, Dezember 15, 2011

Avalik kiri Eesti Vabariigi presidendile hr. Toomas-Hendrik Ilvesele

Nachdem keine estnische Zeitung die Stellungnahme der Kammer der nationalen Minderheiten zum Ilves Interview abdrucken wollten, hier die estnische Version:

Hr. Eesti Vabariigi president

Lähtudes Teie intervjuust Šveitsi ajalehele Der Bund (http://www.derbund.ch/ausland/europa/Es-ist-nicht-nachhaltig-wenn--mit-Betrgen-fortgefahren-wird/story/25059592) on Eestimaa Vähemusrahvuste Esindajate Koda hämmingus Teie poolt välja käidud solvangute ja lugupidamatu suhtumise pärast Eesti kodanike aadressil, kes erinevad Teist etnilise ja keelelise päritolu poolest. Tahaks Teile meelde tuletada, et nõukogude perioodil 80% Eesti riigi juhtorganitest moodustasid etnilised eestlased ning Narva kanguri privileegid ei erinenud millegi poolest Mulgimaa kolhoosniku privileegidest. Teie kriteeriumide järgi võib ka eesti keelt nimetada „okupatsioonivõimude keeleks“ ning eesti rahvast „härrasrahvaks“. Sellel, mis juhtus Eesti Vabariigiga 1940ndal aastal, pole midagi ühist sellega, mida nimetab okupatsiooniks rahvusvaheline õigus. Kui olme tasemel mõistete „okupatsioon“ ja „inkorporatsioon“ segi ajamine on kuidagi moodi mõistetav, siis riigipea poolt on terminite ebakorrektne kasutamine lubamatu.

Te olete üles kasvanud Ameerika Ühendriikides, kus nimelt okupantide keel on tänaseks kujunenud de faсto riigikeeleks. Praegune USA territoorium oli – ja seda pole keegi eitanud – relva abil hõivatud inglise kolonistide poolt, kes halastamatult hävitasid kohaliku põliselanikkonna. Kas saab siis süü selle eest panna inglise keelele? Teisalt on olemas ka Soome näide. Vaatamata sellele, et Soome oli pikka aega rootsi võimu all ning rootslastest elanikkond käesoleval ajal moodustab vähem kui 6% kogu rahvastiku üldarvust, on rootsi keel teiseks riigikeeleks.

Mistahes püüdlused õigustada vähemusrahvuste ebavõrdset kohtlemist, viidates okupeeritud minevikule, on äärmiselt kohatud. Tsiviliseeritud maades peetakse taolist tegu rassismi ja ksenofoobia ilminguteks.

Hr. president, Teie olete riigipea ning Eesti Vabariigi põhiseaduse järgimise garant, mille kohaselt on keelatud igasugune ahistamine usuliste, etniliste, keeleliste jne. tunnuste alusel.

Me mõistame, et Teie ei elanud Eestimaal ajal, mil paljud eesti keelt mittekõnelevad vähemusrahvuste esindajad võitlesid koos eestlastega Eesti riigi iseseisvuse taastamisel. Olgu öeldud, et Teie eelkäija, president Arnold Rüütel hindas kõrgelt vähemusrahvuste rolli selles protsessis. Teie aga püüate mitte märgata vähemusrahvuste panust Eesti riigi taasiseseisvumise taastamisel. Lisaks kõigele peate vene keelt kui venelaste emakeelt ja Eestis elavate vähemusrahvuste de facto suhtluskeelt „okupatsioonivõimude keelte“ hulka kuuluvaks.

Esindades vähemuste huve leiab vähemusrahvuste koda, et võimude keeled ja rahvuskeeled ei pruugi ajaloos alati kokku langeda. Eestis elavad vähemusrahvused ei pea kandma vastutust nn. „okupatsiooniaastatel“ toime pandud tegude eest. Keeli nimetatakse rahvuskeelteks seetõttu, et nad on ühe või teise rahvuse identiteedi ja vaimsuse väljendusvahendiks. Solvates keelt, Te ühteaegu solvasite kõiki keelekandjaid. Vene keel ei ole süüdi bolševike liidrite poolt toime pandud repressiivsetes tegudes täpselt nii nagu saksa keelt ei saa süüdistada natsistlikes kuritegudes. Mistahes keele abil saab väljendada kõrget humanistlikku suhtumist teiste suhtes või vastupidiselt külvata etnostevahelist vaenu. Kõik sõltub nendest, kes seisavad riigi eesotsas ja juhivad riiki – nende poliitilisest kultuurist ning moraalsetest väärtustest.

Oleme arvamusel, et Teie, hr president peate lahti seletama Eesti rahvale oma seisukoha ning vabandama selle osa elanikkonna ees, keda solvavalt nimetasite „härrasrahvaks“ ning nende emakeelt „okupatsioonivõimude keeleks“. Edasine suhtumine Teisse kui riigipeasse hakkab sõltuma Teie tegudest.

Eestimaa Vähemusrahvuste Esindajate Koda juhatus

Dienstag, Dezember 13, 2011

Filmhinweis: Wadim

Ein Dokumentarfilm über einen 23-jährigen Russen aus Lettland, der mit seinen Eltern nach Deutschland kam und immer wieder nach Lettland abgeschoben wurde. Am Ende wählte er den Freitod. Heute bei NDR um 0:00.

Mehr über den Film auf Spiegel-Online.

Montag, Dezember 12, 2011

Weihnachtswettbewerb

Wer in diesem Text eine Lüge findet und es belegen kann, schreibt mir bitte in Kommentare. Jede neue Lüge wird mit Münchener Wehnachtsgebäck belohnt, die Adresse kann mir per Email mitgeteilt werden. Ich schicke auch nach Estland.

Viel Spass beim Suchen und Gewinnen

Euer Weihnachtsmann kloty

Samstag, Dezember 03, 2011

Estland vs. Finnland

Gefunden in den unendlichen Weiten des Internets



Maksusüsteem = Steuersystem
Astmeline = ansteigend, progressiv
Ühtlane = flach
Keskmine palk = durchschnittlicher Gehalt
Töötutoetus = Sozialhilfe
Miinimumpalk = Mindestlohn
Keskmine pension = durchschnittliche Rente
Kartul = Kartoffeln
Nisujahu = Weizenmehl
Juust = Käse
Piim = Milch
Suhkur = Zucker
Kohv = Kaffee

Ich denke die Zahlen sprechen für sich.

Donnerstag, Dezember 01, 2011

Farewell to Estonia

gefunden auf tumblr

The following project I have prepared in connection with permanent discussions about so called “brain outflow” from Estonia (mass emigration of young people and qualified specialists), low wages and pensions and high unemployment. Estonia is in EU and when experts alert that the situation is catastrophic, politics state that situation is getting better. These images were made purposely to illustrate the things we (inhabitants of Estonia) talk about every day, put an end to empty conversations and provide the facts visibly/graphically. In the hope of spectator’s healthy irony considerably revised logo of the company Welcome to Estonia was used in this work/project, on the design and development of which the country has spent over 13 million Estonian krones. It is worth noting, that directly wife of Toomas Hendrik Ilves (Estonian president), who at that time had surname Int-Lambot, was responsible for creation of Estonian national slogan for external utilization.













Sonntag, November 27, 2011

Der Durchschnittsmensch bekommt kein Durchschnittsgehalt

Ein Artikel aus dzd.ee

Laut den Daten des Statistischen Amtes beträgt der Durchschnittsgehalt 809 EUR, doch der Mediangehalt, also ein Gehaltsgrenze, bei dem eine Hälfte der Empfänger mehr und die andere Hälfte weniger bekommt, liegt laut den Daten des Finanzamtes bei 551 EUR (netto ca. 450 EUR).

Laut der Leiterin des Institutes für Konjunkturforschung Marje Josing sollte eben das Mediangehalt als Messgröße angeschaut werden, den die meisten Leuten auf ihrer eigenen Haut spüren.

Im dritten Quartal 2010 war das Mediangehalt 516 EUR. Im Vergleich zum Jahr 2008 ist diese Messgröße gefallen, dafür sind die Preise sehr gestiegen" - sagte Josing und merkte an, dass genau deswegen denkt die Mehrheit der Leute, dass sie von Gehaltssteigerungen unberührt geblieben sind.

Laut einer Umfrage, die in November durchgeführt wurde, können 48% der Befragten kaum für ihr Lebensunterhalt sorgen, 2,3% können es, 9,3% leben von alten Ersparnissen.

Der Statistische Amt berechnet das Durchschnittsgehalt, dabei werden Urlaubsgelder, unregelmäßige Prämien und Zuzahlungen berücksichtigt. Ausserdem werden die Gehälter der Leute mit einem Teilzeitjob als Vollzeitjob gerechnet. Das bedeutet, dass wenn ein Fremdsprachenlehrer an einer Privatschule 15 Stundenwochen arbeitet und 20 EUR/Stunde bekommt, ist sein Durchschnittsgehalt aus der Sicht des Statistischen Amtes nicht 300, sondern 800 EUR - als ob der Lehrer Vollzeit beschäftigt wäre.

"Doch viele haben so was nicht auch bei Vollzeitjob. Stattdessen wurde ein verkürzter Arbeitstag eingeführt oder an irgendeinem Tag der Woche arbeiten die Leute nicht.

Samstag, November 26, 2011

Zitat des Tages

Ich rasierte mir heute morgen den Bart, schaute in den Spiegel und dachte: Die Bank Estlands kam zu dieser Meinung, der IWF kam zu dieser Meinung, dass es keinesfalls unvernünftig wäre, die Arbeitslosenversicherungsbeiträge zum 1 Januar 2012 zu senken. Erst 2013 kann man darüber reden.

(c) Andrus Ansip

Montag, November 14, 2011

Die dunkle Seite von E-stonia

Diese Woche ging eine Meldung durch sämtliche Newsticker, dass FBI und estnischen Behörden ein Schlag gegen die Betreiber des größten Botnetzwerks in der Geschichte gelungen ist. Die Rede ist von mind. 4 Mio. infizierten Rechnern, auf denen Schadsoftware DNSChanger installiert wurde. Der Schaden wurde auf 21 Mio US-Dollar beziffert. Sieben Personen in Estland wurden festgenommen.

Es würde zu weit führen die genaue Funktionsweise des Betrugs zu erklären, die Interessierte können bei heise.de weiter lesen (allerdings muss ich gestehen, die Idee ist moralisch verwerflich, aber das dahinter stehende Konzept ist genial). Interessant ist allerdings, dass die Beschuldigten keine Unbekannte sind. Schon 2008 erschienen zwei Artikel (1, 2) über die Firma EstDomains, denen die Internet-Verwaltung ICAAN die Erlaubnis zur Registrierung von Internet-Domains entzogen hat, denn der Registrar, der zeitweise am Platz 52 bei der Anzahl der bei ihm registrierten Domains (über 280 000) lag, hatte zehntausende von Domains registriert über die Spam, Viren und andere bösartige Software verbreitet wurden (Auswahl der Namen: pharm-100, viagra-42, casino-62, pill-82, soft (software)-164, rx-57, drug-68, meds-66, jewelry-46, porn-301, teen-120). Der Besitzer von EstDomains war Vladimir Tšaštšin, der jetzt zu den Verhafteten gehört. Herr Tšaštšin ist Besitzer von Rove Digital OÜ, einer IT-Firma in Tartu, die von der estnischen Business-Zeitung Äripäev 2006 zu den größten und erfolgreichsten IT-Firmen gezählt wurde. Herr Tšaštšin und seine Komplizen waren also keine Kellerhacker, sondern respektierte Mitglieder der IT-Gemeinschaft in Estland.

2008 wurde ein anderes Cyberverbrechen aus Estland gesteuert, das zu den 10 größten ihrer Art weltweit gehört (Artikel in rus.err.ee). Sergej Tschurikov aus Tallinn zusammen mit virtuellen Komplizen Viktor aus St.Petersburg und Oleg aus Moldau entdecken eine Schwachstelle bei amerikanischen Bankkarten RBS WorldPay und überweisen Millionen von Dollar auf leere Konten. Das Problem ist allerdings, wie man das Geld sich auszahlen lassen kann, deswegen werden viele Helfer akquiriert, die von verschiedenen Geldautomaten Geld abheben sollen. Die Operation fing am 8. November 2008 an, es wurden bis zu 1 Mio. Dollar / Stunde an verschiedenen Geldautomaten abgehoben. Nach acht Stunden wurden aus 2136 Geldautomaten in 280 Städten in 30 Ländern 14544 Mal Geld entnommen. Der Jackpot waren 9,7 Mio. Dollar. Das Verbrechen flog dank der Aufmerksamkeit der Mitarbeiter der SEB-Bank in Estland auf, denen ungewöhnliche Abhebungen in Tallinn aufgefallen sind. Nach einem halben Jahr intensiven Zusammenarbeit mit FBI beginnt eine Verhaftungswelle, Tschurikov hortet bei sich in der Wohnung hinter der Waschmaschine 223 000 EUR. Er wurde zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt, dann nach USA übergeben, wo ihm bis zu 100 Jahre Gefängnis drohen.

Selbst Skype, das Posterkind der estnischen IT-Industrie fing als Kazaa an, ein P2P-Netzwerk, der nach dem Zusammenbruch von Napster hauptsächlich dafür benutzt worden war, illegales Filesharing zu betreiben. Erst als man die Firma erfolgreich von der Content-Industrie verklagt wurde, überlegte man sich, dass dieselben Algorithmen, die für Sharen von Dateien, auch für Sharen von Sprachpaketen genutzt werden konnten, Skype war geboren.

All diese Fälle zeigen, dass E-stonia nicht nur positive Seiten hat. Diese Geschichten erschüttern auch zwei Thesen, die von der estnischen Politik immer wieder verbreitet werden:

1. E-Wahlen sind sicher. Wie man sieht, sitzen in Estland einige der fähigsten Hacker der Welt, die auch keine Skrupel zeigen würden, auf Bestellung oder aus eigenem Antrieb eine E-Wahl zu fälschen. Die Möglichkeiten sind da, die evtl. Beweise wurden von der Wahlkommission sehr bald nach den Wahlen trotz Proteste gelöscht.

2. Russland hat in Estland den ersten Cyberkrieg angefangen. Im April 2007 beschuldigte Estland Russland mit grossangelegtem Cyberangriff die estnische IT-Infrastruktur angegriffen zu haben. Die Beschuldigung wurde praktisch sofort nach den Angriffen ausgesprochen. Wie man sieht, dauerte es volle vier Jahre intensiven Zusammenarbeit mit FBI und anderen Behörden, um Internet-Betrüger um Tšaštšin zu überführen, wie man in wenigen Tagen einen Schuldigen für DDOS-Angriffe finden kann, wissen nur Laar und Ansip. Es ist sehr wohl denkbar, dass estnische Hacker die Angriffe organisiert haben, die Fähigkeiten dazu haben sie und als russisch-stämmige konnten sie durchaus dies als den Kampf gegen die Versetzung des Bronzenen Soldaten angesehen haben.

Doch Russland war ein bequemer Schuldiger, immerhin bekamen die Esten den Cyberschutz-Zentrum der NATO und werden wohl bald die größte und sensibelste europäische Datenbank für die Einreisekontrollen der Schenger-Staaten bei sich haben. Und das obwohl vom estnischen Boden aus der weltweit größte Botnetzwerk, der weltweit größte Registrar von betrügerischen Domains, eine der gutorganisiertesten Attacken auf amerikanischen Bankkarten und eine der weltweit beliebtesten illegalen P2P-Services betrieben wurden. Ein bisschen viel für so ein kleines Land, glauben Sie nicht auch?

Die Verfassung spricht für uns!

Am 5. November fand in Tallinn eine Aktion "Die Verfassung spricht für uns" von der Organisation "Russische Schule Estlands" RSE statt. Im Verlauf dieser Aktion wurde eine Unterschriftensammlung zum Schutz der von Verfassung garantierten Rechte zur freien Wahl der Unterrichtssprache gestartet.

Im Laufe der Aktion wurden in 40 Minuten 478 Unterschriften gesammelt.

RSE bittet alle, denen das Schicksal der Ausbildung in russischen Sprache in Estland und der Schutz der Verfassungsrechte nicht gleichgültig ist, an der Unterschriftenaktion teilzunehmen.

Wie ich mich bei Andrej Lobov, dem Sprecher der RSE erkundigt habe, können auch Bürger anderer Länder ihre Unterschrift abgeben. Leider gibt es keine Möglichkeit in Deutschland die Stimme elektronisch abzugeben, deswegen muss auch für eine Unterschrift folgendes Formular runtergeladen und ausgedruckt werden http://www.venekool.eu/docs/podpisnoj_list_111109.pdf. Das Formular muss dann an die Adresse: MTÜ Vene Kool Eestis, Lodumetsa tee 7, 11912 Tallinn, Eesti geschickt werden. Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus, damit es auch akzeptiert wird.

Die Organisation RSE dankt allen Teilnehmern der Aktion.

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Nachfolgend die Übersetzung der Unterschriftenliste:

Wir, die Unterschreiber der Unterschriftenliste halten es für unzulässig, die Unterrichtssprache in russischen Gymnasien zu ändern. Wir schätzen die estnische Sprache und erkennen die Notwendigkeit ihrer Beherrschung an, doch nicht auf Kosten des Gesamtlevels der Ausbildung. Die Verfassung und das Gesetz gibt den Schulen die Möglichkeit die Unterrichtssprache zu wählen. Wir fordern die Anerkennung unserer vom Gesetz gegebenen Rechte und Achtung der Verfassung der Estnischen Republik!

Artikel 12: "Vor dem Gesetz sind alle gleich. Niemand darf wegen seiner Nationalität, Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe, Geschlechts, Sprache, Herkunft, Glaubens, politischer und anderer Überzeugungen, als auch wegen Besitzes und sozialen Status oder aufgrund anderer Kriterien diskriminiert werden"

Artikel 37: "Die Sprache der Ausbildung in Bildungseinrichtungen für nationale Minderheit darf die Bildungseinrichtung auswählen"

Artikel 49: "Jeder hat das Recht seine nationale Zugehörigkeit zu bewahren"

Name Adresse Kontaktdaten (Telefon, Email) Unterschrift

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Der Abgeordnete des estnischen Parlaments Mikhail Stalnuhhin schreibt in seinem persönlichen Blog unter der Überschrift "Es gibt keine Wahl":

(…) In Narva muss die Stadt in kürzester Zeit ein russisches privates Gymnasium einrichten. (…) Vor 10 Jahren wurde ein Kompromiss erreicht, der daraus bestand, dass eine unbedingte Voraussetzung von Überführung der russischen Gymnasien auf estnische Unterrichtssprache die Verfügbarkeit von Lehrbüchern ist, die für Gymnasialschüler bestimmt sind, für die Estnisch nicht ihre Muttersprache ist. Es gibt keine solche Lehrbücher. Der Übergang sollte stattfinden sobald die Lehrer der russischen Gymnasien imstande sind in Staatssprache zu unterrichten, das ist nicht der Fall. Und das Wichtigste ist, die Gymnasiasten sollten bereit sein auf Estnisch zu lernen, sollten sie eine Sprachkenntnis C1 oder C2 haben. Doch in diesem Jahr haben die Absolventen der Grundschulen Narvas (461 Schüler) Prüfungen in Staatsspache abgelegt, im Mittel haben sie 49,01 Punkte aus 100 erreicht. Diese Prüfung entspricht B1! Mit solchen Kenntnissen der Sprache ein wichtiges Fach zu lernen, heisst praktisch komplett ohne Wissen zu bleiben.

Das Bildungsministerium nimmt den Kindern die Möglichkeit qualitativ hochwertige Bildung zu bekommen, wenn es vorschlägt die Staatssprache während Geschichts- und Physikstunden zu lernen, denn so wird die Möglichkeit verringert die Kenntnisse in diesen Fächern oder beliebigen anderen Fächern zu bekommen.

Die Stadträte von Narva haben schon vor einem halben Jahr dieses Thema mit Bildungsminister und Vizekanzler der Ministeriums besprochen, doch alle Vorschläge, die Qualität des Estnisch-Unterrichts während der estnischen Sprachstunden zu erhöhen fand bei ihnen kein Verständnis und keine Unterstützung.

Deswegen ist die Situation so, dass Narva keine Wahl hat. Wir müssen unsere Kinder beschützen. Wir verstehen ausgezeichnet, dass im Fall der Verankerung der estnischen Unterrichtssprache in allen Gymnasien, ein bedeutender Teil der Kinder, der unter anderen Umständen mittlere Reife bekommen könnte, dies nicht schaffen wird. Und viele, die auf Estnisch bis zum Abschluss fertiggelernt haben, können bei der Aufnahmeprüfungen an die Uni nicht mit denen konkurrieren, die dieselben Kenntnisse in ihrer estnischen Muttersprache bekommen haben.

Deswegen haben wir keine andere Wahl, als schnellstens die Vorbereitungen zur Gründung eines Gymnasiums mit russischen Unterrichtssprache zu betreiben. Spätestens zum 1. September 2013 muss sie anfangen zu arbeiten. Das Bildungsministerium lässt uns keine andere Möglichkeit zu.